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August 2021

DTM: Bergers Babys

Ein Tiroler rettet die Deutsche Tourenwagen-Masters (3.–5. September, Red-Bull-Ring). auto touring traf DTM-Boss Gerhard Berger zum Gespräch – über das Umkrempeln der Traditions-Serie und seine Vision von hartem, ehrlichem Motorsport.

Sechs sells. Marken-Vielfalt, puristisch, knallhart. Haudegen, Heißsporne und Ladies. DTM-Chef Gerhard Berger bringt die DTM im GT3-Format nach Österreich. Und schmunzelnd erzählt er von der geplanten Elektro-Version mit 1.000 PS – eine schnellere Alternative zur Formel E.

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— Die DTM kehrt Anfang September wieder auf den Red-Bull-Ring zurück. Warum war sie eigentlich weg?

gerhard berger: Die Verhandlungen haben ihre Zeit gebraucht. Ich find's super, dass wir diese Saison nicht nur Rennen am Red-Bull-Ring haben, sondern auch ein Red-Bull- und Alpha-Tauri-Team am Start.

— Sie haben eine schon totgesagte Tourenwagen-Serie vor dem Aus bewahrt, mit einem GT-Reglement umgekrempelt und völlig neu aufgestellt. Warum war es Ihnen überhaupt so wichtig, diese Serie am Leben zu erhalten?

gerhard berger: Die DTM war es wert, sie weiterzuführen. Sie ist eine starke Marke mit internationalen Bekanntheitsgrad und einer großen Fangemeinde. Eine weltweit anerkannte Plattform, die über Jahre hinweg gewachsen ist und tolle Möglichkeiten für die Automobil- und Zuliefer-Industrie bietet. So etwas schreibt man nicht einfach ab.

Vision & Rettung

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DTM neu: Am Anfang stand die nicht unumstrittene Vision von einer GT3-Serie und von hartem, fairem Motorsport.
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2021 drängt sich ein volles Starterfeld durch die Schikane in Monza und die Steilkurve am Lausitzring.
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Den Zuschauern gefällt's. Die Deutsche Tourenwagen Masters baut auf eine große Basis enthusiastischer Fans.

— Wie schwer war die Umsetzung dann wirklich? Es gab ja auch Widerstände – und das alles in einem Covid-19-Szenario.

gerhard berger:Es war harte Arbeit. Neben der Transformation der Automobilindustrie in Richtung Elektrifizierung hat uns die Pandemie zusätzliche Hürden auferlegt. Das war nicht einfach und das ist es auch immer noch nicht. Es sind noch einige Hürden zu nehmen.

— Wer waren Ihre Helfer und wie konntet ihr die umgekrempelte DTM verkaufen?

gerhard berger:Ich habe ein Top-Team und viele gute Mitspieler, die die DTM schätzen. Das Verkaufsargument war aber nicht neu: Wir bieten die beste Plattform und das beste Paket – nicht nur in Bezug auf den Rennsport, auch auf der kommerziellen Seite.

— Was war die Vision?

gerhard berger:Ich will die Plattform in die Zukunft führen und unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. Darum war mir wichtig, dass die DNA der DTM erhalten bleibt. Das Reglement hat sich in über 35 Jahren schon öfters geändert. Die DNA aber ist immer gleich geblieben: die DTM als die härteste Tourenwagenserie der Welt.

Wir haben internationale Weltklasse-Profis am Steuer, die sich enges Racing ohne Fahrerwechsel liefern. Deshalb haben wir auch große Zuschauer­zahlen und Medien-Reichweiten.

Schmäh & Speed

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Verwandt: DTM-Chef Gerhard Berger beim Schmähführen mit Neffe Lukas Auer, der heuer einen Mercedes-AMG GT3 des texanisch-deutschen Winward-Teams pilotiert.
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Verdammt schnell: Der Neuseeländer Liam Lawson gewann das erste Rennen in Monza im Red-Bull-gebrandeten Ferrari 488.
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Versprochen: Gerhard Berger ist überzeugt, dass der hochtalentierte Liam Lawson schon nächstes Jahr in einem Formel-1-Cockpit sitzt.

— Von Class-1-Tourenwagen zurück zum GT3-Sport. War das die einzige Möglichkeit?

gerhard berger: Für ein nicht bereits bestehendes Reglement hätte es in der aktuellen Situation keine Chance gegeben. Und GT3 ist eine Lösung, die attraktiven Motorsport garantiert.

— Gibt es schon Feedback aus der Szene, vor allem von Fans?

gerhard berger: Das Feedback, das ich erhalte, ist durchwegs positiv. Die DTM hat an Attraktivität gewonnen. Wir haben endlich wieder eine große Markenvielfalt und ein starkes Fahrerfeld, auch zwei Mädels sind dabei. Überraschungen sind also garantiert. Das haben bereits die ersten Rennergebnisse gezeigt: In sechs Rennen hatten wir fünf verschiedene Sieger.

