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August 2017

Im Test: Wie kompliziert sind Autos zu bedienen?

Moderne Autos bieten immer mehr Funktionen. Dadurch wird die Bedienung nicht einfacher. Sieben auto touring-Leser haben die Bedienungsfreundlichkeit von sieben Autos getestet.

Ein Lichtschalter, zwei Lenkstockhebel und ein Schieber für kalt/warm – das waren noch Zeiten. Heute bestimmen Smartphone, Navigation, eine Vielzahl von Assistenten und Multimedia unser Auto-Leben. Vieles wird dadurch leichter. Die Kehrseite der Medaille: die Bedienung all dieser Funktionen macht den Umgang mit einem modernen Fahrzeug komplizierter, die Gefahr der Ablenkung ist groß.

Unsere Frage: Wie gut schaffen es die unterschiedlichen Hersteller, den Umgang mit den zahlreichen neuen Möglichkeiten einfach zu halten? Unser Weg zur Antwort: sieben verschiedene Autos, sieben auto touring-Leser und zehn Aufgaben. Im ÖAMTC Fahrtechnik Zentrum in Teesdorf stellten sich BMW 5er, Ford Galaxy, Hyundai i30, Mazda CX-3, Peugeot 3008, Renault Mégane und VW Passat dem Urteil von sieben auto touring-Lesern im Alter von 20 bis 70 Jahren. In jedem Auto mussten zehn verschiedene Aufgaben gemeistert werden – vom Verbinden des eigenen Smartphones über die Feinjustierung der Klimatisierung bis hin zum Austesten der Sprachsteuerung. Die auto touring-Redakteure waren mit Notizblock und Stoppuhr dabei. Wir bedanken uns bei Matthias und Maximilian Gruber, Maximilian Haidenthaler, Verena Katzgraber, Heidemarie Kriz, Alfred Maier sowie Christian Rusa für ihre Begeisterung und Ausdauer bei den umfangreichen Testaufgaben.

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So bedienungsfreundlich sind moderne Autos

Handy koppeln und mit der Sprachsteuerung eine Telefonnummer wählen

Telefonieren am Steuer ohne Freisprecheinrichtung ist ein Sicherheitsrisiko. Daher sollte das Verbinden des Smartphones mit dem Auto einfach und unkompliziert sein. Am schnellsten funktioniert das beim Hyundai. Nach durchschnittlich einer guten Minute haben die Testkandidaten eine Verbindung hergestellt. Mehr als doppelt so lange dauert es beim Renault. Teilweise bereitet vor allem der Einstieg in das entsprechende Menü zum Verbinden Probleme. Oder: Ein bestimmtes Handymodell wird in der Ergebnisliste des Fahrzeugs gar nicht angezeigt. Da ist der Renault aber nicht der Einzige, auch beim Volkswagen oder beim Ford ist beim Koppeln öfters ein zweiter Anlauf notwendig. Aber schließlich konnte bei allen sieben Testautos eine funktionierende Handy-Verbindung aufgebaut werden.

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Nicht immer lässt sich das Handy auf Anhieb mit dem Auto koppeln.

Nächste Aufgabe: mit der Sprachsteuerung der Autos eine vorgegebene Telefonnummer wählen. Problemlos klappt das wieder beim Hyundai. Rekordverdächtige 19 Sekunden dauert es bei Christian Rusa, bis auf der Gegenseite das Telefon läutet.

Weniger die Bedienungs-Logik der Fahrzeuge stellt ein Problem dar als vielmehr ein unerwartetes Phänomen, auf das man ohne den auto touring-Feldversuch nicht gekommen wäre. Sowohl Heidemarie Kriz als auch Alfred Maier stoßen bei Mazda und Peugeot auf Unverständnis. Obwohl sie wie alle anderen Testpersonen laut und deutlich ihre Befehle sprechen, werden ihre Stimmen nicht verstanden. Frust bei Heidemarie im Peugeot: "Der mag mit mir nicht reden!"

Der Renault lässt sich bei der Verarbeitung der Sprachbefehle viel Zeit. Verena Katzgraber wird dabei schon richtig unrund: "Das dauert ja ewig!" Funktioniert hat es am Ende aber doch. Grundsätzlich muss man sich bei der Formulierung der Sprachbefehle Zeit lassen. Sonst passiert es einem wie Alfred Maier im VW, der vom System aufgefordert wird: „Bitte langsamer sprechen.“ Das kann aber auch Probleme verursachen, etwa im Ford: Maximilian Haidenthaler spricht deutlich, aber zu langsam. Ergebnis: Der Galaxy meint, die Eingabe sei bereits abgeschlossen und wählt die Telefonnummer bereits nach der Vorwahl.

Unser Tipp: Bevor man sich ein neues Auto kauft, unbedingt das Sprachverständnis des Fahrzeugs vorab testen, sonst könnte man aneinander vorbeireden.

