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Das Kunsthistorische Museum an der Wiener Ringstraße hat man jetzt fast für sich alleine. 

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Das Kunsthistorische Museum an der Wiener Ringstraße hat man jetzt fast für sich alleine. 

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September 2020

Hereinspaziert!

Unter Einhaltung der Corona-Regeln ist jetzt der beste Zeitpunkt, die Hauptstadt Wien neu zu entdecken. 

Jede Krise ist gleichzeitig auch eine Chance. Der Städtetourismus samt zugehöriger Hotellerie wurde weltweit von der Coronavirus-Pandemie besonders hart getroffen. Das gilt auch für die Bundeshauptstadt Wien.

Hier hatten die Verantwortlichen in den vergangenen Jahren eher mit den Auswirkungen des "Overtourism" zu kämpfen: Sie versuchten, die immer stärker zunehmenden Besucherströme aus allen Ländern der Erde besser in der Stadt zu verteilen. Und zwar, um sie für die Bewohner/-innen selbst lebenswert zu erhalten. Diese Zeiten freilich sind vorerst einmal vorbei. 

Doch der viel propagierte "Urlaub im eigenen Land" bedeutet eben nicht nur Wandern in unseren Bergen und Schwimmen in unseren Seen, sondern auch den Genuss unserer Städte. Ganz vorne steht dabei die Bundeshauptstadt Wien, die seit vielen Jahren bei weltweiten Rankings der lebenswertesten Städte einen Platz ganz vorne für sich abonniert hat.

In Begleitung der Wiener Kunst-Führerin Alexandra Brauner (oben) hat sich die Redaktion in der Zwei-Millionen-Stadt umgesehen. Fazit: Wer schon einmal Wien (wieder) besuchen wollte, sollte jetzt unter Einhaltung der Corona-Regeln zur Tat schreiten.

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Museen von Weltrang

Kultur-Tour. Für die Wiener Museen, die Kunstwerke von unschätzbarem Wert beherbergen, sind die "goldenen Zeiten" mit Besucherströmen aus aller Welt vorerst einmal vorbei.

Doch die Krise, mit denen die Verantwortlichen zu kämpfen haben, bietet den Besuchern/-innen aus der Stadt selbst sowie den anderen Bundesländern umgekehrt einen großen Vorteil. Sie können etwa Albrecht Dürers "Feldhasen" in der Albertina, Gustav Klimts "Der Kuss" im Oberen Belvedere, die Schiele-Sammlung im Leopold Museum und nicht zuletzt das Kunsthistorische Museum mit der welt­größten Brueghel-Sammlung ganz ohne Besuchermassen, dafür aber mit Schutzmaske genießen.

Geöffnet hat seit August täglich, außer Dienstag, auch wieder die Kaiserliche Schatzkammer in der Hofburg. Hier kann man jetzt ganz ohne Gedränge die Insignien und Kleinodien des Heiligen Römischen Reichs mit der Reichskrone und der Heiligen Lanze bestaunen. Dieser Schatz alleine wäre eine eigene Reise wert.

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Nach der Museums-Tour ist es keine Hexerei, einen Tisch vor dem Café Central in der Herrengasse zu ergattern. 

Das Leben in Bobostan

Mariahilfer Straße. Die Einrichtung einer fast durchgehenden Fußgängerzone in der größten Einkaufsstraße der Stadt hat einst die Wienerinnen und Wiener in zwei Lager gespalten.

Gewonnen haben diejenigen, die das Flanieren im Freien der Sterilität von Einkaufszentren vorziehen und mit der U-Bahn aus allen Bezirken zum Shoppen kommen. Verloren haben jene Anrainer/-innen, die ein Auto besitzen und nun große Umwege in Kauf nehmen müssen.

Die Mariahilfer Straße ist aber auch das Epizentrum des sogenannten "Bobostan": der Bezirke sechs bis neun innerhalb des Gürtels mit einem hohen Anteil an gut verdienenden und gleichzeitig ökologisch orientierten Bewohnern/-innen. (Von "Bobo", einem 2000 von dem "New York Times"-Kolumnisten David Brooks geprägten Begriff, der sich aus den Wörtern "Bourgeois" und "Bohemien" zusammensetzt.)

