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November 2018

Sizetwo: "Banksy kann ich auch"

Der Grazer Graffiti-Künstler über Stress beim Malen, das Sprühen auf große Wände, seine Häfen-Auszeit und den mächtigen Adler in der Linzer ÖAMTC-Zentrale. 
 

Graffiti ist Arbeit. Graffiti ist Kunst. Graffiti ist Können, Kommerz und ganz sicher kontroversiell. Graffiti ist Stress, ist Streben, ist Leben – und, ja, manchmal auch mit Schäden an anderer Leute Eigentum verbunden. Graffiti ist wie Yin und Yang, wie Sachverstand und kreativer Zwang, Graffiti ist auffällige Vielfalt und sonderbare Solokunst, ist stummes Schattendasein und schreiendes Scheinwerferlicht – aber: alles echt. Weil: Graffiti ist Handarbeit, Dose für Dose und Wand für Wand, Hand drauf, Maske auf.

Graffiti ist zudem das Metier von Sizetwo, einem in Graz Verwurzelten, dessen erstes vollbemaltes Objekt das Baumhaus im elterlichen Garten war. Von dort führte ihn sein Weg über unzählige Wände an unzähligen Orten zu unglaublichem handwerklichen Geschick und – auch nicht unwichtig – einem finanziell abgesicherten Leben als Künstler (wer seinem bunten Schaffen folgen will, tut dies idealerweise hier, hier und hier). 

Dazwischen machte er in Berlin von sich reden (Anm.: keine leichte Übung, zumal, hey, Berlin, quasi europäische Graffiti-Hochburg) und hinterließ seine Spuren im Sommer 2018 auch in der ÖAMTC-Zentrale in Linz, die er zauberhaft verzierte.

Aber seht selbst, Film ab!

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Club und Kunst, ÖAMTC und Sizetwo

— Allererste Frage, was hat dich für deinen Auftrag in der Prüfhalle der Linzer ÖAMTC-Zentrale inspiriert?

Sizetwo:Die Vorgaben waren: wenig Gelb, comiclastig, nicht zu bunt, gerne realistisch, gerne mit Graffti-Elementen – also genau mein Ding, mein Stil. Der Adler war dann das erste Motiv, das bei mir im Kopf Gestalt annahm – den wollte ich, in dynamischer Form, unbedingt dabei haben. Auf der ÖAMTC-Website habe ich dann auch noch das Schwarzweiß-Foto des Gründers mit seinem Auto entdeckt, das war die perfekte Ergänzung.

SizeTwo_OOE_05_montage.jpg ÖAMTC/Grafik © ÖAMTC/Grafik
Gründer des ÖTC (Gustav Graf Pötting) und Künstler (Sizetwo) auf einem Bild.

Mein Künstlername ist auch Ausdruck meiner Selbstmotivation. Als Zweitgrößter hast du immer noch die Chance zu wachsen, das ist mir persönlich sehr wichtig. 

Sizetwo, Graffiti-Künstler

In eigener Sache: Wie alles begann

— Kurz zu dir und deinem Künstlernamen Sizetwo – handelt es sich dabei um ein Tribute, geht's dir um eine konkrete Message?

Sizetwo:Wörtlich übersetzt bedeutet er ja Größe 2 – und er hat auch zwei Bedeutungen. Einerseits das „two“, das ist eine Anlehnung an den Künstler Cantwo. Er war eines meiner ersten Idole beim Sprühen, ich habe seinen Stil und seine Herangehensweisen sehr spannend gefunden.

Andererseits ist der Name auch Ausdruck meiner Selbstmotivation, weil ich mich lieber als der Zweitgrößte sehe als der Größte. Als Zweitgrößter hast du immer noch die Chance zu wachsen, das ist mir persönlich sehr wichtig. Ich probiere ständig neue Sachen aus, wie beispielsweise momentan das Modellieren von Figuren. Das ist zwar wieder eine andere Richtung, aber ich versuche dennoch immer bei meinem Stil zu bleiben. Meiner Meinung nach kann man sowieso nie der Größte sein, weil man das erstens nie überprüfen kann, und es zweitens Bereiche gibt, in denen man noch nicht so gut ist. Für mich ist der Name also auch Ansporn, dass es nach oben hin nie ein Ende gibt, man kann immer wieder etwas Neues dazu lernen.

