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Februar 2019

Mazda 3: Reif & Schön

Lässt man die Designabteilung an der langen Leine, dürfen Autos wie dieses entstehen. Dass der neue Mazda 3 aber nicht bloß im Stand ein hinreißender Kompakter geworden ist, erfahren wir auf den ersten Kilometern.

Kompaktautos haben in der Regel eine recht undankbare Aufgabe: Sie sollen einerseits so gut und problemlos sein, dass sie dem Besitzer im Alltag möglichst gar nicht erst auffallen, andererseits möchte man sich aber auch keinen langweiligen Zipf in den Alltag holen, dessen Anblick einen auf dem morgendlichen Weg ins Büro noch mehr als ohnehin schon gähnen lässt.

Das Spannende an dieser Zwickmühle: Nicht nur die Kunden stecken in ihr, sondern auch die Hersteller. Nehmen wir vielleicht kurz den – noch vor Hund und Katze – besten Freund des Österreichers her: den VW Golf. Ein Kompakter, der (zu Recht!) seit gefühlten hundert Jahren die heimischen Verkaufs-Statistiken anführt, schlicht und einfach, weil er für seine üblichen Aufgaben ein Auto ganz nahe an der Perfektion ist. Doch wer seinen Golf zusperrt, dreht sich beim Weggehen eher selten noch einmal um, um sich verklärt lächelnd an seinen Kurven, Sicken und Kanten zu ergötzen.

Auftritt Mazda 3, Modelljahr 2019. Ich gehe erstmals aufs Auto zu und weiß schon jetzt, dass ich mich nach der Ausfahrt zu ihm umdrehen werde…

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Erste Kilometer im neuen Mazda 3

Meine kindliche Instant-Assoziation beim Annähern: "Da hat aber jemand einen schönen Alfa gebaut!".

Mit diesem ersten Gedanken tu ich zwar weder den Italienern (die ihren einstigen Benchmark-Trick, fesche Autos zu bauen, jüngst leider verlernt haben) noch den Japanern (denen ich damit Eigenständigkeit abspreche) einen Gefallen, aber es ist halt so: Da steht ein überraschend fesches Auto vor mir, dem man einfach ansieht, dass diejenigen, die es am Reißbrett gezeichnet haben, intern gut gegen die mühsamen Konzern-Sparfüchse verhandelt haben. Sehr weit rausgelehnt, aber: Heutige Ferraris sind, sachlich betrachtet, kein unbedingt ästhetischerer Anblick als dieser Mazda 3 – und stehen zudem nicht um 23.990 Euro beim Händler. (Mehr zu Zahlen, Daten, Fakten, Ausstattungen übrigens dann am Schluss, wir bleiben einstweilen bei subjektiven Eindrücken.)

Einsteigen. Tür auf, Tür zu – fühlt sich gut an. Da klingt nix blechern, das schließt satt wie in der nächsthöheren Fahrzeugklasse. Dann gleich die für mich wichtigste Frage, wenn ich ein neues Auto entere: Wie lange dauert's, dass ich die perfekte Sitzposition finde und einen stressfreien Überblick habe, der mir ein sofortiges Losfahren ermöglicht? Unter zehn Sekunden, perfekt. Das ist deshalb erwähnenswert, weil in vielen modernen Autos, speziell im Kompaktsegment, die drei simpelsten Dinge vorm Wegfahren – Sitz, Klima und Radio einstellen – für den sogenannten "Durchschnittsfahrer" zur unnötigen Raketenwissenschaft mutieren. Viele Hersteller vergessen bei ihren Volumsmodellen mittlerweile ja völlig auf die Menschen, die diese Autos im Endeffekt kaufen sollen/wollen/müssen.

Da hat aber jemand einen schönen Alfa Romeo gebaut!

