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Oktober 2018

Bullitt – 50 Jahre später

1968 jagte Steve McQueen in einem Ford Mustang zehn Minuten lang auf der Kinoleinwand einem Dodge hinterher. Das bewog Ford dazu, heute ein Mustang-Sondermodell anzubieten.

Sag "Kino", sag "Verfolgungsjagd", und jeder wird dir antworten: "Bullitt!" Nun war Hollywood ja schon seit Stummfilm-Zeiten nie sparsam mit Auto-Verfolgungsjagden, aber diese eine hat sich bei vielen, die den Film gesehen haben, eingebrannt. Und auch bei vielen, die ihn nicht gesehen haben.

Worum geht's? Lieutenant Frank Bullitt (Steve McQueen) vom San Francisco Police Department muss einen Zeugen beschützen, den ein paar Killer umbringen wollen. Ganz gelingt ihm das nicht, der Zeuge wird angeschossen und landet im Krankenhaus. Bullitt ermittelt und fährt in seinem leicht zerlemperten, dunkelgrünen (matt lackierten) '68er Ford Mustang Fastback durch San Francisco.

Dabei entdeckt er einen schwarzen Dodge Charger, in dem ihn offenbar zwei Männer verfolgen. Irgendwie gelingt es Bullitt, im Rückspiegel der Verfolger aufzutauchen. Als die bemerken, dass ihre Beute zum Jäger geworden ist, geben sie Gas und versuchen zu entkommen. Es folgt die wohl berühmteste Verfolgungsfahrt der Filmgeschichte.

Schließlich endet der Charger nach kurzem Flug in einer Tankstelle und dann in einem Feuerball, Bullitt schwingt daneben lässig ab. Der Rest des Films ist vernachlässigbar.

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Die berühmte Bullitt-Verfolgungsjagd:

Das war erst das Vorspiel. Jetzt geht's richtig zur Sache:

Und nun das Grande Finale!

Die Dreharbeiten für die knapp zehn Minuten Hetzjagd auf der Leinwand nahmen drei Wochen in Anspruch. Die Autos radieren um Kurven und springen im bekannt hügeligen San Francisco brutal über Kreuzungsplateaus, dabei schafft es der Dodge, mindestens fünf oder sechs Radkappen abzuwerfen, obwohl er nur vier Räder hat, und ein- und denselben VW Käfer wenigstens viermal zu überholen. Chronisten haben außerdem gezählt, dass Steve McQueen insgesamt 16 Mal beim Raufschalten gezeigt wird, aber nie einen Gang runterschaltet. (Sein '68er Mustang hatte ein Viergang-Schaltgetriebe.)

Schnitt. Gegenwart. Sechs Gänge hat die Schaltung des 2018er Ford Mustang Bullitt und 460 PS leistet seine V8-Maschine. Um das 50-Jahr-Jubiläum der denkwürdigen Filmszene gebührend zu feiern, bringt Ford eine limitierte Auflage dieses Sondermodells heraus – ohne zu verraten, auf welche Anzahl die Produktion des Mustang Bullitt begrenzt werden soll. Limitiert auf eine unbekannte Stückzahl also.

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Der Mustang Bullitt ist nur in zwei Farben lieferbar. Das Heckblech zwischen den Rücklichtern ist in Schwarz gehalten.
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Die beiden Lackfarben sind dieses Montana-Grün Metallic oder Iridium-Schwarz Mica. Im Film fuhr Steve McQueen den Mustang in Grün, allerdings mit mattem Lack.
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Auf den galoppierenden Mustang auf dem schwarzen Kühlergrill wird verzichtet, dafür spendiert Ford dezente Chrom-Leisten um den Grill und entlang der Seitenfenster.

460 PS sind zehn PS mehr als im Ford Mustang GT mit dem gleichen 5,0-Liter-V8. Die Leistungssteigerung kam vornehmlich ansaugseitig zustande, soll heißen: Der Achtzylinder darf freier atmen, was dem Mustang Bullitt akustisch zum Vorteil gereicht.

"The sound is deeper, more rumbly", auf Deutsch: grollender – so drückt es Tom Barnes aus, Mustang-Entwicklungsingenieur seit 15 Jahren, doch im Geiste praktisch seit er als Siebenjähriger im Mustang eines Nachbarn mitfahren durfte.

