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November 2016

Marc Elsberg: Realität oder Fiktion?

Der Wiener Autor Marc Elsberg packt Wissen in Emotionen und erzählt eine Geschichte dazu. Er macht komplexe Themen über Gentechnik und Energie- und Datensicherheit für jeden zugänglich. Sein neuer Thriller: "Helix".

Alle drei Bücher von Marc Elsberg befinden sich gerade auf den "Der Spiegel"-Bestsellerlisten. Seine letzten beiden Thriller "Blackout" und "Zero" wurden in der Kategorie Unterhaltung zum spannendsten Wissensbuch des Jahres 2012 bzw. 2014 gekürt. Und sein aktueller Thriller über Gentechnik, "Helix", ist erst seit wenigen Wochen im Buchhandel erhältlich.

"Die meisten Menschen stempeln Gentechnik als pfui ab", erzählt der Autor. "Aber wenn ich mich hier im Café umsehe, tragen viele Leute wahrscheinlich Kleidung aus gentechnisch veränderter Baumwolle. Auch in dieser Frühstücks-Semmel steckt womöglich das Produkt eines gentechnisch veränderten Organismus." 

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Marc Elsberg_sitzend lächelnd_Clemens Lechner_300dpi_CMS.jpg  Clemens Lechner © Clemens Lechner
Ende Oktober ist Elsbergs…
Marc_Elsberg-Presse2_Lukas Ilgner_CMS.jpg  Lukas Ilgner © Lukas Ilgner
… neuer Thriller erschienen: …
Marc_Elsberg-Presse3_Lukas Ilgner_CMS.jpg  Lukas Ilgner © Lukas Ilgner
… "Helix – Sie werden uns ersetzen".

Das Designer-Baby ist noch Zukunftsmusik

— Was gab Ihnen den Anstoß, ein Buch über Gentechnik zu schreiben?

Marc Elsberg: Im Wesentlichen die Entwicklungen der letzten Jahre, da hat sich ja wahnsinnig viel getan, was vielen Menschen nicht bewusst ist. Ich versuche, in meinen Büchern möglichst nahe an der Lebenswirklichkeit des Lesers zu sein. Ich möchte keine Science Fiction schreiben, weil sonst sagen die Leute: "Das ist so weit weg, das betrifft mich nicht." Als ich vor etwa acht Jahren mit der Arbeit an "Blackout" begonnen habe, habe ich mich auch sehr viel mit Gentechnik beschäftigt, da mich das wahnsinnig interessiert hat. Nur waren wir damals nicht so weit. Das war dann so im Jahr 2000 – da war das Genom gerade entschlüsselt und CRISPR/Cas (ein Editierungssystem, mit dem sich Gene präzise und sicher ändern lassen) gab es auch noch nicht. Deswegen habe ich mich damals entschlossen, "Blackout" zu verfolgen.

Nach meinem zweiten Thriller "Zero" dachte ich, jetzt ist die Technologie so weit, dass ich ein Buch schreiben kann, das nicht zu sehr Science Fiction ist. Denn in der Gentechnik und Biotechnologie gibt es vor allem durch die Entwicklungen in der Datenanalyse ganz viele neue Möglichkeiten.

— Sie schreiben in Helix über das Designer-Baby – das ist hoch spekulativ.

Marc Elsberg: Genau – spekulative Elemente kommen natürlich schon auch vor: Eltern stellen sich in einem Menü ihr Kind zusammen – ein Designer-Baby. Höhere Intelligenz und Muskelkraft auf Knopfdruck sozusagen. Das ist natürlich noch Zukunftsmusik. Aber der erste Schritt wird sein, und das ist auch schon ein halbes Designer-Baby, dass man zum Beispiel Erbkrankheiten ausradieren kann. Und zwar nicht so, wie man es auch heute schon machen kann: befruchtete Eizellen, die die Belastung im Genom tragen, auszusortieren. Sondern: Man schaltet die betroffenen Gene aus. 

Marc_Elsberg_stehend weiße Türe_Clemens Lechner_300dpi_CMS.jpg Clemens Lechner

Dass ich unter dem Pseudonym Marc Elsberg schreibe, war eine reine Markenentscheidung. Bei Donna Leon hat man das ja auch akzeptiert.

© Clemens Lechner

Ich verpacke Wissen in Emotionen

— Sehen Sie sich eigentlich als Aufklärer oder als Unterhalter?

