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© Erich Reismann
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April 2017

Tanja Franks filmreife Karriere

Die Profi-Seglerin Tanja Frank ist mit fünf Jahren ihre erste Regatta gefahren. Nach den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro hat Österreichs einzige Medaillengewinnerin die Karten komplett neu gemischt.

Tanja Frank war im April eine Woche in Wien. Oster-Urlaub? Nein. Die Olympia-Dritte von Rio (gemeinsam mit ihrem damaligen Segel-Partner Thomas Zajac) trainiert bereits täglich sehr hart für die nächsten Olympischen Sommerspiele in Tokio: Ausdauer, Koordination, Balance und Kraft. Rund 250 Tage im Jahr ist die 24-Jährige im Ausland, um zu segeln, und bevor sie nach einem Zwölf-Stunden-Trainingstag erschöpft ins Bett fällt, kocht sich die Wienerin etwas Gesundes. Umso mehr schätze ich ihre freie Zeit für das persönliche Interview. Wir trafen einander dort, wo sie mit zweieinhalb Jahren segeln gelernt hat: an der Alten Donau.  

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IMG_20170315_172449_790.jpg Privat

Ich habe mit zweieinhalb Jahren auf der Alten Donau segeln gelernt, weil ich es unbedingt wollte.

© Privat

Der Mutter als Kleinkind davongesegelt

— Hast du segeln vor dem Laufen gelernt?
tanja frank(lacht): So ungefähr. Ich weiß nicht, wann ich laufen gelernt habe, aber ich weiß, dass ich mit zweieinhalb Jahren zum ersten Mal alleine gesegelt bin. Meine Mama hatte an der Alten Donau eine Segelschule und da sie Alleinerzieherin war, bin ich immer bei ihr gewesen, auch wenn sie Kurse hatte. Irgendwann sagte ich: "Mama, auch segeln." Sie fand aber, dass ich noch zu klein dafür war. Ich habe sie dann den ganzen Tag lang genervt, Sachen aus dem Motorboot geworfen und Luft aus Schlauchbooten ausgelassen. Dann hat sie mich in ein Segelboot der Klasse Optimist gesetzt. Erinnerungen habe ich leider nicht mehr sehr viele.

— Ab dem Zeitpunkt bist du dann regelmäßig gesegelt?

tanja frank: Genau. Ich bin auch viel am Neusiedler See gesegelt, da meine Mutter auch in Jois eine Segelschule hatte. Ich habe als Kind nebenbei auch Judo gemacht und bin viel Schi gefahren – hatte sogar mit dem Schirennfahren begonnen, aber habe mich dann doch aufs Segeln konzentriert.

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Tanja Frank holte mit Thomas Zajac bei den Olympischen Spielen… 
rio_zajac_frank (c) oesv_marsano_CMS.jpg  Marsano/OeSV © Marsano/OeSV
… in Rio 2016 die einzige Medaille für Österreich.
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Ihr Bronze glänzte wie Gold.

"Wir haben es allen gezeigt in Rio"

 Mit 18 Jahren wurdest du Jugendweltmeisterin und seit Rio trägst du eine Olympia-Medaille. War das immer schon dein Traum?
tanja frank: Bei uns im Segelclub waren oft Olympia-Teilnehmer und Medaillengewinner, aber für mich als Kind war das alles sehr weit weg – einfach nur ein Traum.  

 Und plötzlich standest du am Stockerl!

tanja frank(strahlt): Tom und ich waren in Rio ja gar nicht die großen Favoriten, vielleicht hatten wir deswegen auch nicht so einen Druck. Das war dann noch viel schöner: So als Nicht-Favorit am Stockerl zu stehen. 

Olympia-Bronzemedaille für Tanja und Thomas

Neues Boot, neue Partnerin, neues Ziel

 Und nach Rio hast du Urlaub gemacht?

tanja Frank: Wäre geplant gewesen, doch der fiel ins Wasser. Ich war nach den Olympischen Spielen drei Wochen krank und hatte sehr viele Medientermine. Ich hab mich dann relativ bald damit beschäftigt, wie es weitergehen soll, und habe mich für eine neue Bootsklasse entschieden und dafür eine neue Partnerin gesucht.  

 Das klingt nach einer neuen großen Herausforderung.

tanja Frank: Die damalige Bootsklasse Nacra 17 (ein Katamaran) und meine jetzige 49er FX (ein Skiff) sind komplett unterschiedlich. Ich habe auch von der Rolle als Vorschoterin zur Steuerfrau gewechselt. Meine Arbeit ist somit eine ganz andere. Als Vorschoterin macht man mehr die körperliche Arbeit und ist für die Segel zuständig. 

