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November 2015

Grüner Weltliner

Seat Leon mit Erdgasantrieb: 41.552 Kilometer haben wir mit ihm im letzten Jahr zurückgelegt. Unsere Erfahrungen, unser Fazit im Dauertest-Abschluss.

Wie funktioniert das? Beim Erdgas dauert das länger, habe ich gehört? Gibt es da genügend Tankstellen? Zahlt sich das aus?“ Nicht zu vergessen, die stets besorgt intonierte Erkundigung nach der Reichweite. Es waren immer die gleichen Fragen rund ums Thema Tanken, sobald in einem Gespräch über den Dauertest-Leon der Erdgasantrieb erwähnt wurde. Das Interesse ist offensichtlich groß, die Skepsis anscheinend jedoch noch größer. Und was der Bauer nicht kennt … (ohne das jetzt irgendwie bös zu meinen).

Fakt ist: Der Erdgasantrieb hat sich mehr Aufmerksamkeit verdient. Vor allem dann, wenn es ein bivalenter Antrieb ist, so wie im 110 PS starken Dauertest-Leon. Bivalent heißt, dass die Erdgastanks (15 Kilogramm Fassungsvermögen) zusätzlich zum normalen Benzintank (50 Liter) installiert sind. Sollte der Gasvorrat erschöpft sein, wird einfach – und automatisch – auf Benzinantrieb umgestellt. Kombiniert ergibt das eine imposante Reichweite von fast 1.250 Kilometern (Gas: 385 km, Benzin: 862 km, Werte ermittelt auf der auto touring-Normrunde).

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Das Video zum Dauertest-Abschluss

Die Antworten.

"Wie wird getankt? Wie lange dauert das?" Eine Erdgas-Betankung ist einer Betankung mit Benzin oder Diesel nicht unähnlich; ungewohnt vielleicht, aber nicht komplizierter – das haben die Erfahrungen unterschiedlicher Fahrer im letzten Jahr gezeigt. Da der maximale Druck im Tank rund 200 bar beträgt (in einer Trinkwasserleitung etwa 8 bar), verfügt der Zapfhahn über einen speziellen Schnellverschluss, der auf den Einfüllstutzen aufgesteckt werden muss. Die Betankung an sich dauert etwas länger als mit Benzin.

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1 Erdgas-Tankstellen suchen, etwa via Spezialfunktion im Navi (beim Seat leider etwas versteckt untergebracht). © Helmut Eckler

2 Erdgas-Tankstelle finden. 175 Stück gibt es derzeit in Österreich. © Heinz Henninger

3 Erdgas tanken. Der Erdgas-Zapfhahn verfügt über einen speziellen Schnellverschluss. © Heinz Henninger

"Gibt es viele Tankstellen?" 175 in ganz Österreich. Wir legten mit dem Leon im vergangen Jahr rund 42.000 km zurück, mehr als 35.000 km davon nur mit Erdgas. Mit ein wenig Engagement und der Hilfe der formidablen Erdgastankstellen-Suche im Navi ist das Aufspüren passender Zapfsäulen jedenfalls kein Problem.

"Zahlt sich das aus?" Um diese Frage beantworten zu können, bedarf es eines Taschenrechners und der Kenntnis Ihrer Fahrgewohnheiten. Im vergangenen Jahr zahlten wir durchschnittlich € 1,08 für ein Kilogramm Erdgas, € 1,19 für einen Liter Superbenzin. Basierend auf den Verbrauchswerten der auto touring-Normrunde (siehe technische Daten) und hochgerechnet auf 100 Kilometer ergibt das ein Kostenverhältnis von € 4,21 (Erdgas) zu € 6,90 (Superbenzin). Es ist also eindeutig günstiger, so viel wie möglich mit Erdgas unterwegs zu sein. Umweltfreundlicher ebenso.

Interessanter Sidestep: Als der Dauertest startete, lag das Verhältnis (aufgrund des höheren Spritpreises) noch bei € 4,17 zu € 7,83. Übrigens: Ein vergleichbarer Seat Leon mit 110 PS-Benzinmotor kostet in der Anschaffung gleich 2.300 Euro weniger, der 110 PS starke Diesel hingegen 100 Euro mehr. Alle erfüllen die Abgasnorm Euro 6.

Was uns gefallen hat. Sein insgesamt betrachtet sehr angenehmes Fahrgefühl, vor allem aber der Erdgasantrieb. Das 1,4-TGI-Aggregat ist ausgesprochen laufruhig, ausreichend kräftig, sparsam und spricht herrlich spontan an. Lenkung, Schaltung und Bremsen sind präzise bedienbar, gefallen jeweils in ihrer direkten Wirkung. Die Fahrwerksabstimmung ist zwar eher straff ausgelegt, aber nicht ungut. Über Kanaldeckel oder Schlaglöcher hoppelt der Leon jedenfalls nicht polternd drüber, sondern absorbiert die Stöße ganz passabel. Auch gut: Die gezielte Suche nach Erdgas-Tankstellen via Navi.

Was uns nicht gefallen hat. Das doch deutlich eingeschränkte Kofferraumvolumen (aufgrund der Gastanks minus 105 Liter gegenüber den herkömmlichen Modellen), die Anmutung der Kunststoff-Oberflächen im Innenraum (hui, wirkt das trist!), Service-Intervalle von 15.000 Kilometern. Abhängig von der Körperstatur bietet auch die fehlende Gurt-Höhenverstellung Anlass für viel Kritik. Und am Navi störten uns mehrmalige Totalausfälle (da half nur Motor aus/an) sowie die tief in Untermenüs versteckte Option, direkt nach Erdgas-Tankstellen suchen zu können.

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