Marc Elsberg: Definitiv als Unterhalter. Was ich mache, ist ja letztendlich Wissen in Geschichten zu verpacken, in Emotionen, um es den Lesern zugänglicher zu machen. Aber ich kann als Autor auch Aspekte einbringen, die der Realität nicht entsprechen, aber wie heißt es so schön, manchmal deckt die Fiktion die Wirklichkeit tatsächlich auf.

— Ist das Ihr Erfolgsgeheimnis?

Marc Elsberg: Ja, aber auch, dass ich mir sehr Recherche-intensive Themen ausgesucht habe, über die sich bis jetzt in dieser Form noch fast niemand Gedanken gemacht hat.

"Blackout" als TV-Serie?

— Mit "Blackout" wurden Sie quasi über Nacht zum Bestseller-Autor.

Marc Elsberg: Kann man so sagen – "Blackout" hat sich über 1,5 Millionen Mal verkauft. Aber ich habe ja davor auch Bücher geschrieben. Die Verkaufszahlen bei den früheren Büchern waren jedoch so gering, dass ich mir mit dem Verdienst ein nettes Abendessen oder ein Wochenende gegönnt habe. Der Autor bekommt ja nicht so wahnsinnig viel dafür. Es bleibt kaum was über. "Blackout" wurde hingegen sogar in 15 Sprachen übersetzt. Nächstes Jahr kommt die englischsprachige Ausgabe heraus.

— Wird "Blackout" verfilmt?

Marc Elsberg: Anfragen kamen einige. Ende des Jahres bzw. Anfang nächsten Jahres wird sich entscheiden, ob eine deutsche Produktionsfirma eine Mini-Serie – so drei bis vier Folgen – aus "Blackout" machen wird. Das ist mir auch lieber als ein Spielfilm, weil dann kann diese komplexe, hintergrundreiche Geschichte ein bisschen besser erzählt werden. Die Chancen stehen momentan sehr gut.

Wenn die Figuren machen was sie wollen…

— Recherchieren Sie alles selbst?

Marc Elsberg: Einen Großteil recherchiere ich selbst. Ich gehe zu Experten und rede mit ihnen. Meine Aufgabe ist es letztendlich, die Essenz des jeweiligen Expertenwissens zu erfassen und zu einem gesamten Bild zusammenzusetzen, die Knoten zu verknüpfen, und daraus etwas Neues zu machen. Manche dieser Experten begleiten mich dann während des ganzen Prozesses. Wenn ich zum Beispiel in meiner Geschichte in ein Dead End laufe, weil sich eine Figur wieder einmal einbildet, etwas anderes zu machen, als ich für sie vorgesehen habe (lacht), dann brauche ich eine andere technische Lösung. Als Autor muss ich dann wissen, wie ich diese Figur wieder heraushole. Wenn ich innerhalb von ein paar Stunden oder am nächsten Tag eine Antwort von einem dieser Experten bekomme, ist das sehr hilfreich. Es gab auch immer zumindest eine Person, die das Manuskript auf fachliche Richtigkeit gelesen hat.

— Entwickeln sich Ihre Geschichten erst während des Schreibens?

Marc Elsberg: Nein. Ich habe ein sehr klares Konzept und plane die Handlung relativ genau. In der Entwicklungsphase klebe ich auf einen großen Karton viele Post-its, Szenen werden mit Stichworten festgehalten und Pfeile zeigen Verbindungen an. Dann fange ich an, die Geschichte in einem kurzen Exposé aufzuschreiben. Die Biografien der Hauptfiguren, die im Buch vorkommen, schreibe ich sehr genau – bis hin zu deren Eltern und Großeltern. Damit ich die Figuren kennenlerne. Erst wenn ich die gesamte Recherche abgeschlossen habe, schreibe ich den Roman. Für "Helix" habe ich zwei Jahre gebraucht, obwohl bereits ein ordentliches Grundwissen über Gentechnik vorhanden war.

— Wenn das Buch fertig ist, brauchen Sie bestimmt eine Pause?

Marc Elsberg: Ein bisschen – ja.

— Auf einer großen Reise?

Marc Elsberg: Ja, genau (lacht). Nach "Helix" waren meine Frau und ich für ein paar Wochen in China. Nach "Zero" waren wir in Sri Lanka und auf ein paar anderen Inseln.

