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Februar 2019

Wilder, weiter Westen

In diesem Western gibt's nur einen Hauptdarsteller: die wilde, atemberaubende Natur. Eine Rundreise durch den Westen der USA.

Echt jetzt? Die Kinder schauen ungläubig. "Wir fliegen wirklich nach Amerika?", freut sich der elfjährige Maxi. Auch Stephie, die zwei Jahre ältere Schwester, ist begeistert. Über die USA haben beide zwar schon einiges gehört oder im TV gesehen. Aber selbst dort zu sein? Es knistert in der Luft, die Vorfreude ist nicht nur spürbar, sie ist auch unübersehbar.

Das Ziel: der Westen der Vereinigten Staaten, genauer gesagt: Kalifornien. Eine Rundreise soll es werden. Vor allem die imposanten Nationalparks haben uns schon immer fasziniert. Drei Wochen Aufenthalt sind geplant. 14 Tage sind aufgrund der unendlichen Weite dieses Landes zu wenig, sorgfältige Planung ist ein Muss. Und die hat es in sich, läuft über Monate – und ist absolut notwendig. Eine Reise von dieser Dimension ist nämlich herausfordernd, sowohl für Klein als auch für Groß. Zeit zum Relaxen wird's nämlich kaum geben, schließlich stehen jeden Tag Distanzen zwischen 150 und 350 Kilometern auf dem Plan. Wer Entspannung sucht, ist mit einem Urlaub am Mittelmeer besser dran.

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1 Die Kalifornien-Rundreise startet in San Francisco. Knapp drei Wochen und gut 4.200 Kilometer später erreichen wir Los Angeles. Zeit zum Relaxen ist während des Trips praktisch unmöglich, die Eindrücke dafür halten ein Leben lang. © Andreas Kaleta

2 Vorsicht ist überall geboten. Speziell in den Nationalparks kann man auf diverse Tiere treffen. Die Chance, auf eine Klapperschlange zu steigen, ist allerdings gering.  © Christian Stich

3 Unvergesslich: In Lake Havasu, ein Zwischenziel unserer Reise, klettert das Thermometer auf sagenhafte 49 Grad Celsius. Selbst dem See war es zu heiß.   © Christian Stich

Auto statt Wohnmobil

Apropos Fahren: Schnell haben wir uns auf einen Van geeinigt. Urlaub im Wohn­mobil ist nichts für uns. Wir fühlen uns in ­einem herkömmlichen Auto besser aufge­hoben. Außerdem ist man flotter unterwegs und speziell in großen Städten wesentlich ­flexibler. Zudem dürfen Wohnmobile in den heißen Sommermonaten aufgrund der hohen Temperaturen nicht durchs Death Valley ­fahren. Und das wollen wir ja. Hotel statt Campingplatz also.

Rein ins Abenteuer. Nach elf Stunden Flug landen wir leicht verknittert, aber voll motiviert in San Francisco, dem Start unserer Rundreise. Zweieinhalb Tage Aufenthalt sind eingeplant. Genug Zeit also, um einen Eindruck vom Flair der Stadt zu erhalten. Im Unterschied zu Los Angeles benötigt man in San Francisco übrigens keinen Mietwagen, um die Stadt zu erkunden. Viele wichtige Sehenswürdigkeiten sind entweder zu Fuß oder mit dem kultigen Cable Car erreichbar.

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Die Golden Gate Bridge, eines der Wahrzeichen von San Francisco, wurde 1937 fertiggestellt. Sie ist 2,8 Kilometer lang und 25 Meter breit.
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Die berühmten Cable Cars in der Innenstadt. Sie sind heute in erster Linie eine Touristenattraktion und werden kaum noch als Verkehrsmittel benutzt.
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Von 1934 bis 1963 war die Gefängnisinsel Alcatraz das bekannteste und berüchtigste Hochsicherheitsgefängnis der USA.

