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Vespa GTS 300ie Super – in Österreich einer der beliebtesten Roller überhaupt.

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Vespa GTS 300ie Super – in Österreich einer der beliebtesten Roller überhaupt.

© Heinz Henninger
Februar 2016

Sommer-Spritzer

Sie sieht gut aus, obwohl ihr Design eigentlich uralt ist. Sie rockt, obwohl sie barock anmutet. Ist es dieses vehement differente Auftreten, das die Vespa GTS 300ie Super so beliebt macht? 

Sprechen wir gleich einmal über das Finanzielle, denn beim Geld hört sich sprichwörtlich ja jede Freundschaft auf: Die Vespa GTS 300ie Super ohne ABS und Traktionskontrolle ASR ist derzeit in Aktion, kostet 5.199 Euro. Für eine Vespa ist das ein durchaus attraktiver Preis, freilich mit dem Makel der fehlenden Assistenzsysteme. Um diesen Makel zu beseitigen (und auf das nächstbessere Modell umzusteigen), sind weitere zwölfhundert Euro von Nöten. Dies allerdings würde die Attraktivität wieder auf die optischen Vorzüge einer GTS reduzieren (und die GTS etwa einen Tausender weit von der Konkurrenz distanzieren).

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Sprechen wir über das Design.

Für viele ist das charakteristische Aussehen der Hauptgrund pro Vespa. Und, da muss den Designern schon gratuliert werden, die Grundform wurde seit der Vespa 98 (gebaut ab 1946) so behutsam weiterentwickelt, wie das sonst eigentlich nur beim Porsche 911 der Fall ist. Ja, sie wurde größer, manche sagen feister, aber alles in allem steht sie nach wie vor fesch da, wirkt stimmig. Die Kehrseite der wohlproportionierten Blech-Karosserie offenbart sich meistens erst, wenn die Vespa nicht mehr fährt, sondern liegt, umgeworfen, gecrasht etc. wurde. Denn Verkleidungsteile aus Kunststoff, so wie bei der Konkurrenz, sind schnell und preisgünstig getauscht; bei der Vespa heißt es dann halt dengeln, lackieren und polieren. Und das kostet.

VespaGTS300le_Feb16_HH_8937.jpg Heinz Henninger 1
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1 Einmal Phrasendreschen bitte! "Auch ein schöner Rücken kann entzücken." Danke. © Heinz Henninger

2 Bild mit Seltenheitswert: Standard-Auspuff an einer 300er Vespa. Meist wird das Original-Trumm gleich beim Kauf getauscht.  © Heinz Henninger

3 12-Zoll-Räder – wir lieben sie, weil sie der Vespa jene Handlichkeit bewahren, die andere Modelle eben nicht haben. © Heinz Henninger

Sprechen wir über ihr Fahrverhalten.

Jetzt sind wir da angelangt, wo es bei älteren Vespa-Modellen immer ein wenig zwickte. Ungelenk waren die, vor allem auf schlecht asphaltiertem Untergrund reagierte das Fahrwerk mit spürbar viel Unruhe.

Nicht so die aktuelle 300er-Generation. Mit ihrer Überarbeitung ist einiges besser geworden, wirklich entscheidend war jedoch die wirkungsvolle Überarbeitung der Vorderrad-Aufhängung, die sich so wohltuend auf das Fahrverhalten auswirkte wie ein Fencheltee auf die entzündeten Schleimhäute. Die deutlich sensiblere Front sorgt für viel mehr Ruhe im Fahrwerk, filtert vor allem kurze Stöße besser (ausgelöst etwa durch Fahrbahnlöcher). Insgesamt gesehen liegt die GTS relativ satt auf der Straße, dank ihrer 12-Zoll-Räder bewahrt sie sich jedoch ein erfreuliches Maß an Handlichkeit, das andere Roller dieser HubraumKubatur vermissen lassen (die punkten dafür im Gegenzug mit einem noch stabileren Fahrverhalten).

Unser Testfahrzeug war ohne ABS und Traktionskontrolle ausgestattet, von solch einem Verzicht würden wir aber aus zwei Gründen abraten. Erstens ist der kleine Einzylinder (knapp 22 PS stark) feurig genug, um bei feuchtem Untergrund das Heck locker tänzeln zu lassen, zweitens sind diejenigen, die in Schrecksituationen ohne ABS tatsächlich gefühlvoller und präziser bremsen, klar in der Unterzahl.

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Mit Karacho in die Fluten…
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… Wetterschutz: okay, Fahrwerk: einfedern…
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… ausfedern – auch okay.

Wirklich praktisch sind der serienmäßige USB-Anschluss sowie die Piaggio-App, die via Bluetooth-Modul (kostet 188 Euro extra) das Smartphone zu Bordcomputer und Navi macht. Tolle Lösung, nettes Gadget, Applaus.

Angesichts des vorhandenen Stauraums endet unser imaginäres Händeklatschen dann aber wieder recht rasch. Kleinzeugs passt hinein, ein ordentlicher Helm nicht.

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