— Lebt Ihre Frau die Geschichten aus Ihren Büchern Tag für Tag mit?

Marc Elsberg: Ja, die Unglückliche muss Zwischenstände lesen.

— Sie ist die Erste, die fertige Kapitel zum Lesen bekommt?

Marc Elsberg: Bei "Blackout" war es so. Bei "Zero" kaum, da dachte ich mir, das tue ich ihr nicht an. Sie hat aber trotzdem zwei Versionen gelesen, oder Teile davon. Bei "Helix" hat sie, glaube ich, erst die fast fertige Version bekommen.

— Und die fertige Version hält Ihre Frau auch als Erste in den Händen?

Marc Elsberg: Jein. Bei "Blackout" war es so, weil das Buch fast fertig gekauft worden ist. Inzwischen sind in dem ganzen Prozess sehr stark mein Agent und meine Lektorin mit eingebunden. Wir überlegen uns am Anfang gemeinsam, was wir als nächstes machen. Ich schlage vor, was mich interessieren würde, und dann geben die beiden ihren Senf dazu. Meistens sind wir uns relativ einig.

Marc_Elsberg1_Clemens Lechner_CMS.jpg Clemens Lechner

Es ist ein schönes Gefühl, meinen neuen Thriller "Helix" in der Buchhandlung zu einem Bücherturm gestapelt zu sehen. Als Autor Erfolg zu haben, ist ja doch nicht ganz so einfach.

Marc Elsberg, Bestseller-Autor

© Clemens Lechner

Ich hätte den Hauptdarsteller gerne sterben gelassen…

— Sie nehmen Kritik an und würden auch etwas umschreiben?

Marc Elsberg: Absolut. Ich finde das auch sehr hilfreich. Man hat so Phasen, in denen man nicht genau weiß, wie es weiter gehen soll. Oder man hat das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmt. Da ist es natürlich sehr hilfreich, wenn man jemanden hat, mit dem man sich austauschen kann. Das sind meine Frau, Freunde – die zum Teil wissen, woran ich arbeite – und das sind natürlich mein Agent und meine Lektorin. Und auch die Fachleute, mit denen ich über das Thema spreche. Ich hole mir meine Details zusammen und mache daraus das Ganze. Es gibt schon Leute, die den ganzen Prozess auf verschiedenen Ebenen mitbegleiten. Ich bin nicht der Typ, der daheim sitzt und seine Ruhe haben möchte. Ich brauche das Feedback.

Der Unterschied zur Werbung – aus der ich ja komme – ist, dass ich der bin, der entscheidet, was am Schluss daraus wird. Bei einer Werbekampagne oder beim Drehbuchschreiben haben die Worte der anderen sehr viel mehr Macht. Und man muss wesentlich stärker Kompromisse machen, das tut der Arbeit nicht gut. Ich bin aber auch jetzt noch immer offen für Anregungen.

— Inwiefern beeinflussen Ihre Gespräche die Handlung?

Marc Elsberg: Bei "Blackout" hatte ich sehr lange und anregende Diskussionen mit meinem Agenten, welche Motive die Attentäter treiben. Wie legt man sie an? Ein klassischer James-Bond-Böser, der die Welt beherrschen oder vernichten möchte? Oder politisch motivierte Attentäter? Mit welchem Hintergrund? Mich hätte es auch sehr gereizt, den Hauptdarsteller Pierre Manzano am Ende des Buches sterben zu lassen. Diese Diskussion hatten wir bis zum Schluss – auch mit meiner Lektorin. Ich habe mich aber überzeugen lassen, weil ich mir auch nicht sicher war. Wissend, dass Leser in dieser düsteren Geschichte schon sehr gerne auch etwas Gutes am Schluss lesen wollen. Wenn ihnen dann der Held auch noch stirbt...

Überwachung erstickt Individualität

— In "Zero" geht es um Datensicherheit. Sehen Sie es problematisch, wenn Menschen ihre persönlichen Daten hergeben?

Marc Elsberg: Hochproblematisch! Das wird getrieben von einer Industrie, die sehr massiv in unser Leben eingreift und keinerlei Rücksicht auf unsere Privatsphäre nimmt. Im Taschenbuch von "Zero" habe ich dazu auch ein Essay hinzugefügt. Kurzfristig ist es eine Verletzung bestehender Gesetze und langfristig ist es ein gesamtgesellschaftliches Dilemma, das auch zum Problem für Wirtschaftsunternehmen werden wird. Man kann auch anonymisierte Daten sinnvoll einsetzen, etwa zur Verkehrssteuerung.

