Mostviertel_2012-05_HH_4113_CMS.jpg  © Heinz Henninger

Von weitem sichtbar thront die barocke Wallfahrtskirche Sonntagberg über dem Mostviertel.

© Heinz Henninger

Von weitem sichtbar thront die barocke Wallfahrtskirche Sonntagberg über dem Mostviertel.

© Heinz Henninger
Juli 2015

Samstags um den Sonntagberg

Der beste Tag, um das Mostviertel rund um die berühmte Basilika zu erkunden.

Am Mostviertel im Westen Niederösterreichs fahren viele mit 130 km/h vorbei. Vielleicht liegt es an der Landschaft entlang der Autobahn zwischen Amstetten Ost und Amstetten West, die auf den ersten Blick nicht wirklich spektakulär erscheint. Vielleicht aber auch an den hohen grünen Lärmschutzwänden mit ihren stilisierten rote Früchten, die erst beim zehnten Hinschauen als Symbole für die Region auszumachen sind. Und kaum Lust machen, diese zu erkunden. 

Immer den Blick nach vorn gerichtet, bekommen die wenigsten Vorbeifahrenden mit, dass es sich wirklich lohnt, die A1 zu verlassen, um die Spur der Mostbirne aufzunehmen. Folgen wir also der Moststraße und beginnen wir unsere Runde in Öhling. Am besten an einem Samstag – denn dann stehen einem überall die Türen offen.

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Weiter in Richtung Südwest, ins 14 Kilometer entfente Seitenstetten. Unser Ziel ist aber nicht das "Vierkanter Gottes" genannte, ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert stammende Benediktinerstift, sondern der große, gegenüber liegende Klostergarten, der Hofgarten.

Wir fahren weiter, verlassen Seitenstetten in Richtung Südwest. Zweigen bald von der L88 rechts auf die L6279 ab und sehen in der Ferne schon einen Hügel mit einem Kircherl: unser nächstes Etappenziel, Sankt Michael am Bruckbach.

Immer die Moststraße entlang Heinz Henninger 1
Die Kirche von Sankt Michael am Bruckbach Heinz Henninger 2
Brettljause mit Aussicht Heinz Henninger 3

1 Immer die Moststraße entlang. © Heinz Henninger

2 Hinauf zur Kirche von Sankt Michael am Bruckbach. © Heinz Henninger

3 Brettljause mit 360-Grad-Aussicht – im Gasthof Mitterböck. © Heinz Henninger

Gestärkt wollen wir uns auf der L88 dem eigentlichen Ziel unserer Runde durchs Mostviertel nähern, der auf dem 704 Meter hohen Sonntagberg gelegenen Basilika. Ursprünglich von Abt Benedikt I. von Seitenstetten im Jahr 1440 als Kapelle erbaut, neben dem sogenannten Zeichenstein, den eine christliche Legende mit wundertätigen Kräften in Verbindung bringt. In den Jahren 1706–1732 bekam das Gotteshaus von Jakob Prandtauer und Joseph Munggenast seine heutige Gestalt. Verehrt wird hier ein Gnadenbild aus dem Jahr 1614, der sogenannte Sonntagberger Gnadenstuhl, der auf mittelalterliche Vorbilder zurückgeht. 
Von weitem schon ist die Basilika sichtbar – dass vieles an und in ihr restauriert gehört und etwas Zuwendung gebrauchen kann, wird erst vor Ort ersichtlich. Der vor zwei Jahren gegründete Verein "Basilika Sonntagberg" unterstützt die Revitalisierung des Pilger- und Wallfahrtsorts, der Basilika und der Schatzkammer, und er unterstützt auch viele Aktivitäten. "Der Sonntagberg war ab dem 18. Jahrhundert neben Mariazell der wichtigste Wallfahrsort der Donaumonarchie", erzählt Obmann Wolfgang Sobotka. Und, um den Titel dieser Geschichte endlich zu begründen: Weil sonntags noch immer viele Wallfahrer kommen, ist der Samstag der beste Tag für diese Tour.
Der Sonntagberg gilt als Gesamtkunstwerk: Daniel Gran gestaltete hier seine letzten und beeindruckendsten Gemälde. Die Seitenaltäre schmücken großformatige Gemälde vom Kremser Schmidt, dem prägendsten Maler seiner Zeit. Und der barocke Bau wurde von Jakob Prandtauer konzipiert. 

Nach der Besichtigung der Basilika wollen wir noch einen richtigen Mostbauern besuchen, einen, der seinen Most auch in einer eigenen Buschenschank ausschenkt. Freunde haben uns Leopold Reikersdorfer in Greinöd kurz vor Neuhofen an der Ybbs empfohlen – nichts wie hin! 16 Kilometer auf schmalen Nebenstraßen führen uns zu ihm.

Die Runde durch das Mostviertel ist nun fast vollendet. Bis zur Anschlußstelle Amstetten West der A1 ist es nicht mehr weit. Insgesamt haben wir gut 80 Kilometer zurückgelegt, die reine Fahrzeit betrug eine Stunde und 45 Minuten. Und morgen liegt ein Sonntag vor uns. Was wir da unternehmen möchten? Nichts! Einfach nur faulenzen.

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