Sie be­völkern eine vielfältige Lokal- und Kulturszene, vor allem rund um den Spittelberg. Wo hier früher Studenten billig unterkamen, sind Wohnungen für Durchschnittsverdiener mittlerweile unleistbar geworden.

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Flanieren wie im Urlaub von einem Geschäft zum nächsten auf der Wiener Mariahilfer Straße.

Wo Wien wirklich an der Donau liegt

Alte Donau. Wie schon vor Jahrzehnten pilgern die Wienerinnen und Wiener auch 2020 an sommerlichen Hitzetagen in Tausendschaften ins Gänsehäufel und die anderen Strandbäder an der Alten Donau. Doch es gibt gravierende Unterschiede: Früher glich die Anreise mit der Straßenbahn B eher einer Weltreise, jetzt kommt man mit der U-Bahn oder auf einem der zahlreichen Radwege gleich mit dem Fahrrad viel bequemer dorthin.

Das gesamte Areal der nach der Donauregulierung zu Kaisers Zeiten vom eigentlichen Strom abgeschnittenen Altarme der Donau (daher der Name) gleicht mittlerweile einem gigantischen Freizeitpark inmitten der Stadt. Wenn Wien irgendwo, wie im weltberühmten Walzer von Johann Strauss Sohn, "An der schönen blauen Donau" liegt, dann genau hier.

Tipp: Reservieren Sie für den Abend einen Tisch am Wasser in der Ufertaverne

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An die Alte Donau gelangt man vom Zentrum in wenigen Minuten mit der U-Bahn-Linie U1. 

Wo die Jungen auf Corona pfeifen

Donaukanal. Seit die hippe Wiener Szene das Gelände am Donaukanal zwischen City und der Leopoldstadt, dem 2. Wiener Gemeindebezirk, zur alternativen Ausgehmeile in Corona-Zeiten erkoren hat, ist Feuer am Dach. Die Abstandsregeln, die hier im Sommer kaum eingehalten wurden, sollen nun von der Polizei strenger kontrolliert werden. Auch gegen den Drogenhandel will man vorgehen.

Im Vergleich zu den Problem­zonen anderer europäischer Großstädte geht es aber auch hier sogar zu später Stunde eher wienerisch-gemütlich zu. Legendär sind etwa Blumenwiese, Strandbar Herrmann, das Badeschiff oder auch der Tel Aviv Beach. Teilweise ist es notwendig, vorher online zu reservieren.

Zwischen den Szenelokalen wartet auch die größte Graffiti-Zone Wiens, in der legal gesprayt werden kann. Die Künstler/-innen befassen sich hier auch mit der aktuellen Krise.

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Noch vor wenigen Jahren war hier am Kai des Donaukanals nicht viel mehr als eine hässliche Betonwüste. 

Kaiser-Residenz ohne Gedränge

Schloss Schönbrunn. Fahren Sie nicht mit der U4 bis zur Station Schönbrunn, sondern nehmen Sie ab Station Meidling-Hauptstraße die Buslinie 63A bis zur Haltestelle Stranitzkygasse und betreten Sie das gigantische Areal über Tivolibrücke und Maria-Theresia-Tor.

Von hier gelangen Sie ohne Anstieg zur Gloriette samt fantastischer Aussicht. Anschließend spazieren Sie gemütlich hinunter zum ­eigentlichen Schloss, dessen Prunkräume von 9.30 bis 17.00 Uhr besichtigt werden können.

Obwohl sich der Andrang derzeit in Grenzen hält, sollte man Tickets vorab reservieren. Allerdings besser zeitnah zum Besuch, da die Eintrittskarten – Erwachsene zahlen 22 Euro – verfallen, wenn man nicht rechtzeitig erscheint.

Wer noch niemals den Tiergarten Schönbrunn, den ältesten der Welt (!), und das großartige Palmenhaus besucht hat, sollte das ebenfalls spätestens jetzt nachholen.

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Kunstführerin Alexandra Brauner genießt das ungewohnt ruhige Ambiente vor dem Schloss Schönbrunn. 

Kulinarische Entdeckungsreise

Servitenviertel. Eine der Ecken, in der die Millionenstadt plötzlich dörflichen Charakter zeigt! Herzstück ist die Servitengasse. An der Ecke zur Porzellangasse wartet das Café und Bistro La Mercerie. Wer derzeit nicht nach Frankreich reisen kann oder will, findet hier sein kleines Paris.