Überwachung führt zu einem hohen Konformitätsdruck. Das heißt, dass ich anfange, mich möglichst konform anderen gegenüber zu verhalten. Ganz egal, ob ich von jemanden anderen überwacht werde oder ob ich eine Gesellschaft schaffe, in der sich die Leute gerne selber überwachen lassen. Aber was bedeutet das für eine offene, demokratische Gesellschaft, die eigentlich Vielfalt möchte? Und vor allem für eine moderne Wirtschaft, deren Hauptinteresse Innovation und Kreativität ist? Überwachung erstickt Individualität. Das sollten sich die Unternehmen überlegen, die momentan hinter dieser Entwicklung stehen. Kurzfristig führt es zum Erfolg, aber leider denken sie nicht langfristig.

— Jeder einzelne sollte also Herr seiner eigenen Daten sein?

Marc Elsberg: Das ist exakt die Diskussion von "Zero". Ich beschreibe ein Modell, in dem jeder seine Daten selber verwalten und vermarkten kann. Heute ist das Google oder Facebook, die mir jedes Jahr eine Rolex vom Handgelenk nehmen. Solche Geschäftsmodelle sind ja schon am Markt, haben sich aber nicht durchsetzen können. Die Geschichte, die ich aber in "Zero" entwickelt habe, führt dazu, dass mich dann nicht mehr Google oder Facebook braucht, sondern ich mich selber verkaufen kann, aber trotzdem mein Inneres preisgeben kann. Das Incentive – das Geld, das ich bekomme – ist so gut, dass es kurzfristig interessant für mich ausschaut: 100 bis 500 Euro im Monat könnten Leute verdienen, wenn sie Ihre Daten an einen Daten-Broker geben. Dass das aber in fünf bis zehn Jahren verheerende Folgen für sie haben würde, das überlegt man in dem Augenblick leider nicht.

Selbstfahrende Autos als Teil des öffentlichen Verkehrs

— Herr Elsberg, Sie sind als Zukunftsforscher sehr gefragt. Was wird sich für Autofahrer ändern?

Marc Elsberg: Ich glaube, was das Auto betrifft, werden wir in eine ganz neue Form treten: Das eigene private Auto wird in den nächsten Jahrzehnten verschwinden. Es wird ein privat-öffentliches Verkehrsmittel werden, in das man einsteigen kann wie in ein Taxi. Nur sitzt kein Fahrer drinnen, sondern es ist selbstfahrend. Das wird dann innerhalb eines dezentralen Systems – eines sehr schlauen Systems – gesteuert, jedoch nicht von einer zentralen Stelle wie etwa Google. Weitestgehend wird die Koordination automatisiert gesteuert. Hier stellt sich natürlich die große Frage: Wer organisiert diese Automatisierung am Anfang?

— Welche Zukunftsvisionen sind gerade in Diskussion?

Marc Elsberg: Nimmt man als Beispiel die Finanzindustrie her: Sie soll erlauben, dass sich einzelne Einheiten in einem sehr komplexen Netzwerk miteinander koordinieren lassen – jedoch ohne eine zentrale Steuer-Stelle. Das ist bereits Bitcoin: Eine Währung, die nicht von einer Zentralbank emittiert wird, sondern ein dezentrales System ist. Jeder, der daran Teil nimmt, hat den gleichen Macht- und Bestimmungsgrad. Diese Technologien könnten dazu führen, dass wir eben keine zentrale Stelle mehr haben, sondern eine Plattform. Es ist eher ein technologisches Grundsystem – wie das Internet vielleicht. Sehr interessant.

Das ist momentan eine Zukunftsvision, die man hat, die aber auch nach hinten losgehen kann. Das wird man in den nächsten Jahren sehen. Es werden gerade ähnliche Diskussion geführt wie beim breiten Aufkommen des Internets in den 80er- und 90er-Jahren. Die einen haben gesagt, dass die große Freiheit ausbrechen wird – die anderen haben von der großen Überwachung gesprochen. Momentan schaut es leider eher nach Zweiterem aus. Die Technologie bietet aber beides.

— Können Sie sich vorstellen, in einem selbstfahrenden Auto unterwegs zu sein?

