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Kurt Hofmann im Interview mit auto touring.

© Franziska Liehl

Kurt Hofmann im Interview mit auto touring.

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Mai 2019

"Wir haben massive Überkapazität"

Ein Flugticket kostet so viel wie ein Schnitzel. Und junge Passagiere suchen sich ihre Airline 
nach dem WLAN-Angebot an Bord aus. Luftfahrtexperte Kurt Hofmann im Gespräch.

Vor ein paar Tagen noch in der ZIB2 als Live-Gast, soeben am Flug­hafen Wien aus dem Zug gestiegen und bald wieder in der Luft: Kurt Hofmanns zweitausendachthundertachtzehnter Flug hebt gleich via Bangkok nach Taipeh ab. Bei 120 Flügen pro Jahr ist es nicht einfach, den Luftfahrt­experten persönlich am Boden anzutreffen. 

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Wer den längsten Atem hat, wird überleben

— Mein billigster Hin- und Rückflug hat 50 Euro inklusive Taxen gekostet. Wie kann eine Airline dabei noch etwas verdienen?

kurt hofmann:Das sind Kampfpreise, da verdient keiner was. Das beste Beispiel ist hier Laudamotion, die viel Geld investiert, damit sie schnell an Größe gewinnt. Eine Airline müsste an einer Strecke wie Wien–Berlin 100 bis 120 Euro einnehmen (ohne Taxen). Aktuell gibt es ab Wien tolle Angebote –  auch von der Austrian Airlines, da sie stark unter Druck steht und den Billiganbietern Paroli bieten muss. Ab der zweiten Jahres­hälfte wird es aber wieder anders aussehen, denn einige der Billigfluglinien werden ihre Dienste reduzieren. Wir haben eine massive Überkapazität auf manchen Strecken ab Wien. Das ist gut für den Passagier, aber schlecht für die Fluggesellschaften auf Dauer, da sie natürlich Geld drauflegen müssen.  

— Auf welchen Strecken gibt es ein Überangebot ab Wien?

kurt hofmann:Palma, Rom, Paris – viele klassische Strecken. Nachhaltig Gas geben wird Laudamotion – mal sehen, wie lange der Eigentümer und Ryanair-Boss Michael O'Leary Spaß daran haben wird. Ich denke, auch Wizz Air wird ihren Kampf beinhart durchziehen.

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— Welche Buchungskriterien gibt es für Konsumenten noch – abgesehen vom Preis und der Sicherheit?

kurt hofmann:Internet an Bord wird immer mehr zu einer Kaufentscheidung von jungen Leuten. Manche sagen: "Ich brauche keinen Gratis-Kaffee, dafür aber WLAN."

— Gibt es Fluglinien, mit denen Sie nicht fliegen würden?

kurt hofmann:Aktuell gibt es 24.000 Verkehrsflugzeuge weltweit. Ein paar würde ich davon schon meiden, etwa in Afrika oder in Südamerika. Es gibt Regionen, wie etwa in Teilen Russlands, da muss man einfach aufpassen. 

— Ganz abgesehen davon, ist Fliegen jetzt in den vergangenen 10 Jahren sicherer oder unsicherer geworden?

Kurt Hofmann:Generell ist das Fliegen sicherer geworden. Was zunimmt sind die "unruly" Passangers – damit meine ich aggressive Passagiere. Personen die im Flugzeug durchdrehen und Flüge beeinflussen. Manchmal müssen sie sogar von Bord gehen und es kommt zu außerplanmäßigen Landungen. Drogen spielen sicherlich eine große Rolle, aber auch Alkohol und es gibt mehr medizinische Notfälle an Bord, weil einfach immer mehr Menschen fliegen. Je größer ein Flugzeug (wie der A380), umso mehr Gefahrenpotential an Passagieren ist mit an Bord – es kann immer eine Person ein ernsthaftes gesundheitliches Problem haben. 

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Flugverspätungen sind lästig, aber was mich wirklich aufregt, sind Streiks – vor allem, wenn sie nicht gerechtfertigt sind.

