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Fahrerflucht - kein Kavaliersdelikt!

1.852 Fahrerfluchtunfälle mit Personenschaden im Jahr 2020. Dabei verletzten sich 2.090 Personen.

Fahrerflucht © iStockphoto
Fahrerflucht © iStockphoto

Bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe bei Imstichlassen eines Verletzten möglich 

Die Unfallstatistik zeichnet ein trauriges Bild: Insgesamt wurden in den letzten neun Jahren 76 Personen bei Unfällen im Zusammenhang mit Fahrerflucht tödlich verletzt. Im vergangenen Jahr ereigneten sich in Österreich insgesamt 1.852 Unfälle mit Fahrerflucht und Personenschaden, dabei verletzten sich 2.090 Personen. Die meisten Fahrerflüchtigen wurden dabei in Wien (501), in der Steiermark (284) und in Niederösterreich (282) registriert – die wenigsten gab es im Burgenland (31). Die traurige Bilanz: Neun Menschen kamen ums Leben (jeweils drei Personen in Oberösterreich und Niederösterreich, jeweils eine Person in Kärnten, Salzburg und Vorarlberg). "Die Anzahl der Unfälle mit Fahrerflucht dürfte sogar deutlich höher liegen, denn reine Sachschäden werden in dieser Statistik gar nicht erfasst", erklärt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger (Quelle: Statistik Austria / Bearbeitung der ÖAMTC-Unfallforschung).

ÖAMTC Verkehrspsychologin Marion Seidenberger:

Leider flüchten immer wieder Menschen nach selbst verursachten Unfällen vom Unfallort – sei es aus Überforderung mit der Situation, aus Angst oder weil sie keine Fahrerlaubnis besitzen oder unter Alkoholeinfluss stehen. Es ist klar, dass jeder Vorfall, selbst ein Blechschaden, für die Beteiligten eine Stresssituation darstellt. Noch fordernder ist es, wenn es dabei verletzte Personen gibt – nichtsdestotrotz: Wer nicht unverzüglich Hilfe holt, kann das Leben der Verletzten gefährden. 

Auch bei einem Park- oder Blechschaden ist es nötig, den Vorfall unverzüglich der nächsten Polizeidienststelle zu melden. Wer das nicht tut, begibt sich auf "dünnes Eis" und riskiert saftige Strafen. "Einen selbst verursachten Schaden nicht zu melden ist unsozial, ja auch feige. Zudem schadet man sich selbst, denn die Konsequenzen, wenn man danach als Verursacher ausgeforscht wird, sind wesentlich schlimmer, als sich der Situation direkt zu stellen", so Seidenberger.

Je nach Schwere des Vergehens bzw. der Folgen muss man mit bis zu 2.180 Euro Verwaltungsstrafe rechnen. Ist der Straftatbestand des Imstichlassens eines Verletzten erfüllt, droht sogar ein gerichtliches Strafverfahren mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren (je nach Schwere der Verletzung). "Von der juristischen Seite abgesehen, ist man im schlimmsten Fall für den Tod eines Menschen verantwortlich, dem vielleicht hätte geholfen werden können", gibt die Expertin des Mobilitätsclubs zu denken.

So verhält man sich nach einem Unfall

Die ÖAMTC-Verkehrspsychologin hat die wichtigsten Tipps für die Stresssituation Unfall zusammengefasst:

  • Auch, wenn es nicht leicht fällt: Ruhig bleiben, tief durchatmen und als Unfallverursacher keinesfalls dem Fluchtinstinkt nachgeben. Das gilt für Blechschäden und besonders für Unfälle mit Personenschaden.
  • Bei Unfällen mit Personenschaden ist immer die Polizei und/oder die Rettung zu alarmieren. Die "Blaulichtsteuer" entfällt in diesem Fall. Außerdem muss man am Unfallort auf die Einsatzkräfte warten bzw. ist man zur Hilfeleistung verpflichtet – auch als Unfallverursacher.
  • Bei Blechschäden genügt es nicht, einen Zettel oder eine Visitenkarte hinter den Scheibenwischer zu stecken. Man muss den Unfall unverzüglich bei der Polizei melden, damit der Datenaustausch gewährleistet ist.
  • Kann sich ein Unfallgegner nicht ausweisen oder gibt es Verständigungsschwierigkeiten, sollte sicherheitshalber immer die Exekutive geholt werden, auch wenn es "nur" ein Sachschaden sein sollte.
  • Beifahrer können den Unfallverursacher insofern unterstützen, als dass sie den Fahrer anleiten, die richtigen Schritte zu setzen: Erste Hilfe, Rettungskette in Bewegung setzen, das Absichern der Unfallstelle, der Gang zur nächsten Polizeidienststelle, um den Schaden zu melden. Beifahrer können emotionale Unterstützung geben und den Verursacher ruhig und kontrolliert anweisen – das kann helfen, die Situation zu entspannen.

Unfälle in Verbindung mit Fahrerflucht 2020 nach Bundesländern

Bundesland Unfälle mit Personenschaden Verunglückte Getötete
Burgenland 28 29 0
Vorarlberg 116 127 1
Kärnten 136 158 1
Salzburg 119 128 1
Tirol 145 165 0
Steiermark 276 321 0
Niederösterreich 272 305 3
Oberösterreich 264 303 3
Wien 496 554 0
Gesamt 1.852 2.090 9

Quelle: Statistik Austria / ÖAMTC-Unfallforschung

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