Marc Elsberg: Klar, ich würde das heute schon wollen. Da kann ich lesen, arbeiten, Musik hören. Das wäre ja nichts anderes als ein Taxi – eine Erweiterung des öffentlichen Verkehrs. Ich bin der Allesnutzer – ein klassischer Stadt-Multi-User. Je nachdem, was gerade praktisch ist. Ich kann sehr viel zu Fuß, mit den Öffis oder mit dem Rad machen, da ich sehr zentral wohne. Meine acht Jahre alte A-Klasse nehme ich, wenn es mit den Öffis nicht oder sehr schlecht geht. Auf meinen Geschäftsreisen nach Hamburg oder Berlin fliege ich und nach Salzburg oder München fahre ich mit dem Zug.

— Wird sich das Verhalten der Menschen ändern?

Marc Elsberg: Wir sind sowieso dauernd verbunden mit anderen Menschen durch verschiedene Kommunikationskanäle, soziale Verbindungen usw. Wenn man versucht, das zu verbildlichen, sind das einfach Schnüre zwischen Ihnen und mir jetzt oder zwischen mir und den Menschen hier. Je mehr derartige Schnüre es gibt, desto höher ist die Einflussmöglichkeit – meine auf andere, aber auch andere auf mich. Man braucht sich ja nur zu überlegen, wie sich das anfühlt, wenn ich mit fünf Schnüren mit anderen Menschen verbunden bin oder über 500. Die Bewegungsfreiheit bei 500 ist schon eine andere als bei fünf. Was das genau bedeutet, wird man sehen. Diese Schnüre sind mal mehr gespannt und mal weniger. Wer spannt diese Schnüre überhaupt? Wir werden lernen müssen, mit einem ganz anderen Verständnis von Freiheit und Individualität umzugehen, als wir das jetzt haben.

Überwachung erstickt Individualität. Das sollten sich die Unternehmen überlegen, die momentan hinter dieser Entwicklung stehen.

Marc Elsberg, Bestseller-Autor

Ich bin ein Binge-Watcher

— Welches Buch liegt gerade auf Ihrem Nachttisch?

Marc Elsberg: Ein Buch von Swetlana Alexijewitsch, Literaturnobelpreis-Trägerin aus dem Jahr 2015. Ich lese es, weil ich die Ehre haben werde, im Frühjahr in Hamburg mit ihr einen Abend zu moderieren. Ansonsten lese ich noch "Die Verschwörung der Tauben" von Vincenzo Latronico. Fachliteratur lese ich elektronisch und allgemeine Fachbücher wie zum Beispiel über eine Historie der Globalisierung lese ich über Monate hinweg. Man hat heute natürlich hohe Konkurrenten im Zeitbudget.

— Was tun Sie, wenn Sie nicht gerade für ein Buch recherchieren oder eines schreiben?

Marc Elsberg: Freunde und Familie treffen – das übliche also. Nichts Extravagantes. Ich gehe regelmäßig ins Theater, lese viel und mache Sport – Fitness-Übungen und Yoga. Da ich aufgrund meiner Vorträge und Lesungen sehr viel reise, hänge ich mit meiner Frau gerne ein Wochenende dran. Ich schaue gerne Filme und auch Serien. Ich bin ein moderner Binge Watcher – einer, der sich an einem Wochenende gleich eine ganz Staffel reinzieht. Ich gehe auch mal am Nachmittag ins Kino und schaue mir gleich zwei Filme an. Das kann auch in der Hoch-Schreibphase passieren. Oder ich verschwinde auf der Couch und lese zwei Tage ein Buch. Das Hirn freikriegen sozusagen. Das hilft, wenn man sehr fokussiert in einem Ding drinnen ist. Sonst bekommt man Scheuklappen.

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Der Weg zum Bestseller-Autor

  • Geboren am 3. Jänner 1967 in Wien  
  • Studierte Industriedesign an der Universität für Angewandte Kunst in Wien  
  • War als Kreativdirektor in der Werbung tätig  
  • Hatte eine Kolumne im "Standard"  
  • Unter seinem echten Namen brachte Marcus Rafelsberger folgende Romane und Krimis heraus: Saubermann (2000), Das Prinzip Terz (2004), Menschenteufel (2009), Wienerherz (2011)
  • Jetzt schreibt er unter dem Pseudonym Marc Elsberg: Blackout (2012), Zero (2014), Helix (2016) 

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