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Oktober 2019

König im Morganland

Teil 9 unserer Serie "Autoland Österreich": Eine Roadster-Tour durchs wunderschöne Südburgenland.

Fährt man in einem Morgan durchs kurvige Geläuf des Südburgenlands, kann man sich mit ein wenig Fantasie auch in einer grünen englischen Grafschaft wie den Cotswolds wähnen. Keine Frage: Österreichs östlichstes Bundesland ist als Ziel einer entschleunigenden Cabrio-Tour sträflich unterschätzt.

Unbeschreiblich nämlich das Gefühl, im "Plus 4", dieser puristischen Roadster-Ikone britischer Provenienz, über sanfte Hügel und durch dichte Wälder zu düsen, während Naturduft ungefiltert in die Nasenlöcher strömt.

Zwei Tage haben wir für den folgenden Trip angesetzt, und obwohl das Südburgenland reich an Sehenswürdigkeiten ist, nehmen wir uns bewusst nur einige wenige Stationen vor. Denn: Weder der Morgan noch die Landschaft animieren schließlich zum gehetzten Abhaken einer meist ohnehin überfüllten To-do-Liste.

Uns geht es um Ruhe und Genuss: um den Weg als Ziel.

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Das Südburgenland ist als Ziel einer Cabrio-Tour sträflich unterschätzt.

Christoph Löger, Redakteur

Die Route

Dem Taufnamen des Bundeslandes Tribut zollend, besuchen wir ehrwürdiges Burg-Gemäuer, aber auch berühmte Weingegenden und einige Stationen der turbulenten burgenländischen Geschichte…

2019_10_burgenland_morgan_AK_karte.jpg Andreas Kaleta © Andreas Kaleta

Exkurs: Kein einfacher Weg

Der Grenzerfahrungsweg Bildein im gleichnamigen Ort ist eine der schönsten, gleichzeitig wohl aber auch bedrückendsten Wanderungen, die man in Österreich unternehmen kann. Etwa zwei Stunden dauert die Tour entlang des eben verlaufenden Rundwegs, der zur österreichisch-ungarischen Grenze leitet, dort den Fluss Pinka überquert und am anderen Ufer wieder zurück zum Ausgangspunkt führt. 

Unterwegs passiert man eine Reihe von eindrucksvollen historischen Stationen, die an die Zeiten des "Kalten Kriegs" erinnern – z.B. Bunker, Schützengräben, Grenzbrücke, Grenzwachturm oder einen vor sich hin rostenden Panzer. 

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1 Bis zum Fall des "Eisernen Vorhangs" im Sommer 1989 konnte man hier nicht so unbehelligt stehen wie heute.  © markuszahradnik.com

2 Düsterer Zeitzeuge: ein stehen gebliebener Grenzwachturm entlang des Rundwegs. © markuszahradnik.com

3 Als rostendes Mahnmal leistet dieser Panzer heute sympathischere Dienste als anno dazumal. © markuszahradnik.com

Im Gespräch: "Mr. Morgan"…

Jörg Koessler-Hammerschmid, der in Österreich seit vielen Jahren erster Ansprechpartner für die britische Traditionsmarke ist.

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1 Jörg Kössler-Hammerschmid, der Morgan-Spezialist Österreichs. © markuszahradnik.com

2 Wo sonst: Interview im legendären Morgan Plus 4. © markuszahradnik.com

3 "Mr. Morgan" erklärt dem Autor die – nur für Anfänger – komplizierte Verdeck-Mechanik. © markuszahradnik.com

— Herr Kössler, sind Sie anglophil?

jörg koessler-hammerschmid: (lacht) Ja, ich hab die Liebe zu Großbritannien im Blut. Das hat mit den Menschen zu tun, mit der Landschaft, und natürlich auch mit der Firma Morgan. Wir haben guten Kontakt zur Insel, auch wenn das in diesen Zeiten nicht immer so leicht ist.

— Was fällt Ihnen ein, wenn sie heuer auf das Jubiläum "110 Jahre Morgan" zurückblicken?

jörg koessler-hammerschmid: Dass es natürlich auch viele schwierige Momente gab: zwei Weltkriege und die Weltwirtschaftskrisen zum Beispiel. Aber: Die Firma ist immer zu dem gestanden, was sie gemacht hat, und ist zum Glück niemals auch nur einen Millimeter davon abgewichen. Viele andere englische Hersteller haben über die Jahre versucht, mit dem Mainstream mitzugehen. Ihre Schicksale sind bekannt. Morgan macht hingegen eigentlich immer schon dasselbe. Zwar auf die jeweilige Zeit adaptiert, mit moderneren Materialien, Motoren und den Anforderungen an die Zulassung, aber es ist und bleibt auch heute noch einfach ein Morgan. Mit diesem typisch klassischen Fahrgefühl, gepaart mit heutiger Zuverlässigkeit. 

— Wie kann ein kleiner Traditionshersteller künftig mit dem momentanen Umbruch in der Autoindustrie umgehen?

jörg koessler-hammerschmid: Morgan hat einen großen Vorteil: Die könnten quasi für alle möglichen Antriebsformen ein Auto bauen. Aber einstweilen ist es wohl am besten, das zu machen, was man am besten kann. Wir haben Motoren, die nachhaltiger nicht sein könnten, haben extrem geringen Verbrauch, kaum Gewicht. Man muss heutzutage zwar vorsichtig sein mit Prognosen, die können im nächsten Monat ja schon wieder über den Haufen geworfen sein, aber mittelfristig ist für Morgan das alte Sprichwort "Schuster, bleib bei deinen Leisten" wohl recht passend.

Info: Morgan zum Selbstfahren

Den (fabriksneuen) "Oldtimer" kann man beim Morgan-Spezialisten Kössler-Hammerschmid im niederösterreichischen Trumau mieten. Preise: ab € 375,–/Tag. Mehr Informationen unter: www.morganontour.com

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