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Europa: Grenzkontrollen behindern Reiseverkehr

In Europa werden auf Grund der Flüchtlingsströme an vielen Grenzen Kontrollen durchgeführt. Dadurch wird auch der Urlaubsverkehr beeinträchtigt. Betroffen sind nicht nur die Autobahnen, sondern auch Bundes-, Landes- und Kreisstraßen.

autobahn grenze.jpg © Erich Westendarp
autobahn grenze.jpg © Erich Westendarp

Informationen zu Kontrollen an den Grenzen zu Österreichs Nachbarländern finden Sie hier.

Überwachung auch in Österreich

Österreich überwacht derzeit seine Grenzen zu Slowenien, Ungarn und der Slowakei. An den Übergängen kann es zu Wartezeiten kommen. Betroffen ist meist nur die Einreise nach Österreich, Probleme bei der Ausreise gibt es im Allgemeinen nicht. Art und Umfang der Kontrollen werden kurzfristig an die jeweilige Situation angepasst.

Die faktische Schließung der so genannten Balkanroute für Flüchtlinge hat seit April 2016 aber zu einer deutlichen Entspannung geführt. Dies gilt insbesondere für den Grenzübergang Spielfeld auf der Route Maribor - Graz. Weder von der Autobahn A9 noch von der parallel verlaufenden Bundessstraße B 67 wurden in letzter Zeit größere Behinderungen gemeldet.

Am Grenzübergang Nickelsdorf (A4) an der Autobahn Budapest - Wien hingegen haben die Behörden die Kontrollen wieder verstärkt. Seither kann es erneut zu Wartezeiten kommen. Autofahrern wird empfohlen, gegebenenfalls auf andere Übergänge, z.B. Sopron/Klingenbach im Burgenland auszuweichen.

Nicht auszuschließen sind schließlich auch Wartezeiten an der Grenzstelle Kittsee (A6) auf der Autobahn Bratislava - Wien und am Karawankentunnel (A11) an der Autobahn Ljubljana - Villach. 

Grundsätzlich gilt: Eine verlässliche Voraussage über die weitere Entwicklung ist nicht möglich, da man jederzeit mit kurzfristigen Änderungen rechnen muss.

Schon bald Kontrollen am Brenner?

Ungemach droht hingegen Italien-Urlaubern: Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen auf der Mittelmeerroute erwägt Österreich, schon bald auch die Grenzen zu Italien bei der Einreise schärfer zu überwachen. Nicht ausgeschlossen ist, dass dieser Plan kurzfristig umgesetzt wird. Ein Sprecher des Innenministeriums wies Mitte Juli darauf hin, dass die Kontrollen innerhalb von 24 Stunden realisierbar seien.

Im Fokus möglicher Kontrollen steht vor allem die Brennerroute (Autobahn A22/A13 und Bundesstraße SS12/B182). Betroffen wären voraussichtlich aber auch das Pustertal bei Sillian (SS49/B100), die Route Nauders - Reschenpass (SS40/B180) und der Übergang Tarvisio - Arnoldstein (A23/A2). Allein auf der Brennerautobahn wären jährlich mehr als fünf Millionen Pkw betroffen.

Am schweizerisch-italienischen Grenzübergang Chiasso (Gotthard- und San Bernardino-Route) hingegen gibt es bei der Einreise in die Schweiz vorerst keine systematischen Kontrollen. Sollten sich die Flüchtlingsströme aber verstärken, schließt auch die Regierung in Bern entsprechende Maßnahmen nicht aus.

Unabhängig davon wurde sowohl zwischen Italien und Österreich, als auch zwischen Italien und der Schweiz die Schleierfahndung im grenznahen Bereich verstärkt. Autofahrer müssen dadurch mit Polizeikontrollen im grenznahen Bereich rechnen. Ende 2016 wurden diese noch einmal intensiviert.

Behinderungen auf der Balkanroute

Verzögerungen sind auch bei der Einreise von Mazedonien nach Serbien und von Serbien nach Kroatien einzuplanen. Dies gilt sowohl entlang der Hauptroute Skopje – Nis – Belgrad – Zagreb – Ljubljana als auch auf Neben- und Ausweichstrecken. Im Vergleich zu 2016 hat sich die Lage aber etwas verbessert.

Weiterhin angespannt ist hingegen die Lage an den Grenzen zwischen Griechenland und Mazedonien. Hier finden bei der Einreise nach Mazedonien intensive Kontrollen statt. Dies gilt insbesondere für die wichtigste Grenzstelle Evzoni/Gevgelja auf der Strecke Thessaloniki – Skopje. Wartezeiten sind auch im grenzüberschreitenden Bahnverkehr einzuplanen.

