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April 2022

Über den Ozean hinweg

Der Fisker Ocean ist ein Produkt zweier Welten – entworfen von Henrik Fisker in Kalifornien, entwickelt gemeinsam mit Magna in Graz. Von Maria Brandl.

Bei Magna Steyr in Graz startet am 17. November 2022 die Serienproduktion des Elektro-SUV Fisker Ocean für Europa und die USA. Die Produktion wird stufenweise hochgefahren, 2024 soll das Jahresziel von 50.000 erreicht werden.

Österreich zählt zu jenen sechs Ländern, wo der Ocean noch heuer an erste Kunden ausgeliefert werden soll. Außerdem zählen dazu auch Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Norwegen und Schweden. Spanien und Frankreich folgen wenig später.

Der Verkaufspreis in Österreich beginnt bei 41.900 Euro. Das sind wegen der höheren Mehrwertsteuer um einige hundert Euro mehr als in Deutschland.

Ein erstes Fisker-Center, in dem der Ocean statisch zu sehen sein wird, soll im Großraum Wien entstehen. Bereits in Bau ist das erste europäische Fisker-Center in München. Es soll diesen Sommer eröffnet werden.

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Das fünfsitzige SUV ist 4.775 mm lang, 1.995 mm breit und 1.631 mm hoch. Der Radstand beträgt 2.921 mm.

Eine erste Sitzprobe auf der Mobilfunkmesse "Mobile World Congress" in Barcelona, wo der Ocean Europapremiere feierte, zeigte, dass selbst 1,96 Meter große Passagiere auch im Fond bequem sitzen.

Die Anhängelast gibt Fisker für die Basisversion mit 1.090 kg und die anderen Versionen mit 1.815 kg an. Das Fahrzeuggewicht sowie viele weitere technische Daten will Fisker zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen.

 Drei Ausstattungsvarianten

 Der Fisker Ocean wird in drei Ausstattungsvarianten angeboten: Sport, Ultra und Extreme.

Als Sport verfügt er über einen E-Motor vorne mit 205 kW (275 PS), Frontantrieb und eine Reichweite von 440 Kilometer. Die Allradversionen Ultra (ab 57.500 Euro) und Extreme (ab 69.950 Euro) haben je einen E-Motor vorne und hinten. Die Gesamtleistung beträgt 400 kW (540 PS) bzw. 410 kW (550 PS) beim Ultra bzw. Extreme, die Reichweite 610 km bzw. 630 km und die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h 4,2 Sekunden bzw. 3,9 Sekunden. Es handelt sich dabei um von Fisker errechnete Werte.

Zum Produktionsstart wird es zudem das Sondermodell One in der auf 5.000 begrenzten Stückzahl geben, das noch weitere Ausstattungsdetails wie 22-Zoll-Räder gegenüber der Top-Version Extreme hat, bei den Antriebsdaten aber weitgehend ident mit dem Extreme ist.

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1 Fast zwei Meter breit, aber nur 1,63 Meter hoch: Der Fisker Ocean ist ein SUV der stämmigeren Sorte. © Fisker Inc.

2 Henrik Fisker, der aus Dänemark stammende Designer und Firmengründer, bei der Europapremiere des Ocean in Barcelona. © Fisker Inc.

3 Länge: 4.775 Millimeter, Radstand: knappe drei Meter. © Fisker Inc.

Apropos Antrieb: Der Ocean bietet drei Fahrmodi. Earth und Fun sind in der Basisversion Sport serienmäßig, der Fahrmodus Hyper ist für die Versionen Ultra, Extreme und One vorgesehen.

Interessant für unsere Breiten ist der Spezialfahrmodus Snow/Ice, der ab der Basisversion serienmäßig ist. Für die Ausstattungslinien Extreme und One gibt es zudem einen Off-Road-Modus.

Je nach Ausstattungsversion setzt Fisker beim Ocean unterschiedliche Batterietechnologien ein. Der Sport als Basisversion erhält die kostengünstigeren Lithium-Eisenphosphat-Batterien, die beiden anderen Versionen haben Lithium-Nickel-Mangan-Kobaltoxid-Akkus. Batterielieferant ist der chinesische Konzern CATL. Über das Gewicht der im Unterboden verbauten Batteriepakete sagte Fisker in Barcelona ebenso wenig wie über die gespeicherten Kilowattstunden.

Der Ocean wird normales Laden und Schnellladen, aber auch bidirektionales Laden erlauben. Das bedeutet, dass das Auto bei Stromausfall Strom ins Haushaltsnetz liefern kann. Genauere Daten verriet Fisker noch nicht.