In den Straßen von San Francisco

Die rund 140 Jahre alte Straßenbahn ist besonders für Kinder eine Hetz, sich außen an ihr festzuhalten ein Riesenspaß. Empfehlenswert auch deshalb, weil man im Cale Car das Feeling von San Franciscos Straßen mit seinen berüchtigten Steigungen und Senkungen am besten spürt. Unbedingt aussteigen muss man zwischendurch an der Lombard Street, einer steilen und eng geschlängelten Straße.

Richtig turbulent geht's am Fisherman's Wharf zu, einem sehr belebten Viertel mit ­seinen vielen unterschiedlichen Piers. Am Pier 39 reiht sich ein Souvenirladen an den anderen. Witziges Fotomotiv: die Seelöwen, die sich hier den ganzen Tag lang die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. Wer noch Zeit hat, sollte einen Trip zur Gefängnisinsel Alcatraz einplanen. Speziell für Kinder ein spannendes und zugleich schauriges Erlebnis.

Hauptattraktion ist aber die Golden Gate Bridge, die man am besten mit dem Hop-on/Hop-off-Bus im Zuge einer Stadtrundfahrt überquert. Tipp: Unbedingt einen Abstecher in den Künstlerort Sausalito mit seinen vielen Bars und Restaurants machen.

Tournee-Start

"Cool! Da ist ja ur viel Platz drin!", sind die Kinder happy, als wir am nächsten Tag das Mietauto ausfassen. Große, bequeme Einzelsitze, riesiger Kofferraum. Los geht's! Erstes Ziel: Monterey, berühmt für sein riesiges Aquarium. Wer Glück hat und zur richtigen Zeit dort ist, kann sogar vom Strand aus Wale in der Bucht beobachten. Das Klima hier an der Pazifikküste ist mit rund 25 Grad Celsius sehr erholsam. Es werden übrigens die letzten kühlen Tage in nächster Zeit sein.

Nächster Halt: Yosemite Nationalpark. Nach rund dreieinhalb Stunden Fahrt erreichen wir unser Hotel, die Yosemite View Lodge direkt am Eingang zum Yosemite Valley. Umgeben von Granitfelsen bekommen wir einen ersten Eindruck dessen, was uns erwartet. Der Nationalpark ist berühmt für die Granitberge von El Capitan und Half Dome, dem Tunnel View mit seinem bekannten Aussichtspunkt über den Bridalveil Fall und natürlich den ­alten Riesenmammutbäumen. Diese gelten als die massivste und älteste Baumart der Welt. Größter Hain ist der Mariposa Grove mit rund 200 Bäumen. Vor allem mein Sohn glaubt, in einem Science-Fiction-Film gelandet zu sein. Ungläubig meint er: "Da brauch ich ja zehn Minuten, bis ich den umrundet hab!" Im Ernst: Der Anblick der Bäume ist beeindruckend, der älteste von ihnen, der Grizzly Giant, ist unfassbare 2.800 Jahre alt.

Es wird wärmer. Wir verlassen den Yosemite-Park Richtung Death Valley. Der Weg dorthin führt über den Tioga Pass. Die Straße schlängelt sich hinauf auf knapp über 3.000 Meter Seehöhe. Auf den Bergen links und rechts von uns: riesige Schneefelder. Es hat knapp über zehn Grad Celsius. Die frische Luft – ein Genuss. Noch wissen wir nicht, dass gut drei Stunden später knapp vier Mal so hohe Temperaturen auf uns warten.

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Auf über 3.000 Metern gibt's Schnee am Tioga-Pass. Die Temperatur: Angenehme 10 Grad Celsius. Rund drei Stunden später hat's vier Mal so viel.

Rund 200 Kilometer sind es bis Lone Pine, unseren nächsten Zwischenstopp am Weg ins Death Valley. Das Thermometer zeigt 40 Grad Celsius an. Mein Puls steigt. Ich bin ­alles andere als ein Hitze-Fan. Aber es ist zum Aushalten. Wenigstens ist die Luft trocken.

