Wenn in Kitzbühel jedes Jahr im Jänner die Rennwoche läuft, richtet sich der Blick auf die berühmte Streif, auf Athlet:innen, Fans und das pulsierende Leben im Ort. Was viele nicht sehen: Über den Köpfen der Besucher:innen spielt sich ein mindestens genauso intensives Geschehen ab. Und einer, der dafür sorgt, dass dort alles kontrolliert und sicher bleibt, ist Klaus Egger. Normalerweise fliegt er als Pilot für die ÖAMTC-Flugrettung. Während der Hahnenkamm-Rennen übernahm er jedoch eine andere, nicht minder anspruchsvolle Rolle: Flugraumkoordinator. Sein Arbeitsplatz war ein unscheinbarer Bürocontainer nahe des Ganslernhangs. Seine Verantwortung: der gesamte Himmel über der Stadt.

Funk statt Partymusik
Wer an die Rennwoche denkt, hört in erster Linie Jubel, Kuhglocken, und Partymusik. Von all dem hat Klaus nicht viel mitbekommen. Funksprüche und Anfragen im Minutentakt. TV-Drohnen mussten Trainingsflüge absolvieren, Transporthubschrauber Material auf den Berg bringen oder die Flying Bulls ihre spektakulären Überflüge vorbereiten. Und nicht zu vergessen: Zu jeder Zeit bestand auch die Möglichkeit, dass ein Notarzthubschrauber den gesperrten Luftraum nutzt – nicht wegen des Rennens, sondern wegen eines medizinischen Notfalls irgendwo in der Region.
„Dabei den Überblick zu behalten ist gar nicht so einfach“, meinte Klaus im Gespräch. Aber genau das ist sein Job. Alleine 25 registrierte Drohnen waren, zusätzlich zu den bemannten Luftfahrzeugen, in der Rennwoche im Einsatz. Um dieses komplexe Szenario zu beherrschen, wurde der Luftraum über Kitzbühel für mehrere Tage zum Sperrgebiet erklärt. Sämtliche Flugbewegungen wurden von Klaus koordiniert, registriert und im Lagesystem dokumentieren. Nichts und niemand durfte unkoordiniert fliegen, nicht einmal der Notarzthubschrauber. So wussten Einsatzstäbe und Behörden jederzeit, was sich oben in der Luft abspielte.

Heavy traffic
Was in Kitzbühel umgesetzt wurde, ist in dieser Form einzigartig im österreichischen Sport. Eine eigene Luftraum-Koordinationsstelle, vergleichbar mit Hochsicherheitsereignissen wie internationalen Gipfeltreffen. Der Grund dafür liegt in der Entwicklung der vergangenen Jahre: Waren es früher fast ausschließlich Hubschrauber, sind heute Drohnen fixer Bestandteil jeder Großveranstaltung. Das Gewusel in der Luft wird immer mehr.
Und genau hier wird es komplex. Hubschrauberpilot:innen sind es gewohnt, sich untereinander zu koordinieren. Drohnenpilot:innen hingegen kommen oft aus der Film- oder Medienwelt. Beeindruckende Bilder, ja – aber andere fliegerische Regeln. Dass sich all diese Systeme nicht in die Quere kommen, war die Aufgabe von Klaus.
Eckdaten
- 300 Flugbewegungen die mit der Einsatzleitung koordiniert wurden
- Zwei Drohnenshows mit jeweils 900 Drohnen (momentan größte Drohnenshow Österreichs)
- 25 Drohnen die aktiv im Ablauf beteiligt waren (von der high speed Drohne bis zur Polizeidrohne)
- Bis zu sechs Hubschrauber gleichzeitig im Luftraum
- Luftfahrzeuge wie die Chance Vought F4U-4 Corsair einem BO105 Kunstflughubschrauber oder einer North American B-25J Mitchell bis hin zu Fallschirmspringern, Wingsuit Flyern, Paragleiter und Ballone
Die Vorbereitungen beginnen Monate davor
Die eigentliche Arbeit begann für Klaus lange vor dem ersten Abfahrtsläufer. Bereits Monate im Voraus starteten Planungen, Genehmigungen und Abstimmungen mit Behörden, Land und Ministerium. Diese Mischung aus fliegerischer Erfahrung, Organisationstalent und nicht zuletzt auch eine gehörige Portion Gelassenheit machte den Unterschied. Nicht spektakulär, nicht sichtbar, aber entscheidend.



Sicherheit, die man nicht sieht
Wenn alles funktioniert, bleibt die Arbeit im Hintergrund und fällt niemandem auf. Kein Zwischenfall, keine gefährliche Annäherung, kein ungeplanter Flug. Genau das war das Ziel. Und genau deshalb war die Rolle von Klaus so wichtig. Während sich unten die Welt auf den nächsten Sportler konzentrierte, hielt er oben den Himmel frei. Damit alle anderen sicher arbeiten konnten – am Berg, in der Luft und am Boden. Ein ganz normaler Job für jemanden, der es gewohnt ist, Verantwortung zu tragen. Nur diesmal nicht im Cockpit, sondern am Funkgerät.