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1 Tanja hat nach Rio wieder selber das Steuer übernommen und peilt gemeinsam mit Lorena Abicht in der 49er FX-Klasse (Skiff) die Olympischen Sommerspiele in Tokio 2020 an. © Petschel/OeSV

2 Für Tokio trainiert Tanja täglich – rund 250 Tage im Jahr ist sie im Ausland segeln.  © Marsano/OeSV

3 Mit Ex-Segel-Partner Thomas Zajak ist Tanja in den letzten Jahren in der Katamaran-Klasse Nacra 17 gefahren. © Marsano/OeSV

"Das neue Boot ist ganz schön wackelig"

 Der Einrümpfer 49er FX soll unter den Fans "wie die Sau" gehen. Wie siehst du das?

tanja Frank(lacht herzhaft): Ich bin die Schnelligkeit ­natürlich schon gewohnt vom Nacra, denn das ist sicherlich das schnellste Boot innerhalb der olympischen Bootsklassen. Mit dem ­Katamaran waren wir etwa 20 Knoten, also 40 km/h unterwegs. Der 49er FX ist eine Spur langsamer, obwohl es einem schneller vorkommt, weil man mit dem Körper viel näher an der Wasseroberfläche ist, teilweise auch auf dem Wasser. Der 49er FX ist irrsinnig athletisch und auch instabil. Es ist ganz schön wackelig auf dem Boot (lacht). Es kann leicht kippen. Im Vergleich dazu fährt sich der Nacra eher wie ein Floß – komplett anders.

Nacra 17 Action

"Ich segle oft nach dem Gefühl"

— Es klingt sehr danach, als wärst du eine Perfektionistin?

tanja frank:Nein (lacht). Natürlich muss ich beim Segeln sehr genau sein. Aber wenn es darum geht, zum Beispiel einen Sticker aufs Boot zu kleben, dann macht das mein Trainer, weil der ist in dieser Hinsicht wirklich ein Perfektionist. Wenn der Sticker einen halben Millimeter schief klebt, dann zieht er ihn wieder ab. So bin ich nicht.

— Also nur während dem Segeln…?

tanja Frank: Ich würde nicht sagen, dass ich beim Segeln die Genaueste bin, aber ich versuche es (lacht).

— Machst du beim Segeln viel nach dem Gefühl?

Tanja Frank: Ja, sehr viel. Das ist sicher ein Vorteil. Ich tu mir oft schwer zu erklären, warum ich etwas so mache. Den 49er FX bin ich aber vorher auch noch nicht gesegelt und somit habe ich nicht alles im Gespür. Ich mache sehr viele Balance- und Koordinationsübungen dafür.

FRANKTanjaChiara_er047_CMS.jpg Erich Reismann

Ich versuche immer positiv zu denken, auch wenn es einmal nicht so gut läuft.

© Erich Reismann

Tanjas strenger Trainingsplan

— Dein nächstes großes Ziel sind die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio. Wo trainierst du mit deiner Partnerin?

tanja Frank: Meistens dort, wo wir auch Regatten fahren: Frankreich, Holland, Kiel und Miami. Aber auch gerne am Gardasee. Süßwasser ist sehr angenehm für uns und windig ist es dort auch immer. Im Winter waren wir in San Remo.

— Du bist somit ständig auf Reisen.

tanja frank: Ich bin 250 Tage im Jahr im Ausland segeln. Ich trainiere aber täglich. Wenn ich daheim bin, mache ich Krafttraining, aber auch Ausdauer- und Koordinationsübungen.

— Wie schaut ein typischer Trainings-Tag aus?

tanja frank: Ich stehe zwischen 7.00 und 7.30 Uhr auf. Der Tag beginnt mit Morgensport, wie Laufen, Radfahren, Koordinations- oder Mobilisationsübungen – zum Glück sehr abwechslungsreich. Danach essen wir Frühstück. Wenn es am Vortag spät geworden ist, dann besprechen wir mit unserem Trainer den gestrigen Trainingstag.

Bevor wir segeln gehen, müssen wir ein paar Dinge kontrollieren und die Leinen wechseln. Das ist immer viel Arbeit. Danach gibt es ein schnelles Mittagessen oder es geht gleich aufs Wasser – meistens segeln wir vier bis fünf Stunden. Wenn wir zurückkommen, wird das Equipment gecheckt und oft gibt es gleich eine Nachbesprechung.

