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Sicher in die Schule – Gefahren erkennen und minimieren

Welche “versteckten“ Risiken es gibt – und wie Eltern, Kindern und Lenker zusammen für mehr Sicherheit sorgen

Im Jahr 2019 ereigneten sich österreichweit 510 Verkehrsunfälle mit Kindern auf ihrem Schulweg. Die meisten Unfälle ereigneten sich dabei in Oberösterreich (94), Wien (93) und der Steiermark (80, gesamte Bundesländer-Tabelle folgend). "Klar ist: Jeder Unfall muss vermieden werden. Eltern tragen dabei eine große Verantwortung – sie müssen die Herausforderungen auf dem Schulweg ihrer Kinder kennen und ihnen diese geduldig erklären. Manche Gefahren liegen jedoch für Eltern nicht immer klar auf der Hand, sondern eher versteckt in den alterstypischen Eigenschaften", sagt Marion Seidenberger, ÖAMTC-Verkehrspsychologin. "Kinder ticken anders – sie haben ein kleineres Sichtfeld, eine verlängerte Reaktionszeit und es kann zu Fehlinterpretationen kommen – und folglich zu brenzligen Situationen." Die Expertin appelliert: "Unbedingt erforderlich sind auch die Rücksichtnahme und das Verständnis anderer Verkehrsteilnehmer. Insbesondere Lenker sind aufgefordert, geduldig zu sein und klare Signale zu geben, um einerseits Missverständnisse und andererseits Stress bei Kindern zu vermeiden."

Blickkontakt, Gesten oder Blinkerzeichen können falsch gedeutet werden

Schulwegtraining ist gerade bei jungen Kindern unerlässlich – und sollte aktuell schon in vollem Gange sein. Nachdem die „Basics“ wie die sicherste Strecke oder umsichtiges Schauen schon fest sitzen, ist es sinnvoll, besondere Herausforderung zu besprechen. "In bestimmten Situationen, wie z. B. beim Blickkontakt mit Lenkern kann es zu Fehlinterpretationen bei Kindern kommen. Jüngere Kinder erkennen nicht klar, ob sie gesehen wurden. Dunkle Sonnenbrillen des Lenkers oder Helme mit abgedunkeltem Visier erschweren Kindern die Erfassung der Blickrichtung zusätzlich", warnt die ÖAMTC-Expertin. "Solche Situationen sollte man den Kindern erklären und Lösungen mitgeben, wie z. B. immer abwarten, bis das Fahrzeug tatsächlich stehen geblieben ist." Lenker sollten sich bewusst sein, dass ihre Blicke und Gesten von Kindern nicht eindeutig erkannt werden können. Sie sollten daher immer anhalten, wenn sie bemerken, dass ein Kind die Fahrbahn queren möchte.

Auch Blinkzeichen von Autos können Kinder mangels Erfahrung und Überblick leicht fehlinterpretieren, z. B. ein Zufahren zum Parkplatz, auch ein Abbiegen nach einem Zebrastreifen kann große Missverständnisse und ein plötzliches Loslaufen auslösen. "Kinder werden rasch verunsichert, weil sie Zeichen noch nicht richtig einordnen und deuten können und reagieren dann eventuell zu spontan, zu verzögert oder sogar panisch", weiß die Expertin des Mobilitätsclubs. "Genauso kann ein knapp vor dem Abbiegen gesetztes Blinkzeichen viel zu spät sein, um von Kindern erkannt zu werden. Auch Lenker sind daher zu Schulbeginn gefordert, besonders vorausschauend zu fahren, um auf ein möglicherweise unerwartetes Verhalten von Kindern sicher reagieren zu können."

„To-dos“ am Schulweg – was Kinder tun können, um sicher unterwegs zu sein

* Kein Smartphone: "Eine der häufigsten Ursachen für Schulwegunfälle im Vorjahr war Unachtsamkeit bzw. Ablenkung, knapp 29 Prozent der Unfälle waren darauf zurückzuführen. Dabei spielt auch das Smartphone eine wichtige Rolle – und besonders Kinder sind davon oftmals wie hypnotisiert", sagt die ÖAMTC-Expertin. "Auf dem Weg in die Schule gehört es daher unbedingt in die Schultasche."

* "Sicherheitsblicke": Die Ampel gibt wichtige Signale – aber nur ihr Licht zu fixieren, kann gefährlich sein. "Aufgrund ihres noch eingeschränkten Gesichtsfeldes können Kinder seitlich nahende Gefahren nicht gut 'aus den Augenwinkeln' erkennen: Auch bei grüner Ampel sollten sie daher den Pendelblick nach rechts und links anwenden", rät Seidenberger. "Das Gleiche gilt für Verkehrsinseln – hier sollten Kinder stehen bleiben und in beide Richtungen schauen."

* Auf sich selbst achten: "Sind Kinder in einer kleinen Gruppe unterwegs, gibt ihnen das oftmals eine trügerische Sicherheit. Sie sollten sich allerdings nicht blindlings an ihre Freunde anhängen und ‚mittrotten‘, sondern selbst schauen und aufpassen", sagt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin.

* Stolz auf richtiges Tun: Wenn sich andere Verkehrsteilnehmer nicht richtig verhalten und z. B. bei Rot über die Straße gehen, sollten Eltern den Kindern erklären, dass sich diese Personen in Gefahr begeben und die Kinder stolz sein können, das richtige Verhalten zu kennen und anzuwenden.

Unfälle mit Schulkindern (6 bis 15 Jahre) auf dem Schulweg 2019, nach Bundesländern (Quelle: Statistik Austria)

Bundesland

2019

Burgenland

10

Kärnten

48

Niederösterreich

60

Oberösterreich

94

Salzburg

42

Steiermark

80

Tirol

47

Vorarlberg

36

Wien

93

Österreich

510

Rückfragehinweis für Journalisten:

ÖAMTC | Öffentlichkeitsarbeit
T +43 (0)1 711 99 21218
kommunikation@oeamtc.at
https://www.oeamtc.at

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Bilder & Grafiken

Zu Fuß in die Schule © ÖAMTC / APA-Fotoservice / Martin Hörmandinger Zu Fuß in die Schule © ÖAMTC / APA-Fotoservice / Martin Hörmandinger
Schulweg mit dem Tretroller © ÖAMTC / APA-Fotoservice / Martin Hörmandinger Schulweg mit dem Tretroller © ÖAMTC / APA-Fotoservice / Martin Hörmandinger
Schulweg üben © ÖAMTC / APA-Fotoservice / Martin Hörmandinger Schulweg üben © ÖAMTC / APA-Fotoservice / Martin Hörmandinger
Schulweg ohne Handy © ÖAMTC / APA-Fotoservice / Martin Hörmandinger Schulweg ohne Handy © ÖAMTC / APA-Fotoservice / Martin Hörmandinger
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