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Bremsen: Wo das Auto mit den Sommerreifen (links) bereits steht, rauscht der winterbereifte Seat noch mit 30 km/h vorbei.

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Bremsen: Wo das Auto mit den Sommerreifen (links) bereits steht, rauscht der winterbereifte Seat noch mit 30 km/h vorbei.

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April 2018

Rutschpartie

Und führe uns nicht in Versuchung, mit alten Winterreifen im Sommer zu fahren… Drei Autofahrer konnten die Auswirkungen hautnah im Fahrtechnikzentrum Wachauring erleben.

Der 15. April naht. Und damit das Ende der Winterausrüstungspflicht. Prüfender Blick auf die Restprofiltiefe der Winterreifen – gesetzlich sind mindestens vier Millimeter vorgeschrieben (bei Sommerreifen 1,6 Millimeter). Reicht das Profil nicht mehr für einen weiteren Winter, ist die Ver­suchung groß, die Reifen im Sommer "fertig zu fahren". Wäre ja schad drum. Oder?

Für ÖAMTC-Reifenexperten Friedrich Eppel ist das alles andere als eine gute Idee: "Winterreifen haben eine weichere Gummimischung und einen anderen Aufbau als Sommerreifen. Das wirkt sich bei hohen Temperaturen schlecht auf den Bremsweg und das Fahrverhalten aus."

Aber merkt man das auch als "normaler" Autofahrer? Um das herauszufinden, haben wir uns vergangenen August – bei frühlingshaften Temperaturen – mit zwei Seat Ateca in das ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Wachauring begeben. Ateca "weiß" war mit neuen Sommerreifen bestückt, Ateca "orange" mit gebrauchten Winterreifen. Wir haben drei "normale" Autofahrer eingeladen, mit uns die Unterschiede zu "erfahren".

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© Heinz Henninger

Nach ein paar Runden und Vollbremsungen in den beiden Testwagen wird ein erstes Resümee gezogen. Sebastian Kiefer, der bei den Casinos Austria arbeitet: "Ja, man merkt schon einen Unterschied, aber der ist nicht so gewaltig."

Nächste Aufgabe: Mit dem weißen Sommerreifen-Seat an einem Punkt aus 100 km/h bremsen, das Auto bleibt dort als Referenz stehen. Gleiche Aufgabe mit dem Winterreifen-Ateca, um eine Fahrspur versetzt. Und schon rauschen unsere Testfahrer am weißen Seat vorbei, bleiben mehr als eine Wagenlänge später stehen.

Auf bewässerter Fahrbahn wird der Unterschied noch größer, um etwa sechs ­Meter ist der Bremsweg jetzt länger. Verlagsleiterin Claudia Volak ist überrascht: "Zuerst fühlt es sich mit den Winterreifen gar nicht so schlecht an. Erst die Kontrollpunkte zeigen den großen Unterschied."

Noch aussagekräftiger als der längere Bremsweg ist die Restgeschwindigkeit, die das Winterreifen-Auto an der Stelle noch hat, wo der weiße Seat zum Stillstand gekommen ist. Auf trockener Fahrbahn sind es knapp unter 33 km/h, auf nasser Fahrbahn sogar noch mehr. Mit dieser Geschwindigkeit würde man also mit Winterreifen in ein Hindernis krachen, vor dem man mit Sommerreifen gerade noch anhalten kann. Abgesehen vom Verletzungsrisiko würde damit der Winterreifen im Sommer so richtig teuer kommen.

Fazit von Teilnehmer Gerhard Noe, Beamter bei der niederösterreichischen Landes­regierung: "Nach dem heutigen Tag empfehle ich jedem, sein Auto im Frühjahr auf jeden Fall auf Sommerreifen umzurüsten."

Heinz Henninger Claudia Volak, Verlagsleiterin

Überrascht

Die Unterschiede sind im ersten Moment nicht so prägnant. Erst mit den Kontrollpunkten fällt es wirklich auf. 

Heinz Henninger Sebastian Kiefer, Angestellter

Erschreckend

Es ist erschreckend, welches Tempo das Auto mit Winterreifen noch hat, wenn das Sommerreifen-Auto schon steht.

Heinz Henninger Gerhard Noe, Landesbeamter

Auf keinen Fall

Nach diesem Testtag würde ich nicht mehr mit Winterreifen im Sommer fahren – die Unterschiede sind gravierend.

ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum Wachauring, 20 Grad

Wachauring, 20 Grad Grafik: Andreas Kaleta © Grafik: Andreas Kaleta
Es fühlt sich gar nicht so unterschiedlich an: Bei einer Vollbremsung aus 100 km/h sorgt das ABS für die bestmögliche Verzögerung, egal ob winter- oder sommerbereift. Erst die Messinstrumente zeigen den objektiven Unterschied. Auf trockener Fahrbahn braucht der Seat mit Winterreifen 4,6 Meter mehr bis zum Stillstand (43,1 m statt 38,5 m). Noch größer der Unterschied auf nasser Fahrbahn: 5,9 Meter mehr Bremsweg für den Winterreifen-Ateca (53,7 m statt 47,8 m).

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