— Wie beginnt man mit dem Sprayen, wenn man es richtig machen will?

Sizetwo:Bei mir war es so, dass ich irgendwann das Thema Graffiti für mich entdeckt und einfach zu zeichnen begonnen habe. Davor hatte ich auch schon viel gezeichnet, meist Autos und Häuser. Aus heutiger Sicht hat mir das extrem viel gebracht, weil ich dabei eine Menge über Schatten, Formen und Licht gelernt habe, speziell Autos sind diesbezüglich eine Herausforderung.

Für mich war es auch damals der erste Schritt, meine Idee zuerst auf Papier auszuprobieren. Und erst danach, in einem zweiten Schritt, wenn ich das Gefühl hatte, gut genug zu sein, an die Wand zu gehen. Ich fing damals im Garten meiner Eltern an, da hatte ich ein Baumhaus. Das habe ich komplett zugemalt – und irgendwann hat mir das dann natürlich nicht mehr gereicht, eine größere Fläche musste her. Tja, und dann hat es mich eben gereizt, auch einmal nachts raus zu gehen.

Für mich ist das nächtliche Malen ein Teil des Ganzen, das gehört einfach dazu. Wenn man das nicht erlebt hat, dann hat man Graffiti meiner Meinung nach einfach nicht richtig erlebt, nicht richtig verstanden. Es kommt natürlich darauf an, wie intensiv man das betreibt. Oft ist das auch der Punkt, an dem es viele Künstler aus der Bahn wirft, weil sie dabei erwischt werden. Meist sind es jedoch nicht die Haftstrafen, die sie aus der Bahn werfen, sondern die empfindlichen Geldstrafen. Und es gibt nur sehr wenige, die tatsächlich bestrebt sind, in diesem Beruf besser werden und etwas daraus machen zu wollen.

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Der Künstler in jungen Jahren. 
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Das erste eigene Graffiti am erwähnten Baumhaus. 

Gott sei Dank gibt es keine simple Formel, mit der man das Malen sofort beherrscht. Ich finde es gut, dass man an jahrelanger Übung nicht einfach so vorbeikommt.

Sizetwo, Graffiti-Künstler

Das 1x1 der Wandmalerei

— Eine vielleicht lapidar klingende Frage, aber wie sprüht man richtig?

Sizetwo:Auf jeden Fall ist's ein Learning-by-doing. Und dann sind da noch ein paar weitere Faktoren, die für mich dazu gehören. Unter Stress malen zum Beispiel, weil man dadurch lernt, effizienter und fokussierter zu arbeiten. Das sind Eigenschaften, die auch in jenen Bereichen, in denen ich jetzt arbeite (Anm.: z.B. die Gestaltung von Fassaden), anwendbar und praktisch sind. Im Endeffekt ist wichtig – und das sage ich auch allen Workshop-Teilnehmern, die ich unterrichte –, dabei zu bleiben und andere Künstler genau zu studieren. Gott sei Dank gibt es keine simple Formel, mit der man das Malen sofort beherrscht. Ich finde es gut, dass man an jahrelanger Übung nicht einfach so vorbeikommt.

— Und wie bringt man den Entwurf vom kleinen Stück Papier auf die große Hauswand?

Sizetwo:Durch Skalierung. Man legt einen Raster über den Entwurf und malt dann, vereinfacht gesagt, Kästchen für Kästchen ab.

— Ist das Malen per Dose gesundheitsschädlich?

Sizetwo:Ja, wenn man zu viel davon abbekommt. Deswegen haben die Masken auf jeden Fall ihren Sinn. Es hat in der Vergangenheit immer wieder Fälle von Sprühern gegeben, die tatsächlich Krebs oder ähnliche schwere Erkrankungen bekommen haben, man muss da also schon aufpassen.

— Arbeitest du mit Handschuhen?