Christoph Löger, Redakteur

Boarding

Zurück im Cockpit. Auffällig im neuen Mazda: der klug reduzierte Arbeitsplatz. Also nicht wie bei Extremfällen wie Teslas Model 3 auf der einen Seite, wo es haptisch fast gar nix mehr zu drücken gibt und optisch alles auf ein übergroßes iPad beschränkt ist, oder andererseits bei all den neuen Audis, BMWs oder Mercedessen am anderen Ende der prognostizierten Auto-Zukunft, mit all ihren zahllosen Bildschirmen vor den Fahrer-Augen, die nicht mehr wissen, wo sie zuerst hinschauen sollen. Im Prinzip erinnern mich die Armaturen des Nippon-3ers an jene grundguten Cockpits der bayerischen BMW-3er der 90-er Jahre: zart Fahrer-orientiert, herrlich übersichtlich, alles im Blick & Griff.

Unterwegs. Bei Mazda seit jeher eine sichere Bank: das Zusammenspiel von Lenkung und Schaltgetriebe. Letzteres macht den Japanern ohnehin niemand nach: Der kurze Hebel lässt sich wie im legendären Roadster MX-5 auch im 3er ausschließlich aus dem Handgelenk sortieren, das Lenkrad ist in punkto Durchmesser, Kranzdicke und Rückmeldung von der Straße der kleinste gemeinsame Nenner, wenn's um den schwierigen Kompromiss zwischen Kurvenhatz/Landstraße und Komfort/Autobahn geht. Den übrigens auch das Fahrwerk beherrscht, das dem des momentan unangefochtenen Dynamik-Kaisers Ford Focus schon ziemlich nahe kommt.

Lobhudelei. Um Leserbriefen vorzugreifen, die mir angesichts dieser tendenziös doch recht kritiklosen Worte mangelnde Objektivität vorwerfen: Der neue Mazda 3 fühlt sich für mich tatsächlich so an wie beschrieben. Es gibt – selten, aber doch – Autos, in die man als Motorjournalist einsteigt, die als Gesamtkonstrukt einfach rundherum passen. Der Mazda ist eins dieser raren Spezies. Einsteigen, fahren – zwei simple Worte, die dieser Tage ganz so simpel nicht sind.

Keine Angst. So viel Licht wirft natürlich auch ein bissl Schatten: Mazda hat, trotz japanischer Perfektion, nämlich noch immer nicht das automobile "Perpetuum mobile" erfunden. Der neue 3er kann nämlich auch ziemlich nerven, sollten Sie ihn als nächsten Golf-Ersatz im Auge haben.

Zuerst mal ein kurzer Cockpit-Check…

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1 Perfekt im Sichtfeld platziert: der 8,8-Zoll-Monitor des Infotainment-Systems oben auf dem Armaturenbrett. Navigation ist übrigens schon in der Basisausstattung serienmäßig dabei. © Werk

2 Seit jeher ein Quell der Fahrfreude: die manuellen Getriebe von Mazda mit kurzem Schalthebel samt typischem Klick-Klack-Gefühl. Flutscht natürlich auch im 3er. © Werk

3 Nicht minder sportlich: das griffige Volant, das man so durchaus auch in doppelt so teuren Autos montieren könnte. © Werk

Tops & Flops: Was passt, was nicht?

Was mir auf den ersten 100 Kilometern zwischen Tür und Volant aufgefallen ist. Eine rein subjektive Liste.

+ Sitzposition: Zurechtfinden und Wohlfühlen in 10 Sekunden – heutzutage eine Rarität.

+ Ausstattung: All-inclusive zum Basispreis von 23.990 Euro – Navigation, Klima, adaptiver Tempomat, Head-up-Display, pipapo… sind immer (!) dabei. Aufpreispflichtig wirklich nur das, wofür lockeres Kleingeld übrig ist (die wahrlich, wahrlich, wahrlich fantastische Soundanlage von BOSE zum Beispiel, die in einem zwanzigmal so teuren Bentley definitiv keinen Deut besser klingt!)

