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Die Elbphilharmonie vereint alt und neu.

© Cornelia Buczolich

Die Elbphilharmonie vereint alt und neu.

© Cornelia Buczolich
Oktober 2017

Hamburg: Architektur-Poesie

Wahnsinn, sie ist fertig: die Elbphilharmonie in Hamburgs HafenCity. Plus: Tipps für einen Städtebesuch zur kalten Jahreszeit.

Hamburg war Musikstadt. Hamburg ist Musikstadt. Mit der Elbphilharmonie wurde eine neue Musik-Ära eingeläutet. Ein neues Wahrzeichen ist geboren – oder besser gesagt: wiedergeboren. "Der Kaiserspeicher (ein Backstein-Lagergebäude) war auch schon früher Hamburgs Wahrzeichen, bevor er im Zweiten Weltkrieg komplett zerbombt wurde", erzählt Natalie Ruoß vom Hamburg Marketing. "An selber Stelle wurde 1962 der zweite Speicher gebaut, dieser ist heute der Sockel der Elbphilharmonie." 

Je nach Licht und Wetterlage erleben Passanten unterschiedliche Farbenspiele auf der Fassade, welche aus über tausend Glaselementen besteht. 18.000 Tonnen Stahl wurden insgesamt verbaut, das entspricht dem Startgewicht von etwa 32 (!) vollbesetzten Airbus A380. Und das Gesamtgewicht von 200.000 Tonnen gleicht etwa 30 Mal dem Museums-Frachtschiff Cap San Diego, das ebenfalls im Hamburger Hafen liegt. 

Schon der Zugang in die Elbphilharmonie ist spektakulär: Eine 82 Meter lange, gebogene Rolltreppe, "Tube" genannt, führt zur Plaza (dem Foyer) und zur Besucher-Terrasse.

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Video: Mit der Tube in den Musikhimmel

Etwa ein Viertel des Gebäudes wurde den drei Konzertsälen gewidmet. Die restliche Fläche für Wohnungen, ein Hotel, ein Restaurant, die Plaza und für das Parkhaus.

Im Großen Saal der absolute Höhepunkt – das Orchester-Podium in der Mitte des Raumes. Die Zuschauer sitzen rundherum in unterschiedlicher Höhe. Damit sich jeder das Musikerlebnis leisten kann, gibt es Tickets schon um fünf Euro.

"Das Problem ist somit nicht, dass die Preise zu hoch sind, sondern eher, dass man keine Karten mehr bekommt." Ruoß empfiehlt, sich für den Newsletter anzumelden, denn es gibt immer wieder Zusatz-Konzerte. ÖAMTC Reisen hat sich ein paar Tickets gesichert und ein Paket für September 2018 geschnürt.

Wer sich nachts fragt, warum ein paar Leuchtstoffröhren von der Straße aus sichtbar sind: Diese sind wie Pfeile auf den Dirigenten gerichtet. So weiß jeder gleich, wo sich der Große Saal in der Elbphilharmonie befindet.

Großer Saal in der Elbphilharmonie

Die Elbphilharmonie selbst kann jeder erkunden, dafür braucht man kein Konzertticket. Die Plaza und die Besucher-Terrasse sind kostenlos zugänglich. An besonders frequentierten Tagen empfiehlt es sich jedoch, einen Zeit-Slot (im Besucherzentrum gegenüber der Elbphilharmonie oder auch im Internet) für die Plaza um nur zwei Euro zu buchen, da die Kapazität begrenzt ist. So kann man sicher sein, nicht warten zu müssen.

Von der Terrasse aus kann man das 900-Millionen-Euro-Bauwerk umrunden und den Ausblick auf die Speicherstadt und den Hafen genießen. Hier sieht man mit etwas Fantasie sogar bis zum berühmten Altonaer Fischmarkt hinüber, der im Winter immer sonntags von 7 bis 9.30 Uhr geöffnet ist.

Video: Altonaer Fischmarkt

Die Elbphilharmonie im Mini-Format

Nur ein paar Meter von der Elbphilharmonie entfernt hat sich das Miniatur Wunderland zu Hamburgs Attraktion Nummer eins entwickelt. Die weltgrößte Modelleisenbahn-Anlage in der Hamburger Speicherstadt ist zu jeder Uhrzeit ein Besuch wert – besonders an Regentagen oder zur kalten Jahreszeit ist sie ein heißer und vor allem "trockener" Tipp. An Feiertagen und auch am Wochenende hat das Museum oft sogar von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts geöffnet. Ein Tipp: Unbedingt die Öffnungszeiten vor dem Besuch checken, denn diese variieren von Tag zu Tag sehr stark. "Hinter den Kulissen arbeiten hier nur Freaks“, erzählt mein Guide Tomas Kaiser. Und das noch dazu fast rund um die Uhr. "Sie brennen richtig für ihren Job." Das merkt man. 

