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Fahrerflucht - kein Kavaliersdelikt!

Gesetzliche Verpflichtung zu "richtiger Reaktion" - Anhalten, Absichern, Helfen.

Fahrerflucht © iStockphoto
Fahrerflucht © iStockphoto

Verhalten nach einem Unfall

Generell gilt: Nach einem Unfall mit Personenschaden ist sofort die nächste Polizeiinspektion zu verständigen. Ist nach einem Unfall mit reinem Sachschaden ein Datenaustausch nicht möglich, ist ebenfalls, unabhängig vom Verschulden, ohne unnötigen Aufschub die nächste Polizeiinspektion zu verständigen.

Auch wenn bei einem Unfall der Lenker des gegnerischen Fahrzeuges Fahrerflucht begeht bzw. man am eigenen abgestellten Fahrzeug Schäden, die von einem anderen verursacht wurden, entdeckt, muss dies sofort bei der nächsten Polizeidienststelle gemeldet werden!

Die sogenannte „Blaulichtsteuer“ wird in diesem Fall nicht eingehoben. 

Achtung!

Das Hinterlassen der eigenen Daten hinter dem Scheibenwischer reicht nicht aus! 

Die Meldung ist für den Ersatz des Schadens bei Abwicklung durch den Versicherungsverband bzw. Kaskoversicherer unbedingt notwendig!

Verpflichtungen nach einem Unfall

Nach der Straßenverkehrsordnung treffen Personen, die an einem Unfall beteiligt sind, mehrere Verpflichtungen:

  • Personen, die im weitesten Sinn als Unfallverursacher zu bezeichnen sind, müssen - ohne Rücksicht darauf, ob sie am Unfall schuld sind - als Fahrzeuglenker sofort anhalten, die Unfallstelle absichern sowie an der Aufklärung des Sachverhaltes mitwirken.
  • Wenn Personen verletzt wurden, muss der Verursacher Hilfe leisten oder zumindest Hilfe herbeiholen. Auf jeden Fall muss die Polizei sofort verständigt werden.

    Unfallverursacher ist, wer eine Ursache für einen Unfall gesetzt hat, in den ein anderer Straßenbenützer verwickelt ist. Ob man selbst Unfallfolgen erlitten hat, ist dabei unerheblich. Unfallverursacher ist man auch dann, wenn ein anderer Straßenbenützer ausweichen musste und verunglückte, obwohl mit dem Fahrzeug des Verursachers kein Zusammenstoß erfolgte.
  • Auch wer zu einem Unfall dazukommt, ohne ihn selbst verursacht zu haben, hat gewisse Pflichten. Erforderlichenfalls muss der Zeuge Hilfe leisten, sofern ihm diese ohne eigene Gefährdung zumutbar ist.

    Im Notfall muss jeder auch am Unfall Unbeteiligte ein Handy oder sogar ein Fahrzeug zur Verfügung stellen, damit Hilfe herbeigeholt werden kann. Zeugen müssen außerdem an der Aufklärung des Sachverhaltes mitwirken.
  • Die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers hat den Schaden zu ersetzen, sobald der Fahrerflüchtige ausgeforscht ist. Findet man den Fahrerflüchtigen nicht, so gibt es nur dann Sachschaden-Ersatz, wenn dabei eine Person schwer verletzt oder gar getötet wurde. Der Selbstbehalt von 220 Euro muss in diesem Fall vom Unfallopfer getragen werden.

    Der Geschädigte soll sich so rasch wie möglich an den Versicherungsverband wenden und Ansprüche nach Sach- und Personenschäden gegen den Verkehrsopferfonds geltend machen.

Ersatz der Schäden

Problematisch sind Fahrerfluchtfälle deswegen, weil der Geschädigte oft auf den durch den Unfall verursachten Kosten sitzen bleibt, wenn der Unfallgegner nicht ermittelt werden kann.

Bei Personenschäden gibt es jedoch eine Ausnahme: Kann der Lenker des fahrerflüchtigen Fahrzeuges nicht ermittelt werden, so haftet nach dem Verkehrsopfer Entschädigungsgesetz der Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (Versicherungsverband) für den eingetretenen Personenschaden.

Ersetzt werden dabei z.B. Heilungskosten, Schmerzengeld, Verdienstentgang etc.

Für Sachschäden kommt nur in folgenden beiden Fällen jemand auf:

  • Im Falle einer Fahrerflucht werden Sachschäden vom Versicherungsverband nur dann ersetzt, wenn durch dasselbe Schadensereignis eine Person getötet wurde oder eine schwere Körperverletzung im Sinn des § 84 Abs. 1 StGB erlitt. Hier hat der Geschädigte aber einen Selbstbehalt von EUR 220,- zu tragen.
  • Wurde eine Vollkasko- oder Parkschadenkaskoversicherung abgeschlossen, so deckt diese den erlittenen Sachschaden.

Auch hier ist eine unverzügliche Meldung bei der nächsten Polizeistelle unerlässlich! Andernfalls muss der Geschädigte alle Kosten selbst tragen.

Rechtsfolgen

Begeht man Fahrerflucht droht bei reinem Sachschaden eine Verwaltungsstrafe von bis zu € 726,-, bei einem Unfall mit Personenschaden bis zu € 2.180,-! Je nach Unfallfolgen, kann Fahrerflucht auch ein gerichtliches Nachspiel haben und es drohen Gefängnisstrafen.

Übrigens: Auch Radfahrer begehen immer wieder Fahrerflucht. 

Hier ist wenig bekannt, dass die Haushaltsversicherung des Unfallverursachers, sofern eine Privathaftpflichtversicherung mit abgeschlossen wurde, ohnehin für die verursachten Schäden aufkommen würde.

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