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Februar 2016

Thomas Mraz: "Lustig sein ist schwer!"

Wenn Thomas Mraz darf, dann macht er beides: Film und Theater. Oder auch Fernsehen, derzeit als Kommissar Jörg Pudschedl in den "Vorstadtweibern". 

Thomas Mraz ist wandelbar wie ein Chamäleon: Er ist Schauspieler am Theater, im Film und im TV, dazu noch Autor und Regisseur. Aber was macht er am liebsten? "Immer das, was ich gerade nicht mache", lacht der 40-Jährige aus Wien-Favoriten. Aktuell führt er die Regie in der neuen ORF-Comedy "Kalahari Gemsen", spielt noch bis 5. April in der Komödie "Après Ski – Ruhe da oben!" und ab 16. März in "Die Odyssee – Eine Abkürzung", jeweils im Stadtsaal Wien. Und ab 14. März ist er jeden Montag als Kriminalinspektor Jörg Pudschedl in der zweiten Staffel von den "Vorstadtweibern" zu sehen.  

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Thomas_Mraz_Interview_2016-02_HH_Vorstadtweiber_c_Petro-Domenigg_CMS.jpg Petro Domenigg 1
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1 Als Kriminalinspektor Jörg Pudschedl versucht Thomas Mraz in der ORF-Serie "Vorstadtweiber" den Mord an Simon Schwarz aufzudecken. © Petro Domenigg

2 Die Komödie "Après Ski – Ruhe da oben!" von Klaus Eckel – produziert von Michael Niavarani und Georg Hoanzl – ist im Stadtsaal Wien zu sehen. © Jan Frankl

3 Am Sessellift vergessen: Après Ski ohne Freunde? Dass man auch alleine Spaß haben kann, zeigt Thomas Mraz sehr anschaulich auf einem Vierer-Lift mitten auf der Bühne. © Jan Frankl

"In der Kabarett-Szene hat mich Niavarani entdeckt"

— Für die breite Öffentlichkeit wurdest du vor acht Jahren durch Michael Niavaranis Kabarett "Encyclopaedia Niavaranica" bekannt. Wie ist es, mit ihm zu spielen?

Thomas Mraz: Das war eine Chance damals. Ich habe Niavarani bei einer Fernseh-Comedy kennengelernt und er hat mich gefragt, ob ich bei seinem Solo als Spediteur Anton Wimmetal mitmachen möchte. Ich dachte mir: Wow, cool – der Niavarani fragt mich! Bei ihm habe ich richtig miterlebt, wie er live probiert, was gut ankommt und was nicht. Das ist die höchste Kunst, denn dabei kann man auf die Gosch’n fallen. Ich musste dann natürlich auch auf seine spontanen Pointen einsteigen. Das war sehr inspirierend.

— Mimik und Gestik des von dir gespielten Anton Wimmetal waren einfach einmalig. War die Rolle anstrengend für dich?

Thomas Mraz: Ja schon, obwohl ich mit Niavarani sehr viel Spaß gehabt habe. Die Komödie wird von ernsten Schauspielern oft belächelt. Aber es ist wirklich sehr schwer, Leute zum Lachen zu bringen, denn wenn es nicht funktioniert, ist es die Hölle.

"Am Anfang verhaspel ich mich gerne"

— Bei deinem aktuellen Stück "Après Ski" im Stadtsaal Wien hältst du einen Monolog. Ist es schwierig, mit sich selbst zu sprechen?

Thomas Mraz: Ja. Ich bin der Einzige auf der Bühne, sitze im Sessellift und beginne zu reden, aber rede mit niemanden. Ich bin auf mich alleine gestellt. Da bekam ich schon etwas Lampenfieber, wir hatten aber auch am Ende der Probephase sehr viel geändert.

— Wie gehst du mit Lampenfieber um?

Thomas Mraz: Der Klassiker bei Premieren: Ich rede einfach zu schnell und vernuschel zu viel. Aber es gibt einen signifikanten Punkt: den ersten Versprecher. Danach geht’s einwandfrei.

Beim Musical "Cabaret" im Landestheater Niederösterreich war ich so richtig nervös. Während der Autofahrt zur Aufführung habe ich sogar gezittert. Beim Auftritt passierte mir auch gleich der erste Fehler, aber danach lief es gut. Ich habe wirklich größten Respekt vor Musicaldarstellern: Singen und tanzen zur selben Zeit – das ist echt schwer.

