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März 2015

Buzz, der Vielflieger

Eine weitere Reise hat bisher niemand unternommen: Edwin "Buzz" Aldrin betrat im Juli 1969 nach 385.000 Flugkilometern als zweiter Mensch den Mond. auto touring hat den heute 85-Jährigen in New York zum Interview gebeten.

Der Mann hat im wahrsten Sinne alle Höhen und Tiefen erlebt: 1969 sahen ihm 600 Millionen Menschen im Fernsehen live dabei zu, wie er als zweiter Mensch die Mondoberfläche betrat. Danach kamen Depressionen, Alkohol, der Selbstmord der Mutter und drei Scheidungen. Heute geht es dem 85-Jährigen wieder gut, er ist derzeit Schirmherr eines Kosmetikherstellers, bei dem man einen Flug ins All gewinnen kann. Beim Gespräch in New York treffen wir auf einen vergnügten älteren Herren, der lieber über aktuelle Football-Ergebnisse plaudern würde als das größte Abenteuer, das ein Mensch erleben kann ...

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buzz_aldrin_2015_TZ_2b.jpg  Thomas Zeidler © Thomas Zeidler
Können diese Augen lügen? Nein, dieser Mann war wirklich auf dem Mond.
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auto touring-Redakteur Christoph Löger beim Interview mit Buzz Aldrin.
buzz_aldrin_2015_NASA_2b.jpg  Axe/NASA © Axe/NASA
Dieses berühmte Bild zeigt nicht Neil Armstrong, sondern den Kollegen Aldrin.

— Mr. Aldrin, wenn Sie heute in einer klaren Nacht zum Mond hinauf schauen, werden Sie dann manchmal melancholisch?

Buzz Aldrin: Nein, warum sollte ich? Im Gegensatz zu den meisten Menschen weiß ich ja, wie es dort aussieht. Ich muss mir keine Mondgesichter vorstellen oder ihn anheulen wie ein Wolf (lacht). Ich habe zwar ein Teleskop auf dem Dachboden herumstehen und beobachte manchmal die Koordinaten und Krater, bei denen wir waren. Aber ganz ehrlich: Am Abend schaue ich mir im Fernsehen heutzutage lieber ein spannendes Football-Match an.

Ich muss den Mond nicht anheulen wie ein Wolf. Ich weiß ja, wie es dort aussieht. Lieber sehe ich mir am Abend ein Football-Match an.

Buzz Aldrin, Apollo 11

— Was waren Ihre ersten Gedanken nach der Landung?

Buzz Aldrin: Die Freude über den Funkspruch „Kontakt, Licht, Triebwerke aus“. Damit war nämlich der schwierigste Teil der Mission vollbracht. Dann das Bewusstsein, so unglaublich weit weg von Zuhause zu sein und etwas mit eigenen Augen sehen zu dürfen, wovon es bisher nur Satellitenfotos gab. Und natürlich die absolute Stille: Im Raumanzug hört man nur das eigene Atmen und die Kommunikation mit den Kollegen

— Hatten Sie jemals Angst, nicht mehr heimzukommen?

Buzz Aldrin: Nein, obwohl uns ein Missgeschick passiert ist. Wir kamen von einem Mondspaziergang zurück und sahen, dass ausgerechnet jener Schalter gebrochen war, der für die Zündung der Startraketen beim Rückflug sorgen sollte. Schade, dass weder Neil (Armstrong, Anm.) noch ich so schlagfertig waren, um „Houston, wir haben ein Problem“ zu funken (lacht). Wir haben uns dann einfach schlafen gelegt und die Jungs am Boden tüfteln lassen. Wir dachten, was passiert, passiert eben. Die Sache dürfte aber gut ausgegangen sein (lacht).

— Entschuldigen Sie die Frage, aber wie funktioniert das eigentlich mit den menschlichen Bedürfnissen in einer Raumkapsel?

Buzz Aldrin: Diese wunderbare Erfindung nennt man „Blue Bag“. Das ist ein Sack, den man über die betreffende Körperöffnung stülpt und los geht‘s (lacht). Das Problem ist nur, dass die Mitreisenden nicht deine engsten Freunde sind, und ein einsames Plätzchen für das Geschäft gab es damals leider nicht. Deshalb haben wir vor dem Flug auch auf ballaststoffarme Kost geachtet, um diese, nun ja, intimen Momente möglichst zu reduzieren.

— Wollten Sie schon früher, als kleines Kind, Astronaut werden?

Als meine Mutter geboren wurde, flogen gerade die ersten Flugzeuge herum. Ein paar Jahrzehnte später stand ich dann auf einmal auf dem Mond.

Buzz Aldrin, Astronauten-Legende

Nein. An Raumflüge dachte in meiner Jugendzeit noch niemand, ich wollte eigentlich immer Football-Spieler werden. Als meine Mutter geboren wurde, flogen ja gerade einmal die ersten Flugzeuge herum. Nur ein paar Jahrzehnte später stand ich dann auf einmal auf dem Mond. Eine unglaublich schnelle technische Entwicklung, wenn man darüber nachdenkt.

— Haben Sie den Sprung von Felix Baumgartner gesehen?

Buzz Aldrin: Ein kleiner Sprung für ihn, ein Riesenschritt für Red Bull (lacht). Nein, im Ernst: Das war schon sehr beeindruckend, ich habe es im Fernsehen mitverfolgt. Als ich Kampfpilot im Koreakrieg war, bin ich allerdings nie aus dem Flugzeug gehüpft. Ich sah wirklich keinen vernünftigen Grund dafür, eine tadellos funktionierende F-86 Sabre auf diesem doch sehr mühsamen Weg zu verlassen (lacht).

— Ganz ehrlich: Glauben Sie an die Möglichkeit außerirdischen Lebens irgendwo?

Buzz Aldrin: Ja, nein, vielleicht. Es gibt theoretisch Millionen von Chancen, dass da draußen eine Umgebung existiert, die Leben ermöglicht. Haben wir bereits Hinweise auf solche Lebensformen gefunden? Nein. Haben wir aber Sterne gefunden, die so etwas unter gewissen Voraussetzungen ermöglichen könnten? Ja, das haben wir. Als ich geboren wurde, lautete die Antwort aber noch ganz klar „Nein“. Hunderte Jahre zuvor wiederum hat man aber auch noch geglaubt, dass sich die Sonne um die Erde dreht. War man anderer Meinung, landete man im Gefängnis. Wer weiß, wie weit die Forschung in tausend Jahren sein wird? Ich jedenfalls nicht, dann bin ich selber nur mehr ein Funkeln am Himmel (lacht).

buzz_aldrin_werk_2015_.jpg  buzzaldrin.com © buzzaldrin.com
buzz_aldrin_2015_Axe_2b.jpg  Axe © Axe
buzz_aldrin_2015_TZ_3b.jpg  Thomas Zeidler © Thomas Zeidler

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