+ Motoren: Ende des Jahres kommt das"Skyactiv-X"-Triebwerk. Der erste Benzin-Selbstzünder (!) der Welt ist eine technische Revolution, kumuliert die Vorteile von Benzin (Leistung, Drehfreude)und Diesel (Effizienz, Verbrauch) in einem Aggregat. Wir sind gespannt!

– Kofferraum: Der ist für ein Kompaktauto eine veritable Katastrophe. Mit 330 Litern Volumen ohnehin schon nicht besonders groß, kommt noch eine irre hohe Ladekante dazu, über die man Alltags-Einkäufe wie Bierkisten oder IKEA-Schachteln hieven muss, um sie ganz tief unten wieder einzupassen. Grüße an den Chiropraktiker! Und de facto für ältere Kunden trotz Interesse ein Kauf-Ausschlussgrund.

– Die C-Säule: Von draußen ist sie super, weil sie den 3er "schön" macht. Wenn Sie aber kleine Kinder haben und den Wunsch verspüren, tausende Kilometer zum Urlaubsziel etwa nach Dänemark, Schottland, Kroatien oder an die Algarve zu fahren, dann regt sich der Nachwuchs zu Recht schon in Passau oder Spielfeld auf. Kinder sehen im Mazda 3 von der Rückbank nämlich nicht nach draußen. Ein vernachlässigbares Luxusproblem der Kleinen? Nein. Wir schreiben das Jahr 2019, und als Kind, das Mitte der 80-er Jahre in Papas Auto (Citroën GSA!) nichts mehr genossen hat als am Weg nach Lignano oder Athen "von hinten rauszuschauen" und dabei zu beobachten, wie die grünen Bäume in Österreich auf einmal zu braunen Bäumen in Griechenland werden, wünsch ich allen heutigen Zwergen, dass sie sowas in ihrem kleinen Kopf auch erleben dürfen. Im Mazda 3 geht das hinten nicht.

– Das war's. Es gibt keinen dritten Negativ-Punkt – zumindest nicht, bis wir das Auto (demnächst) ausführlich testen können.

Wann, wieviel, was?

Bestellbar: ab sofort.

± Basispreis (Ausstattung "Comfort"): 23.990 Euro. Benziner, 122 PS, Schaltgetriebe. Da schon inkludiert (Auszug): Alles, wo die Konkurrenz in höheren Ausstattungen erst zu kalkulieren beginnt, sprich: Navi, Klima, Head-up-Display, Infotainment-System mit Apple/Android, Digitalradio (!), fast komplette Assistenzsystem-Armada (City-Notbremsung, Fußgängererkennung, adaptiver Tempomat mit Spurwechsel/Spurhalte-Assistent samt aktivem Lenkeingriff, Licht/Regensensor, Müdigkeitserkennung, Ausparkhilfe, Verkehrszeichenerkennung, automatisches Fernlicht, etc.

(Lustiges Spiel übrigens: Probieren Sie doch mal, einen anderen Kompakten mit all diesen oben genannten Goodies zu konfigurieren ;.))

Sie wollen alles in einen Mazda 3 reinpacken? Dann wären wir beim Diesel-3er (118 PS), mit Automatik um maximal 29.890 Euro. Für die 6.000 Euro Aufpreis zum Basis-Benziner gäb's dann zum Beispiel dieses, dieses, dieses (*hach*) BOSE-Soundsystem, dunkle Scheiben im Fond, Rundum-Kamera, Ledersitze und LED-Scheinwerfer. Muss nicht sein, denn:

Sie könnten ja auch auf den elektrifizierten Mazda 3 warten. Kommt – gemeinsam mit allen anderen Mazda-Modellen – in spätestens zwei Jahren.

Und natürlich davor: der "Skyactiv-X"-Motor. Auf den wir genauso gespannt sind wie Sie – Test folgt. Die Kollegen vom ADAC erklären diesen Wahnsinnsmotor einstweilen in ihrer unnachahmlichen spaßigen Diktion… :-)

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