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Der Victoria Hafen ist in der Nacht besonders eindrucksvoll.

© Cornelia Buczolich

Der Victoria Hafen ist in der Nacht besonders eindrucksvoll.

© Cornelia Buczolich
Januar 2018

Hongkong & Macau: Schillernde Schwestern

Hongkong hat sein britisches Flair längst verloren – Macau fühlt sich fast so an wie Portugal, aber auch wie Las Vegas. 

Sinkflug auf Hongkong: Die Landung ist zwar nicht mehr so spektakulär wie einst, als das Fahrwerk fast die Hausdächer streifte. Jedoch zeigt mir der Anflug auf den neuen Flughafen Chek Lap Kok, der sich seit 20 Jahren außerhalb der Stadt befindet, ein Bild der Sieben-Millionen-Metropole, das ich vorher nicht kannte: Wiesen, Gebirge und Strände.

Hätte ich vor der Reise ausreichend recherchiert, wären nun meine Wanderschuhe im Gepäck. Zwei Drittel Hongkongs sind Grünfläche, 40 Prozent stehen sogar unter Naturschutz. Im Hinterland Hongkongs, den New Territories, befinden sich 263 Inseln und selbst das große Stück Festland ist durch Halbinseln, Berge und tiefe Buchten extrem zerklüftet. 

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Ich sehe bei der Landung aber auch riesige Wohnkäfige. "In einem Komplex leben etwa 3.000 Menschen – aufgeteilt auf 60 Stockwerke", erzählt der Reiseleiter Vincent Chai. Wohnen in der Stadt ist teuer. "Das Durchschnittseinkommen beträgt 1.700 Euro, die Miete für eine 50-qm-Wohnung jedoch fast das Doppelte." Die Lösung: Fünf bis sieben Personen teilen sich ein Apartment.

"Ein Tellerwäscher verdient in Hongkong übrigens mehr als ein Rezeptionist oder Büroangestellter", berichtet der Guide. "Es ist sehr schwer, genügend Hilfspersonal für die Küche zu finden."

Video: Hafenstadt Aberdeen

Platz ist in Hongkong Mangelware. Wer investieren möchte, kann sich um 1,4 Millionen Hongkong-Dollar (etwa 151.500 Euro) eine Parklücke kaufen. Vorteil: Man muss sich nicht um die Instandhaltung kümmern und kann rund 400 Euro Miete verlangen. "Wir haben nicht einmal Platz für genügend Gräber. Beerdigungen kosten ein Vermögen – kein Wunder, dass meist Seebestattung bevorzugt wird", erzählt Vincent.

Hongkong-Chinesen haben einen anderen Zugang zu Geld. Rund zwei Drittel von ihnen halten Aktien. Sie zocken gern, besonders die Frauen. Es gibt keine Spekulationsgebühren oder sonstige Spesen. Das Geld wird aber auch mit Vorliebe auf Pferde gesetzt. Zweimal pro Woche geht's auf die Rennbahn.

Video: Venezianisches Resort in Macau

Casinos sind in Hongkong jedoch illegal, nicht aber in Macau. Die ehemalige portugiesische Kolonie liegt nur einen Steinwurf entfernt: mit dem Tragflächenboot in einer knappen Stunde erreichbar. Und bald auch über die neue 55 Kilometer lange Brücke.

In Macau wimmelt es nur so von Glücksspiel-Unternehmen. "Macau macht damit sechsmal mehr Umsatz als Las Vegas", erzählt der Reiseleiter.

Jeder spricht nur über die schillernden ­Casinos, dabei hat Macau viel mehr zu bieten, etwa die 25 historischen Bauten, die ins UNESCO-Welterbe aufgenommen wurden, wie die Ruine São Paulo, das Guia-Fort und die Gebäude rund um den Senatsplatz.

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Wie viel Zeit sollte man nun für die beiden Städte einplanen? Es gibt Pflichtpunkte in Hongkong – zum Beispiel vom Peak die Aussicht auf die Skyline genießen oder mit ­einer Dschunke den Viktoria Harbor entlang fahren und um 20 Uhr die Lasershow bestaunen. In Macau ist es die Altstadt-Führung.

Viele Urlauber sind nach zwei Tagen Hongkong froh, wenn sie die Stadt wieder verlassen – zu hektisch, zu viel Verkehr. Wer sich jedoch für eine Woche entschieden hat, würde gerne um eine weitere verlängern, um das Hinterland zu erkunden. Meine Reise war definitiv zu kurz. Ich hatte aber auch die Wanderschuhe vergessen.

Die Reportage ist auch in der auto touring Jänner-Ausgabe 2018 erschienen.

Video: Spektakuläre Aussicht auf die Skyline in Hongkong

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Nähere Infos unter Tel. 0810 120 120, in allen Filialen und im Internet-Portal von ÖAMTC Reisen.

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