Eine Veranstaltung in der Wiener Hofburg mit vielen sitzenden Gästen

Antriebsvielfalt statt Einheitslösung

Von Jakob Stantejsky,

Rund 1.000 Fachbesucher:innen aus aller Welt diskutierten vom 22. bis 24. April 2026 in der Wiener Hofburg bei 100 Vorträgen und mit 50 Ausstellern die Zukunft der Antriebstechnologie. Ein Stimmungsbild von der renommierten Veranstaltung, bei der jährlich viele der klügsten Köpfe der Branche zusammentreffen.

Der Fahrplan von Chinas Autoindustrie

Den Auftakt lieferte eine Europapremiere: Professor Xiangyang Xu von der Beihang University stellte die Roadmap 3.0 der chinesischen Society of Automotive Engineers (China SAE) vor – den Fahrplan der chinesischen Autoindustrie bis zum Jahr 2040. Demnach werden selbst dann noch mehr als ein Drittel aller Neuzulassungen in China auf (elektrifizierte) Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor entfallen.

Parallel dazu berichtete Univ.-Prof. Stefan Pischinger von der RWTH Aachen, dass bis 2035 weltweit ein Anteil von 45 Prozent batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV) an den Verkäufen erreichbar sei – allerdings nur unter den günstigsten Annahmen für Europa. Ruiping Wang, Senior Vice President bei Geely Auto, brachte es auf den Punkt: „Wir brauchen jede einzelne Lösung auf dem Weg zur Karbon-Neutralität.“ Unterstützung dafür komme sowohl von der chinesischen Regierung als auch von China SAE.

„Die Gesamtbetrachtung – von der Wiege bis zur Bahre von Energie und Antrieb – ist das Entscheidende.“
Univ.-Prof. Dr. Bernhard Geringer, Vorsitzender des Österreichischen Vereins für Kraftfahrzeugtechnik (ÖVK), Veranstalter des Wiener Motorensymposiums

Technische Neuerungen und Appelle

Dass der Verbrennungsmotor noch längst nicht ausgedient hat, belegte die Grazer AVL List mit einem Motor, der einen Wirkungsgrad von 48 Prozent erreicht – ein Wert, der vor wenigen Jahren noch undenkbar schien. Bosch und Champion präsentierten Varianten der Vorkammerzündung für Benzinmotoren.

Aus China kam zudem der Hinweis auf den rasant wachsenden Markt für batterieelektrische Fahrzeuge mit Reichweitenverlängerer (Range Extender, kurz REEV): Über 1,2 Millionen solcher Fahrzeuge wurden dort im vergangenen Jahr verkauft.

Auf der Seite der reinen Elektromobilität stellte Porsche eine Öl-Direktkühlung für den neuen Cayenne Electric Turbo vor, die sowohl hohe Spitzen- als auch hohe Dauerleistung ermöglicht. Der Chef der Volkswagen-Batterietochter PowerCo SE, Frank Blome, berichtete vom Stand der europäischen Batteriefertigung: Die Produktion der sogenannten Einheitszelle sei bereits im Dezember 2025 im deutschen Salzgitter angelaufen – erstmals verbaut wird sie im neuen ID-Polo. Weitere Fabriken entstehen derzeit in Valencia und Kanada.

Auch Wasserstoff blieb ein zentrales Thema: sowohl als Direktverbrennung als auch in Form der Brennstoffzelle sieht die Branche hier künftige Einsatzfelder. TU-Graz-Professor Helmut Eichlseder verwies dabei auf die Chancen des Standorts Österreich und mahnte: „Bei Forschung und Entwicklung müssen wir dabei sein!“

Schaeffler-Manager und CLEPA-Vorsitzender Matthias Zink schilderte eindringlich, wie schwer es falle, in einer oft dogmatisch geführten politischen Debatte mit Sachargumenten durchzudringen. Niklas Klingenberg, Entwicklungschef von TRATON SE (Scania, MAN, VW Truck & Bus), zog ein nüchternes Fazit: „Wir müssen uns mehr anstrengen, um in Europa wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Mehrere Redner warnten, dass die Zeit, in der Europa als Industriestandort und Wiege technologischer Höchstleistungen noch Gewicht habe, knapp werde.

Ein Mann steht auf einer Bühne vor einer Leinwand und hält eine Rede
© ÖVK/Ranger

Das Wichtigste in Kürze

Das 47. Wiener Motorensymposium bestätigte: Die Mobilität der Zukunft braucht ein breites Technologie-Portfolio – von batterieelektrischen Fahrzeugen über Hybride und Wasserstoff bis hin zu hocheffizienten Verbrennungsmotoren. Für Autofahrer:innen in Österreich bedeutet das: Die Wahl des richtigen Antriebs bleibt individuell und hängt von Nutzung, Infrastruktur und Marktangebot ab.