Da Bulgarien ein Ausweichen der Flüchtlinge auf sein eigenes Territorium befürchtet, hat es seine Kontrollen an den Grenzen zu Griechenland und der Türkei ebenfalls verstärkt. Betroffen ist u.a. der Übergang Kapitan Andreevo-Kapikule auf der wichtigen Verbindung Istanbul - Sofia. Zudem hat die Regierung in Sofia Mitte August angekündigt, für die Überwachung der Grenzen ab sofort bis zu 600 Soldaten einzusetzen.

Die Situation in Ungarn

Seit Ende 2015 sind die Grenzen zwischen Ungarn und Serbien durch einen Zaun abgeriegelt. Da die Regierung in Budapest dennoch an verstärkten Kontrollen festhält, müssen sich Rückkehrer aus der Türkei beziehungsweise Griechenland, die über Ungarn fahren wollen, generell auf Wartezeiten einstellen.

Besonders angespannt ist die Situation entlang der Hauptverkehrswege: Grenzübergang Horgos/Röszke auf der Route Belgrad - Szeged - Budapest (E 75) sowie Nadlac/Nagylak auf der Route Timisoara - Szeged - Budapest. Wer den Grenzübergang Horgos/Röszke umfahren will, kann auf den westlich von Horgos gelegenen Übergang Subotica/Tompa ausweichen (45 km Umweg, zeitlicher Mehraufwand mind. 80 Min). Sinnvolle Alternativen zum Grenzübergang Nadlac/Nagylak sind unter anderem die Routen Timisoara – GÜG Cenad/Kiszombor – Szeged oder großräumig von Arad über den GÜG Varsand/Gyula nach Kecskemet.
 

Die Situation in Skandinavien und Westeuropa

Ende 2015 haben die Kontrollen auch auf die Länder in Skandinavien übergegriffen. Um zu verhindern, dass sich Flüchtlinge in Kopenhagen stauen, kontrolliert Dänemark seither verstärkt an den Grenzen zu Deutschland. Meldungen zu längeren Staus, auch am Grenzübergang Ellund (A 7), gibt es zwar nicht, dennoch sind Wartezeiten nicht auszuschließen. Autofahrer sollten daher aufmerksam die Verkehrsmeldungen verfolgen.

In Schweden sind vor allem die Straßenverbindung über die Öresundbrücke und die Fährhäfen an der Ostsee betroffen. Die Regierung plant allerdings, die Passkontrollen zumindest an den Grenzen zu Dänemark wieder aufzuheben und durch eine verstärkte automatisierte Überwachung zu ersetzen. Einen konkreten Termin gibt es aber noch nicht.

In Norwegen müssen Fährreisende sowohl bei der Abfahrt als auch bei der Ankunft der Schiffe generell einen Pass oder Personalausweis vorzeigen.

Für den Fall, dass die Flüchtlingskrise längerfristig andauert, erwägen auch die Niederlande und Belgien stärkere Kontrollen an den Grenzen zu Deutschland. Um Schlepper zu fassen, setzen die Niederlande seit Februar mobile Einheiten ein. Systematische Grenzkontrollen gibt es aber nicht.

Wegen der akuten Terrorgefahr kontrolliert auch Frankreich seine Grenzen zu Deutschland, Belgien, Luxemburg, der Schweiz, Italien und Spanien. Wartezeiten sind möglich. 

Verschärfte Kontrollen an den Schengen-Außengrenzen

Seit April finden an den Außengrenzen des Schengen-Raumes verstärkte Kontrollen statt. Am stärksten betroffen sind Autofahrer, die aus Kroatien über Slowenien zurückkehren. Besonders in der jetzt angelaufenen Hauptreisezeit muss man mit längeren Staus rechnen. Gefährdet sind vor allem die Übergänge Dragonja und Rupa auf den Hauptrouten nach Istrien bzw. Dalmatien sowie die Grenzstellen Obrezje (Autobahn Zagreb – Ljubljana) und Macelj (Route Zagreb – Ptuj – Maribor). Wartezeiten von bis zu einer Stunde sind hier oft die Regel.

Zur Verkehrsentlastung können EU-Bürger ab sofort alle Grenzübergänge zwischen Slowenien und Kroatien nutzen, also auch solche, die bislang nur für den lokalen Grenzverkehr vorgesehen waren. Dadurch besteht die Möglichkeit, stark belastete Übergänge bei Bedarf zu umfahren. Aktuelle Grenzwartezeiten findet man auf den Internetseiten der slowenischen Verkehrsbehörde und des kroatischen Automobilclubs HAK

Längere Wartezeiten gibt es auch an den Grenzstellen zwischen Kroatien und Ungarn sowie an den Übergängen von und nach Griechenland und den griechischen Flughäfen.

