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Ins Auge gegangen

Ein Nachtflug rettete das Augenlicht eines kleinen Mädchens.

Celine © Elisabeth Peutz, Kleine Zeitung Kärnten
201604_CM_Menchen  -  Ein Nachtflug rettete das Augenlicht eines kleinen Mädchens
  © Elisabeth Peutz, Kleine Zeitung Kärnten

Menschen

Im Kärntner Lesachtal wohnt Celine - mit ihrer Familie. In einem der schönsten Täler Österreichs, aber auch in einem der entlegensten. Das wäre dem damals fünfjährigen Mädchen im Sommer fast zum Verhängnis geworden: „Es war der 24. August“, erzählt Celines Mama, Kerstin, „halb neun Uhr abends. Sonst ist sie um die Zeit längst im Bett.“ Im Bett war sie ja. „Aber dann wollte ich dem Jumbo die Schnur abscheiden“, erzählt Celine. Den Stoffelefanten hatte sie bei Tag an der Leine geführt. „Aber beim Schlafen hat mich die Schnur gestört“, sagt sie. Mit der Kinderschere sei es ihr nicht gelungen, den Strick durchzuschneiden. Da schlich sie aus dem Zimmer, um „die große Schere“ zu holen.

Missgeschick. 

„Damit hat sie nach oben geschnitten und ist ausgerutscht“, erzählt die Mutter schaudernd: Celine traf mit der Schere ihr rechtes Auge. „Das hat furchtbar wehgetan“, erinnert sich das kleine Mädchen. „Sie hat geschrien“, sagt Kerstin. „Da bin ich zu ihr hinaufgelaufen. Dann hab ich eh schon gesehen, was passiert war.“ Sie und Papa Markus riefen die Rettung. „Telefonisch hat das Krankenhaus Lienz gesagt, dass die Kleine so schnell wie möglich in die Klinik nach Klagenfurt muss, denn nur dort könne die notwendige Operation durchgeführt werden.“ 

Organisation.

Nach Klagenfurt! Zwei Stunden fährt man dorthin mit dem Auto. Streckenweise helfen selbst Blaulicht und Folgetonhorn nicht, so eng und kurvenreich ist die Straße. Die Leitstelle des Roten Kreuzes funkte daher die Crew des ÖAMTC-Notarzthubschraubers Christophorus 11 an.

Alarmierung. 

„Genau bei Dienstschluss haben wir den Alarm bekommen“, erinnert sich Pilot Max Seidl: „Wir fliegen normalerweise bis zum Ende der ‚bürgerlichen Abenddämmerung‘.“ Die war bereits vorbei. „Aber wir waren zufällig noch bei einem anderen Einsatz, als die Anfrage kam“, erzählt der Captain, der gleich zu rechnen begann. Auch, weil „Piloten maximal 16 Stunden im Einsatz sein dürfen“. Sein Dienst hatte um 6.30 Uhr begonnen. Er hielt Rücksprache mit Notärztin Elgar Stietka und Flugretter Heimo Ehgartner, und die Crew nahm den Einsatz an.

Einsatz. 

„Um 21.43 sind wir gestartet“, liest Max Seidl aus dem Einsatzbericht vor. 37 Minuten dauerte der Flug zum Krankenhaus Laas. Dorthin brachte die Rettung Celine und ihre Mutter. Über dem Krankenhaus kreiste der C 11 kurz, ehe er landete. „Es war auch schon ein wenig diesig, aber mit unseren Nachtsichtbrillen konnten wir alles gut erkennen“, erklärt der Captain: „Um 22.40 Uhr sind wir wieder gestartet.“

Unterwegs. 

An den Flug zum Klinikum Klagenfurt kann sich Celine nicht erinnern. Die Ärzte hatten dem Kind Schmerzmittel verabreicht und die Augen verbunden. Mutter Kerstin erinnert sich an den Lärm, die Dunkelheit und ihre Angst um das  Augenlicht ihrer Tochter. Vor allem aber war und ist sie froh über den rettenden Flug des großen gelben Schutzengels. „Im Klinikum standen schon sechs Doktoren bereit und haben Celine sofort operiert“, erzählt sie dankbar.

Hilfe. 

Ohne den Nachtflug hätten die Ärzte Celines Auge vermutlich nicht retten können: Es sei „absolut entscheidend“ gewesen, dass die Patientin schnell operiert werden konnte, bestätigt auch Primarius Univ.-Prof. Dr. Yosuf El-Shabrawi, der Vorstand der Augenabteilung des Klinikums Klagenfurt.

Rückkehr. 

Der C11 ist am 24. August erst um 23.31 auf dem Stützpunkt gelandet. Pilot Max Seidl musste die zusätzliche Einsatzstunde der Behörde melden. Das tat er gern. „Die Hubschrauberfliegerei mache ich jetzt seit 26 Jahren. Das Fliegen mit Sinn ist es, was mich an meiner Tätigkeit bei der ÖAMTC-Flugrettung so fasziniert und fesselt“, sagt der Captain. „Das schönste Zeichen für die Sinnhaftigkeit unseres Tuns ist, wenn man die Geretteten nach einiger Zeit gesund wiedersieht oder Post von Celine bekommt.“

Post von Celine

Post von Celine © Elisabeth Peutz,  Kleine Zeitung Kärnten

Post von Celine

Mit einer Karte bedankte sich die Lesachtaler Familie bei der C11-Crew dafür, dass Celine jetzt wieder mit beiden Augen sehen kann.

Christophorus 11 - Piloten © Elisabeth Peutz,  Kleine Zeitung Kärnten

Christophorus 11 - Piloten

Michael Umschaden und Max Seidl sind zwei der vier ÖAMTC-Captains, die ihre Kollegen in ganz Österreich für Nachtfl üge ausbilden.

Die Lesachtaler Familie © Elisabeth Peutz,  Kleine Zeitung Kärnten

Die Lesachtaler Familie

Celine mit ihren Eltern, den Geschwistern Marlon und Isabell sowie Jumbo, ihrem geliebten Stoffelefanten.

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