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September 2022

Wir müssen nur wollen

Das Vorarlberger Unternehmen Obrist möchte die Nachteile von Verbrenner- und Elektromobilität ausmerzen. Funktionieren soll das mit dem Wunder-Antrieb "HyperHybrid".

Frank Obrist ist Umwelt-Visionär. Aus seiner Technologieschmiede in Lustenau entspringen Ideen, die unsere Mobilität auch weiterhin sichern sollen, obwohl es in Sachen Klima eigentlich schon längst fünf Minuten nach zwölf ist.

Sein Ziel: Einen elektrischen Fahrzeugantrieb für den Massenmarkt bereitzustellen, der ökologisch nachhaltig und günstig ist, in jedes Auto passt und noch dazu kaum Einschränkungen hat, was momentane Hemmschuhe wie Ladeinfrastruktur oder Reichweite angeht.

Klingt wie der idealistische Traum eines Hinterhof-Bastlers? Weit gefehlt.

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Unser 'HyperHybrid' ist ein Schritt zurück zu einer einfachen und intelligenten Lösung. Weniger Kosten und Gewicht, trotzdem alle Vorteile des elektrischen Fahrens, aber ohne Reichweiten-Problematik.

Frank Obrist, Gründer der Obrist Group

Die Obrist-Idee

Während ein Großteil der Automobilhersteller künftig auf reine Elektromobilität setzen wird, verfolgen Frank Obrist und sein Team einen anderen Ansatz: Elektrisch fahren, ja – aber ohne unnötige Verschwendung von Batterie-Ressourcen und mit einem klugen Weitblick auf globale technische Möglichkeiten.

Der Status quo sieht nämlich so aus: Moderne Elektroautos schleppen meist einen sehr großen und schweren (und somit auch teuren und wenig nachhaltigen) Akku mit sich.

Diese Fahrzeuge sind in bevölkerungsreichen Regionen wie Indien, Südamerika oder auf dem afrikanischen Kontinent aber schlicht nicht leistbar – und haben somit viel zu geringe Auswirkungen auf die weltweite CO2-Bilanz. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass der dafür benötigte Strom dort nur in den seltensten Fällen "grün" erzeugt werden kann.

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Frank Obrist, Umwelt-Visionär

Was also nötig ist, so Obrist, sind zwei Dinge: Erstens ein elektrischer Antrieb, der in jedem Fahrzeug kostengünstig einsetzbar ist. Und zweitens ein "globaler Energieträger" – also ein Kraftstoff, der weltweit verfügbar und einfach zu transportieren ist. So wie derzeit Benzin oder Diesel, aber eben CO2-neutral.

Und für beides hat Obrist eine Lösung.

Die eine nennt sich "HyperHybrid", die andere "aFuel".

Beide wollen wir uns nun näher ansehen…

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"HyperHybrid"

Als Versuchsträger dient in der aktuellen Ausbaustufe des Antriebs ein umgebauter Tesla Model Y. Das Fahrzeug habe man gewählt, weil es "neutral sei und nicht polarisiere", erzählt uns Stefan Igerz, Kundenbetreuer bei Obrist. Ob sich der bekannt verhaltenskreative Tesla-CEO Elon Musk wegen des vermeintlichen Sakrilegs schon in Lustenau gemeldet hat, wollen wir wissen.

Igerz lacht: "Wir denken, dass er davon weiß, uns aber einstweilen noch ignoriert."

Und so – zuerst einmal grob vereinfacht – funktioniert der "HyperHybrid": Im adaptierten Tesla arbeitet ein Zweizylinder-Stromgenerator, der mit synthetischem Methanol-Kraftstoff betrieben wird und eine kleine Hochleistungsbatterie speist. Es handelt sich dabei also um einen seriellen Hybrid.

Im Detail: Ein kleiner 1,0-Liter-Zweizylinder-Benzinmotor mit Obrist-Patent dient via Generator als Stromerzeuger und versorgt (statt des serienmäßigen 75-kWh-Akkus des Tesla) eine extrem kompakte 17,3-kWh-Batterie, die in jedes Auto passt (Gewicht: kaum 100 Kilogramm). Es gibt keine mechanische Verbindung zwischen Benzinaggregat und Rädern, diese werden stets vom 100-kW-Elektromotor angetrieben, der sich beim Akku im Kofferraum bedient.

Warum aber überhaupt ein Benzinaggregat? "Zur Stromversorgung an Bord", so Igerz. "In vielen Regionen der Welt kann man ja nicht wie bei uns einfach zur nächsten Ladestation fahren."