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"In der Schauspielschule hörte ich immer: Du musst was Lustiges machen."
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"Ich wollte aber nicht in eine Schublade gesteckt werden, deswegen…
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… habe ich auch "Hamlet" oder "Woyzeck" gespielt. Ich mache gerne beides."

"Singen und tanzen – das ist schwer"

— Hast du auch eine Gesangsausbildung gemacht? 

Thomas Mraz: Ja. Ich habe schon immer gerne gesungen, komme aber aus keiner Künstlerfamilie. Am Konservatorium hatte ich Gesangsunterricht – bin aber kein ausgebildeter Sänger, das wäre vermessen. Ich habe in Musicals wirklich nur eine überschaubare Daseinsberechtigung. 

In den Kammerspielen habe ich bei "Manche mögen’s heiß" mit Mirjam Weichselbraun im Ensemble mitgespielt. In den ersten Wochen hatten wir nur musikalische Proben, mehrstimmig – acht verschiedene Stimmen. Das war schon schwierig. Und dann fingen die choreographischen Proben an: Wir haben angefangen herumzuhüpfen. Ensemble-Leute werden oft unterschätzt. Man denkt, die sind ja nur der Chor. Aber das ist das Schwierigste. Denn wenn einer einen Fehler macht, sieht das sofort jeder im Publikum, weil alle anderen im Ensemble was anderes machen. Und der Star vorne auf der Bühne macht sowieso, was er will. Bei einem Ensemble möchte ich nicht mehr mitmachen, da habe ich nichts mehr verloren. 

Thomas_Mraz_Interview_2016-02_HH_9875_CMS.jpg Heinz Henninger

In der Schule war ich immer der Klassenblödler. Als Jugendlicher habe ich in einer Laiengruppe gespielt. Als ich dem AMS von meinen Plänen erzählte, hörte ich nur: Lassen S' das lieber!

© Heinz Henninger

"Schauspieler wollen S' werden? Lassen S' das lieber!"

Wolltest du immer schon Schauspieler werden? Oder haben deine Eltern zu dir damals gesagt: "Lern was G'scheit's"?

Thomas Mraz: Das war in dem Fall das AMS (lacht). Meine Eltern haben mich immer unterstützt. Ich habe mit 16 Jahren in einer Laiengruppe gespielt. Das hat mir voll taugt. Damals hatte ich aber keine Ahnung, wie man Schauspieler wird. Ich war dann tatsächlich beim AMS und die meinten: "Lassen S’ das lieber."Ich habe dann eine Lehre im grafischen Gewerbe gemacht und ein paar Jahre im Copyshop und bei der Wiener Börse im Marketing gearbeitet. Mit 24 Jahren dachte ich mir: Das kann’s aber nicht gewesen sein. Ich war dann im Max Reinhardt Seminar vorspielen, bin auch in die zweite Runde gekommen, aber nicht weiter. Mit Kollegen bin ich dann weiter gezogen ins Konservatorium der Stadt Wien in der Johannesgasse. Dort wurde ich genommen. Nach der Ausbildung bin ich gleich nach St. Pölten ins Landestheater Niederösterreich. Das hat sehr gut funktioniert.

Gibt es einen Unterschied zwischen dem Spielen im Film und im Theater?

Thomas Mraz: Ja, das sind quasi zwei unterschiedliche Berufe. Das Spiel auf der Bühne ist schön, weil man mit den Kollegen eine Geschichte zu Ende erzählt. Beim Drehen einer Serie oder eines Films ist es mehr ein Gefüge, ein Gesamtkunstwerk. Man wächst mehr zusammen. Ein Drehtag ist einfach intensiver. Wenn ich darf, mache ich gerne beides.

Einige Filmszenen mit Thomas Mraz:

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Beim Film dauert's ja oft lange, um nur zwei Minuten im Kasten zu haben.

Thomas Mraz:Im Kino hat man früher gesagt, dass man zwei bis drei Minuten am Tag dreht. Das hat sich aber massiv geändert.Bei der Serie sind es sechs bis acht Minuten am Tag. Film und Fernsehen sind in erster Linie eine logistische Herausforderung.