Tag sieben unserer Tour. Im Death Valley ist es heiß. Sehr heiß. Es hat 46 Grad. Der trockenste Nationalpark der USA befindet sich in der Mojave-Wüste, der tiefste Punkt des Tales (Badwater Basin) liegt 86 Meter unter dem Meeresspiegel. Wir steuern die Mesquite Sand Dunes im nördlichen Teil an.

Maxi ist aufgeregt, schließlich dienten die bis zu 50 Meter hohen Sanddünen als Filmkulisse für diverse "Star Wars"-Filme. Es weht ein leichtes Lüfterl. Erfrischend? Aber geh! Es fühlt sich an, als ob einem ein Ganzkörper-Fön entgegenbläst. Übrigens: Wer denkt, dass das Death Valley eine leblose, reizlose und öde Wüste ist, irrt gewaltig. Tatsächlich ist die Landschaft farbenfroh und von bizarren ­Mustern und Strukturen erfüllt.

Las Vegas

Wer’s mag  Christian Stich © Christian Stich
Venedig in der Wüste von Nevada. Das Venetian Hotel in Las Vegas beherbergt nicht nur tausende Suiten, sondern auch nachgebaute Sehenswürdigkeiten wie die Rialtobrücke, den Markusplatz oder den Campanile.
Heiß, bunt & laut  Christian Stich © Christian Stich
Las Vegas ist vor allem für seine unzähligen Casinos und seine Shows berühmt. Wer viele Menschen mag, vor Temperaturen deutlich über 40 Grad Celsius im Sommer nicht zurück schreckt und Kitsch liebt, ist hier genau richtig. 
Unterhaltsam  Christian Stich © Christian Stich
Nicht nur die Wasserspiele vorm Bellagio Hotel sind beeindruckend, auch im Inneren sind die botanischen Gärten, eine Art Wintergarten, eine nicht alltägliche Erfahrung.

Schrill, bunt, laut

Wir steuern auf Las Vegas zu, die größte Stadt des Bundesstaates Nevada. Auch hier ist es heiß. Exakt 111 Grad Fahrenheit, sprich, 44 Grad Celsius, zeigt der Bordcomputer unseres Dodge-Mietwagens an. Las Vegas ist laut, bunt, stark riechend und vollkommen künstlich. Menschenmassen drängen sich in den Nächten vor den vielen Casino-Hotels, um die Licht- und Wassershow im Bellagio oder den künstlichen Vulkanausbruch vor dem Mirage zu bestaunen. Es ist 23 Uhr. Es hat lauschige 38 Grad. Wir suchen noch mehr Abkühlung und finden sie im Venetian Hotel. Entlang des "Canale Grande" schlendert man unter künstlichem Himmel an ­vielen teuren Geschäften, Galerien und Boutiquen vorbei. Höhepunkt der Kunstwelt: die angebotenen Gondelfahrten.   

Nichts als Natur

Natur pur. Am nächsten Tag kehren wir der Wüstenstadt den Rücken. Keine zwei Stunden später sind wir in St. George, dem Ausgangspunkt am Weg in den Zion-Nationalpark. Hohe Plateaus, Irrgärten aus engen, tiefen Sandsteinschluchten und mächtige Felsformationen charakterisieren den Park. Das Besondere: Anders als in anderen Canyons steht man nicht am oberen Rand der Schlucht, sondern unten im Canyon.

Tag zehn. Einer der Höhepunkte der Reise steht an: der Bryce Canyon. Der Nationalpark ist nicht wirklich ein Canyon, sondern vielmehr ein natürliches, riesiges Amphitheater. Hauptdarsteller sind die durch Erosion entstandenen "Hoodoos", Säulen aus Gestein. Etwa 200 Nachtfröste pro Jahr sorgen dafür, dass in Klüfte eindringendes Wasser gefriert, die Spalten vergrößert und den Fels zunehmend aufsprengt. Die Kinder liebten es, die steilen und engen Schotterserpentinen ­hinunter zu wandern. Empfehlenswert: Das Hotel "The Lodge at Bryce Canyon" inmitten des Parks und nur drei Minuten Fußweg vom Canyon entfernt. Hirsche oder Streifenhörnchen kommen bis vor die Haustüre.