Je nach Ausstattungsniveau bietet der Ocean, erzählte Henrik Fisker bei der Vorstellung, einige außergewöhnliche Details: So lassen sich im "California Mode" auf Knopfdruck alle Fenster öffnen, selbst das Fenster der Heckklappe, was Hunde freuen dürfte, aber auch das Laden sperriger Güter erleichtert. Der Ocean verfügt zudem über zwei eigene "Hundefenster".

Das Panorama-Solardach dagegen soll in sonnigen Gegenden die jährliche Reichweite um bis zu 3.000 km erhöhen.

Als Weltpremiere in einem Auto kündigte Henrik Fisker in Barcelona ein "digitales Radar" für den Ocean an. Es soll Objekte deutlich besser erkennen als aktuelle analoge Radarsysteme. Insgesamt ergeben die fünf digitalen Radaraugen an den vier Ecken sowie an der Front des Ocean eine Rundumsicht von 360 Grad.

Für die diversen Fahrassistenzsysteme sind jedoch auch Ultraschallsensoren und Kameras verbaut.

Der Ocean wird in der Top-Version unter anderem die Funktion des automatischen Abstandhalters sowie eines Stauassistenten, aber keine autonomen Fahrfunktionen bieten. Auch zerkratzte Felgen sollen beim Ocean der Vergangenheit angehören – dank eines Parkassistenten blockiert das Lenkrad, wenn eine Felge etwa dem Randstein zu nahe kommt.

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Auf Knopfdruck lassen sich alle Fenster zugleich öffnen, auch das in der Heckklappe. Das freut Hunde…
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… und Surfer (oder auch alle anderen, die sperrige Gegenstände zu transportieren haben). Das Solardach soll pro Jahr bis zu 3.000 Kilometer zusätzliche Reichweite bringen.
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Ebenfalls neu: ein Parkassistent, der auf die Felgen aufpasst. Nähern sie sich beim Einparken dem Randstein zu sehr, blockiert die Lenkung.

Im grundsätzlich eher spartanischen Cockpit sticht ein 17,1 Zoll großer Bildschirm ins Auge. Er ist in den Top-Versionen Extreme und One vertikal und horizontal verwendbar.

Henrik Fisker betonte in Barcelona sein Ziel, mit dem Ocean ein möglichst nachhaltiges Auto auf die Räder zu stellen. Bei vielen Materialien im Innenraum handelt es sich um wiederverwertete Altmaterialien.

Die Sitze sind aus synthetischem Leder. Von Beginn an wurde bei der Entwicklung des Ocean auf eine spätere Wiederverwertung am Ende seiner Lebenszeit geachtet, auch bei der Batterie. Bis 2027 will Fisker ein klimaneutrales Fahrzeug schaffen.

Die Garantie auf die Antriebskomponenten sowie auf die Batterie beträgt zehn Jahre oder 160.000 km. Neue Wege geht Fisker beim Ocean punkto Service und Wartung. Kein Kunde soll mit seinem Ocean in eine Werkstatt fahren müssen. Sofern möglich, sollen Wartungen oder Reparaturen elektronisch, over-the-air, erfolgen oder durch mobile Servicedienste. Für "schwerere Fälle" ist ein Abholservice beim Kunden vorgesehen.

Werkstättenarbeiten soll in Österreich laut Fisker in Barcelona die Firma Lagermax übernehmen, ein Transportunternehmen aus Straßwalchen in Salzburg an der Landesgrenze zu Oberösterreich, das langjährige Erfahrungen im Umbau und in der Reparatur von Fahrzeugen hat und neben Straßwalchen auch in Wien und Graz Werkstätten betreibt.

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Der Bildschirm in der Mitte ist 17,5 Zoll groß…
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… und kann in den beiden Top-Ausstattungsversionen sowohl im Hochformat…
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… als auch im Querformat verwendet werden.

Fisker verzichtet auf ein traditionelles Händlernetz und hofft, dass möglichst viele Interessenten ihren Autokauf via Internet abwickeln. Jene, die den Ocean vor dem Kauf probefahren wollen, müssen in Österreich bis ins späte Frühjahr 2023 warten.

Aus Gründen der Nachhaltigkeit wird es auch keine gedruckten Prospekte über den Ocean geben. Kunden, die nicht so vertraut mit Internetdiensten sind, können sich im Fisker-Center beraten und schulen lassen.

Als Zielgruppe nennt Fisker alle, die bisher ein Auto mit Verbrennungsmotor fahren. Insgesamt rechnet Fisker mit rund 60.000 verkauften Exemplaren pro Jahr, bislang sollen bereits mehr als 30.000 Ocean bestellt worden sein.

Deutlich höhere Stückzahlen sind beim zweiten Fisker-Modell, dem fünfsitzigen Stadtwagen Pear, vorgesehen. Er soll im US-amerikanischen Bundesstaat Ohio mit dem Partner Foxconn erzeugt werden. Die geplante Mindestproduktion beträgt 250.000 Exemplare. Bestellungen sind bereits möglich, die Auslieferungen des Pear sollen 2024 beginnen.

