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Mit dem Hoverboard in die Schule? Mit Funsportgeräten sollten Youngsters nur in Wohn- und Spielstraßen oder in Funparks fahren.

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Mit dem Hoverboard in die Schule? Mit Funsportgeräten sollten Youngsters nur in Wohn- und Spielstraßen oder in Funparks fahren.

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August 2016

In die Schule rollen

Was dürfen Kinder mit Hoverboard, Roller, Rad & Co.? Sind sie damit am Schulweg und im Verkehr alltagstauglich? Mit Tipps der ÖAMTC-Rechtsexpertin.

Zu Fuß gehen war gestern. Kinder und Jugendliche sind gerne mobil – mit dem Rad, dem Skateboard oder dem Roller. Jährlich kommen neue Trendsportgeräte in allen Varianten dazu. Heute sieht man Kids auf Hoverboards, auch als E-Board bekannt, Raketenrollschuhen oder auf elektrischen Einrädern, sie werden auch Mono- oder Airwheel genannt. 


Diese Geräte haben alle etwas gemeinsam: Sie werden vom eigenen Körper kontrolliert. Der Fahrer stellt sich auf die vorgesehene Plattform, lehnt sich nach vorne, um zu beschleunigen und zurück, um langsamer zu werden – wie bei einem Segway. Die Raketenrollschuhe schnallt man sich über normale Schuhe. Bei einem Monowheel befindet sich das Rad in der Mitte und links und rechts stellt man die Füße ab. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase funktioniert die Schwerpunktverlagerung so intuitiv, als würde man per Gedankenkraft über dem Boden schweben. Ob das das richtige Gefährt für den Schulweg und den Straßenverkehr ist?

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Beliebtes Gefährt: der Roller.
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Raketenrollschuhe – der neueste Schrei!
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Noch immer hip: das Skateboard.

"Ich rate, immer eine entsprechende Schutzausrüstung wie etwa Knieschoner und Helm zu tragen", erklärt ÖAMTC Rechtsexpertin Eva Unger. Dies gilt natürlich nicht nur für Hoverboards, sondern auch für Skateboards und sonstige Trendsportgeräte. "Eine gesetzliche Helmpflicht gibt es jedoch nur für Kinder bis zwölf Jahren, wenn sie selbst Rad fahren, in einem Fahrradanhänger oder auf einem Rad in dafür vorgesehener Weise mitgenommen werden." Der Club empfiehlt auch über dieses Alter hinaus einen Helm zu tragen. 

Laut Statistik Austria sind im Vorjahr 472 Kinder im Alter von sechs bis 15 Jahren bei Verkehrsunfällen am Schulweg verletzt worden, eines kam ums Leben. Aber auch in der Freizeit passiert so einiges auf Österreichs Straßen: 72 Kinder bis zum vierzehnten Lebensjahr sind mit einem Spiel- oder Sportgerät verunglückt und 475 mit dem Fahrrad, ein Kind ist gestorben. 

Die Tipps der ÖAMTC Rechtsexpertin

Bevor Kids mit ihrem Rad das erste Mal auf der Straße unterwegs sind, müssen sie ihr Fahrzeug gut beherrschen, etwa alleine aufsteigen und losfahren, lenken, bremsen und anhalten oder ausweichen. Beim Lernen sollten sich Eltern mit ihren Sprösslingen viel Zeit nehmen. Aber wo können sie üben und was dürfen Kinder überhaupt im Straßenverkehr?

ÖAMTC Rechtsexpertin Eva Unger hat einige Fragen von Clubmitgliedern beantwortet:

— Darf ein Kind mit dem Rad am Gehsteig oder in der Fußgängerzone fahren?

Eva Unger: In der Fußgängerzone darf nur mit dem Rad gefahren werden, wenn dies per Zusatztafel ausdrücklich erlaubt ist. Die einzige Ausnahme bildet das Kinderfahrrad, dieses hat einen äußeren Felgendurchmesser von höchstens 30 Zentimetern, damit darf sowohl in der Fußgängerzone als auch am Gehsteig in Schrittgeschwindigkeit unter Begleitung einer zumindest 16-jährigen Person gefahren werden, sofern keine Fußgänger gefährdet oder behindert werden.

— Man sieht immer wieder, dass ein Elternteil mit dem Rad auf der Straße fährt und ein Volksschul-Kind nebenan auf dem Gehsteig.

Eva Unger: Am Gehsteig dürfen erlaubterweise nur Kinderfahrräder fahren (siehe vorherige Frage), jene von Kindern im Volksschulalter haben meist schon zu große Räder, um in diese Ausnahme zu fallen. Somit müssten entweder alle ihr Fahrzeug am Gehsteig schieben oder alle die Straße benützen.

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Kinder unter zwölf Jahren müssen beim Radfahren einen Helm tragen. Der Club empfiehlt auch über dieses Alter hinaus nicht auf einen Helm zu verzichten. 

Mittendrin im Verkehrsdschungel

— Radausflug mit der Tochter: Wer fährt ­vorne, wer hinten?

