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März 2020

Helm ab und helfen

Ferdinand Habsburg war voller Zuversicht, als er den Vertrag mit Audi für die diesjährige DTM-Saison unterschrieb. Doch dann veränderte sich die Welt.
 

Jetzt gibt es keine Ausreden mehr!" Ferdinand Habsburg war total happy, als er als einer der Letzten ein Cockpit im DTM-Team von Audi Sport ergatterte. Audi also, das Meisterteam. Habsburg im Meisterauto. Ein Buben-Traum.

Anfang Jänner. Ferdinand, der Kaiser-Urenkel, rückt ein zum Bundesheer: Grundausbildung in der Dabsch-Kaserne, dem ABC-Abwehrzentrum (ABC steht für: atomar, biologisch, chemisch) in Korneuburg. Danach die Überstellung ins HSZ, das Heeres-Sport-Zentrum.

Und plötzlich gibt es doch eine Ausrede: Corona!

Ein Virus, das die Welt lähmt, Menschen isoliert, Gesellschaften verändert. Und den Sport zum Erliegen bringt. Statt im Cockpit zu testen, verbringt Wehrmann Habsburg jetzt lange Nächte in Lagerhallen. Nicht allein: Zusammen mit heimischen Spitzensportlern schleppt er schwere Kisten, belädt Lieferwagen für Billa, Merkur und Co. Junge Heeres-Sportler im Hilfseinsatz zur Aufrechterhaltung der Lebensmittel-Versorgung.

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­­— Ein kleiner Virus hebt die große Welt aus den Angeln. Wie geht es Ihnen damit?

FERDINAND HABSBURG:Wie es mir geht? Gute Frage! Ich glaub', das kann zurzeit keiner so genau sagen – auch ich nicht. Ich empfinde es aber als Glück, beim Bundesheer einer sinnvollen Aufgabe nachzugehen und somit etwas für das Gemeinwohl beizutragen. Dabei ist es mir völlig egal, ob ich in einer Lagerhalle aushelfe, Telefondienst leiste oder sonstwo eingesetzt bin.

Eigentlich bin ich doppelt dankbar: nämlich meinem Land zu dienen, aber vor allem in einem Land wie Österreich leben zu dürfen. Denn hier geht alles ziemlich vernünftig und kultiviert ab, mal abgesehen von verrückten Hamsterkäufen, die ich beobachten konnte.

FvH_BH-Lager_CMS.jpg Privatarchiv Habsburg © Privatarchiv Habsburg
Nachschicht in der Lagerhalle: Ferdinand Habsburg und die Rekruten des Heeres-Sport-Zentrums helfen die Lebensmittel-Versorgung aufrecht zu erhalten. 

— Anstatt zu testen sind Sie jetzt beim Bundesheer. Zuerst im ABC-Abwehrzentrum, nun im Corona-Einsatz. Bitte erzählen Sie uns darüber und auch, welche Arbeiten Sie und Ihre Kameraden zu verrichten haben.

FERDINAND HABSBURG:Da ich jetzt im Heeres-Sport-Zentrum stationiert bin, mache ich das, was alle Sportler im Moment beim Heer machen: helfen,  wo Not am Mann ist. Vorwiegend in Lagerhallen, um alle Geschäfte mit Lebensmitteln und Waren versorgt zu halten. Zusätzlich unterstützen wir die Telefonzentrale für Notrufe. Kurzfristig können auch noch andere Aufgaben dazu kommen.

— Motorsportler, ein historischer Name, ein privilegiertes Leben: Wie ist es Ihnen damit in der Grundausbildung beim Bundesheer ergangen?

Ich empfinde es als Glück, beim Bundesheer einer sinnvollen Aufgabe nachzugehen und somit etwas für das Gemeinwohl beizutragen.

Ferdinand Habsburg, Grundwehrdiener

Ferdinand Habsburg: Das ist eine tolle Frage, weil ich wirklich extrem viel mitnehmen konnte aus der Grundausbildung. Ich muss aber zugeben, dass die Zeit für mich extrem hart war. Rückblickend ist eine meiner liebsten Erinnerungen, als ich an einem Sonntag bei einem Medien-Termin in München war, wo ich als "DTM-Star" herumgereicht wurde.

