Kaputte Autos auf einem Schrottplatz
© Adobe Stock
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März 2026

Aluminium-Recycling aus Altautos

Wie aus gemischtem Aluminiumschrott von Altfahrzeugen hochwertiges Blech wird, zeigt ein neues Verfahren der Montanuniversität Leoben – mit Relevanz für die gesamte Automobilindustrie.

Bis zu neun Millionen Tonnen Aluminiumschrott fallen in Europa jährlich aus Altfahrzeugen an. Das Problem: Autos bestehen aus vielen verschiedenen Aluminiumlegierungen – ein Gemisch, das sich bisher kaum hochwertig recyceln ließ. Forscher:innen der Montanuniversität Leoben haben nun ein Verfahren entwickelt, das diesen gemischten Schrott direkt in hochwertiges Aluminiumblech umwandelt – ganz ohne aufwendige Vorsortierung.

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Das Team um Stefan Pogatscher vom Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie – darunter Doktorand Patrick Krall – veröffentlichte das Verfahren in "Nature Communications". Es kommt ohne Vorsortierung des Schrotts aus und benötigt kein neu gewonnenes Primäraluminium. Stattdessen nutzt es metallurgische Prinzipien, um aus dem Legierungsgemisch direkt Hochleistungsbleche herzustellen.

Das Ergebnis überzeugt: Die so erzeugten Legierungen erreichen eine Streckgrenze – also jenen Wert, bis zu dem sich ein Material elastisch verformen lässt –, die viele kommerzielle Automobillegierungen übertrifft. Das Verfahren ist laut Montanuniversität mit bestehender Infrastruktur kompatibel. "Nature Reviews Materials" hob es als Research Highlight hervor und stufte es als industriell hoch relevant ein; die britische Wissenschaftszeitschrift "New Scientist" berichtete ebenfalls über die Ergebnisse.

Die Elemente, die derzeit als schädliche Verunreinigungen gelten, werden in unserem Verfahren vorteilhaft genutzt, um das Mikrogefüge zu verfeinern und die Eigenschaften zu verbessern.

Stefan Pogatscher, Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie, Montanuniversität Leoben

Autobauer stehen unter wachsendem Druck: CO2-Emissionen und Energieverbrauch müssen sinken. Leichtbau – also der Einsatz leichter Materialien wie Aluminium – gilt dabei als Schlüssel. Doch gerade Aluminium aus Altfahrzeugen ließ sich bisher kaum im Kreislauf halten: Ohne Vorsortierung entstand nach dem Recycling meist minderwertiges Material. Das neue Verfahren dreht diesen Nachteil um, indem es sogenannte Verunreinigungen im Legierungsgemisch gezielt einsetzt, um das innere Gefüge des Metalls zu verfeinern.

Gefördert wurde das Projekt durch einen ERC Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrats mit rund zwei Millionen Euro. Mehrere Unternehmen haben bereits Interesse bekundet; an einer großtechnischen Umsetzung mit Industriepartnern wird gearbeitet.

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