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Der Mazda hat Probleme mit der Stimme von Maximilian Haidenthaler.
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Beim Hyundai eine einfache Übung: Matthias Gruber koppelt das Handy.
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Verena Katzgraber bereitet das Koppeln ihres Smartphones mit dem Mazda CX-3 keine Schwierigkeiten.

Radiosender suchen und als Favorit abspeichern

"Sendersuche leicht gemacht", heißt es im Mazda. Alle Testpersonen kommen auf Anhieb mit dem System zurecht. Maximilian Gruber stellvertretend für alle Tester: "Absolut logisch zu bedienen." Ähnliches gilt auch für den Hyundai. Bei beiden Fahrzeugen dauert es durchschnittlich nicht einmal 40 Sekunden, bis der gesuchte Radiosender gefunden und in der Favoritenliste abgespeichert ist. Fast genau so schnell geht es im BMW: Besonderes Lob erhält der Bayer für seine fixen Stationstasten. Als einziges der sieben Testautos verfügt er noch über dieses früher übliche Bedienelement.

Deutlich umständlicher und damit langwieriger ist die Prozedur bei den beiden Franzosen Peugeot und Renault, bei dem sich die Testpersonen auch über manche eingestreute englische Begriffe wundern: "Was ist ‚Preset‘?"

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Alfred Maier wundert sich über die umständliche Menüführung im Renault.

Adressen manuell und mit Sprachsteuerung ins Navigationssystem eingeben

Der Weg ist das Ziel, aber das muss erst einmal eingegeben werden. Erste Aufgabe: Eingabe einer vorgegebenen Adresse über den Touchscreen-Bildschirm oder Drehrad. Am schnellsten kann die Zielführung im Hyundai gestartet werden. Durchschnittlich sind die Testkandidaten nach 38 Sekunden startklar. Besonderes Lob wird dem Bildschirm ausgesprochen, der zuverlässig und schnell auf die Berührungen reagiert. Beim BMW (fertig nach 55 Sekunden) erfolgt die Eingabe über das Dreh- und Drückrad (iDrive) zwischen den Sitzen. Unkompliziert und logisch, dauert aber länger als beim Hyundai. Gut schlägt sich auch der Renault. Sein Ergebnis: im Schnitt 59 Sekunden. Auffallend, dass die gestoppten Zeiten je nach Alter stark variieren: Während junge Tester schnell ans gewünschte Ziel kommen, haben die beiden ältesten im Testfeld Probleme. Der Touchscreen und die Menüführung des Renault im Stile eines Tablets ist jungen Menschen einfach geläufiger.

Bei dieser Aufgabe landet der Ford am Ende des Feldes. Mit 99 Sekunden ist aber auch sein Ergebnis durchaus akzeptabel. Dass Eingaben durch den Be­nutzer (etwa bei "Stadt"), aber nicht durch Vorschläge des Systems ergänzt werden, stört viele. Zudem sind die Reaktionszeiten auf die Eingaben zu groß.

Ab und zu hätte ich gerne eine Paniktaste für einen Neustart.

Christian Rusa hat Sonderwünsche

Bei der Adress-Eingabe über die Sprachsteuerung zeigt sich wieder das Phänomen, dass manche Stimmen teilweise nicht verstanden werden. Während Alfred Maier im Renault bei der manuellen Eingabe schnell ist, versteht ihn der Franzose bei der Stimmeingabe nicht, obwohl er laut und deutlich spricht.

Verwunderlich: Bei fünf von sieben Testwagen (BMW, Mazda, Peugeot, Renault und VW) dauert die Eingabe einer Adresse mittels Sprachsteuerung länger als das „altmodische“ manuelle Eintippen. Der VW fordert oft dazu auf, leiser zu sprechen. Die verwunderte Heidemarie Kriz: "Jetzt flüstere ich eh schon…" Dafür hat der VW gute Umgangsformen. Während er die Eingabe verarbeitet, sagt er höflich: "Einen Augenblick, bitte."

Unser Tipp: Den Umgang mit der Sprachsteuerung zuerst unbedingt im Stand üben, bei fahrendem Auto könnte es zu gefährlichen Situationen kommen.

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Verena Katzgraber im Ford: Sprachsteuerung geht schneller als tippen.
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Bei Christian Rusa interpretiert der Peugeot Hausnummern als Telefonnummern. 
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Alfred Maier empfindet die manuelle Adresseingabe beim Ford als zu umständlich.

Die Restreichweite ermitteln

Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht – so anscheinend das Motto bei BMW und Peugeot. Hier muss man eine Taste am Lenkstockhebel drücken, um die Restreichweite angezeigt zu bekommen. Entsprechend lange haben unsere Tester gebraucht, um diese Information abzurufen, drei sind sogar gescheitert. Zusätzlicher Peugeot-Nachteil: Hat man die Anzeige gefunden, verschwindet sie nach ein paar Sekunden wieder. Dass es auch anders geht, zeigt der Hyundai. Bei dem wird die Restreichweite permanent zwischen Tacho und Drehzahlmesser angezeigt. Gut auch der Renault: Mit wenigen Drückern auf den Lenkradtasten findet man schnell zum Ziel.