Natürlich musste ich noch am selben Abend wieder in der Kaserne zurück sein. Montag um sechs Uhr früh war Tagwache und schon um 6:30 Uhr wurde uns die Außenbereichs-Reinigung befohlen. Mir wurde der Schuhputzraum zugeteilt. Mein Pech war, dass der Schmutz vom Wochenende so schlimm war, dass er nur mit Hilfe meiner Fingernägel runterging.

In einer Verschnauf-Pause habe ich dann daran gedacht, wie anders mein Leben noch am Vortag war. Ich musste grinsen, wie schnell mich das Bundesheer wieder zurück auf den Boden geholt hatte. Aber genau dafür bin ich dankbar. Für diese Erfahrung, zwei völlig verschiedene Welten innerhalb kürzester Zeit durchleben zu dürfen. Zwei Welten, die beide viel für sich haben und die beide nun Teil von mir sind.

— Verrichten auch noch andere bekannte Leistungssportler mit Ihnen gemeinsam den Dienst?

Ferdinand Habsburg: Die meisten wirklich berühmten Heeressportler sind die Wintersportler. Die sind allesamt in anderen Kasernen untergebracht als wir Sommersportler. Ein Name, den jeder kennt, ist Moritz, der kleine Bruder von Dominic Thiem. Er und noch andere bekannte Athleten wie Judo-Euromeister Stephan Hegyi und Rapid-Stürmer Kelvin Arase sind mit mir stationiert.

Turbulente Zeiten

Ferdinand_Habsburg_DTM_2019_Photographer_Brecht_ Decancq_CMS.jpg  Brecht Decancq © Brecht Decancq
Ferdinand Habsburg verliert das Cockpit im Aston Martin von R-Motorsport…
Ferdinand_Habsburg_Drew_Gibson_c_CMS.jpg  Drew Gibson © Drew Gibson
… und heuert im letzten Moment beim belgischen Kundenteam WRT Audi Sport an.
Ferdinand_Habsburg_Schlechter_Bundesheer_ABC-Abwehrzentrum_1_CMS.jpg  Bundesheer ABC Abwehrzentrum © Bundesheer ABC Abwehrzentrum
Ferdinand Habsburg rückt im Jänner zum Bundesheer ein – zur ABC-Abwehrtruppe in Korneuburg. Links im Bild: Kompaniekommandant ObstG. Jürgen Schlechter.

— Ihr arbeitet im Corona-Einsatz eng zusammen, wie schützt ihr euch, hilft da die Ausbildung aus dem ABC-Abwehr-Zentrum?

Ferdinand Habsburg: Wir halten Abstand – so gut es halt geht. Es wird oft Hände gewaschen und wir tragen Handschuhe. Mir hilft die ABC-Ausbildung schon sehr. Zum Beispiel weiß ich jetzt, wie man eventuell kontaminierte Kleidung auszieht, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Dabei muss man sehr vorsichtig sein, auch bei der Entsorgung.

— Ihr Vater hat sich mit dem Virus infiziert. Wie geht es ihm jetzt und wie halten Sie und die Familie Kontakt zu ihm?

Ferdinand Habsburg: Es geht ihm gut, er ist jetzt zweimal negativ getestet worden und somit gesund. Also darf er sein Haus verlassen, darf jetzt auch Lebensmittel für sich besorgen. Das hat er sofort ausgenützt und Schokolade eingekauft. Nicht weil er sie brauchte, nein, einfach nur, weil er es durfte (lacht).

In der Quarantänezeit habe ich ihm alle paar Tage Essen und Einkäufe vor die Tür gestellt. So konnte ich ihn am Fenster sehen und aus der Distanz ein wenig mit ihm quatschen. Seine Umarmungen haben mir gefehlt. Aber ich bin zufrieden, denn ich weiß, dass es vielen Familien derzeit ganz schlecht geht. 

Ferdinand_Habsburg_Privat-Archiv-Habsburg_2_CMS.jpg Privatarchiv Habsburg © Privatarchiv Habsburg
Ferdinand Habsburg mit Vater Karl, der von einer Covid-19-Infektion wieder genesen ist.

— Wie gehen Sie mit Angst um? Im Motorsport, aber auch jetzt mit der erhöhten Ansteckungsgefahr?