Sizetwo:Eigentlich immer. Früher habe ich ohne Handschuhe gearbeitet, weil es nur diese ekelhaften Einwegdinger aus Plastik gab, in denen man so widerlich geschwitzt hat. Dann habe ich die Stoffhandschuhe für mich entdeckt, diese typischen engen Arbeitshandschuhe, die man in jedem Baumarkt kaufen kann. Mit denen arbeite ich jetzt meistens, weil es einfach angenehmer ist. Es ist schon ein Riesen-Unterschied, wenn man sich nach einem Auftrag, bei dem man sich vor Ort nicht die Hände waschen kann, einfach nur die Handschuhe ausziehen muss.

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1 Szene 1: Ohne Atemschutz wird nicht gemalt. Sizetwo: "Es hat in der Vergangenheit immer wieder Fälle von Sprühern gegeben, die tatsächlich Krebs oder ähnliche schwere Erkrankungen bekommen haben, man muss da also schon aufpassen." © fiskur.at

2 Szene 2: Der Griff zur Dose. Bis man einen derart realistisch Stil perfekt an die Wand bringt, vergehen schon ein paar tausend Quadradtmeter Übung. © fiskur.at

3 Szene 3: Feintuning und Details gehen auch ohne Handschuhe – Großflächiges allerdings wird nur mit Arbeitshandschuhen (dünn und aus Wolle sollen sie sein) angegangen.  © fiskur.at

Farbe trifft Wand – die Vorbereitung

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Aus einer Idee wird eine feine kleine Kritzelei,…
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… wird eine ambitionierte Skizze, wird ein…
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… Bild oder Schriftzug mit allem Drum und Dran.

— Du arbeitest ja mit mehreren Utensilien, mit Stiften, Dosen und Markern – warum ist dir gerade die Dose am liebsten?

Sizetwo:Ich finde, dass man mit der Dose relativ vielseitig ist, viel machen kann. Man kann damit zum Beispiel auch andere Stile imitieren. Für das, was ich mache, ist die Dose jedenfalls das optimale Medium, natürlich auch, weil mein Stil schon sehr an die Dose angepasst ist. Wenn ich eine Skizze mache, dann denke ich meist schon daran, wie ich das dann mit der Dose umsetzen werde, ich plane also schon dementsprechend. Nicht so sehr was den Verbrauch, sondern eher was den Stil und die Stilistik betrifft. Für Roboter oder diese sehr technischen Sachen, die ich momentan häufig male, ist die Dose deswegen oft auch das beste Medium, weil man damit sehr schöne Flächen und Übergänge schaffen kann. Mit Acryl oder anderen Mitteln bekommt man diese Flächen nicht so schön hin.

— Man kann aber nicht jede x-beliebige Lackdose verwenden, oder?

Sizetwo:Ich verwende wirklich nur Dosen, die für den Graffiti-Gebrauch gedacht sind. Die Standard-Dosen aus dem Baumarkt sind nicht dafür geeignet. Dann gibt es noch die verschiedenen Sprühköpfe, aber da entdeckt man im Lauf seiner Zeit seine Favoriten. Ich habe meine 3 bis 4 Stück, mit denen ich meistens arbeite.

— Was macht denn deinen Stil aus, wie würdest du ihn charakterisieren?

Sizetwo:Ich versuche zumindest immer sehr dynamisch zu sein, meine Bilder haben oft auch einen gewissen Witz bzw. eine gewisse Selbstironie. Mein Stil ist zudem sehr von Comics inspiriert, sowohl was die Dynamik angeht als auch die Farbwahl. Außerdem hat mich meine Arbeit in Berlin sehr beeinflusst, weil ich dort in erster Linie realistische Aufträge gemalt habe. Und dadurch ist mir das wiederum auch bei meinen eigenen Arbeiten sehr wichtig geworden. Das Dreidimensionale hat es mir ebenfalls sehr angetan, ich bin ich ein Riesen-Fan von 3D-Illusionen, von Händen z.B., die so auf den Betrachter zukommen.

So würde ich meine Arbeit beschreiben, immer mit dem Graffiti-Background. Mir ist wichtig, dass man weiß, wo ich herkomme, was meine Wurzeln sind, und ich bin auch dran, das wieder vermehrt einzubauen.

