Die ersten warmen Tage sind da, das Rad wird aus dem Keller geholt – schnell noch Luft rein und los? Klingt verlockend, ist aber meistens keine gute Idee. Denn nach Monaten im Stillstand sind viele Bikes nicht mehr ganz fit: Reifen verlieren Luft, Bremsen greifen schlechter, und auch der Antrieb hat oft schon bessere Tage gesehen. Das merkt man meist erst dann, wenn man schon unterwegs ist. Aber genau das lässt sich leicht vermeiden.
Ein kurzer Frühjahrs-Check bringt das Rad wieder in Schuss. Vieles davon geht schnell und ohne Spezialwerkzeug. Worauf es dabei ankommt, weiß Manuel Mitterhuber, Leiter des ÖAMTC Stützpunkts in Urfahr. Er hat nicht nur beruflich, sondern auch sportlich einiges an Erfahrung auf zwei Rädern.
Die Basis für eine sichere Fahrt
Das Rad mit Wasser, einem milden Reinigungsmittel und einer weichen Bürste von Schmutz befreien. Bei E-Bikes Elektronikteile, Tretlager und Motor aussparen. Wichtig: Keinen Hochdruckreiniger verwenden, da Wasser in Dichtungen eindringen kann. Den Luftdruck der Reifen prüfen und diese gegebenenfalls aufpumpen. Die empfohlene Angabe steht auf der Reifenflanke – auf Asphalt sind 2,5 bis 3 bar üblich. Zu niedriger Druck erhöht den Rollwiderstand, zu hoher Druck mindert den Fahrkomfort und kann zu Beschädigungen führen. Anschließend den Reifenmantel auf Risse oder poröse Stellen kontrollieren. Ist das Material brüchig, sollten Mantel und Schlauch gemeinsam getauscht werden.

Sauber läuft besser
Kette, Schaltung und Zahnkränze brauchen regelmäßige Pflege. Schmutz erhöht den Verschleiß und verkürzt die Lebensdauer des gesamten Antriebs. Hartnäckiger Schmutz an Antriebskomponenten lässt sich gut mit einer Zahnbürste entfernen. Die Kette durch ein Tuch laufen lassen, dann sparsam spezielles Fahrradkettenöl auftragen – Glied für Glied genügt ein kleiner Tropfen. Überschüssiges Öl anschließend mit einem Tuch abwischen. Vorsicht bei Scheibenbremsen: Öl darf nicht auf Bremsscheiben oder -beläge gelangen. Bei E-Bikes ist die Kette höheren Belastungen ausgesetzt und verschleißt schneller. Wer viel fährt, sollte den Zustand regelmäßig mit einer Kettenlehre prüfen.



Lebenswichtige Funktion
Die Bremsen verdienen besondere Aufmerksamkeit. Bei Scheibenbremsen sollten die Beläge ausreichend dick sein und die Bremsscheiben keine Verformungen oder Beschädigungen aufweisen. Bei Felgenbremsen müssen die Beläge gleichmäßig und satt auf der Felge aufliegen. Sind die Rillen der Bremsklötze nicht mehr sichtbar, ist ein Tausch fällig. Viele Modelle verfügen über Verschleißindikatoren. Quietschen oder leichtes Schleifen lässt sich oft durch Reinigung oder kleine Justierungen beheben. Beim Bremstest muss der Hebel sofort greifen. Fühlt sich der Hebel schwammig an oder berührt er den Lenker, Bremse nachstellen oder in die Werkstatt bringen.



Mehr als „optionale Accessoires“
Vorgeschrieben sind mehrere Reflektoren: weiße am Fahrrad vorne, rote hinten, gelbe an Speichen und an den Pedalen. Statt Speichenreflektoren sind auch reflektierende Reifen zulässig. Bei Dämmerung, Dunkelheit oder Nebel ist eine aktive Beleuchtung Pflicht: Nach vorne mit weißem oder hellgelbem Licht – dieses muss am Fahrrad befestigt sein und darf nicht blinken. Nach hinten ein rotes Rücklicht, das blinken darf. Wichtig ist, dass die Leuchten korrekt ausgerichtet sind und andere Verkehrsteilnehmer:innen nicht blenden. Ebenfalls vorgeschrieben ist eine funktionstüchtige Glocke – ein einfaches, aber wirksames Mittel zur Unfallvermeidung.

Schutzwirkung hat Verfallsdatum
Fahrradhelme sollten je nach Nutzung alle drei bis fünf Jahre ersetzt werden. UV-Strahlung, Hitze und Schweiß lassen das Material altern und verringern die Schutzwirkung. Nach einem Sturz oder harten Schlag ist der Helm auch ohne sichtbare Schäden sofort auszutauschen. Risse, poröse Polster oder beschädigte Riemen sind ebenfalls klare Warnzeichen. Ein intakter Helm kann im Ernstfall schwere Kopfverletzungen verhindern – auf ihn sollte man daher bei keiner Fahrt verzichten.
Check & Hilfe
- ÖAMTC Fahrradcheck: Der Club bietet Mitgliedern einen kostenlosen, rund 10-minütigen Check auf Grundlage der österreichischen Fahrradverordnung an.
- Hilfe bei Radpannen: Die Pannenhilfe steht österreichweit unter der Notrufnummer 120 oder über die ÖAMTC App auch Radfahrenden zur Verfügung, wenn die Zufahrt für die Pannenhilfe auf Straßen mit öffentlichem Verkehr möglich ist.
- Praktisches Sortiment in den Shops an den Stützpunkten: z. B. Reflektoren, Luftpumpen und Helme für Kinder und Erwachsene.
Mehr Infos und Services unter www.oeamtc.at/fahrrad