Ferdinand Habsburg: Mein Angst-Level ist im Grunde recht gering. Auch lasse ich mich von diesem Virus nicht einschüchtern. Ich halte einfach die Vorsichtsmaßnahmen ein.

— Wie schwer fällt Ihnen persönlich die verordnete Trennung von Freunden und Familie?

Ferdinand Habsburg: Menschen funktionieren am besten zusammen. Außer in dieser Zeit. Denn im Moment ist es leider besser, voneinander separiert zu sein. Das ist notwendig, aber natürlich auch traurig. Ich werde wahrscheinlich meine Mutter und Schwestern längere Zeit nicht sehen, da sie im Ausland sind. Aber ich bin froh, dass bis jetzt alle noch gesund sind. Und dass mein Vater, der ja jetzt geheilt ist, bei mir ist.

Eines möchte ich noch hinzufügen: Wenn eine Rennsaison normal läuft, habe ich immer sehr viele Leute um mich und viele Dinge um die Ohren, insbesondere an Rennwochenenden. Daher versuche ich die Vorteile dieser Situation jetzt auszunützen. So nehme ich mir mehr Zeit für mich, auch um ein wenig den Blick nach innen zu kehren. Das ist manchmal notwendig, auch gesund.

An Rennwochenenden habe ich immer sehr viele Leute um mich und viele Dinge um die Ohren. Jetzt nehme ich mir mehr Zeit für mich, auch um ein wenig den Blick nach innen zu kehren. Das ist manchmal notwendig, auch gesund.

Ferdinand Habsburg, Rennfahrer

— Sie waren aber noch Ende Jänner auf der Sportmesse in München. Dort wurden Sie als Star präsentiert, wie kam das bei den Vorgesetzten Ihrer Einheit an?

Ferdinand Habsburg: Lustigerweise ist genau das der Medien-Termin, den ich vorhin erwähnt habe. Um ihre Frage zu beantworten: Meine Vorgesetzten haben mich immer gleich spüren lassen, dass ich, wenn ich wieder in der Kaserne war, nur einer von 50 Rekruten bin. Deswegen musste ich auch manchmal ein wenig länger putzen (lacht).

Im Nachhinein möchte ich mich dafür bei meinen Ausbildnern sogar bedanken. Sie waren zwar alle streng, aber immer fair zu mir und haben mich Woche für Woche wieder zurück auf den Boden gebracht.

— Fast alle Sportveranstaltungen sind mittlerweile abgesagt. Ist 2020 somit ein verlorenes Jahr für Sie?

Ferdinand Habsburg: Es wurde erst kürzlich ein neuer vorläufiger Termin-Kalender für die DTM bekanntgegeben, der von Juli bis November geht. Ich hoffe sehr, dass er eingehalten werden kann.

— Wo und wie haben Sie von der Absage der Testfahrten und Rennen erfahren?

Ferdinand Habsburg: Ich wurde angerufen. Es hat mich aber nicht überrascht, die Situation war durch das Corona-Virus schon zu sehr eskaliert.

Ferdinand_Habsburg_MacauGP_Drew Gibson_CMS.jpg Drew Gibson © Drew Gibson
Ferdinand Habsburg heuert bei Audi an, dem Meister-Team der DTM. Kurz vor den ersten Testfahrten kommt der Sport wegen Corona weltweit zum Erliegen.

— Sie hatten das letzte DTM-Cockpit bei Audi ergattert. Wie haben Sie das geschafft, nachdem R-Motorsport, Ihr voriges Team, aus der DTM ausgestiegen ist?

Ferdinand Habsburg: Ich hatte im Vorjahr ein sehr starkes Saisonfinish und konnte mein ganzes Potenzial zeigen, insbesondere in den Qualifyings. Darüber hinaus war meine Beziehung mit Audi schon länger gut. Als sie beschlossen haben, ein neuntes Auto einzusetzen, war ich sofort auf ihrer Fahrerliste. Ich bin dankbar für diese tolle Möglichkeit und verspreche Vollgas zu geben!

— Audi ist aber auch das Team von René Rast, der zwei Mal die DTM und viele andere Meisterschaften gewonnen hat. Druck und Erwartungshaltung müssen enorm sein?