Eva Unger:Begleitet nur ein Elternteil die Tour, übernimmt der Erwachsene am besten das Schlusslicht, bei schwierigen Stellen sollte er jedoch vor dem Kind fahren.

— Darf der Sprössling in schwierigen Situationen auf der Straße neben der Mutter fahren, wenn genügend Platz ist?

Eva Unger: Nein. Nebeneinanderfahren ist nur auf Radwegen, in Fahrradstraßen, in Wohnstraßen, in Begegnungszonen und auf öffentlichen Straßen bei Trainingsfahrten mit Rennfahrrädern erlaubt.

— Ist es okay, zu zweit auf einem Rad unterwegs zu sein?

Eva Unger:Wenn es um ein Tandem handelt, ist es erlaubt, ebenso, wenn für ein unter achtjähriges Kind ein entsprechender Kindersitz vorhanden ist und die mitführende Person 16 Jahre alt ist. Ansonsten nicht.

— Wo können Mütter mit der sechsjährigen Tochter gewisse Situationen mit dem Rad üben?

Eva Unger:Zum Beispiel in einer Wohn- oder Spielstraße oder im Park.

Schulweg_mauritius_H_03970541_CMS.jpg Mauritius

Wussten Sie,…

… dass Kinder zwar ab sechs Jahren alleine zur Schule gehen dürfen, aber erst mit zwölf ohne Begleitperson mit dem Rad, Roller oder Skateboard fahren dürfen (ab 10 Jahren mit einem Fahrradausweis)?

© Mauritius

Strafen & Versicherungen

— Sind Kinder, die allein oder mit einem Elternteil per Rad unterwegs sind, ausreichend versichert, wenn sie selbst einen Unfall verursachen?

Eva Unger: Nur, wenn eine Privathaftpflichtversicherung abgeschlossen wurde. Diese und eine Unfallversicherung sind für Töchter und Söhne von Mitgliedern sowohl in der Gratis-Touring-Mitgliedschaft von Kindern bis 14 Jahren als auch in der Gratis-Auto-Mitgliedschaft für Jugendliche von 15 bis 19 enthalten.

— Darf ein Teenager auf dem Rad das Handy benutzen?

Eva Unger: Das Telefonieren auf dem Fahrrad ist generell verboten, außer man verwendet eine Freisprecheinrichtung. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Strafe von 50 Euro rechnen.

— Ein Kind hat mit dem Fahrrad oder Skateboard ein parkendes Auto beschädigt und sofort ein Zetterl mit den Daten seiner Eltern in die Windschutzscheibe gelegt – reicht das?

Eva Unger: Nein, leider nicht. Eine unverzügliche Meldung bei der nächsten Polizeidienststelle ist unbedingt erforderlich.

Skateboard-5057_KurtPinter_CMS.jpg Kurt Pinter © Kurt Pinter
Mit dem Skateboard sollte man nur in Wohn- und Spielstraßen und in Funparks fahren, damit andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden.

Funsportgeräte im Straßenverkehr

— Man sieht immer wieder Personen, die mit dem Skateboard auf der Straße fahren.

Eva Unger: Auf der Fahrbahn darf weder mit dem Skateboard noch mit dem Roller oder sonstigen Funsportgeräten gefahren werden.

— Ist dies auf dem Gehsteig erlaubt?

Eva Unger: Auf dem Gehsteig und in der Fußgängerzone darf nur mit Skateboards oder Roller gefahren werden, wenn man dabei weder Fußgänger gefährdet noch behindert. Da das Skateboard leicht auf die Straße geraten kann, ist es im Zweifelsfall besser, damit nur in dafür vorgesehenen Parkanlagen oder auf Spielstraßen zu fahren. In beiden Fällen darf das Kind erst mit zwölf Jahren alleine fahren, mit Radfahrausweis mit zehn Jahren. In Begegnungszonen, die nur aus der Fahrbahn bestehen, ist beides nicht erlaubt. Das gilt auch für die angesagten Trendsportgeräte Hoverboards.

Schulweg__HEN6770_CMS.jpg Heinz Henninger © Heinz Henninger
Ups, das sieht gefährlich aus: Mit dem Hoverboard im Verkehr! Das Mädchen auf dem (von uns inszenierten) Foto darf mit dem Funsportgerät nicht die Straße befahren.

Mit dem Roller alleine in die Schule

— Müssen Eltern mit einer Strafe rechnen, wenn ihr Neunjähriger mit dem Roller alleine in die Schule fährt?

Eva Unger: So lange nichts passiert, wird es geduldet. Wird das Kind aber in einen Verkehrsunfall verwickelt, können sich haftungs- und schadenersatzrechtliche Ansprüche ergeben. Kinder dürfen zwar ab sechs Jahren alleine zur Schule gehen, aber erst mit zwölf ohne Begleitperson mit dem Rad, Roller oder Skateboard fahren dürfen (ab 10 Jahren mit einem Fahrradausweis).

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