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Neue Hoffnung für Kolumbien: Junge Leute schauen hinunter auf ihre Stadt Popayán im Süden des Landes.

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Neue Hoffnung für Kolumbien: Junge Leute schauen hinunter auf ihre Stadt Popayán im Süden des Landes.

© Roland Fibich
Juni 2015

Neue Welt

Seit sich die Sicherheitslage in Kolumbien gebessert hat, ist der Andenstaat ein neues Ziel auf der touristischen Landkarte geworden. auto touring hat sich in dem neuen Reiseland umgesehen.

Es wird Nacht in Cartagena. Vor dem kleinen Restaurant Conde de la Cruz lassen wir uns an gedeckten Holztischen nieder. Auf der in warmes Laternenlicht getauchten Plaza de Santo Domingo kommen Straßenmusikanten und Verkäufer mit Zigaretten und Schmuck, dann rasch auch die ersten Drinks: frisch gepresste Fruchtsäfte, kaltes Club Colombia, das Bier aus der örtlichen Brauerei. Ab und zu rumpelt laut eine der Coches vorbei – Fiaker auf der Suche nach Kunden –, dann drängt sich Musik nach vorne: Eine Salsa-Band spielt auf, es wird schon getanzt. Wir bestellen Róbalo Ajillo, Wolfsbarsch in Knoblauch, vorher Ceviche, frische Meeresfrüchte in Gewürzen und Zitrone. Das kostet alles umgerechnet nicht mehr als 16 Euro. 

Während unsere Gespräche lebhafter werden, hebt sich der Dunst von der Stadt, der tagsüber das Denken schwer und Bewegungslosigkeit zum Lebensziel gemacht hat. Er zieht hinaus ins Karibische Meer, macht einem frischen Wind Platz, der zwischen den bunten Kolonialhäusern über das Kopfsteinpflaster bis zu uns auf die Plaza de Santo Domingo zieht: Wenn es Nacht wird in Cartagena de Indias, dem Schmuckstück Kolumbiens am Karibischen Meer, beginnt der Tag noch einmal von vorne.

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Kolumbien also. Zehn von zehn Leuten, denen ich von meinem Reiseplänen erzählte, hatten nur zwei Kommentar-Varianten: Willst du sterben? Und: Bringst mir was mit? Hähä, Augenzwinkern. Sehr lustig. Doch die Erfahrung hat mich gelehrt: Meine Bekannten, die meist lieber zu Hause in Österreich bleiben, kennen die Welt aus der Sicht der Katastrophen-Berichterstattung: Kriege, Seuchen, Naturdramen. Gibt’s irgendwo eine Wende zum Besseren (was freilich selten genug vorkommt), ist das meist keine Zeile wert, wird also auch nicht wahrgenommen.

Szenenwechsel von Cartagena nach Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens. "Ohne Präsident Uribe würden wir nicht hier sitzen", sagt Luis Lampreq. Der junge Reiseleiter, der auch schon durch Österreich getourt ist, zeigt uns das "Andrés". Ins Kult-Lokal von Bogotá kommt die Schickeria zum Feiern und Schmausen. Uribe leitete 2005 einen Politikwechsel in Kolumbien ein, seither hat sich die Sicherheitslage deutlich gebessert. Wir bestellen Steaks und Biere, schauen den jungen Leuten beim Tanzen zu. "Es ist schwer, das Image eines Landes im Ausland zu ändern", sagt Luis. "Tourismus aus dem europäischen Ausland ist auch für uns Kolumbianer eine neue Erfahrung."

Kolumbien_2015-05_Bogota_Goldmuseum_FIB_04_CMS.jpg  Roland Fibich © Roland Fibich
Die Legende von "El Dorado" beflügelte die Raubzüge der spanischen Eroberer.
Kolumbien_2015-05_Bogota_Goldmuseum_FIB_03_CMS.jpg  Roland Fibich © Roland Fibich
Übersichtlich wird in Bogotas Goldmuseum die Geschiche des Landes erzählt.
Kolumbien_2015-05_Bogota_Goldmuseum_FIB_05_CMS.jpg  Roland Fibich © Roland Fibich
Quetzalcoatl, die "Gefiederte Schlange" – ein Motiv mit mexikanischen Wurzeln.

Unsere Rundreise beginnen wir in der Zehn-Millionen-Metropole Bogotá. Die Straße Nr. 7, die auf 60 Kilometern diesen Moloch durchzieht, spiegelt das gesellschaftliche Spektrum: Im Norden leben die Reichen und Schönen, im Süden die Armen, dort befindet sich "Invasión", so der sprechende Namen der Blocks der Verlierer. Höhepunkt der Stadt ist das Goldmuseum, in dem jene Schätze der Ureinwohner zu bewundern sind, die nicht von den Eroberern eingeschmolzen und verschifft wurden. 

Rasch verlassen wir die Stadt, besuchen die unterirdische Salzkathedrale in Zipaquirá und erreichen Villa de Leyva. Die Stadt der weiß getünchten Hotels und Restaurants ist beliebtes Ausflugsziel der Bogotáer. Stilvoll übernachten wir im Boutiquehotel Posada de San Antonio, speisen günstig in der Villa Campesina. Im Convento del Santo Ecce Homo erfahren wir, wie die Indianer zum wahren Glauben bekehrt wurden.