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In der Luft wird es eng

— Wird der Flugsommer wieder so chaotisch wie im letzten Jahr?

kurt hofmann:Der Sommer wird aller Voraussicht nach genauso schlimm wie letztes Jahr, denn die Streik-Situation wird sich nicht sehr verändern. Die Fluglotsen in Frankreich haben bereits ihre Streik-Saison eröffnet. Das betrifft zum Beispiel sehr stark den Verkehr nach Spanien. Denn wenn wie letztes Jahr in Marseille wieder jeden Samstag gestreikt wird, sind bei der Vueling 500 Flüge davon betroffen. Sie haben Verspätung oder müssen umgeleitet werden.

Aber auch die Lufthansa-Gruppe hält 37 Reserve-Flugzeuge für diesen Sommer bereit. Das kostet viel Geld. Die Lufthansa hat letztes Jahr allein 250 Millionen Euro an Kompensationen für Passagiere zahlen müssen – aufgrund von Flug-Streichungen und -Verspätungen. Vueling hatte letzten Sommer am Flughafen in Barcelona acht Stand-by-Flugzeuge (inklusive Crew) stehen, die nur Verspätungen abgefedert haben. Die Austrian Airlines hat für diesen Sommer nur zwei Reserve-Flugzeuge zur Verfügung. Ich weiß nicht, ob das ausreicht. Generell ist auf sehr vielen Flughäfen die Infrastruktur am Limit. Und in der Luft selber ist es auch eng. 

— Der Umweltschutz ist ein wichtiges Thema. Für den Kohlendioxid-Ausstoß, den Passagiere beim Fliegen zusätzlich verursachen, können sie sich Kompensationen kaufen und sich damit von der "Umweltsünde" reinwaschen. Warum macht das kaum jemand?

kurt hofmann:Man kann auch mit angesammelten Meilen bezahlen. Aber ich denke, das ist zum Teil noch nicht im Bewusstsein der Menschen angekommen, wird einfach noch nicht attraktiv genug angeboten. 

— Hat es Sinn, eine gesamteuropäische ­Kerosinsteuer einzuführen?

kurt hofmann:Das würde die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Airlines gegenüber allen anderen weiter vermindern.  Auch würde Europa im globalen Umsteigeverkehr unattraktiver werden.

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TAP Air Portugal hat in Toulouse ihren ersten Airbus A330neo in Empfang genommen. Kurt Hofmann war bei der Auslieferung im November 2018 dabei.

Ich bin jeden 3. Tag im Flugzeug

— Was war Ihr schönstes Flugerlebnis?

kurt hofmann:Bei mehr als 2.800 Flügen fallen mir ein paar ein. Ich bin mit einer Bombardier CS100 der Swiss im Tiefflug über St. Moritz zum Abfahrtslauf der Herren geflogen – teilweise ganz enge Kurven. Das war sehr außergewöhnlich. Oder auch der Flug mit Air Greenland über Teile Grönlands. Dann fällt mir noch der Concorde-Flug ein – mit Hugh Grant und Sting an Bord in nur dreieinhalb Stunden von London nach New York. Das war damals einer der letzten Linienflüge mit British Airways. Ich mache auch sehr viele Auslieferungsflüge – bin quasi beim ersten Flug mit an Bord, wie etwa mit dem A380 von Dubai nach New York oder mit der Boeing 787 von Tokio nach Hongkong.

— Was stört Sie am Fliegen?

kurt hofmann:Flugverspätungen sind natürlich lästig, aber was mich aufregt, sind Streiks. Vor allem wenn Piloten streiken, die gut verdienen, wie seinerzeit die Lufthansa-Piloten. 

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Kurt Hofmanns persönlicher Flug Nummer 2.818 hebt ab Wien via Bangkok nach Taipeh ab.

Luftfahrtexperte: Kurt Hofmann

Steckbrief

  • Geboren am 30. März 1965 in Schwanenstadt (Oberösterreich)  
  • Kaufmännische Ausbildung
  • Sechs Jahre im Reisebüro  
  • Seit 1995 freiberuflicher Luftfahrt-Journalist, Korrespondent für internationale Luftfahrtmagazine, Live-Gesprächspartner für z.B. Zeit im Bild und Im Zentrum (ORF)  
  • 120 Flüge pro Jahr (gesamt 2.817 Flüge im Logbuch notiert)  
  • Lieblingsflughäfen: Salzburg, Wien, Linz, Zürich, München, Singapur, Tokio-Haneda  
  • Hasst den Flughafen Paris-Charles de Gaulle
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