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Der Bordcomputer wird im Renault mit den den Lenkradtasten gesteuert.

Klimaanlage einschalten, die Temperatur auf 20 Grad stellen und Umluftbetrieb aktivieren

Bei heißen Temperaturen kühlen Kopf bewahren – dabei hilft die Klimaanlage. Umso wichtiger ist die einfache und schnelle Bedienungsmöglichkeit. Hatten früher alle Fahrzeuge einen einfachen Drehregler für die Temperatur, muss man heute bei vielen Modellen in Untermenüs des Bildschirms vordringen, um die Klimaanlage einzustellen.

Dass dies nicht immer der beste Weg ist, zeigt eindrucksvoll der Hyundai. Bei ihm wird die gestellte Aufgabe am schnellsten erledigt: Nach durchschnittlich 13 Sekunden sind unsere Tester fertig. Kein Wunder: eigene Temperatur-Drehregler sowie große und übersichtliche Tasten für die Luftverteilung.

Das Wischen am Bildschirm wie bei einem Tablet ist cool.

Maximilian Gruber ist begeistert

Betrachtet man die weiteren Zeiten bei den Testautos, zeigt sich: Sämtliche Modelle mit Drehreglern für die Temperatureinstellung und eigenen Tasten (BMW, Hyundai, Mazda und VW) liegen zeitlich deutlich besser als jene Autos, bei denen die Regelung über den Touchscreen-Bildschirm erfolgt. Ein Sonderfall ist der Renault: Hier wird die Temperatur über Drehregler gesteuert, will man aber die Luftverteilung individuell einstellen oder die Klimaanlage ein- oder ausschalten, muss man dies über ein beinahe verstecktes Menü auf dem Bildschirm erledigen. Diese Zweiteilung verwirrt fast alle Tester. Nicht den jungen Maximilian Gruber – im Renault ist er der schnellste Tester: "Das Wischen wie bei einem Tablet ist cool!"

Länger dauert es auch beim Peugeot. Zuerst muss man mit einer Fix-Taste unter dem Bildschirm das entsprechende Menü aufrufen, um dann am Touchscreen die gewünschten Werte einstellen zu können. Hat man das System mit den Fix-Tasten erst einmal durchschaut, geht es schneller, auch für alle anderen Funktionen wie etwa für Navi- und Radio-Bedienung.

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Maximilian Gruber grübelt über manche Funktionen des Peugeot.
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Trotz vieler Tasten findet sich Heidemarie Kriz im BMW gut zurecht.
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Im Renault Mégane wird die Temperatur über Drehregler gesteuert, andere Funktionen der Klimaanlage aber via Touchscreen-Bildschirm.  

Tankdeckel öffnen, beim rechten Rücksitz die Kopfstütze entfernen und Lehne umlegen

Wenig Probleme bereitet unse­ren sieben Testpersonen das Umlegen der Rücksitzlehne. Nach rund 15 Sekunden war die Aufgabe inklusive Entfernen der Kopfstütze bei Hyundai, Mazda, Peugeot, Renault und VW erledigt. Etwas länger dauert es beim Minivan von Ford. Alfred Maier findet es bei ihm mühsam: "Man braucht zwei Hände zum Umlegen." Ausreißer nach oben: der BMW. Der Grund dafür ist einfach erklärt: Um den Entriegelungshebel zum Vorklappen der Lehne zu finden, muss man den Kofferraumdeckel der Limousine öffnen, dort befindet er sich versteckt unterhalb der Hutablage.

Schnell und unkompliziert geht bei allen Fahrzeugen das Öffnen des Tankdeckels über die Bühne. Die Deckel sind entweder mit der Zentralverriegelung gekoppelt oder mit einer Taste im Innenraum zu entriegeln. Verwunderung herrscht bei einigen der Tester, dass es etwa bei Renault oder Ford unter dem Tankdeckel keinen eigenen Schraubverschluss mehr gibt.

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BMW: Zum Lehnenumlegen muss Christian Rusa zuerst in den Kofferraum.

Unser Fazit

Viele neue Funktionen in modernen Autos machen das Fahren angenehmer und vor allem sicherer. Der Trend geht zur Bedienung mithilfe eines Touchscreen-Bildschirms. Doch das hat seine Tücken. Um in die entsprechenden Menüs zu gelangen, braucht es Zeit und Blickkontakt mit dem Bildschirm. Wenn sich vor allem häufige Funktionen wie die Temperatureinstellung in Untermenüs verstecken, kann das übermäßig ablenken. Unser Test beweist dies eindrucksvoll. Ein vernünftiger Mix aus konventionellen Reglern und Tasten mit Bildschirm-Bedienung ist die beste Lösung.

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