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ÖAMTC-Untersuchung: Wie Innenraum-Sensoren bei der Unfallvermeidung helfen

Neue "Helferlein" warnen bei Ablenkung und Müdigkeit

Assistenzsysteme haben die Fahrzeugsicherheit in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. "Bisher lag der Fokus vorwiegend auf Systemen, die das Fahrzeug überwachen und im Notfall eingreifen oder warnen. Der Zustand der Lenker:innen selbst blieb dabei meist außen vor, obwohl Ablenkung und Müdigkeit zu den häufigsten Unfallursachen überhaupt zählen", erklärt ÖAMTC-Verkehrstechniker David Nosé. "Diese Lücke soll nun von Sensoren im Innenraum geschlossen werden – der Fachbegriff dafür lautet 'In-Cabin Sensing', kurz ICS." Der Mobilitätsclub und seine Partnerorganisationen haben jetzt u. a. mit Testfahrten überprüft, was derzeit verfügbare ICS-Systeme der Hersteller Sony, Ford, DTS/XPERI und Bosch leisten.

Gute Test-Ergebnisse für Innenraum-Sensoren

Drei der vier Systeme (Ford, DTS/XPERI, Bosch) beobachten durch Sensoren und Kameras die Person hinter dem Lenkrad. Ist der Blick – wie in einem klassischen Ablenkungsszenario – für gewisse Zeit nicht nach vorne gerichtet, wird eine Warnung ausgegeben. Die Systeme erkennen anhand der Augen außerdem, wie müde der:die Fahrer:in ist. "In unseren Versuchen haben wir uns auf das Thema Ablenkung konzentriert. Die Ergebnisse waren zufriedenstellend: In fast allen Fällen erkannten die ICS-Systeme, dass die Konzentration der Fahrenden nicht auf der Straße war", fasst Nosé zusammen. "Schwächen gab es, wenn z. B. Teile des Gesichts verdeckt und damit für die Sensoren nicht erkennbar waren." Nichtsdestotrotz erfüllen diese ICS-Systeme bereits jetzt großteils die Anforderungen, die ab 2023 im Rahmen der Euro NCAP-Crashtests überprüft werden.

Sony geht einen anderen Weg und adressiert vor allem die passive Sicherheit: Das ICS-System erkennt, wo im Auto sich Personen befinden und misst, ebenfalls mit Sensoren und Kamera, z. B. auch deren Gewicht, Größe und sogar die Körperhaltung. "Anhand dieser Daten kann das ICS einerseits vor ungünstigen Sitzpositionen warnen, andererseits automatisch Gurte und Airbags auf die Merkmale der Fahrzeuginsass:innen abstimmen", erläutert der ÖAMTC-Experte. "Auch das ist ein enormer Sicherheitsgewinn, weil damit eine individuelle Anpassung erfolgt, die man entweder gar nicht selbst durchführen kann oder auf die Viele z. B. aus Bequemlichkeit oder Zeitmangel verzichten."

ÖAMTC erwartet deutliche Reduktion schwerer Unfälle durch Innenraum-Sensoren

Der Großteil der Unfälle mit tödlich Verunglückten und der Schwerverletzen sind in Österreich auf Freilandstraßen zu beklagen, jeder zweite dieser Unfälle lässt sich auf Ablenkung oder mangelnde Verkehrstüchtigkeit – darunter auch Übermüdung – zurückführen. "Wir gehen davon aus, dass ICS-Systeme diese Zahlen im Idealfall um knapp ein Viertel reduzieren kann", hält Nosé fest. Bis dahin wird es allerdings – wie bei jeder fahrzeugseitigen Neuerung – auch nach der verpflichtenden Einführung einige Jahre dauern: Müdigkeitswarner sind ab 2024 für Neuzulassungen vorgeschrieben. Systeme, die bei Ablenkung warnen ab 2026. "Das Potenzial für eine deutliche Reduktion von schweren und tödlichen Unfällen ist jedenfalls schon heute da", hält Nosé fest.

Eigenverantwortung, die Grenzen der Technik und Datenschutz

Eines darf bei aller modernen Technik jedoch nicht vergessen werden: Wie jedes andere System hat auch ICS seine Grenzen. Beim derzeitigen Stand der Technik wird lediglich gewarnt, wenn es Probleme gibt – Eingreifen müssen Lenkende nach wie vor selbst, um einen Unfall zu verhindern. "Man sollte also keinesfalls auf einen Müdigkeitshinweis des Systems warten, bevor man eine Pause einlegt. ICS kann eine wertvolle Unterstützung sein, es ersetzt aber nicht die Eigenverantwortung, sich nur voll fahrtauglich hinters Steuer zu setzen", stellt der ÖAMTC-Experte klar. "Von Herstellerseite wünschen wir uns eine Verknüpfung von ICS mit bereits vorhandenen Fahrassistenzsystemen, z. B. automatischen Notbremsassistenten."

Da es sich bei den Sensoren der ICS-Systeme häufig um Infrarot-Kameras handelt, die den Fahrzeuginnenraum erfassen, sind auch datenschutzrechtliche Fragestellungen relevant. Zur Umsetzung der gesetzlichen und konsumentenschutzrechtlichen Anforderungen werden daher keine Bilddaten gespeichert, sondern nur indirekte Informationen wie z. B. Augenlidöffnung oder Blickrichtung verarbeitet.

Rückfragehinweis für Journalisten:

ÖAMTC | Öffentlichkeitsarbeit
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