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ÖAMTC-Flugrettung: Nächtlicher Notfall

Norbert Breitsching hatte Glück im Unglück: Den nächtlichen Aortariss im Gebirge hätte er vor wenigen Jahren wohl nicht überlebt.

Christophorus 14 - Nächtlicher Notfall © ÖAMTC / Postl
Christophorus 2 - Nachtflug © ÖAMTC / Postl

Normalerweise sind die ÖAMTC-Notarzthubschrauber – mit Ausnahme von Christophorus 2 in Krems, der mittlerweile fix rund um die Uhr im Einsatz ist - von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang im Dienst. Ab und an kommt es aber vor, dass ein Hubschrauber alarmiert wird, wenn es bereits zu dämmern beginnt. Der Einsatz selbst findet dann häufig bei Dunkelheit statt. Heute fast schon selbstverständlich - und doch wäre ein solcher Einsatz vor wenigen Jahren noch nicht möglich gewesen.

Notfall

Den 8. März 2018 wird Norbert Breitsching aus Niederösterreich wohl nicht so schnell vergessen. Der Polizist war auf Skiurlaub in Hinterstoder und hielt sich gerade im Hotel in der Nähe der Mittelstation der Hutterer Höss auf, als es passierte: ein vermeintlicher Herzinfarkt, der sich später als Einriss des Aortenbogens erwies. Eine lebensbedrohliche Situation, die durch die fortgeschrittene Uhrzeit - es war gegen 20 Uhr und damit bereits stockfinster - noch verschärft wurde. Die Pistenretter waren um diese Zeit nicht mehr im Dienst, und vom Tal aus wäre das Hotel bodengebunden kaum rechtzeitig zu erreichen gewesen.

Alarmierung

Glücklicherweise war das Wetter an jenem Abend gut. Die Crew von Christophorus 14 wurde alarmiert und konnte dank Nachtsichtausrüstung trotz später Stunde starten. Der Anflug zum Einsatzort verlief ohne Probleme. Bei der Landung erhielt Pilot Reinhard Kraxner, der an diesem Tag gemeinsam mit Notarzt Markus Luidold und Flugrettungssanitäter Heribert Eisl im Dienst war, sogar unerwartete Unterstützung: Die Pistenraupen, deren Mannschaften gerade mit ihrer eigentlichen Arbeit beginnen wollten, wurden verwendet, um einen provisorischen Landeplatz für C14 auszuleuchten. Doch damit nicht genug: Die Strecke vom Notarzthubschrauber zum Patienten - der im Hotel zwischenzeitlich von einer Freundin der Familie beruhigt und versorgt worden war - legte das Rettungsteam mit einem bereitstehenden Ski-Doo zurück.

Operation

Nach dieser letztlich doch recht ungewöhnlichen Anreise wurde Norbert Breitsching versorgt und zum Hubschrauber gebracht. Der nächtliche Flug ins Krankenhaus Wels verlief ebenfalls ruhig. Dort angekommen, wurde schnell klar, dass nur eine Notoperation den Wintersportler retten würde - sage und schreibe acht Stunden dauerte der Eingriff, der dem damals 53-jährigen Wiener das Leben rettete. Christophorus 14 machte sich in der Zwischenzeit wieder auf den Rückweg zum Stützpunkt in Niederöblarn, wo die Crew gegen 22 Uhr eintraf.

Nachts(ch)icht

Pilot und Geschäftsführer Reinhard Kraxner kann sich gut an den Einsatz erinnern. „Man muss es ganz ehrlich sagen: Der Patient hätte diesen schweren Notfall vor wenigen Jahren wohl nicht überstanden. Denn bis 2016 gab es für uns noch keine Möglichkeit, in der Nacht Primäreinsätze zu fliegen - dieser Fall ist also ein gutes Beispiel dafür, warum es notwendig war und ist, die Einsatzbereitschaften auch auf die Nachtstunden auszuweiten. Die Technik dafür haben wir mit unseren Nachtsichtbrillen, unsere Piloten haben die Ausbildung und unsere Christophorus-Flotte ist für den Nachtflug ausgerüstet. Zusammen führt all das zu Bedingungen, die sich kaum noch vom Tagflug unterscheiden.“
 

Familie © ÖAMTC /zVg Familie
Norbert Breitsching genießt mit seinen Enkelkindern sein neues Leben.

Rückkehr

Norbert Breitsching geht es inzwischen wieder gut, und auch seine Retter hat er bereits besucht: „Ich habe in der Situation gar nicht so viel mitbekommen. Als mir dann aber erzählt wurde, was passiert ist und wie ich gerettet wurde, ist mir bewusst geworden, wie knapp das war. Und auch, dass es keine Selbstverständlichkeit war und ist, dass man zu jeder Tages- und Nachtzeit dermaßen gut versorgt ist. Danke an all meine Retter - ihr habt unter schwierigen Umständen Großartiges geleistet.“

Nächtlicher Notfall © ÖAMTC / zVg Nächtlicher Notfall

Norbert Breitsching:

"Den Grundstein für meine Rettung zu später Stunde und damit für meine fast vollständige Genesung hat die engagierte C14-Crew gelegt."

Flugrettung_Christophorus.jpg

Thema Flugrettung

Die ÖAMTC-Flugrettung fliegt jährlich rd. 18.000 Einsätze. Das Ziel: Menschen, die in Not geraten sind, zu helfen. Tausende Menschen verdanken der schnellen Hilfe aus der Luft ihr Leben und noch eine viel größere Zahl hat sich lange Aufenthalte in Krankenhäusern erspart.

© ÖAMTC
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