Ferdinand Habsburg: Es sind alles tolle Burschen bei Audi und extrem gute Fahrer, dazu kommt noch ein sehr starkes Auto. Audi ist der Traumplatz für jeden Rennfahrer! Ich habe aber genug Selbstvertrauen. Wenn ich auch noch meinen Fokus halten kann und mich schnell an das neue Auto gewöhne, dann spricht für mich nichts dagegen, die hohe Erwartungshaltung zu erfüllen. Das ist die Herausforderung, die ich gerne annehme!

— Vor einigen Jahren haben Sie in einem Interview gesagt: „Ich will Formel-1-Weltmeister werden!“ Ist dieser Traum heute ausgeträumt?

Ferdinand Habsburg: Überhaupt nicht. Ich habe viele Träume und die Formel 1 ist noch immer ein Ziel. Zurzeit habe ich aber das Privileg und die Chance, mit Audi in der DTM zu sein. Das ist jetzt meine Aufgabe und ich will starke Leistungen zeigen. Ich halte sehr viel von Leadership, von Gerhard Berger und der DTM-Meisterschaft und bin stolz, hier fahren zu dürfen.

— Abschließend nur noch eines: Gibt es etwas, das Sie aus dieser turbulenten Zeit für sich persönlich und Ihr zukünftiges Leben mitnehmen können?

Ferdinand Habsburg: Alles! Denn wenn sich die ganze Welt von einem Moment zum anderen so extrem verändert, dann ist es wichtig, sich daran zu erinnern, warum wir alle hier sind. In meinem Fall ist es, dem Herrgott treu zu bleiben und für meine Werte einzustehen. In schwierigen Zeiten hilft mir mein Glaube am meisten.

Der Oberst und der Racer

Ferdinand Habsburg absolvierte die Grundausbildung im ABC-Abwehr-Zentrum in der Dabsch-Kaserne in Korneuburg. Oberst des Generalstabs Jürgen Schlechter ist Kompaniekommandant dieser Elite-Einheit und war der höchsteVorgesetzte des Kaiser-Urenkels. Wir hatten ein paar Fragen an den Oberst:über seine Einheit und den RekrutenHabsburg.

– Herr Oberst, was sind die Aufgaben des ABC-Abwehr-Zentrums?

Jürgen Schlechter: Die ABC-Abwehrtruppe – ABC steht für "atomar, biologisch, chemisch" – ist ein einzigartiger Spezialverband unter den heimischen Streitkräften. Die Fähigkeiten der Einheit sind nicht nur im militärischen Einsatz, sondern auch in Friedenszeiten von Nutzen. Etwa bei Unfällen, aber auch bei Epidemien, wie aktuell im Fall der Covid-19-Pandemie.

– Wie geht man als Kommandant mit einem Präsenzdiener mit dem historischenNamen Habsburg um?

Jürgen Schlechter: Der Name Habsburg-Lothringen ist für uns beim Heer überhaupt kein Problem. Natürlich weiß ich, wie sehr seine Vorfahren die Gesichte Österreichs geprägt haben. Ich kann nur sagen: Wehrmann Habsburg hat, mit Ausnahme von sportlichen Notwendigkeiten, nie irgendwelche Vergünstigungen bekommen, er hat auch nie danach verlangt.

– Wie war Ferdinand Habsburg als Grundwehrdiener?

Jürgen Schlechter:Ich hab ihn als einen weltoffenen, jungen Menschen wahrgenommen. Dass er alle seine Sport- und Medien-Termine außerhalb der Dienstzeit absolvierte, hat meinen positiven Eindruck noch verstärkt.

Abschließend verrät uns der Oberst, dass er Ferdinand Habsburg nur zu gern als persönlichen Fahrer behalten hätte: "Ich hätte dann meine vielen österreichweiten Termine noch kurzfristiger anlegen können." Und schmunzelnd: "Aber ich glaube, unsere überalteten Dienst-Fahrzeuge hätten Rekrut Habsburgs sportlichen Fahrstil nicht überlebt."

Unser Heer im Corona-Einsatz

Ferdinand Habsburg-Lothringen

Als Motorsportler hätte ich Rekrut Habsburg-Lothringen gern als meinen persönlichen Fahrer behalten.

ObstdG. Jürgen Schlechter, Kommandant der ABC-Abwehr

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