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Februar 2019

Fiktiv & Furios

Die Formel 1 der Zukunft. McLarens Visionäre enthüllen ihr futuristisches Grand-Prix-Konzept.

Kein Witz! Während die Formel-1-Bosse mit den Teams derzeit über ein neues Reglement für 2021 streiten, ist die Innovations-Abteilung von McLaren weit in die Zukunft gereist – bis ins Jahr 2050.

Die Fragestellung war: Wie werden Grand-Prix-Rennen in 31 Jahren ablaufen? Für die Recherche sind die Kreativen von McLaren Applied Technologies tief in die Formel-1-Welt abgetaucht – diese obskure Matrix aus Passion, Pioniergeist und permanentem Cocooning. Sie führten Interviews mit Fahrern, Fans, Renn­strategen und Ingenieuren. Aber auch Gesellschaftswandel und Markttrends waren Thema.

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Zukunft beginnt im Kopf

Projektleiter Rodi Basso klärt auf: "Wir denken ständig über Lösungen für morgen und übermorgen nach. Aber diesmal haben wir nach etwas Realisier­barem gesucht: dem Motorsport der Zukunft." Das Resultat: die Studie "Grand Prix 2050", eine provokante Vision, basierend auf den vier Säulen Auto, Fahrer, Rennstrecken und Fans.

Puristen mögen beruhigt sein: McLarens Rennwagen der Zukunft, der MCL Extrem, ist immer noch ein Monoposto mit vier frei stehenden Rädern. Auch am Heckantrieb ändert sich nichts. Aber das war's auch schon. 

Die Formel Futura wird ausschließlich elektrisch angetrieben. Klar, McLaren beliefert schon jetzt die Formel E mit Batterien. Und so wie in der nächsten Smartphone-Generation werden auch die Formel-1-Batterien faltbar sein. Das eröffnet den Designern eine Vielzahl an Möglichkeiten, die Akkus aerodynamisch zu verbauen.

Die Aufladung wird induktiv erfolgen, in sogenannten E-Pit­lanes. Im Klartext: Während der Durchfahrt durch die Boxengasse laden sich die Akkus der Rennwagen automatisch an Ladeschienen auf. Je langsamer der Pilot dabei fährt, desto mehr Energie wird gespeichert. Eine Spielwiese für Rennstrategen.

Protagonist & Prototyp

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Rodi Basso, Visionär und Direktor von McLaren Applied Technologies und sein Team…
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… entwickelten das Formel-1-Auto der Zukunft, den MCL Extreme.
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Eine Rennmaschine mit Gefühls-Barometern in den Rädern.

Reifenverschleiß, derzeit ein Sargnagel des Formel-1-Zirkus, ist 2050 kein Thema mehr. Die Pneus der Zukunft sind laut Direktor Basso "self healing", regenerieren sich also selbst. Wie das genau passieren soll, bleibt geheim.

Klar hingegen ist die Aerodynamik der Rennmaschinen von morgen: Die Frontflügel werden – endlich – wieder kleiner, einfacher. Downforce, der Abtrieb, wird hauptsächlich über den Unterboden generiert.

Einige Aerodynamik-Teile werden aktiv sein. Heißt: Die Seitenkästen der Autos sind elektronisch einklappbar. Die Renner nehmen dadurch eine Pfeilform an und erreichen auf den Geraden furiose Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 500 km/h.

Formel-1-Vision

Tempo 500! Dafür braucht es völlig neue Rennstrecken: länger, breiter, mit Steilkurven, ähnlich den amerikanischen Nudeltopf-Ovalen, Stadtkurse mit engen Ecken sind out. Erste Skizzen zeigen ein Auf und Ab durch bizarre Landschaften und über Meeresbuchten. Die Streckenführung weckt kind­liche Erinnerungen an Hot-Wheels- oder Carrera-Rennbahnen.

Auf künstlich aufgeschütteten Hängen werden großflächig Zuschauer-Tribünen errichtet. Durch be­geh­bare Glasdächer über spektakulären Streckenabschnitten und im Boxenbereich werden die Fans ganz nah an das Renngeschehen herangeführt.

Die Piloten der Zukunft sind gläserne Superstars in einem gläsernen Cockpit. Aufregung, Angst, Freude, Frust – alle Emo­tionen, die ein Fahrer während des Rennens durchlebt, werden für die Fans sichtbar gemacht: durch farbige LED in den Rädern.

Auch AI (Artifical Intelligence) wird an Bord sein. Quasi ein Co-Pilot in Form eines mitfühlenden Computer-Programms, das den Piloten im Renntrimm unterstützt. Bereits beim Gedanken an ein Überholmanöver bereitet die künstliche Intelligenz die aktive Aerodynamik auf das Überholmanöver vor.

Wegen der hohen Fliehkräfte von 5g und mehr, die in schnellen Kurven auf Mensch und Maschine wirken, werden die Grand-Prix-Piloten in einem spacig-schnittigen G-Suit an den Start gehen, der modernen Version eines Druck­anzugs von Kampfjet-Piloten.

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Der Rennoverall von übermorgen: spaciges Design eines Kampfjet-Druckanzugs.

Show, Speed und Spektakel. Alles multimedial versteht sich. Kamera-Drohnen kreisen über dem Renngeschehen. Die Übertragungen werden mit Echtzeit-Bildern aus dem Cockpit plus Infografiken aufgepeppt. Und auch die Nerds unter den e-Sportlern können sich in einer Art Mixed Reality mit den Piloten während des Rennens matchen.

Alles nur Science Fiction? Wohl kaum. Denn das Traditions-Team aus Woking war seit jeher Vorreiter im Formel-1-Zirkus. Revolutionäre Beispiele: Das Carbon-Chassis oder der umstrittene F-Schacht (F-Duct), ein Loch im Cockpit, das die Piloten mit dem Handrücken abdeckten und so einen Strömungs-Abriss, sprich: weniger Anpressdruck auf den Heckflügel erzeugten. 

Nur eine Sache blieb von den Kreativen von McLaren unbeantwortet: Wird es in der Zukunft wieder Grid Girls geben?

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Mit Vollgas in die Zukunft

Reise per Mausklick in die Welt der Visionen von McLaren Applied Technologies: https://www.mclaren.com/appliedtechnologies

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