Neuer Tag, neues Ziel. Nach knapp 250 Kilometern erreichen wir die Stadt Page in Arizona. Pflichttermin: Horseshoe Bend. Nach einer kurzen, aber anstrengenden Wanderung bei brütender Hitze erreichen wir den Aussichtspunkt. Es lohnt sich. Der Blick auf den Colorado River, der sich hufeisenförmig in die gewaltigen Sandsteinformationen gefräst hat, ist atemberaubend.

Verschnaufpausen sind kurz, die nächste Attraktion wartet auf uns. Am Plan steht der Antelope Canyon. Vor allem der ebenerdig begehbare Upper Antelope Canyon gilt als Tipp für Fotografen, weil sich hier durch die Erosion des roten Sandsteins außergewöhnliche Formen gebildet haben. Die von oben hereinscheinende Sonne sorgt speziell um die Mittagszeit für fantastische Farb- und Lichtspiele. Wichtig: Da es nur geführte Touren mit begrenzter Teilnehmerzahl gibt, unbedingt lange im Voraus buchen.

Cowboy & Indianer

Tag 13. Das Symbol des amerikanischen Westens erwartet uns: die gewaltigen Felsen im Monument Valley. Eine weite, wüsten­hafte Landfläche, die von hoch aufragenden, riesigen Steinen unterbrochen wird. Es sind Überbleibsel jener Sandsteinschichten, die einst die ganze Region bedeckten. Der Anblick der Landschaft ist kolossal. Ständig laufen Bilder im Kopf ab, man wartet förmlich darauf, dass Cowboys und Indianer hinterm Felsen hervor reiten. Lässig auch: die gemütlichen Appartments in der "Goulding's Lodge" mit Blick auf die fantastische Landschaft.

Ein Naturspektakel jagt das andere: der Grand Canyon steht am Plan. Mit dem Auto fährt man bis zum South Rim. Der südliche Teil des Canyons bietet die spektakulärsten Ausblicke auf die Schlucht. Selten habe ich meine Kinder so ruhig erlebt.

Traumfabrik Christian Stich 1
Sternderl schauen Andreas Kaleta 2
Eine Hetz muss sein Christian Stich 3

1 Das bekannte Hollywood Sign befindet sich in den Hollywood Hills über der Stadt von Los Angeles. © Christian Stich

2 Der Walk of Fame ist ein Gehweg in Los Angeles, der sich über 15 Häuserblöcke zu beiden Seiten des Hollywood Boulevard erstreckt. Mit den fast 2.700 im Boden eingelassenen Sternen werden vor allem Prominente aus der Unterhaltungsindustrie geehrt. © Andreas Kaleta

3 Zu den größten Filmstudios in Hollywood zählen derzeit die Universal Studios und Warner Bros. Für Kinder sind die unzähligen Attraktionen in den Universal Studios ein Erlebnis. © Christian Stich

Finale

Unsere Reise biegt auf die Zielgerade ein. Richtung Los Angeles machen wir noch ­einen Zwischenstopp in Lake Havasu. Die Temperatur klettert auf unfassbare 49 Grad Celsius. Ohne Klima geht's nimma.

Bevor aber der Heimflug startet, stehen noch zwei Tage in L.A. am Programm. Mit den üblichen Verdächtigen: Universal Studios, Sunset Boulevard, Rodeo Drive, Hollywood, Beverly Hills, Santa Monica und Venice Beach.

Nach 20 Tagen kehren wir Kalifornien den Rücken. Aber nicht für immer. Was nehmen wir mit nach Hause? Die Weite des Landes, die atemberaubende Natur, die unkomplizierten Leute – und den Wunsch, bald wiederzukommen. Wie meinte Maxi beim Einsteigen ins Flugzeug? "I'll be back!"

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© Christian Stich

Einfach weg: West-Kalifornien

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