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Mai 2015

Tankstress

Die Gelben Engel fahren durchschnittlich 20 Einsätze pro Tag für Falschtanker.

Papa, ich glaube, ich hab falsch getankt – der verzweifelte Anruf seiner Tochter Sonja weckt beim Vater Schuldgefühle. Mit seiner älteren Tochter Johanna war er nach der Mopedprüfung noch gemeinsam zum ersten Tanken gefahren, hat ihr gezeigt, wo der Tankverschluss ist bzw. wo man Öl nachfüllt. Bei Sonja hat er das alles unterlassen – und jetzt ist das Malheur passiert.

Bei ihrer zweiten Ausfahrt nach der Prüfung zum Mopedausweis will die junge Wolfsgrabenerin ihr Zweirad in Purkersdorf bei einer Selbstbedienungstankstelle tanken. Unter dem Fahrersitz des Mopeds befinden sich zwei Einfüllstutzen. Sie öffnet den nächstbesten Verschluss und beginnt zu tanken. Die Zapfsäule zeigt nicht einmal einen Liter an und schon quillt der Treibstoff aus dem vermeintlichen Tankbehälter, obwohl am Moped der Zeiger der Tankuhr auf Reserve steht. „Mach jetzt überhaupt nichts mehr und ruf den ÖAMTC an“, rät ihr der Vater am Telefon. Zum ersten Mal in ihrem Leben wählt Sonja, die schon seit Jahren Gratis-Mitglied ist, die Nothilfe-Nummer 120 und erzählt einer freundlichen Dame am Telefon ihr Missgeschick. Die beruhigt das junge Mädchen und verspricht, schnell Hilfe zu schicken.

Mindestens einmal pro Woche pumpe ich falschen Treibstoff aus dem Tank.

Franz Rummel, seit 38 Jahren ÖAMTC-Pannenfahrer

Es dauert nur 30 Minuten, bis das gelbe Pannenauto bei der Tankstelle eintrifft. „Du bist damit nicht die Einzige, das ist auch schon älteren Leuten passiert.“ Franz Rummel, seit 38 Jahren Pannenfahrer beim ÖAMTC, weiß, wie man verunsicherte Menschen beruhigt. Und er weiß auch, wie man ein falsch betanktes Moped wieder flottbekommt. Der 16-jährigen Niederösterreicherin fällt ein Stein vom Herzen.

Mit einer Absaugpumpe holt Franz Rummel das Benzin aus der Ölkammer, füllt neues Motoröl nach und überwacht sicherheitshalber das richtige Auftanken des Mopeds.

Sonja ist glücklich. Ihr Moped läuft wieder und eines hat sie ihrer großen Schwester voraus: Sie hat als Erste die ÖAMTC-Pannenhilfe kennengelernt. Die Clubkarte verwendet sie ja schon länger. Bei Nordsee bekommt sie damit die Garnelenbox samt Getränk um 10 Prozent günstiger.

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Falsch getankt – was nun?

In den vergangenen fünf Jahren ist alleine in Wien zweimal etwas passiert, das eigentlich nicht passieren dürfte: Tanklastzüge befüllten Dieselzapfsäulen mit Benzin und Benzinzapfsäulen mit Diesel.

„Das war ein Großeinsatz für uns. Zehn falsch betankte Autos blockierten die Tankstelle“, erinnert sich Pannenhilfe-Chef Gerhard Samek noch immer an den ungewöhnlichen, eher seltenen Vorfall. Tanklastzüge befüllen die unterirdischen Kammern der Zapfsäulen fast immer richtig. Vielmehr greifen Kunden gerne einmal daneben. Besonders gefährdet sind auch Autofahrer, die erst vor kurzem von einem Benziner auf Dieselantrieb oder umgekehrt umgestiegen sind. Pro Jahr rücken die ÖAMTC-Pannenfahrer über 7.000 Mal wegen Falschbetankung aus.

Damit es nicht zu teuer wird

Die „Macht der Gewohnheit“ oder einfach nur eine kurze Unaufmerksamkeit sind meist Schuld daran, wenn falsch getankt wird. Das kann mitunter teuer kommen. Was man tun kann, wenn das Malheur geschehen ist, hat der ÖAMTC-Pannenhilfeleiter Gerhard Samek zusammengestellt:

Wichtig: Wer den Irrtum noch während des Tankens bemerkt, sollte auch bei kleineren Mengen das Fahrzeug nicht mehr starten und die Zündung nicht mehr betätigen.

Fall 1: Benzin statt Diesel getankt
Meist wird bei einer Falschbetankung anstelle von Diesel Benzin getankt. Das Gegenteil kann wegen der unterschiedlich großen Zapfhähne fast nicht passieren – höchstens mit einem neutralen Reservekanister.

Wenn ein Dieselfahrzeug mit Benzin betrieben wird, konsumiert der Motor noch den Rest an Dieselkraftstoff, dann wird durch die Treibstoffpumpe das Benzin zum Aggregat gefördert. Nun hat Diesel spezielle Schmiereigenschaften, die verhindern, dass die ultrapräzisen Feinbauteile in den mit Hochdruck arbeitenden Einspritzsystemen moderner Dieselmotoren blockieren. Doch Benzin hat die gegenteilige Eigenschaft, es wirkt reinigend und zerstört den im Dieselmotor für den Betrieb notwendigen Schmierfilm. Falls nun der Motor übermäßig raucht und heftigst zu Nageln und Stocken beginnt, ist unbedingt anzuhalten und Hilfe anzufordern.

Fall 2: Diesel statt Benzin getankt
Wurde der Benzinmotor mit Diesel abgefüllt, beginnt der Motor zu stottern und zu qualmen. An eine Weiterfahrt ist auch hier nicht zu denken – sofort anhalten und den Pannendienst rufen.

Fall 3: Normal statt Super getankt
Dieser Fehlgriff an der Zapfsäule ist bei vielen modernen Fahrzeugen kein Problem. Die Motoren sind mit Klopfsensoren ausgestattet, der Motor passt sich der Kraftstoffqualität an. Bei älteren Fahrzeugen den Motor nur mäßig belasten und so rasch wie möglich Superbenzin nachtanken.

 

„Je älter das Fahrzeug ist, desto weniger empfindlich ist es bei einer falschen Betankung.“

Gerhard Samek, Leiter der ÖAMTC-Pannenhilfe

Fall 4: Wasser im Tank
Übrigens können auch Wasser oder sonstige Verunreinigungen im Tank das Auto lahm legen. „Besonders bei Dieselmotoren sollte regelmäßig der Kraftstoff-Filter überprüft werden. Oft ist Wasser der Grund, warum nichts mehr geht. Bei mehr als zehn Prozent Wasser im Tank kommt es zum Totalausfall des Motors, der Tank muss leergepumpt werden“, erklärt der Pannenhilfe-Chef.

Schlagwort Helmut Eckler © Helmut Eckler
Nochmals zur Erinnerung: Benzinzapfpistolen sind meistens mit einer grünen, Dieselpistolen mit einer schwarzen Manschette gekennzeichnet.

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