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1 Sizetwo für die Salinen Austria AG. © www.sizetwo.at

2 Plus: Das Sizetwo-Best-of aus Berlin, Teil 1… © www.sizetwo.at

3 … und Teil 2. Allesamt mit dem Team von XI-Design umgesetzt.  © www.sizetwo.at

Banksy hat keinen eigenen Stil, keine spezielle Schablonentechnik, keine Handschrift, außer dass er Banksy dazu schreibt – aber das kann ja auch jeder machen.

Sizetwo, Graffiti-Künstler

Das Kuriosum Banksy

— Mich interessiert deine Meinung zu dem schwer gehypten britischen Streetart-Superstar Banksy – ist der nun eher gut oder schlecht für eure Subkultur?

Sizetwo:Ich bin da sehr zwiegespalten. Einerseits finde ich die Aufmerksamkeit schön, weil die indirekt auch mir zugute kommt. Andererseits habe ich die Befürchtung, dass diese Aufmerksamkeit irgendwann zu viel wird und die Streetart-Blase zum Platzen bringt. Dann interessiert das alles niemanden mehr. Banksy war der erste richtige Streetartist, der das Thema populär gemacht hat, weil die Themen, die er aufgegriffen hat, sozialkritisch und aktuell waren.

Was ich an Banksy aber lustig finde, ist, dass das, was er gemacht hat, im Prinzip jeder machen kann. Denn Banksy hat keinen eigenen Stil, keine spezielle Schablonentechnik, keine Handschrift, außer dass er Banksy dazu schreibt – aber das kann ja auch jeder machen. So wie jeder auch Schablonen ausschneiden kann. Ich kann auch einen Banksy machen, hier, jetzt gleich (lacht).

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Gedanken zu U-Haft & Co.

— Können wir über den Moment reden, an dem dich die Polizei wegen des Verdachts auf schwere Sachbeschädigung abgeholt hat – wie war das für dich und deine Familie?

Sizetwo:Sie hatte wohl eine Ahnung, allerdings war für sie das Ausmaß meiner Malerei schon ein Schock. Dennoch standen alle während dieser Zeit im Gefängnis voll hinter mir. Es war sehr schön, diese Unterstützung zu erfahren, aber natürlich habe ich auch mitbekommen, wie sie das alle sehr belastet hat, vor allem meine Mutter. Und das ist für mich auch ein Grund, warum ich mich aus dem illegalen Bereich zurückgezogen habe.

— Weil du ein intaktes Umfeld hattest?

SIZETWO:Ja, absolut, genau. Da gibt es bestimmt durchaus Menschen, die dieses Umfeld nicht haben. Die denken sich dann womöglich, dass sie ruhig weitermachen können, weil es ja quasi eh egal ist. Bei mir aber war das Gefühl einfach so stark, dass ich mir dachte, ich würde mehr oder weniger meine Familie verraten, käme ich noch einmal in so eine Situation.

— Du hast aus deinen Fehlern gelernt?

SIZETWo:Ja, kann man so sagen. Wobei eigentlich weder die U-Haft (der Aufenthalt im Gefängnis) noch die Strafen mich motiviert haben aufzuhören. Es war in erster Linie wirklich nur wegen der Familie, dass ich mir gedacht habe, lieber auf die Bremse steigen.

— Aber das Legale und das Illegale gehören doch beim Sprayen zusammen, so wie Yin und Yang, oder?

SIZETWO:Yin-Yang ist gut, weil es doch, obwohl es zusammengehört, sehr gegensätzlich ist. Vor allem in Berlin kann man das gut sehen, wo es eine große illegale Szene gibt. Da sind sehr viele von den illegalen Hardcore-Malern, die strikt gegen das legale Malen sind. Auch wenn es darum geht, dass sie selber am Wochenende in den Park gehen, wo sie legal malen dürfen – das ist für die nicht interessant. Die wollen nur rein-raus-gehen und malen. Da gibt es auch welche, die malen nur Züge, sonst gar nichts, nur Züge.

Und dann gibt es da aber auch noch jene Leute, die schon von vornherein nur legal malen und die auch gar nie das Bestreben haben, nachts raus zu gehen, sei es aus Angst oder weil sie einfach kein Interesse daran haben erwischt zu werden. Es ist auf jeden Fall ein Ding, das zusammengehört, aber nicht zwingend.