Die Modellbaulandschaft der Superlative umfasst Themenbereiche von Österreich über Skandinavien bis nach Amerika: 15 Kilometer Gleise, 15.000 Loks und Wagons, 9.000 Autos, 4.000 Häuser sowie 215.000 Figuren – darunter auch das NDR Elbphilharmonie Orchester.

Beeindruckend öffnet sich im Miniatur Wunderland die Fassade des neuen Konzerthauses und Besucher können einen Blick in das Elbphilharmonie-Modell werfen. Sogar der Dirigent und sein Orchester bewegen sich zur Musik – unvorstellbar, die Figuren sind ja nur ein paar Millimeter groß.

Video: Die Elbphilharmonie im Miniatur Wunderland

Die neue Innenstadt im ehemaligen Sperrgebiet

Hamburg hat die einmalige Chance genutzt und die Innenstadt mit der neuen HafenCity um fast das Doppelte erweitert. Die HafenCity zählt somit europaweit zum größten innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekt. Auf einer Fläche von 157 Hektar (im Vergleich dazu: die Wiener Innenstadt hat insgesamt 287 Hektar) entsteht im ehemaligen Hafengebiet diese Erweiterung der City – eine bunte Mischung aus Kultur und Freizeit, Wohnen und Arbeiten sowie Gastronomie. Bis 2025 soll dann auch der letzte Abschnitt fertiggestellt werden. 

Die Hamburger Speicherstadt ist der weltweit größte historische Lagerhauskomplex. Wo früher Säcke mit Kaffee, Tee, Kakao, Tabak und Gewürzen in den Speichern gestapelt waren, findet man heute Büros. "Kaffee und Gewürze werden hier gar nicht mehr gelagert", erzählt mein Guide Tomas Kaiser. Anders ist es mit Teppichen, denn noch immer gilt die Speicherstadt im Stil der wilhelminischen Backsteingotik als das größte Teppichlager der Welt.

In den letzten Jahren sind trendige Büronutzungen durch Werbeagenturen, Theater, Mode-Showrooms oder gastronomische Lokale hinzugekommen. Einige Kaffeeröstereien und Museen wie die Kaffeerösterei Burg haben in den letzten Jahren in der Speicherstadt für Interessierte geöffnet, um einen Teil der Geschichte und die Bedeutung Hamburgs als Handelsstadt zu zeigen.

Licht- und Klangshow

Die neue HafenCity sorgt für Staunen: Nicht nur, dass hier eines der weltbesten Konzerthäuser errichtet wurde oder die weltgrößte Modelleisenbahn entstanden ist, besonders eindrucksvoll ist auch die neue U-Bahn-Station HafenCity Universität. 

Zwölf markante Leuchtcontainer präsentieren sich an der Decke der Haltestelle in unterschiedlichsten Farbtönen – und das in perfekter Harmonie zu den Klängen von Verdi und Bach. Dieser Bahnhof hat bereits einige Preise eingeheimst, etwa den Radiance Award for Excellence in Lighting Design 2013 der International Association of Lighting Designers.

Die Klangshow kann jeder an Wochenenden und Feiertagen zur vollen Stunde zwischen 10 und 18 Uhr bestaunen.

Video: U-Bahn-Station HafenCity Universität

Von klassischen Gerichten und Geheimtipps

Es gibt so ein paar Dinge, die man einfach in Hamburg erlebt haben muss – und gegessen. Dazu zählt zum Beispiel ein "Fischbrötchen" mit Kräutermatjes, Bismarckhering oder Nordseekrabben. Labskaus ist das Seemannsgericht schlechthin, es besteht aus Pökelfleisch, Kartoffeln, Zwiebeln sowie Rote Bete und wird mit Spiegelei serviert. Auch der Hamburger Pannfisch ist ein echter Klassiker der hamburgischen Küche.

Restaurant-Tipp: die Oberhafen-Kantine – ein kleines denkmalgeschütztes, schiefes ;-) Gebäude, in dem ein Restaurant betrieben wird (betrieben von Christa Mälzer, Mutter des TV-Kochs Tim Mälzer). Seit 1925 steht das Gebäude da und hat sogar die Bombennächte des Weltkriegs überlebt.

Als Nachspeise oder zwischendurch essen Einheimische ein "Franzbrötchen" – Österreicher würden es Plundergebäck nennen. Es schmeckt wie ein Croissant plattgedrückt – nur mit viel zuviel Butter ;-). In den Bäckereien bekommt man die Süßspeise entweder ganz klassisch mit Zimt und Zucker oder kreativ mit Schokolade oder Apfel.