Grundsätzlich sind auch alle Flugreisende betroffen, die aus einem EU-Land, das nicht zum Schengenraum gehört, direkt nach Österreich einreisen, z.B. Urlauber in Großbritannien, Irland und Zypern. Meldungen über größere Probleme gibt es hier bislang aber nicht.

Reisende sollten unbedingt gültige Ausweispapiere dabei haben. Darauf weist das Auswärtige Amt hin. Nur so können sie erhebliche Probleme vermeiden. Dies gilt auch für Kinder, die über jeweils eigene Dokumente verfügen müssen. Eintragungen in den Pass eines Elternteils werden seit Juni 2012 nicht mehr anerkannt.

Zum Schengen-Raum gehören alle EU-Staaten außer Großbritannien, Irland, Kroatien, Rumänien, Bulgarien und Zypern sowie die Nicht-EU-Staaten Schweiz, Liechtenstein, Norwegen und Island.

Hintergrund: Durch den neuen Grenzkodex sind die Behörden verpflichtet, bei der Einreise ins Schengen-Gebiet die Ausweisdokumente mit digitalen Datenbanken abzugleichen, um die Einreise von Personen zu verhindern, die möglicherweise ein Sicherheitsrisiko darstellen.

Allgemeine Tipps für Reisende

Reisende sollten die Medienberichterstattung aufmerksam verfolgen und sich kurzfristig über die aktuelle Situation informieren. Bei der Wahl der Reiseroute sollte man fexibel sein und diese gegebenenfalls kurzfristig anpassen. Unabhängig davon, welchen Weg man wählt, ist aber mit längeren Reisezeiten zu rechnen.

Reisende (auch Kinder) sind dazu verpflichtet stets gültige Ausweispapiere mit sich führen. Darüber hinaus sollte man unbedingt darauf verzichten, Anhalter mitzunehmen, die über keine gültigen Aufenthaltstitel für die Transitländer verfügen.

Zur Situation in Ungarn weist das Außenministerium darauf hin, dass eine Hilfeleistung zur illegalen Überquerung der ungarischen Staatsgrenzen nach ungarischem Recht den Tatbestand des Menschenschmuggels erfüllt und eine Freiheitsstrafe von bis zu acht Jahren zur Folge haben kann. 

Wer eine grenzüberschreitende Rundreise in südosteuropäischen Staaten gebucht hat, sollte sich an seinen Reiseveranstalter wenden. Möglicherweise sind Änderungen im Reiseprogramm erforderlich.

Hinweise zu Fernbussen, Bahn, Fähren und Flugverkehr

Bei Fahrten mit einem Fernbus drohen ebenfalls intensive Kontrollen und lange Wartezeiten. Die Grenzbeamten legen auf Busse ein besonderes Augenmerk, da sie bauartbedingt für Schlepper attraktiv sind.

Wer sich für die Alternative Bahn entscheidet, kann ebenfalls nicht erwarten, von Personenkontrollen und Wartezeiten verschont zu bleiben. Außerdem ist zu befürchten, dass die Züge in der Hauptreisezeit sehr voll sein werden. Deshalb lohnt es sich, früh zu buchen. 

Sinnvolle Alternativen zum Landweg sind Fährpassagen von Italien (z.B. Triest, Venedig, Ancona) nach Griechenland (z.B. Igoumenitsa) beziehungsweise Flüge nach Griechenland oder in die Türkei. Ein Tipp: Rechtzeitig buchen!

Im Fähr- und Flugverkehr kontrollieren die Grenzer meist nicht selbst. Stattdessen werden die Verkehrsunternehmen verpflichtet, bereits im Ausland die Papiere zu kontrollieren. Wer dann bei der Einreise keinen Ausweis vorweisen kann, wird auf Kosten der Airline oder Fährgesellschaft zurückgeschickt.

Besonderer Hinweis für Wohnmobilfahrer in griechischen Fährhäfen (vor allem Igoumenitsa, Patras): In den letzten Jahren häufen sich Berichte von Reisenden, die bei der Heimreise "blinde Passagiere" an Bord vorfanden. Die illegalen Auswanderer verstecken sich in Urlauberfahrzeugen, um so die Ausreise über das Meer nach Italien zu erzwingen. Werden die "blinden Passagiere" entdeckt, hat dies schlimme Konsequenzen für die meist ahnungslosen Urlauber. Schlepper-Delikte werden mit hohen Haft- und Geldstrafen sowie mit der Beschlagnahme der Fahrzeuge geahndet.

Quellen: BMEIA, ADAC

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