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ÖAMTC zur Diskussion rund ums Tempolimit

Tempo 100 auf Autobahnen © iStock
Tempo 100 auf Autobahnen © iStock

Angesichts anhaltend hoher Energie- und Treibstoffpreise werden aktuell in der Öffentlichkeit zahlreiche Maßnahmen diskutiert, unter anderem eine Senkung des allgemeinen Tempolimits auf Autobahnen und Schnellstraßen von 130 auf 100 km/h. In diesem Zusammenhang kursieren unterschiedliche Zahlen: Dabei wird meist nicht zwischen dem individuellen Spritverbrauch jeder:s Einzelnen und dem allgemeinen Gesamtverbrauch in Österreich unterschieden. Um diese Diskussion zu versachlichen, erklären wir in diesem Beitrag, wie die Werte zustande kommen – und wieso im Wesentlichen keine der Zahlen tatsächlich falsch ist.

Aus der Praxis ist bekannt, dass sich bei einer konstanten Einzelfahrt auf der Autobahn durch eine Temporeduktion von 130 auf 100 km/h bis zu 25 Prozent Sprit einsparen lassen. Das deckt sich mit Aussagen des Umweltbundesamtes (UBA), das die durchschnittlichen Einsparungen mit 23 Prozent beziffert. Daher empfiehlt der ÖAMTC bereits seit Jahren – und angesichts extrem hoher Kraftstoff-Preise derzeit ganz besonders – vorausschauend und spritsparend, d. h. teilweise auch langsamer, zu fahren. Das kann jede:r sofort tun – dafür braucht es keine neuen Gesetze oder behördlichen Anordnungen.

Es ist allerdings ein Trugschluss, zu glauben, mit einer Reduktion des allgemeinen Tempolimits auf Autobahnen auf 100 km/h ließe sich insgesamt ein ähnlich hoher Wert am Gesamtspritverbrauch in Österreich einsparen. Das Einsparpotenzial liegt insgesamt bei höchstens 1-3 Prozent der in Österreich verbrauchten Spritmenge.

Das ergibt folgende Kalkulation:

Laut ASFINAG werden rund 40% der Gesamtfahrleistung, also die dort von allen Fahrzeugen zurückgelegten Kilometer, auf dem Autobahn- und Schnellstraßen-Netz (A+S-Netz) erbracht. 14% davon sind Schwerverkehr, für diesen gilt Tempo 80. Betrachtet man nur den Pkw, finden ergo rund 34% der Gesamtfahrleistung am A+S-Netz statt.

Auf rund 37% des A+S-Netzes (zumeist in Stadtnähe) gelten Tempo 80/100-Beschränkungen – dort werden jedoch rund 52% der Verkehrsleistung abgewickelt. Also würde sich eine Temporeduktion auf der Autobahn/Schnellstraße insgesamt lediglich auf 17% der Gesamtverkehrsleistung in Österreich auswirken. Auf weiteren rund 4% des A+S-Netzes gelten situative Geschwindigkeitsbeschränkungen, die zumeist automatisch über sogenannte Verkehrs-Beeinflussungs-Anlagen angezeigt werden. Der Einfachheit halber lassen wir diese in unserer Kalkulation außer Acht.

Es ist jedoch ein Irrtum, anzunehmen, dass im restlichen A+S-Netz, auf dem Tempo 130 erlaubt ist, die gefahrene Geschwindigkeit immer frei wählbar wäre und tatsächlich auch jedes Auto 130 km/h fährt. Vielmehr bestimmen das generelle Verkehrsaufkommen, etwa Überholvorgänge von Lkw oder eine freiwillige Absenkung der gefahrenen Geschwindigkeit das durchschnittliche Tempo.

Daher ist für eine Bewertung der Auswirkung einer Absenkung des allgemeinen Tempolimits die tatsächlich gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit relevant. Diese liegt laut Messungen von Prof. Pucher von der TU-Wien (2020) bei drei Fahrstreifen – auf denen 11% der Verkehrsleistung abgewickelt werden – im Durchschnitt nur bei etwa 120 km/h. Bei Strecken mit zwei Fahrstreifen werden laut Prof. Pucher im Durchschnitt gar nur rund 105 km/h gefahren.

Dort werden 37% der Gesamtfahrleistung des A+S-Netzes erbracht. Würde man nun das Tempolimit von 130 km/h auf 100 km/h absenken, ergibt sich daraus rechnerisch ein Reduktions-Potenzial für den Gesamt-Spritverbrauch von etwas über 1%.

Einsparungspotential bei 1 bis 3 Prozent

Daraus resultiert die Aussage des ÖAMTC, dass die Einführung von Tempo 100 auf Autobahnen eine Spritersparnis von höchstens 1 bis 3% bringt.

Diese Erkenntnisse decken sich mit den Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA), die im Sachstandsbericht Mobilität im Jahr 2019, erstellt für das BMK, dargelegt werden (Dort wird ein Potenzial von 460.000 Tonnen CO2 Einsparungen errechnet, das entspricht 180 Mio. Liter Sprit. Anteilig am heimischen Spritverbrauch des Verkehrssektors von 7,3 Mrd. Litern ergibt dies einen Anteil von 2,5%.Rechnet man die schweren Nutzfahrzeuge sowie landwirtschaftliche Fahrzeuge mit ein, sind es nur 1,9%).

Auch der renommierten Salzburger Fahrzeug- und Verkehrstechniker sowie Unfallforscher Gerhard Kronreif kommt in einem Interview in den Salzburger Nachrichten vom 2.8.2022 (Bezahlschranke) zu einem ähnlichen Schluss. Die Quintessenz: UBA, Kronreif und ÖAMTC kommen auf sehr ähnliche Ergebnisse – nur die Darstellungsart ist unterschiedlich.

Standpunkt des ÖAMTC

Aus Sicht des ÖAMTC rechtfertigt dieses geringe Einsparungspotenzial von 1-3 Prozent des österreichischen Gesamtspritverbrauches keine generelle Absenkung des Tempolimits, wiewohl es für jede:n Einzelne:n immer Sinn macht, das Fahrzeug vorausschauend und mit angepasster Geschwindigkeit zu bewegen. Wir sind der festen Meinung, dass hier Überzeugungsarbeit mehr bringt als verordnete Tempolimits.

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