Und wenn Sie am Samstag am Flohmarkt bei der Flohschanze rund um die Alte Rinderschlachthalle stöbern, nehmen Sie sich Zeit für ein Frühstück oder eine Kaffee- und Kuchenpause in der Konditorei "Herr Max". Sie werden es nicht bereuen! 

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Fischbrötchen am Altonaer Fischmarkt.
Hamburg_IMG_3496 Kopie.jpg  Cornelia Buczolich © Cornelia Buczolich
Konditorei "Herr Max".
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"Franzbrötchen" mit Schokoladestreusel.

Im Sommer neu aufgesperrt hat "Salt & Silver" – unbedingt reservieren (!). Johannes und Thomas führen das Restaurant. Die beiden sind als Backpacker um die halbe Welt getrampt, um Erfahrungen und vor allem gute Rezepte zu sammeln. Serviert werden lateinamerikanische Gerichte wie etwa Ceviche Yucatan um 15 Euro oder Ochsenbäckchen um 16 Euro. Als Dessert gibt es "Paleta" – mexikanisches Avocadoeis mit Schokolade, Orangen-Nuss-Crumble, gebrannten Früchten und Himbeer-Chilimarmelade. 

Die Hamburger Freunde Jan und Steffen haben nach einer durchgefeierten Nacht in New York ihre Idee geboren: "Wir eröffnen unsere eigene Burger-Cocktail-Bar mit den besten Zutaten.“ Im Ausland haben die beiden genügend Erfahrung gesammelt, um ihre eigene "Brooklyn Burger Bar" in einer ehemaligen Apotheke in Hamburg zu eröffnen. Auf der Karte stehen Burger mit Bio-Faschiertem und hausgemachten Laibchen – auf Wunsch mit Süßkartoffel-Pommes. Aber auch Pulled Pork wird angeboten.

Das "Alex" an der Binnenalster ist zwar kein Geheimtipp, dafür ist es viel zu groß, aber immer einen Ausflug wert, egal ob zum Frühstück oder abends auf einen Cocktail. Bei schönem Wetter kann man draußen sitzen – zur kalten Jahreszeit wärmen die zahlreichen Heiz-Schwammerln. 

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Pulled Pork Burger mit Süßkartoffel-Pommes und dunklem Laibchen…
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… in der "Brooklyn Burger Bar“.
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Unbedingt probieren: den ein oder anderen Cocktail.

Die Reeperbahn, auch "Kiez" genannt, ist und bleibt Hamburgs Vergnügungsviertel Nummer eins. In den alten Hamburger Kneipen bekommt man sogar noch ein Bier um nur 1,50 Euro. Getrunken wird es auch gerne auf der Straße, und dafür gibt es einen Namen: "Cornern" nennt man das Abhängen an der Straßenecke – meist mit einer Zigarette in der Hand, da ja strengstes Rauchverbot in den Lokalen und Restaurants herrscht.

Im Freudenhaus gibt es übrigens sehr gutes Hamburger Essen. Bar-Tipp: Die Roosen Bar ist eine kultige Kneipe mit Vintage-Sofas. Verrückt ist die "Thai Oase" – ein Karaoke-Club. Wer Glück hat, trifft auf die Stars des Musicals "König der Löwen" nach ihrem Auftritt. 

Und wer nachts wieder Hunger verspürt, der bekommt am Hans-Albers-Platz um zwei Euro eine frische Pizza aus dem Holzofen auf die Hand. Einfach dem guten Geruch nachgehen. 

Eine noblere Adresse in St. Pauli ist das "clouds – Heaven's Bar & Kitchen" in dem Wolkenkratzer "Tanzende Türme". Hier kann man einen Cocktail über den Dächern der Stadt genießen und fein essen. Im Sommer hat die Dachterrasse im 24. Stock geöffnet.

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1 Dachterrasse im 24. Stock der "clouds – Heaven's Bar & Kitchen". © clouds - Heavens Bar & Kitchen

2 Rinderbäckchen mit Esquite-Püree, Mezcal-Chili-Butter, Schwarzer Mole, Koriander und eingelegtem jungen Lauch im "Salt & Silver". © Cornelia Buczolich

3 Straßen-Pizza aus dem Holzofen – auch um 2 Uhr nachts am Hans-Albers-Platz. © Cornelia Buczolich

Das ÖAMTC-Reisebüro bietet eine exklusive Hamburg-Städtereiseinklusive zwei Konzerten in der Elbphilharmonieim September 2018an.
Nähere Infos unter Tel. 0810 120 120, in allen Filialen und im Internet-Portal von ÖAMTC Reisen.

Mit dem "ÖAMTC City Guide" Hamburg entdecken – im Web und als kostenlose App offline verwendbar.

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