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Was Sie hier sehen? Das derzeit teuerste SUV, um­geben von 28,5 günstigen SUV, die zusammen etwa gleich viel kosten. Und Steuereinnahmen in der Höhe von rund 191.000 Euro.

© Heinz Henninger

Was Sie hier sehen? Das derzeit teuerste SUV, um­geben von 28,5 günstigen SUV, die zusammen etwa gleich viel kosten. Und Steuereinnahmen in der Höhe von rund 191.000 Euro.

© Heinz Henninger
März 2017

Für eine Handvoll Duster

342.000 Euro! Dafür könnten Sie 28 und einen halben Dacia Duster kaufen. Oder den ganzen Zaster einmalig in einen Bentley Bentayga investieren. 

Dreihundertzweiundvierzigtausend Euro. Das ist in der Durchschnitts­verdienerwelt zunächst einmal einfach nur ein ganz schön feistes Preiszetterl. Man kennt es von Einfamilienhäusern, kleineren Flugzeugen, schönen Yachten – und sau­schnellen Sportwagen. Womit wir auch schon ziemlich plump zum Bentley überleiten könnten. Erstaunlich ist jedenfalls, dass eigentlich die beiden letztgenannten Attribute ganz gut zu diesem Inbegriff des Mega-SUV passen. 

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Bentley_Bentayga_HH_2514_CMS.jpg Heinz Henninger © Heinz Henninger
Ich bin’s, das Alphatier unter den Mega-SUV. 12 Zylinder unter der Haube, 601 eingetragene PS.
Bentley_Bentayga_HH_2543_CMS.jpg Heinz Henninger © Heinz Henninger
Velours für die Füße, Leder, Alu und Holz für quasi den Rest des Körpers.
Bentley_Bentayga_HH_2606_CMS.jpg Heinz Henninger © Heinz Henninger
Um’s elegant zu formulieren: barocke Rundungen, all over.

Wie der aussieht!

Nun, elfenhaft-grazil wirkt er definitiv nicht, wenn er da so in seiner vollen 2,5-Tonnen-Pracht vor einem steht, mit dem zusätzlichen Sport-Ornat, den Anbauteilen aus akurat verwebtem Kohlefasergeflecht und auf diesen gewaltigen Gummiwalzen: 285ern im 22-Zoll-Format. Aber, und das ist ein aufrichtig ausgesprochenes Kompliment, so in Summe betrachtet entstand da ein durchaus stimmiges Bild. Keine falsch dimensionierten Proportionen, kein Detail, dass die Aura der harmonischen Gestalt auch nur ansatzweise beleidigt. Noble Zurückhaltung allerorts. Oder gleichmäßige Protzerei? Nun, die Wahl der Sichtweise würden wir gerne Ihnen, lieber Leser, überlassen.

Fakt ist: Der Bentayga ist einfach ein Riesen-Trumm an Auto, an Leistung, an überhaupt allem, vor allem dann, wenn das hiesige Straßenbild als Vergleichsgrundlage dient.

Ersetze Österreich durch Monaco, und die Sache sieht gleich ganz anders aus. 

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1 Früher einmal war gebürstetes Alu ein eindeutiges Indiz sportlicher Attitüde, nun halt das Kohlefaser-Geflecht. © Heinz Henninger

2 Einfach nur gewaltig, 22-Zöller im 285er-Trimm. Bloß: Die umgebende Blech-Opulenz lässt sie kleiner wirken, als sie tatsächlich sind. Alles nur eine Frage der Perspektive. © Heinz Henninger

3 Bei einem eingetragenen Topspeed von 301 km/h ist ein bisserl zusätzlicher Abtrieb vielleicht gar keine so schlechte Idee. © Heinz Henninger

Und so fährt sich der Bentayga

Sauschnell, auf Verlangen. Vorrangig deshalb, weil der doppelt Turbo-belüftete Zwölfzylindermotor Supertrumpf-Superlative an Leistung (601 PS) und Drehmoment (900 Nm) aufbietet. Die sehr unmittelbare Folge ist ein Topspeed jenseits der Erfassungsfähigkeit moderner Geschwindigkeits-Messgeräte (301 km/h). Dazu muss man wissen: Als die Bentley-Mannen sich seinerzeit durchrangen und ihren Gral der Limousinen- und Cabriolet-Bauweise auf dem Altar der Mode und des scheinbar nicht enden wollenden SUV-Verlangens opferten, taten sie dies nur unter der Prämisse, dass ihr SUV fortan der Beste seiner Art zu sein hat. Der Beste im Gelände und der Schnellste auf der Straße.

Well, das Masterpiece ist gelungen. Er kann erstaunlich gut kraxeln, gleiten sowieso, aber auch extrem hurtig voran preschen – geradeaus ebenso wie im kurvigen Geläuf. Und das hat uns dann doch ein bisserl überrascht. Irgendwie auch irritiert. Beindruckend sind die Fahrleistungen jedenfalls allemal.

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1 Schmeichelweiches Leder, fein abgesteppt. Dazu Teppiche in Wohnzimmer-Güte und die volle multimediale Dröhnung. © Heinz Henninger

2 Diese hübschen Zapferl regulieren die Luftzufuhr der einzelnen Düsen nach dem Push-or-Pull-Prinzip. © Heinz Henninger

3 Der Fokus liegt absichtlich nicht in der Bildmitte. Wir wollten ihnen hier die Nachtsicht-Tauglichkeit des Bentayga demonstrieren (siehe Display zwischen den Rundanzeigen).  © Heinz Henninger

Die Leichtigkeit des Seins

Wir glauben allerdings, dass Bentley es seinen Kunden da vielleicht ein wenig zu leicht gemacht hat. Wortwörtlich. Es ist nämlich beinahe egal, ob du den Bentayga durch die Kurven feuerst oder die Autobahn entlang strömst, alles passiert mit ähnlicher Leichtigkeit. Doch dieser – Achtung, Wortspiel – volantile Zauber ist durchaus trügerisch. Gerade weil das Handling so mühelos ist, die Verarbeitung und der Komfort so perfekt sind, unterschätzst du die tatsächliche Geschwindigkeit quasi permanent. Da hilft nur möglichst oftmalige Kontrolle der Tachometeranzeige.

Wir empfehlen daher ein Maß an Gelassenheit, das der Masse des Bentayga standhalten kann. Oder zumindest einmal zwischendurch einen Duster zu fahren.

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© Heinz Henninger

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