Wie schlüpfst du in deine Rollen?

Thomas Mraz: Im Theater hatte ich bei "Hamlet"die Kärntner Band "Naked Lunch"am iPod gehört. Musik gehört für mich dazu, das hat sich bei den Proben so ergeben. Beim Drehen sind es oft äußerliche Dinge, die eine Figur für mich ganz bezeichnend machen: Es kann eine Kulisse sein, ein Bart oder ein Kostüm. Das erzeugt in mir ganz schnell ein Gefühl. In der zweiten Staffel bei den "Vorstadtweibern"war es sehr schwierig, da wir nicht chronologisch gedreht haben, sondern immer quer durch die Folgen gesprungen sind. Das ist eh immer so im Film, aber deswegen ist es mir sehr wichtig, das ganze Drehbuch im Kopf zu haben, damit ich weiß, wo ich gerade bin.

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Im Theater in der Josefstadt war Thomas Mraz als "Oskar" in Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" zu sehen.
Thomas_Mraz_Interview_2016-02_HH_Tatort-Abgruende-2_c_Petro-Domenigg_CMS.jpg  Petro Domenigg © Petro Domenigg
In der Fernsehserie "Tatort" hatte er eine Gastrolle und in…
Thomas_Mraz_Interview_2016-02_HH_Entfuehrung-Elfriede-Ott-_c_Petro-Domenigg_CMS.jpg  Petro Domenigg © Petro Domenigg
… "Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott" spielte er den zwielichtigen Neffen der Hauptdarstellerin.

"Vorstadtweiber"-Kram und griechische Götter in der Finanzkrise

— Bei den "Vorstadtweibern" hattest du in der ersten Staffel nur eine Gastrolle, sehen wir dich in der zweiten Staffel öfter?

Thomas Mraz: Auf jeden Fall. Simon Schwarz ist am Ende der ersten Staffel erschossen worden und ich versuche als Kriminalinspektor Jörg Pudschedl seinen Mord aufzuklären. Der Autor Ulrich Brée hat meine Rolle in der zweiten Staffel schön ausgebaut, das hat mich sehr überrascht. Ich bin froh, dass meine Figur nicht so sexlastig ist. Ich habe diese absurde Vater-Mutter-Sohn-Beziehung und wohne mit Mitte 30 noch immer bei den Eltern. Mehr verrate ich nicht.

— Das Stück "Die Odyssee – Eine Abkürzung" hast du für die Festspiele in Berndorf vor fünf Jahren geschrieben und auch die Regie geführt. Eine neue Herausforderung?

Thomas Mraz: Auf jeden Fall. Schreiben war und ist immer noch wahnsinnig schwierig für mich. Die "Odyssee" ist eine gute Basis für ein lustiges Stück. Es sind viele fantasievolle Dinge drin: der einäugige Riese, der die Besatzung frisst, oder die Zauberin, die die Leute in Schweine verwandelt. Das Stück wird ab 16. März im Stadtsaal Wien neu aufgeführt. Ich spiele diesmal mit. Der Text wurde getuned und tagesaktuell angepasst. Es treten die Götter Zeus und Poseidon auf – sie sind alle verschuldet und so weiter. Lasst euch überraschen!

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"In meiner Freizeit spiele ich Badminton,… 
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… übe die Kampfkunst Wing Tsun aus und…
Thomas_Mraz_Interview_2016-02_HH_9909_CMS.jpg  Heinz Henninger © Heinz Henninger
… bin in der Stadt fast ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs."

ÖAMTC-Mitglieder erhalten 10 Prozent Ermäßigung auf die beiden Stücke mit Thomas Mraz "Après Ski – Ruhe da oben!" und "Die Odyssee – eine Abkürzung" im Stadtsaal Wien. Maximal vier Karten pro Clubkarte. Buchen Sie Ihre Karten telefonisch unter der Telefonnummer (01) 909 22 44 mit dem Stichwort "ÖAMTC" oder an der Abendkassa gegen Vorweis der gültigen Clubkarte (Verlängerung der Reservierungsdauer bis 19.30 am Veranstaltungstag). Eine Onlinebuchung über den Stadtsaal ist leider nicht ermäßigt möglich. 

Weitere Ermäßigungen siehe unter ÖAMTC-Vorteilspartner.

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