Ford Mustang Bullitt_Germany_063.jpg Ford © Ford

Für die Entwicklung des neuen Ford Mustang Bullitt war ein ganz kleines Team zuständig, das 15 Monate lang jeden Tag Meetings abhielt und jedes Detail diskutierte.

Tom Barnes

Außerdem erhielt das Motormanagement die Kalibirierung des Shelby-Mustang GT350. Das ist eine Sportversion des Ford Mustang, die in Europa nicht angeboten wird. Sie verfügt über einen etwas größeren V8-Motor (5,2 Liter Hubraum statt 5,0), der deutlich über 500 PS leistet, einen fetten Doppelstreifen über der Karosserie vom Frontspoiler übers Dach bis zum Heck sowie das legendäre Cobra-Logo – in Gedenken an Carroll Shelbys berühmteste Kreation, die AC Cobra aus den 1960er-Jahren.

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Ford Mustang Shelby GT350.

Doch es gibt noch mehr Künstliches in diesem Mustang. Das Bullitt-Sondermodell wird nur mit Schaltgetriebe inklusive der neuen Drehzahlanpassung von Ford geliefert. Wie bitte? Noch einmal O-Ton Pressetext: "Über die elektronische Motorsteuerung gibt diese Technologie (sic!) beim Herunterschalten einen kurzen Gas-Stoß. So passt sie einerseits die Motordrehzahl an den jeweils kleineren Gang an und erzielt sehr sanfte, nahtlose Schaltvorgänge. Zum anderen steht sie für den typischen Sound, der einen klassischen V8 beim Herunterschalten charakterisiert."

Künstliches Zwischengas. Wobei "echtes" Zwischengas bei unsynchronisiertem Getriebe ja schnelles Ein- und Auskuppeln mitten im Schaltvorgang erfordert, während sich das Getriebe zwischen Gang-Rausnehmen und Gang-Einlegen im Leerlauf befindet. Das erfolgt hier natürlich nicht. Der Motor erzeugt nur einen kurzen Gas-Stoß, der anfangs ja noch ganz nett klingt, mit der Zeit aber nervt. Abschalten lässt sich der Effekt nicht.

Ford Mustang Bullitt_HR_051.JPG Ford

Entwickler Tom Barnes erzählt: "Man kann sich nicht vorstellen, was allein die Schaltkugel für Probleme aufgeworfen hat. Der erste Zulieferer, den wir beauftragten, ging pleite. Der zweite schaffte es nicht, die Kugel im gewünschten Farbton herzustellen. Erst der dritte Zulieferer produziert die Kugel so, wie wir sie wollen."

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Worauf Steve McQueen 1968 noch verzichten musste, sind das Park-Pilot-System mit Rückfahrkamera sowie die klimatisierten Vordersitze "mit Premium-Polsterung in Leder-Optik in Schwarz mit grünen Ziernähten". Auf Wunsch sind Recarositze erhältlich.

Sehr empfehlenswert, nicht nur, wenn Sie vorhaben, den Mustang in Verfolgungsjagden einzusetzen, ist das MagneRide-Fahrwerk, das gegen Aufpreis dazubestellt werden kann. Dabei handelt es sich im Prinzip um ein variables Fahrwerk, bei dem das Ansprechverhalten der Dämpfer mittels einer Flüssigkeit verändert werden kann, die bei Erzeugen eines Magnetfeldes ihre Viskosität verändert. Klingt kompliziert und lahm, funktioniert aber in Sekundenbruchteilen – die Stoßdämpfer reagieren praktisch in Echtzeit auf Fahrbahnunebenheiten.

Auffallend ist die enorme Kurvendynamik, zu der dieses 1,8 Tonnen schwere Auto mit Hinterradantrieb fähig ist. Der Mustang lenkt wunderbar präzise ein und lässt sich auch in schnellen Kurvenfolgen kaum aus der Ruhe bringen.

War da noch was? Ach ja, der Preis.

67.450 Euro kostet das Sondermodell Ford Mustang Bullitt, Steve-McQueen-Coolness-Faktor inklusive. Den 450 PS starken Mustang GT gibt es ab € 60.450,–, den vierzylindrigen Mustang mit dem 2,3-Liter-Ecoboost-Motor (leistet keineswegs schwächliche 290 PS) ab € 48.750,–.

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