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Der Tag, der alles änderte

Nach seiner Rettung vom Glockner durch den C 7 wurde Johannes Gruber selbst Pilot. Sein Ziel: ein Job bei der ÖAMTC-Flugrettung.

Christophorus 7  © Tiroler Tageszeitung, Catharina Oblasser
Christophorus 7  -  Die Wege von Johannes Gruber und Klaus Rainer kreuzten sich bei einem Einsatz vor sechs Jahren © Tiroler Tageszeitung, Catharina Oblasser

Für Klaus Rainer, Stützpunktleiter von Christophorus 7, war der 30. Oktober 2011 ein Tag wie viele andere. Der Einsatz am Großglockner, zu dem er gegen Mittag gerufen wurde, war zwar nicht einfach, aber dennoch gut zu bewältigen. Dann kam einer der beiden geretteten Bergsteiger, der unverletzt geblieben war, zwei Tage später zum ÖAMTC-Stützpunkt in Nikolsdorf – nicht nur, um sich zu bedanken. „Er sagte mir auch, er wolle ebenfalls Pilot werden“, erinnert sich der 51-jährige Captain. „Wir sprachen über die Möglichkeiten, die es gibt, um das zu erreichen. Dann hörte ich nichts mehr von ihm.“

Nach seiner Rettung beschloss ein junger Südtiroler, Pilot zu werden

Post.

Im April 2017 erreichte Rainer ein Brief: und zwar von jenem Mann, den er 2011 am Glockner gerettet hatte: Johannes Gruber, ein Südtiroler aus Taisten-Welsberg. Der heute 33-Jährige hat seine Ankündigung wahr gemacht. Er hält mittlerweile seinen Pilotenschein in Händen und hat auch die Berechtigung, andere auszubilden. 

Wiedersehen.

Damit nicht genug: Gruber stattete dem ÖAMTC-Stützpunkt und Klaus Rainer einen Besuch ab. Die beiden ließen jenen Tag Revue passieren, der laut Gruber „entscheidend“ für sein weiteres Leben gewesen war. „Wie ich damals, am Bergetau hängend, vom C 7 gerettet wurde, habe ich mir gedacht: Ich will auch einmal das machen, was der Hubschrauberpilot macht.“ 

Berufung.

Eigentlich ist Johannes Gruber gelernter Kfz-Mechaniker und hat es dabei bis zum Meister gebracht. Seinen Traum vom Pilotenschein hat er mit viel Zielstrebigkeit in den USA verwirklicht. „Ich konnte in Hawaii die Ausbildung machen. An dieser Flugschule habe ich außerdem die Möglichkeit, als so genannter ,Certified Flight Instructor Instrument‘ andere zu unterrichten.“ Das ist wichtig, um Flugstunden und damit Erfahrung zu sammeln. Zwei Jahre lang darf der Südtiroler nun in den USA tätig sein. Während seiner Ausbildung kam Gruber immer wieder nach Europa zurück – um Geld für die Ausbildung zu verdienen. „Ich war auf Montage und habe alles Mögliche gemacht, das gut bezahlt war. Die Einkünfte habe ich in die Ausbildung gesteckt.“ 

Freude.

Rainer, der schon seit 31 Jahren fliegt, freut sich von Herzen, dass er einem jungen Mann als Inspiration dienen kann. Der Tipp mit der Ausbildung in den USA kam auch von ihm. „In Österreich kann man über das Militär oder die Polizei Pilot werden, doch da muss man sich über viele Jahre verpflichten und die Aufnahmekriterien sind sehr streng“, erklärt der Nikolsdorfer Stützpunktleiter. „Auch einige meiner Kollegen in Osttirol haben die Ausbildung in den USA gemacht.“

Plan.

Welche Schritte fehlen Gruber nun noch vom Kfz-Meister hin zum ÖAMTC-Piloten? „Erst einmal genügend Flugerfahrung. Dann muss ich noch eine extra Prüfung machen, um auch in Europa fliegen zu dürfen. Und dann hoffe ich, dass mein Traum wahr wird, irgendwann einmal in die Fußstapfen von Klaus Rainer zu treten ...“, wünscht sich der Pustertaler. Die Chancen sind durchaus da, meint der Angesprochene. „Die ÖAMTC-Piloten – 60 gibt es in Österreich – sind im Schnitt schon 47 Jahre alt. Außerdem braucht es zusätzliches Personal, wenn an manchen Stützpunkten die 24-Stunden-Bereitschaft kommt.“ 

Ziel: Pilot bei der ÖAMTC-Flugrettung werden

Johannes Gruber © Tiroler Tageszeitung, Catharina Oblasser

Johannes Gruber

"Damals, am 30. November 2011, war ich mit einem Kameraden am Glockner unterwegs. Wir haben gerade die Blaslrampe hinter uns gebracht und waren im Nordwestgrat. Plötzlich ist mein Bergpartner ausgerutscht und 50 Meter abgestürzt. Zum Glück waren wir beide fix angeseilt, sonst wären wir jetzt tot. Mein Kamerad hing mit dem Kopf nach unten im Seil und war bewusstlos. Erst habe ich laut um Hilfe geschrien und gehofft, dass uns Bergsteiger in der Nähe hören. Dann habe ich einen Notruf abgesetzt. Der C7 mit Pilot Klaus Rainer ist gekommen und hat uns geholt. Mein Kollege musste auf die Intensivstation nach Innsbruck gebracht werden. Zum Glück hat er alles ohne bleibende Schäden überstanden. Ich habe mir damals gedacht: Dieser Tag ändert alles. Ich will auch Pilot werden."

Klaus Rainer © Tiroler Tageszeitung, Catharina Oblasser

Klaus Rainer

"Ich bin schon 5.500 Einsätze geflogen, aber an jenen im Oktober 2011 am Großglockner erinnere ich mich noch genau. Es ging um eine Zweierseilschaft, die am Nordwestgrat verunglückt war. Einer der Bergsteiger hing mit dem Kopf nach unten im Seil und war bewusstlos. Es war der Bergpartner von Johannes Gruber. Unser Bergretter hing am Tau und wurde zum Verletzten hinuntergelassen. Von da an dauerte es ganze 21 Minuten, bis der Verunfallte in den Hubschrauber geholt und ins Spital gebracht werden konnte. So lange musste ich immer an der gleichen Stelle schweben, in 3.500 Metern Seehöhe, um die Rettung nicht zu gefährden. Mein Anhaltspunkt war das Glocknerkreuz. Als Zweites haben wir dann Johannes geholt, der unverletzt war. Das hat dann nur 30 Sekunden gedauert."

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Die ÖAMTC-Flugrettung fliegt jährlich rd. 18.000 Einsätze. Das Ziel: Menschen, die in Not geraten sind, zu helfen. Tausende Menschen verdanken der schnellen Hilfe aus der Luft ihr Leben und noch eine viel größere Zahl hat sich lange Aufenthalte in Krankenhäusern erspart.

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