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auto touring-Redakteur Christoph Löger simuliert einen Tag im Leben eines Piloten.

© Markus Zahradnik

auto touring-Redakteur Christoph Löger simuliert einen Tag im Leben eines Piloten.

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Januar 2016

Im Flugsimulator

Captain ohne Lizenz: Maverick. Iceman. Als Kind waren die Protagonisten der Hollywood-Schmonzette "Top Gun" meine unantastbaren Helden. Ich wollte unbedingt Pilot werden – und endete als Autojournalist. Warum die berufliche Alternative trotzdem richtig war, habe ich einen Tag lang im Flugsimulator erlebt. Eine Selbsterfliegung.

Einen wunderschönen guten Morgen und herzlich Willkommen aus dem Cockpit dieses Airbus A320 auf unserem kurzen Flug von Wien nach Innsbruck, liebe Passagiere. Die geplante Flugzeit heute beträgt 45 Minuten und bis auf ein paar kleine Turbulenzen über dem Salzkammergut erwarten wir eine recht ruhige Reise. Ich hoffe, sie haben es sich bereits gemütlich gemacht bei uns an Bord. Mein Name ist übrigens Christoph Löger, ich sitze heute zum ersten Mal links vorne im Cockpit, und ich darf ihnen vorab verraten, dass ich überhaupt keine Ahnung habe, wie man dieses Flugzeug fliegt, weil ich eigentlich ja Motorjournalist bin. Sie haben plötzlich ein bisschen Angst? Keine Sorge, mir selbst ist auch ganz mulmig, deshalb wird sie jetzt erst einmal meine Kollegin und Erste Offizierin Christine sicher nach Innsbruck bringen. Die hat das nämlich gelernt und wird in der kommenden Dreiviertelstunde versuchen, auch mir einen Teil ihres Wissens weiterzugeben."

Aber beginnen wir lieber von vorne…

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9 Uhr: Einchecken bei Viennaflight, ein…
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… kurzer Blick ins stille Örtchen, danach…
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… Briefing mit Firmenboss Gerhard Lück.

Pre-flight briefing

Es ist 9 Uhr morgens, und ich betrete den Crew-Bereich von ÖAMTC-Vorteilspartner Viennaflight. Wie ein echter Pilot habe ich mich fürs folgende Briefing mit Geschäftsführer Gerhard Lück passend adjustiert: halblanger Marine-Mantel, gestärktes Hemd mit schwarzer Krawatte, akkurat gebügeltes Beinkleid, dazu natürlich der unvermeidliche Pilotenkoffer. Und um das Klischee zu perfektionieren, steckt außerdem noch eine verspiegelte Ray Ban-Sonnenbrille in meiner Hemdtasche.

Herr Lück ist ein Wahnsinniger im positiven Sinne: Während andere Luftfahrt-Fans ihre Wochenenden damit verbringen, bei Wind und Wetter auf Flughäfen neben der Runway zu stehen, um startende und landende Flugzeuge zu fotografieren (die sogenannten "Planespotter"), hat Lück (der schon in den 80er-Jahren auf dem legendären Heimcomputer Commodore C64 die ersten Flugsimulatoren gespielt hat) sein Hobby zum Beruf gemacht und sich mit immensem Aufwand einen Traum erfüllt: In den Räumen des Viennaflight-Büros im 2. Wiener Gemeindebezirk stehen drei riesige, komplett realitätsnahe Simulatoren, in denen sogar angehende Piloten für ihre Prüfungen trainieren. 

Lück schlüpft für mich heute in die Rolle des "flight dispatcher" und erklärt mir – der gleich zum ersten Mal nicht am PC, sondern im "echten" Cockpit sitzen wird – in der VIP-Lounge (für die man zur Abwechslung keine güldene Vielfliegerkarte braucht) den Tagesablauf. Fest steht: Ich werde nicht nur den eingangs erwähnten Airbus A320 von Wien nach Innsbruck fliegen, sondern auch eine Boeing 737 von Korfu nach Thessaloniki und danach noch im Bell-Helikopter eine Runde über Wien drehen. Ready for take off?

Im Viennaflight-Simulator

Bewegte Bilder: So sieht's aus, wenn sich Neulinge jeden Alters als Nachwuchs-Kapitäninnen und -Kapitäne erstmals ins virtuelle Cockpit wagen. Zu befürchten gibt es hier freilich nix: Ein Crash resultiert nicht in Desaster, Tod & Trauer, sondern höchstens in Gelächter, Trost & Demut.