Wenn der Tag nicht sehr anstrengend war, machen wir nach dem Segeln ein Kraft- oder Rumpftraining, ansonsten nur regeneratives Radfahren, Laufen oder Dehnen. Abends stehen wieder Nachbesprechungen mit dem Trainer am Programm und wenn wir einen Physiotherapeuten oder einen Sport-Psychologen dabei haben, dann geht’s noch zu ihm. Danach ist es meistens schon spät. Wir kochen und essen noch gemeinsam und gehen danach gleich schlafen.

Vorbilder sind für mich generell alle, die bei den Olympischen Spielen teilnehmen und Tag für Tag trainieren.

Tanja Frank, Profi-Seglerin

— Ist das ein besonders langer oder ein typischer Tag? 

tanja frank: Leider ein typischer (lacht).

— Und wie sieht dein Training in Wien aus?

tanja frank: In Wien habe ich meistens zwei bis drei Einheiten am Tag. Ich trainiere: Ausdauer, Koordination, Balance und Kraft.

— Ist es dir ein Bedürfnis, jeden Tag Sport zu machen, oder eine Pflicht, um ein Ziel zu erreichen?

tanja frank: Mal so, mal so. Mal ist es ganz normal für mich und ich denk gar nicht daran, nicht zu trainieren, aber manchmal, wenn ich schon müde bin, dann muss ich mich dazu motivieren. 

— Hast du jemanden, der dir ein Vorbild ist und dich motiviert?

tanja Frank: Die beiden Segler Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher mit ihren zwei Gold-Medaillen. Vorbilder sind für mich aber generell alle, die bei den Olympischen Spielen teilnehmen und Tag für Tag trainieren. Ich weiß selber, dass es nicht sehr leicht ist, vier, acht oder zwölf Jahre seines "anderen" Lebens aufzugeben und nur für den Sport zu leben.

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Tanjas große Leidenschaft war schon immer das Segeln.
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Obwohl sie als Kind kurzzeitig überlegt hat, …
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… Schirennläuferin zu werden.

Nutella zum Frühstück

— Nebenbei studierst du Ernährungswissenschaften?

tanja Frank: Ja – es geht zwar nicht viel weiter, aber ich probiere es. Mein Studienplan hat sich geändert und jetzt muss ich Chemie als Studieneingangsprüfung nachholen. Das ist hart für mich, weil ich kann, bis ich diese Prüfung absolviert habe, keine anderen machen. Die Chemie-Prüfung ist doch ein harter Brocken. Jetzt steh ich ein bisserl an. Ich hab für mein Studium aber schon relativ viel gemacht und möchte es auf jeden Fall abschließen. Zeitdruck habe ich ja keinen.

— Dann achtest du sicher sehr auf deine Ernährung.

tanja Frank: Naja (lacht). Also natürlich schaue ich drauf. Aber ich verbiete mir keine Schokolade oder so. Nutella esse ich auch gerne zum Frühstück. Ich weiß, was gut ist und was nicht. Aber ich weiß auch, dass es mir nicht schlecht geht, wenn ich ein Nutella-Brot esse.

— Wie ernährst du dich?

tanja Frank: Ich koche sehr gerne und probiere viel aus. Ganz unterschiedlich. Für mich ist es wichtig, dass ich selber koche, weil dann weiß ich, was drinnen ist. Ich esse viel Eiweiß – gerne Steak und Quinoa oder Couscous. Ich experimentiere viel.

— Wenn du auf Reisen bist, hast du Zeit zum Kochen?

tanja Frank: Kochen ist für mich entspannend und wir haben meistens ein Apartment. Wir kochen auch in der Gruppe. Aber wenn wir bis spät abends trainieren, dann gibt es einfach Nudeln. Das geht schnell.

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Tanja Frank im persönlichen…
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… Gespräch mit auto touring-Redakteurin…
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… Conny Buczolich.

Steckbrief

Medaillengewinnerin Tanja Frank

  • Geboren am 24. 1. 1993 in Wien  
  • Studierte bereits mit 14 Jahren Biologie, wechselte später zu Ernährungswissenschaften
  • Hat mit 2 ½ Jahren segeln gelernt und ist mit fünf Jahren ihre erste Regatta gesegelt
  • Jugendweltmeisterin im 420er (2011)  
  • Europacupsieg am Gardasee im Nacra 17 (2013)  
  • Gold bei den Pre-Worlds im Nacra 17 (2013)  
  • Bronze bei den Olympischen Sommerspielen in Rio im Nacra 17 (2016)  
  • Nächstes Ziel: Olympische Sommerspiele in Tokio im 49er FX (2020)

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