"Das ist nur ein erster Schritt"

Interview mit Firmengründer Henrik Fisker (58), der als Designer früher den BMW Z8 und den Aston Martin DB9 entworfen hat.

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Henrik Fisker bei der Europapremiere des Ocean in Barcelona.

— Das Elektro-SUV Fisker Ocean wird ab November bei Magna Steyr in Graz produziert. Womit hat sich Magna gegenüber ähnlichen Mitbewerbern etwa in Finnland und in den Niederlanden durchgesetzt?

Henrik Fisker: Für uns war das wichtigste Argument, dass Magna all die Jahre gezeigt hat, dass man hochwertige Autos bauen kann. Als Start-up war es für uns sehr wichtig, dass unsere Kunden von Beginn an darauf vertrauen können, dass sie ein qualitativ hochwertiges Auto bekommen. Die Gespräche begannen 2018/19. 2020 ging es dann richtig los.

— Wie groß war der Anteil von Magna an der technischen Entwicklung des Ocean?

Die NASA verwendet Solarzellen, die zweieinhalbmal so leistungsfähig sind wie die auf dem Solardach des Fisker Ocean. Derzeit sind diese Solarzellen für ein Auto aber zu teuer.

Henrik Fisker, CEO Fisker Inc.

Henrik Fisker: Fisker- und Magna-Ingenieure arbeiteten von Beginn an miteinander, überlappend. Jeden Morgen gibt es eine Besprechung zwischen Fisker in Kalifornien und Magna in Graz. Von Fisker sind mindestens 30 Mitarbeiter ständig vor Ort bei Magna.

Bei Bedarf fliegen immer wieder auch Fisker-Mitarbeiter von Kalifornien nach Graz. Von Magna sind einige hundert Mitarbeiter am Projekt beteiligt. Aber sie kümmern sich neben der Entwicklung auch um die Produktion des Ocean.

— Sie versprechen dank des Solardachs eine um bis zu 3.000 km pro Jahr höhere Reichweite. Können Sie die Energieausbeute in Kilowattstunden benennen?

Henrik Fisker: Ich erinnere mich nicht an die Kilowattstunden, aber wir schätzen den Reichweitengewinn auf 3.000 km unter günstigen Rahmenbedingungen. Dafür braucht es gar keinen direkten Sonnenschein, aber Licht.

Natürlich ist das nur ein erster Schritt. Die NASA verwendet im Weltraum derzeit Solarzellen, die zweieinhalbmal so leistungsfähig sind. Derzeit sind diese Solarzellen für ein Auto zu teuer, aber wenn sie ausreichend günstig sind, kann man damit Energie für vielleicht 15 km Reichweite pro Tag erzeugen, das reicht vielen Leuten für ihre täglichen Strecken.

— Es gab bereits Modelle, bei denen die mit dem Glasdach erzeugte Solarenergie für die Klimatisierung des Innenraums verwendet wurde. Ist das beim Ocean auch so?

Henrik Fisker: Nein, das bringt nicht viel. Unsere Ingenieure haben ein System entwickelt, mit dem der Solarstrom in die Hochvoltbatterie eingespeist werden kann.

— Ist der Ocean auch für automatisiertes Fahren etwa der Stufe 3 vorbereitet, wo das Auto selbsttätig lenkt, bremst und beschleunigt?

Henrik Fisker: Wir haben eines der derzeit fortschrittlichsten Radarsysteme im Ocean. Unser digitales Radar etwa funktioniert auch in Tunnels, aktuelle Radarsysteme tun das nicht. Wir wollen damit mehr Sicherheit, nicht eine gewisse Stufe auf einer Skala erreichen.

Im autonomen Bereich gibt es drei Schwerpunkte: Sicherheit, Entertainment dank Entlastung des Fahrers und die Vermeidung lästiger Dinge wie das Zerkratzen von Felgen. Wir konzentrieren uns bei der Entlastung durch automatisierte Fahrsysteme auf Anwendungen bei geringen Geschwindigkeiten, sodass der Autofahrer etwa während eines Staus oder im Kolonnenverkehr etwas anderes machen kann.

Leider gibt es heute auch Autos, wo dies bei 100 km/h möglich ist. Das halte ich für zu gefährlich. Wenn dort ein Fehler auftritt, kracht man womöglich gegen einen Baum und stirbt.

Ich glaube nicht, dass wir vollautonome Fahrzeuge in den nächsten Fahrzeuggenerationen sehen werden. Sie sind noch sehr weit weg. Denn dafür braucht man auch eine perfekte Infrastruktur, das ist auf Autobahnen leichter zu erreichen – in kleinen Alpendörfern sieht es dagegen ganz anders aus.

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