Die Käsebar Edelschimmel führt rund 80 handverlesene Sorten, die man vor Ort verkosten kann – mit Chutneys und Eingelegtem, begleitet von einem Glas Wein oder Champagner.

Das Porzellan fällt durch sein weißes Interieur auf, aber auch die international ausgerichtete Speisekarte kann sich sehen lassen.

Eine Tür weiter kommen Liebhaber der italienischen Küche im Scala auf ihre Kosten. Gleich nebenan bietet die Suppenwirtschaft gesunde Currys – und natürlich Suppen. Chic geht es im Italiener La Pasteria zu. Zum Roten Bären in der Berggasse war früher ein ein­facheres Wirtshaus, das aber auch sein Stammpublikum hatte. Jetzt ist es ein schickes Beisl mit unkomplizierter Wiener Küche für ein jüngeres Publikum.

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Das Servitenviertel im neunten Bezirk fühlt sich an wie ein kleines Paris.

Bier geht immer

Im Wurstelprater. Auch ohne Besucherströme aus allen Winkeln der Erde ist das Schweizerhaus im Prater an einem sonnigen Sommer-Werktag schon ab 16 Uhr krachend voll. Dafür reichen schon die Wiener/-innen alleine aus, die als Medizin gegen die Hitze ein schaumgekröntes Budweiser nach dem anderen zu sich nehmen (müssen).

Die dazu passende Diät ist eine kräftige Schweinsstelze, zu der Salzstangerl, Kartoffel- oder Gurkensalat sowie Senf und Kren verabreicht werden. Vorsicht beim Bestellen: Eine Stelze reicht sicher für zwei bis drei Personen!

Im Wurstelprater selbst geht es eher beschaulich zu. Das Riesenrad, immerhin eines der Wahrzeichen der Stadt, hat Montag und Dienstag geschlossen, sonst ist am Abend spätestens um 21.30 Uhr Schluss. Wartezeiten gibt es freilich keine, und die kultigen Wagen samt Aussicht hat man wahrscheinlich ganz für sich alleine. 

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Im Autodrom kann man auch in Corona-Zeiten gefahrlos auf Konfrontationskurs gehen.

Ein neuer Stadtteil

Sonnwendviertel. Auf dem Ex-Frachtgelände hinter dem neuen Hauptbahnhof ist der Helmut-Zilk-Park entstanden, der drittgrößte Park der Stadt. Schon lassen sich im 10. Bezirk nahe der Fußgängerzone Favoritenstraße neue Bewohner/-innen nieder, in den Cafés und im Motorikpark mischen sie und ihre Kinder sich mit denen der Nachbarschaft aus dem "alten" Favoriten. Die Aurora Rooftop Bar im Hotel Andaz bietet die derzeit angesagteste Aussicht Wiens.

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Hinter dem Wiener Hauptbahnhof ist ein neuer Stadtteil in den Himmel gewachsen. 

Wien entdeckt man am besten mit den "Öffis"

Apps & mehr. Der Internet-Auftritt von Wien-Tourismus bietet eine Fülle nützlicher Infos. 
Die offizielle App heißt "ivie". Vertreten ist die Stadt selbstverständlich auch im ÖAMTC City Guide für Android und iPhone.

Neue City Card. Speziell an den Inlandsgast bzw. an die Wienerinnen und Wiener richtet sich die neue "Experience Edition" der City Card um 25 Euro, die zahlreiche Ermäßigungen und Spezialführungen bietet. 

Parken. Selbst für viele Wiener Autofahrer sind die berühmt-berüchtigten Kurzparkzonen in der Bundeshauptstadt schwer zu durchschauen. Die Park-App Handy Parken funktioniert auch in Wien. Hier geht es zum Download für iOS und Google Play. Am besten entdeckt man Wien jedoch mit der hervorragend ausgebauten U-Bahn, zu den Tarifen geht es hier

Top-Angebote. Das ÖAMTC-Reisebüro hat zahlreiche preiswerte Angebote für Wien-Reisen parat. Hotline Tel. 01 711 99 38 000. 

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