Was uns schon zur zweiten Vision von Obrist überleitet: den Kraftstoff…

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1 Versuchsträger Tesla Model Y: Rund 1.000 Kilometer Reichweite sollen mit dem "HyperHybrid"-Antrieb von Obrist möglich sein – also fast der doppelte Wert des rein elektrischen Serienmodells. © Werk

2 Vom Umbau ist außen – bis auf eine leicht modifizierte Frontpartie – nichts zu sehen. Generator-Motor und Kompakt-Akku haben spielend Platz. © Werk

3 Synthetischer Kraftstoff: Der Tesla aus Vorarlberg benötigt 3,3 Liter "grünes" Methanol ("aFuel") auf 100 Kilometer. © Werk

"aFuel"

Der Zweizylinder-Stromgenerator an Bord des Tesla-Versuchsträgers soll in Zukunft nur mit der Obrist-eigenen Innovation "aFuel" betrieben werden (das "a" steht übrigens für "aqua"; lat. "Wasser"). Damit fährt das Auto dann nicht nur CO2-neutral, sondern im besten Fall sogar CO2-negativ.

Schon jetzt – mit konventionellem Benzin – schafft der Prototyp laut Stefan Igerz Abgasvorschriften, "die momentan noch weit in der Zukunft liegen". Würde das "aFuel"-Methanol zum Einsatz kommen, würde der "HyperHybrid" nicht einmal mehr Feinstaub ausstoßen, sondern nur noch (zuvor neutralisiertes) CO2.

Und so entsteht der Wunder-Kraftstoff: Aus Sonnenenergie wird Wasserstoff gewonnen, dieser mit dem CO2 der Luft gebunden und dann zu Methanol verarbeitet. Der bei der Produktion anfallende Kohlenstoff wird als Graphit gespeichert. Klingt für Laien komplex, ist für Chemiker aber komplett logisch.

Vereinfacht erklärt: Im Endeffekt würde dieses Verfahren zur Methanol-Erzeugung der Atmosphäre auf Dauer sogar mehr CO2 entziehen als für die Produktion notwendig. Berechnungen von Obrist ergeben, dass der mit "aFuel" betriebene "HyperHybrid" pro gefahrenem Kilometer 24 Gramm CO2 in der Atmosphäre abbaut.

Die Crux an der Sache ist, wo dieses "grüne" Methanol herkommen soll. Die Obrist-Antwort: aus dem Sonnengürtel der Erde – Wüstengebiete rund um den Äquator, die schon jetzt wegen der Hitze großteils unbewohnbar sind. Dort im großen Stil aufgebaute Photovoltaik-Anlagen könnten konkurrenzlos billigen Strom (unter 1 Cent/kWh) für die Erzeugung des Wunder-Kraftstoffs liefern.

Der Vorteil: Derart produziertes Methanol wäre nicht nur günstig und grün, sondern ließe sich – entsprechende Mengen vorausgesetzt – auch konventionell per bereits vorhandenen Pipelines, Schiffen und Tanklastern global verteilen. Und zwar bis zur hintersten Tankstelle im hintersten Winkel der Welt.

Der Nachteil: In diese riesig dimensionierten Anlagen müsste erst jemand investieren und sie bauen.

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1 Im Zweizylinder-Stromgenerator wird das "aFuel" verbrannt. Es handelt sich dabei um "grün" erzeugtes Methanol. © Werk

2 Obrist-Berechnung: Pro gefahrenem "HyperHybrid"-Kilometer werden der Atmosphäre 24 Gramm CO2 entzogen. © Werk

3 Was der Vorarlberger Umwelt-Revolution fehlt: Die entsprechenden Anlagen entlang des Sonnengürtels der Erde. © Werk

Zukunftspotential?

Gleich vorweg, liebe Leserinnen und Leser: Sollte Ihnen diese bahnbrechende Idee aus dem Ländle gefallen und sollten Sie überlegen, Ihr aktuelles Auto auf einen "HyperHybrid" umbauen lassen zu wollen – rufen Sie bitte dennoch nicht in Lustenau an.

Obrist baut nämlich keine Autos, sondern entwickelt Ideen und Innovationen, meldet Patente an und ist bereits in ernsthaften Gesprächen mit großen Autoherstellern, was den "HyperHybrid" angeht.

Wovon wir Autofahrer/-innen dieser Welt hoffentlich dennoch profitieren werden: Frank Obrist hat realistische Kalkulationen angestellt, dass sein Antrieb in einem Mittelklasse-Auto (inklusive Fahrzeug) nicht mehr als rund 20.000 Euro kosten würde – sollte ein Hersteller darauf anspringen und entsprechende Stückzahlen produzieren können.

Das wäre dann tatsächlich eine echte Mobilitätsrevolution, die den umfassenden Elektro-Gedanken des oben erwähnten Tesla-Pioniers Elon Musk in die Realität der Masse umsetzen könnte. Allerdings inklusive CO2-Vollbremsung, was unsere Umwelt angeht – und ohne unsere individuelle Mobilität einschränken zu müssen.

Nachhören: Obrist im ÖAMTC-Podcast

In Episode 18 des neuen ÖAMTC-Podcasts (alle Folgen hier in der Übersicht) erklärt Thorsten Rixmann (Marketing-Direktor von Obrist), wie der "HyperHybrid" funktioniert und welche Chancen das System hat.

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