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Fahrbahnquerung muss trotz Zebrastreifen mit Kindern trainiert werden

Eye-Tracking-Erhebung bestätigt: Sicherheitsblicke teils viel zu schnell, in die falsche Richtung oder gar nicht, Ablenkung zieht Blicke an.  

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Blick-Studie © ÖAMTC

Das Überqueren von Fahrbahnen ist für Kinder die mitunter größte Herausforderung auf dem Schulweg – das bestätigt eine beispielhafte Erhebung des ÖAMTC mit Hilfe von Eye-Tracking-Aufnahmen. Es wurde untersucht, ob und wie Kinder vor und bei einem Zebrastreifen mit Mittelinsel auf den annähernden Straßenverkehr blicken – und wie sich mögliche Ablenkungen auf ihr Verhalten auswirken.

Die Ergebnisse zeigen, dass beim Queren einer Fahrbahn mit Zebrastreifen und Mittelinsel bei einigen Schülern noch Unterstützungsbedarf vorhanden ist. Vor allem Kinder im Volksschulalter zeigten teils Unsicherheit oder Überforderung. Ihre Sicherheitsblicke nach links und rechts wurden entweder viel zu rasch, fast "scheibenwischerartig" durchgeführt – oder im schlimmsten Fall ganz unterlassen. So haben Kinder keine Möglichkeit, die unmittelbare Verkehrssituation oder Gefahrenzonen zu erfassen und darauf zu reagieren.

Gefahr der "Blickrichtungs-Verwirrung"

Kinder querten die Fahrbahn außerdem gerne im äußeren Randbereich des Zebrastreifens. Besser ist es jedoch, den Zebrastreifen mittig zu betreten – so erhalten sie eine günstigere Sichtposition und können von anderen Verkehrsteilnehmern auch besser erkannt werden. Ein weiteres Ergebnis: Mittelinseln sind gute Infrastrukturhilfen, können für Kinder jedoch zu einer "Blickrichtungs-Verwirrung" hinsichtlich herannahender Lenker führen. "Nach dem Erreichen der Mittelinsel wurde die 'neue' Annährungsrichtung anderer Verkehrsteilnehmer von jüngeren Kindern nicht gleich erkannt, oftmals wurde in die 'falsche' Richtung geschaut. Eltern sollten den Blickrichtungswechsel daher explizit erklären und üben", rät ÖAMTC-Psychologin Marion Seidenberger.

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Musik, Smartphone, Luftballons – Ablenkung beeinflusst Blicke und Querungstempo

Laut Unfallstatistik sind jährlich knapp 30 Prozent der Schulwegunfälle auf Unachtsamkeit und Ablenkung zurückzuführen. "Vor allem junge Probanden zeigten sich überfordert, zusätzlich auf andere Dinge beim Queren zu achten. Teilweise waren Beobachtungen auf der anderen Fahrbahnseite so 'anziehend', dass die Kinder rascher hinüber gingen und kürzere Sicherheitsblicke tätigten", sagt Seidenberger. "Besonders groß kann dieser 'Pull-Effekt' sein, wenn sich etwas Interessantes auf der anderen Straßenseite befindet – im Versuch konnten beispielsweise schon bunte Luftballons diese Tendenz auslösen."

Hochriskant ist es für Kinder, wenn ihre Blicke während dem Queren auf eine Zeitschrift oder ein Handydisplay in den Händen gerichtet sind. Diese Ablenkungen ziehen die Blickzuwendung fast magnetisch an – es finden weniger und kürzere oder keine Sicherheitsblicke zum Straßenverkehr statt. "Hörten ältere Kinder beim Queren Musik aus Kopfhörern, dauerte das Queren der Straße länger als ohne Musik, auch wirkten ihre Gehbewegungen starr, fast roboterhaft 'eingeloggt'", sagt die ÖAMTC-Expertin.

Aus Sicht des Mobilitätsclubs braucht es für einen sicheren Schulweg generell folgende Aspekte: rücksichtsvolle und aufmerksame Mitverkehrsteilnehmer, eine freie Kreuzungseinsicht sowie verantwortungsbewusste Eltern, die ihre Kinder vorbereiten. Eltern sollten Zeit in die Ausbildung ihrer Kinder investieren und Vorbilder sein – so gewinnen Kinder Sicherheit und Routine beim Absolvieren ihres Schulwegs.

Details zur Untersuchung, Viewpointsystem als Spezialist im Eye-Tracking

Für diese Erhebung wurden 21 Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren bei mehrmaligen Fahrbahnquerungen, jeweils mit und ohne Ablenkungen, mit einigen Kameras begleitet. Zusätzlich wurden Kinder mit Eye-Tracking-Brillen ausgestattet, um ihr Blickverhalten genauer zu beobachten. Der Mobilitätsclub führte die Aufnahmen in Zusammenarbeit mit dem Wiener Unternehmen Viewpointsystem durch: Es ist spezialisiert auf Seh- und Blickforschung, u. a. in Bezug auf Verkehrssicherheit und Unfallanalysen. Die von ihnen entwickelte Eye-Tracking-Brille digitalisiert das menschliche Blickverhalten.

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