— Hat dich dieses Outlawhafte am Sprayen gereizt, vielleicht sogar fasziniert?

SIZETWO:Ja, auf jeden Fall, dieses Räuber und Gendarm spielen war schon extrem spannend. Auch die Tatsache, so ein bisserl gegen das System zu sein, gegen den klassischen Tag-Nacht-Rhythmus der anderen zu arbeiten, das war schon ein extremer Reiz. Neben dem für mich schon auch wichtigen ästhetischen Aspekt war es vor allem dieses Doppelleben, das mich fasziniert hat. 

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Handarbeit. Malen.
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Handarbeit. Modellieren.
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Beinarbeit. Dosen schleppen.

Finale Frage: Stichwort Lebensunterhalt

— Wie hast du es geschafft, vom Malen leben zu können? War das von Beginn an dein Ziel?

SIZETWO:Nein, überhaupt nicht. Als ich damals mit dem Malen begonnen habe, ich glaube, ich war da noch in der Schule, habe ich noch gar nicht gewusst, was ich mit meinem Leben anfangen, in welche Richtung es mich einmal tragen soll. Das war alles offen. Mein Vater ist Bauingenieur, also habe ich nach der Matura erst einmal ein halbes Jahr Architektur studiert, so alibimäßig halt. Aber natürlich bin ich recht schnell darauf gekommen, dass das nichts für mich ist.

Damals malte ich nebenher bereits recht viel, mein Stil hatte sich schon herumgesprochen. Meist waren das Anfragen à la "Hey, ich habe da ein Wohnzimmer, magst du da etwas reinmalen?", oder "Hey, ich habe da ein Kinderzimmer, kannst du einmal einen Spiderman machen?" Und so hat sich halt ein Ding nach dem anderen ergeben, das war klassische Mundpropaganda.

Ich musste damals allerdings noch nebenbei arbeiten, um über die Runden zu kommen. Zweieinhalb Jahre habe ich beispielsweise bei der Post gearbeitet, wobei mir schon klar war, dass das nicht meine Zukunft sein wird. Irgendwann dachte ich mir halt, so, hm, ich habe da jetzt die Wahl. Entweder steigere ich mich und mache das Malen full-time, oder es wird halt immer nur so nebenher laufen.

Und dann habe ich irgendwann den Schritt gemacht – und es hat funktioniert, ich war also quasi Vollzeit-Sprüher. Das Malen hat mir mein Leben finanziert. Ich bin zwar nicht reich geworden, aber es hat gereicht, und das war mir persönlich schon mehr als genug.

Bevor wir nach Berlin gegangen sind, konnte ich schon recht gut davon leben. In Berlin aber war dann wieder auf einmal alles anders. Zuerst machte ich mir noch Sorgen, ob das überhaupt klappen kann, und es hat ja dann auch nicht sofort funktioniert. Es hat eben ein bisschen gedauert. Aber ich habe immer gedacht, dass es in Berlin extrem schwierig sein wird, davon zu leben, denn da gibt es tausende andere Sprüher, die auch alle den selben Mist machen wollen, die auch alle davon leben wollen.

Der riesengroße Unterschied war, dass ich wesentlich zuverlässiger und professioneller war und, dass ich ein Auto hatte. Und einen Führerschein. Das waren echt Faktoren, von denen ich mir nie gedacht hätte, dass die einmal so relevant sein können. Aber in Berlin waren es eben diese vielen kleine Dinge, die schlussendlich zu dem großen Ganzen geführt haben. Und eben auch solche Sachen wie Zuverlässigkeit und auch, dass ich an mich selbst den Anspruch habe, immer besser zu werden. Selbst wenn mir alle sagen, wie toll das schon ausschaut, wie super. Ich aber denke mir trotzdem immer, nee, da geht noch etwas, und man kann ja auch fast immer noch etwas besser machen.

Es gibt da draußen einfach zu viele andere Künstler, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhen und dann nichts mehr weiterbringen. Es ist aber wichtig, dass man zuverlässig und bemüht ist, und das hat halt bei mir im Endeffekt alles gepasst.

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And finally: auto touring by Sizetwo, handmade

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