— Durch die Vielfalt von sechs, seit dem Nürburgring sogar sieben Autoherstellern ist die Balance of Performance der Knackpunkt. Wie löst ihr das?

gerhard berger: Wir vertrauen bei diesem Thema komplett auf unseren Partner AVL, der die BoP für uns umsetzt. Im Vergleich zu anderen Serien ist unser Ansatz, die Balance ausschließlich über Simulationen zu erstellen. Das hat erstaunlicherweise von Beginn an gut geklappt und wird langfristig ein großer Vorteil sein.

— Die Zeiten des Starterfelds liegen unglaublich eng beisammen. Sind da Erfolgsgewichte für die Besten noch vertretbar?

gerhard berger: Das schauen wir uns in dieser Saison an.

— Ohne DRS oder Push-to-Pass-Button ist Überholen viel schwieriger. Denkt ihr schon über die Einführung von Überholhilfen nach?

gerhard berger: Das sehe ich aktuell nicht. Mein Eindruck ist, dass wir sogar mehr Überholvorgänge haben als früher unter dem Class-1-Reglement. Vergleichbare Fahrzeuge und Spitzenfahrer führen zu einem natürlichen Überholverhalten, plus spektakulären Parallelfahrten mit möglichst spätem Anbremsen. Auch die strikte Reifen-Limitierung und unterschiedlichste Strategien sorgen für mehr "ehrliche Manöver".

Show & Spannung

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1 Zur DNA der DTM gehören: Rad-an-Rad-Kämpfe, harte Parallelfahrten, späte Brems-Manöver und natürlich auch… © DTM

2 … heftige Ausritte wie von der Britin Emsee Hawkey im Lamborghini Huracán. © DTM

3 Dass die Balance of Performance stimmt, beweisen fünf verschiedene Sieger in den ersten sechs Rennen.  © DTM

— Wie gefällt Ihnen das bunte Fahrer-Feld aus jung, alt, GT-Spezialisten bis hin zu ehemaligen Formel-1-Fahrern und auch zwei jungen Damen, die kräftig Gas geben?

gerhard berger:Das Feld ist eine gelungene Mischung, um die Spannung hochzuhalten. Dass auch zwei Frauen die Chance bekommen, in diesem doch eher traditionellen "Männersport" ihre Fähigkeiten zu zeigen, halte ich für richtig und wichtig.

— Welche Fahrer haben Sie in den ersten Rennen am meisten überrascht und wer ist Ihr Titel-Favorit?

gerhard berger:Einen Titelfavoriten – das kann ich beim besten Willen nicht sagen. Überraschend stark unter den jungen Nachwuchsfahrern ist Liam Lawson. Ich gehe aber davon aus, dass er nur diese Saison in der DTM fährt, nächstes Jahr sehe ich ihn in der Formel 1.

Exotische Siegertypen

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Dreifach-Sieger Kelvin van der Linde aus Südafrika. 
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Die Überraschung: Philip Ellis aus der Schweiz. 
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Und der von Alpha Tauri geschasste Ex-Formel-1-Pilot Alex Albon aus Thailand.

— Wie sieht Ihr Resumée nach den ersten Rennen aus?

gerhard berger:Wir haben Top-Fahrer und Top-Teams am Start, die sich hartes Racing liefern. Auch die BoP funktioniert. Daher bin ich insgesamt sehr zufrieden.

Die DTM Electric wird Profi-Spitzensport. Der Prototyp, an dem wir gerade arbeiten, leistet mehr als tausend PS.
 

Gerhard Berger, DTM-Chef

— Wann wird die geplante DTM Electric zum Einsatz kommen? Und wird sie die GT3-Autos später ablösen?

gerhard berger:Heuer werden wir die Power Runs mit dem DTM Electric Demo Car fortsetzen. Parallel dazu entwickeln wir gerade einen Prototypen. Unsere Elektro-Serie ist ein Projekt, das unabhängig von GT3 entwickelt wird. Langfristig werden wir dann sehen, welche Technologien sich im Rennsport und im Straßenverkehr durchsetzen. Am Ende des Tages werden die Fans entscheiden, welchen Rennsport sie sehen wollen.

— Werden die elektrischen DTM-Renner auch wieder Tourenwagen und vielleicht sogar PS-Monster sein?

gerhard berger:Die DTM Electric wird absoluter Profi-Spitzensport. Der Prototyp, an dem wir gerade arbeiten, liegt bei 1.000 PS plus.

— Könnte die DTM in Zukunft die schnellere Alternative zur Formel E sein und würde das einem Gerhard Berger überhaupt gefallen?

gerhard berger:Ja – definitiv. Und sie wäre sicher nicht nur die schnellere Alternative…

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Nach zwei Jahren steht bei den DTM-Rennen auf den Red-Bull-Ring nun auch das Fahrerlager für die Fans wieder offen. 

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