In eigener Sache…

Bevor ich vergesse: Gleich steige ich in den neuen Flugzeug-Typ um, möchte Ihnen aber die letzte Aufzeichnung des Cockpit Voice Recorders nach der oben beschriebenen Landung in Innsbruck keinesfalls vorenthalten. Es handelt sich um das Exzerpt eines Zeitdokuments mit fraglos historischer Bedeutung – die allererste Kabinen-Durchsage des frisch gebackenen Captain Löger:

"Herzlich willkommen in Innsbruck. Bitte bleiben sie noch so lange sitzen, bis wir unsere endgültige Parkposition erreicht haben und die Anschnallzeichen erloschen sind. Ich entschuldige mich für die etwas extrovertierte Landung, darf aber versichern, dass meine Kollegin Christine sie heute ohne meine Wenigkeit wieder zurück nach Wien fliegen wird und gehe davon aus, dass sie die soeben gebuchten Flugangst-Seminare wieder stornieren können. Ich und meine Crew wünschen einen schönen verbleibenden Tag hier im schönen Tirol oder eine angenehme und vor allem sichere Weiterreise. Ihre Blackberrys, Cranberries, Strawberries und andere elektronische Geräte dürfen nun selbstverständlich wieder eingeschaltet werden. Over and out."

Verzeihung, Technik-Exkurs.

Wie steuert man eigentlich ein Flugzeug? Lassen Sie mich ausschweifen und auf die diesbezüglich unterschiedlichen Philosophien jener beiden Hersteller eingehen, mit deren Bestseller-Typen A320 (Airbus/Europa) und B737 (Boeing/USA) jährlich die meisten Menschen von A nach B geflogen werden. Vorher vielleicht auch noch kurz die Antwort auf die berühmte Frage, ob ein Flugzeug ein Lenkrad hat. Und wenn ja, wie das am Boden funktioniert. Soviel sei verraten: Ja, es gibt eine Art Lenkrad…

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1 Lenkung am Boden: Das handtellergroße Ding in Angelhaken-Form befindet sich beim Airbus (s. Foto) links auf der Armlehne. Warum so versteckt? Weil man es, verglichen mit der Zeit, die ein Flugzeug lebenslang in der Luft ist, nur selten braucht. Per Drehung aus dem Handgelenk steuert man damit das Bug-Fahrwerk, und als Autojournalist würde ich patzig bemängeln: "Lenkung indirekt, wenig Rückmeldung, unpräzise". Wobei man fairerweise zugeben muss, dass ein A320 kein Kompaktwagen ist. Was dazu kommt: Beschleunigt wird ausschließlich per Triebwerks-Schub. Sprich: Einmal kurz die Hebel zu weit und zu lange nach vorn geschoben, und man steht neben der Rollbahn im Gemüse. Ganz abgesehen davon, dass ein Jet-Fahrwerk auch nicht für die Kurvengaudi im bergigen Geläuf entwickelt wurde. Instruktorin Christine wies mich bei meinen ersten, recht forschen Rollversuchen zum Beispiel seufzend darauf hin, "dass wir jetzt halt vorne kein Fahrwerk mehr haben." © Markus Zahradnik

2 Und in der Luft? Er sieht aus wie ein billiger Achtzigerjahre-Joystick für die Spielkonsole zu Hause, ist aber die Steuerungs-Zentrale in jedem Airbus: der Sidestick. Er funktioniert per "fly-by-wire"-Technik, das heißt: Zwischen Stick und den anzusteuernden Elementen (Ruder etc.) gibt es keinerlei mechanische Verbindung, sondern kilometerlange Kabelverbindungen, die an ihrem Ende die Befehle aus dem Cockpit umsetzen. Als Laie ist das im ersten Praxisversuch sehr einfach zu bedienen – vielleicht auch gerade deshalb, weil man das erwähnte Handgelenk-Gefühl tatsächlich von der Spielkonsole kennt. Im Airbus kommt dazu auch noch die sogenannte "flight envelope protection", deren detailierte Erklärung an dieser Stelle den Platz sprengen würde. Bei Interesse deshalb mehr dazu hier. © Markus Zahradnik