Kolumbien hat vierzehn mal die Fläche von Österreich. Es hat mehr als 5.000 Meter hohe Berge und liegt an zwei Meeren. Es gibt staubige Wüsten und riesige Flüsse, die sich ins gigantische Amazonasbecken ergießen. Ein Großteil des Landes ist Wildnis. Obwohl schon viel Gold erbeutet wurde, ruhen in Kolumbiens Böden noch immer unermessliche Schätze. Einen solchen schlafenden Riesen kann man nur mit dem Flugzeug bereisen, will man während einer Rundreise einen ersten Überblick bekommen. 

Wir nehmen einen modernen Jet der kolumbianischen Avianca und fliegen nach Neiva. Von hier bringt uns der Bus durch das tropische Tal des Río Magdalena nach San Agustín, wo Monolithstatuen, Sarkophage und Gräber steinerne Zeugen einer Anden-Hochkultur zwischen dem 6. und 14. Jahrhundert sind. Nach dem Besuch einer Kaffeeplantage dauert die Fahrt auf einer Schotterpiste über die zentrale Andenkette in die quicklebendige Universitätsstadt Popayán fast einen ganzen Tag.

Das ist auch der Tag, an dem ich mein Geschenk bekomme. Ich verpacke es ganz unten in meinem Koffer, damit es niemand findet, kein neugieriges Zimmermädchen, auch nicht der Zoll und die Drogenkontrolle beim Abflug von Kolumbien und die bei der Ankunft in Europa, wo trainierte Hund mich am Gate beschnüffeln. Erst zu Hause öffne ich den Koffer wieder. Er riecht nicht wie sonst nach schmutziger Wäsche, sondern duftet nach … Kaffee, dem Gold Kolumbiens. 

Unsere Rundreise beginnen wir in der Zehn-Millionen-Metropole Bogotá. Die Straße Nr. 17, die auf 60 Kilometern diesen Moloch durchzieht, spiegelt das gesellschaftliche Spektrum: Im Norden leben die Reichen und Schönen, im Süden die Armen, dort befindet sich „Invasión“, so der sprechende Namen der Blocks der Verlierer. Höhepunkt der Stadt ist das Goldmuseum, in dem jene Schätze der Ureinwohner zu bewundern sind, die nicht von den Eroberern eingeschmolzen und verschifft wurden
 
Rasch verlassen wir die Stadt, besuchen die unterirdische Salzkathedrale in Chiquinquirá und erreichen Villa de Leyva. Die Stadt der weiß getünchten Hotels und Restaurants ist beliebtes Ausflugsziel der Bogotáer. Stilvoll übernachten wir im Boutiquehotel Posada de San Antonio, speisen günstig in der Villa Campesina. Im Convento del Santo Ecce Homo erfahren wir, wie die Indianer zum wahren Glauben bekehrt wurden.
 
Kolumbien hat vierzehn mal die Fläche von Österreich. Es hat mehr als 5.000 Meter hohe Berge und liegt an zwei Meeren. Es gibt staubige Wüsten und riesige Flüsse, die sich ins gigantische Amazonasbecken ergießen. Ein Großteil des Landes ist Wildnis. Obwohl schon viel Gold erbeutet wurde, ruhen in Kolumbiens Böden noch immer unermessliche Schätze. Einen solchen schlafenden Riesen kann man nur mit dem Flugzeug bereisen, will man während einer Rundreise einen ersten Überblick bekommen. 
Steinerne Botschafter Roland Fibich 1
Rundgang in San Agustin Roland Fibich 2
Ein unentdeckter Schatz Roland Fibich 3

1 Nur durch ihre steinernen Hinterlassenschaften sprechen die Menschen der prähistorischen Kulturen Kolumbiens zu uns. Der Steinmetz in der Mitte der Dreierfigur hatte eine so wichtige Tätigkeit, dass ihm die Heirat verboten war – seine Genitalien sind festgebunden.  © Roland Fibich

2 Jede einzelne Figur erzählt eine andere Geschichte. Reiseleiter Freddy ist im Hauptberuf Lehrer – den archäologischen Park kennt er wie seine Westentasche. Dieser alte Kolumbianer hat zu viele Drogen genommen und muss sich erbrechen ... © Roland Fibich

3 Allerdings kommen derzeit nur ganz wenige Touristen nach San Agustín – zu lange war die Gegend einer der Schauplätze des kolumbianischen Bürgerkrieges. © Roland Fibich

Sicherheit in Kolumbien

Lange Zeit war Kolumbien für Touristen nur sehr schwer zu bereisen. Grund dafür war der Bürgerkrieg zwischen der Regierung und der Rebellenarmee FARC. Die Ursachen dieses Konfliktes gehen weit in die Geschichte zurück, sind teilweise Ausdruck von gesellschaftlichen Gegensätzen, die schon seit langer Zeit oft mit Gewalt ausgetragen wurden. Dazu kam noch die Einmischung ausländischer Mächte im Kampf gegen die Drogen. 2002 startete der neue Präsident Álvaro Uribe einen Plan zur Zerschlagung der FARC. Seither hat sich die Sicherheitslage deutlich gebessert. Auf Kuba finden Friedensgespräche statt, bewaffnete Auseinandersetzungen gibt es, wenn überhaupt, nur noch in entlegenen Regionen, die weit abseits der touristischen Routen durchs Land liegen. In den Städten muss man wegen normaler Kriminalität wachsam sein: Keinen auffälligen Schmuck tragen, Bauchgurt für Wertsachen verwenden, in der Nacht und in Armenvierteln nicht alleine umher spazieren und Ratschläge der Reiseleitung beachten. 

 

Das ÖAMTC-Reisebüro bietet Kolumbien-Reisen an. Alle Infos und Buchungen bei den Reisebüros des ÖAMTC und unter Tel. 0810 120 120.

 

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