3 Es gibt aber auch noch ein zweites Steuersystem: jenes der "alten Schule", die der US-Hersteller Boeing verfolgt – seines Zeichens größter Konkurrent des anglo-französisch-deutschen Airbus-Konglomerats. Wenn Sie das Foto betrachten, fällt Ihnen vielleicht auf, dass ich in der B737 nun ein konventionelles Steuerhorn vor mir in beiden Händen halte – anstatt des A320-Sidesticks, den ich zuvor wortwörtlich einhändig "mit links" bedient habe. Eine Boeing steuert man nämlich (sehr vereinfacht erklärt) im Prinzip wie ein Auto. Das stilisierte Lenkrad erlaubt mehr Präzision und Gefühl, und hier deckt sich meine subjektive Rookie-Einschätzung sogar mit jener eines befreundeten Piloten, der für sein täglich Brot Boeings Flaggschiff – die 777 ("Triple Seven") – zwischen den Kontinenten hin- und herfliegt. Erlauben Sie mir noch eine Metapher aus dem Phrasenbuch des Autojournalisten: Wenn der Airbus die vom "Popometer" des Fahrers weitgehend entbundene Mercedes S-Klasse ist, dann ist die Boeing im Vergleich ein Rallyeauto, das auf jede physische Eingabe spontan reagiert. Oder, simpel zusammengefasst: Mit den beiden größten Flugzeugherstellern verhält es sich so wie mit Apple/Windows bei Computerfreaks, Canon/Nikon bei Fotografen oder Vollmilch/Dunkel bei Drageekeksi-Leckermäulern: alles eine Frage der persönlichen Vorlieben. © Markus Zahradnik

Hubschrauber: Lektion fürs Leben

Wo sind wir stehen geblieben? Ahja, beim nassgeschwitzten Redakteur, der "heute noch die motorisch schwierigste Disziplin der Fliegerei" ausprobieren möchte. Na dann: Ab in den Heli… 

Mein Fazit

Checkout am Viennaflight-Counter nach einem extrem spannenden und lehrreichen Tag: Vieles von dem, das ich heute erlebt und gelernt habe, werde ich bedenken, wenn ich das nächste Mal als Passagier in einem Flugzeug sitze. Ich kann nun ungewohnte Geräusche deuten, lokalisieren und, ganz wichtig: logisch erklären. Ich habe ein besseres Verständnis für Flugverspätungen entwickelt, die nie (!) grundlos passieren und im Endeffekt ausschließlich meiner eigenen Sicherheit dienen, damit ich wieder sicher nach Hause komme. Und mein Respekt vor dem Berufsbild Pilot ist größer als je zuvor.

Außerdem wurde ich in einem Vorhaben bestärkt: In absehbarer Zukunft werde ich mir den lang gehegten Bubentraum "Segelflugschein" erfüllen. Bloß zweierlei muss ich mir eingestehen. Erstens hat "Top Gun" mit dem Alltag eines Piloten soviel gemein wie Billig-Airlines mit der Romantik des Fliegens und zweitens: Hubschrauber werde ich wohl bis an mein Lebensende nicht verstehen.

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"Cabin crew, prepare for Rookie."
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"So hoch, Christine! Mindestens!" – "Mhm."
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Vielen Dank, Viennaflight!

Info & Preise

Haben Sie Lust bekommen, nun selbst einmal am Steuer eines Airbus A320, einer Boeing 737 oder eines Bell 206 Jet Ranger-Helikopters zu sitzen, ohne dafür horrende Preise zu zahlen? Und dabei von fertig ausgebildeten (und sehr geduldigen) Profi-Piloten instruiert zu werden? Der ÖAMTC-Vorteilspartner Viennaflight macht’s möglich.

Preisbeispiel: Ein einstündiger Flug im A320 kostet inklusive Begrüßungsgetränk, 30 Minuten Briefing, 60 Minuten im Simulator, De-briefing und Erinnerungsurkunde regulär 159 Euro. ÖAMTC-Mitglieder zahlen um 25 Pozent weniger, das Schnupper-Erlebnis kostet demnach schon ab 119 Euro.
 
Alle Infos unter: www.viennaflight.at

viennaflight_02_2016_MZ_fazit.jpg Markus Zahradnik © Markus Zahradnik
Ein erschöpfter Redakteur am Ende eines anstrengenden Flugtages.

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