Artikel drucken
Drucken

Alpine-Bergeverfahren erfordern perfektes Teamwork

Bergungen in hochalpinem Gelände gehören zu den schwierigsten Einsätzen der Notarzthubschrauber. Flugretter und Pilot müssen ein perfektes Team bilden.

Flugrettung Taubergung Variables Tau © ÖAMTC
Flugrettung Taubergung Variables Tau © ÖAMTC

Reibungslose Kommunikation und das perfekte Zusammenspiel zwischen Flugrettungssanitäter und Pilot sind bei der Alpinen Bergung extrem wichtig. Ein falsches Kommando kann schon zur Katastrophe führen.

Taubergung mit Bergesack

Diese Bergemethode wird eingesetzt, wenn eine Landung am Notfallort nicht möglich ist. Hierbei werden in aller Regel der Flugrettungsarzt und der Flugrettungssanitäter mit dem Tau zum Notfallort gebracht (in Ausnahmenfällen, z. B. bei sehr schwierigem Gelände nur der Flugrettungssanitäter). Dabei wird ein Fixtau in jeweils angepasster Länge an dem im Christophorus Flugrettungsverein entwickelten Doppelhakensystem verwendet, welches aufgrund der zweifachen Ausführung der Haken auch doppelte Sicherheit garantiert.

Am Notfallort wird der Patient erstversorgt und in den Bergesack mit Vakuummatratze gelegt. Gemeinsam mit dem Flugrettungsarzt und dem Flugrettungssanitäter wird der Patient im Bergesack am Tau hängend zu einem geeigneten Zwischenlandeplatz geflogen. Dort wird der Patient gegebenenfalls weiter medizinisch versorgt, in den Notarzthubschrauber verladen und in das nächstgelegene geeignete Krankenhaus geflogen.


Video: Übung Seilbergung am Peilstein

Variable Taubergung

Diese Bergeverfahren haben Flugretter des Christophorus Flugrettungsvereins entwickelt und international präsentiert. Bei den alpinen Christophorus-Stützpunkten wird es immer wieder erfolgreich eingesetzt. Die variable Taubergung wird angewandt bei:

  • Schluchtgelände mit unklarer Taulänge
  • Steilfels
  • Steilem Waldgelände mit notwendiger Taulänge über 40m

Bei diesem Bergeverfahren steht die Bergung durch den Flugretter im Vordergrund, die Versorgung des Verunfallten durch den Notarzt wird dann erst am Zwischenlandeplatz durchgeführt. Der Flugretter seilt sich mit Hilfe eines speziellen Abseilgerätes ("Mammut DSD25") vom 10-Meter-Tau aus bis zu 80m weiter bis zum Patienten ab und sichert diesen am Tau. Der Pilot hält den Hubschrauber während der gesamten Aktion in der gleichen Position, was einen enormen Sicherheitsvorteil bedeutet.

Kaperbergung

Die Kaperbergung ist eine spezielle Form der Taubergung und wird vom Flugrettungssanitäter durchgeführt. Dieses Prinzip wendet man an, wenn ein abgestürzter oder hilfebedürftiger Kletterer in der steilen Felswand noch am Seil hängt. Der Flugretter wird hierbei mit dem (fixen oder variablen) Tau zum Verunfallten gebracht. Der Verunfallte wird an das Bergetau eingehängt, durch Anheben des Verunfallten wird sein Kletterseil entlastet und mit einer Kaperschere vom Flugretter gekappt. Nach Absetzen von Verunfalltem und Flugretter am Zwischenlandeplatz wird der Patient vom Notarzt versorgt.

Eine Kaperbergung stellt insofern eine Herausforderung für den Piloten dar, als der Hubschrauber für kurze Zeit über das Kletterseil des Verunfallten an den Berg "gekettet" ist und damit nicht beliebig manövrieren kann. Ein erfahrenes und gut eingespieltes Team ist hierbei also "überlebenswichtig".



Video: Übung Kaperbergung am Peilstein

Seilbahnbergung

Nach Stillstand von Seilbahnanlagen werden bei diesem Verfahren zunächst über die Leitstelle weitere Flugretter angefordert und gegebenenfalls abgeholt. Nach einer Besichtigung des Gondelmechanismus und der Sicherungsmöglichkeiten wird zunächst ein Flugretter auf einer Gondel/einem Sessel mittels Tau abgesetzt. Dieser wirft die Sportgeräte der zu bergenden Personen ab und bereitet sie auf die Bergung vor. Während dies geschieht, wird bereits ein weiterer Flugretter zur nächsten Gondel geflogen, damit die Bergung der Passagiere so schnell wie möglich erfolgen kann.

Das Seilbahnbergeset ist so konzipiert, dass aus Seilbahnsesseln oder Gondeln bis zu vier Personen gleichzeitig evakuiert werden können. Beim Abflug befinden sich dann neben dem Flugretter vier Geborgene an einem speziellen Gehänge.


Video: Übung Seilbahnassistenz am Präbichl

Gletscherspaltenbergung

Die Spezialausrüstung besteht hierbei aus einem sog. "Dreibein" mit zwei Stahlseilwinden à 50 m Stahlseil und einem - mittels hochgebirgstauglichem Aggregat betriebenen - elektrischen Schremmhammer und wiegt insgesamt etwa 130 kg. Das Dreibein wird über der Spalte aufgestellt und verankert und kann - bei sehr breiten Spalten von über fünf Metern - auch als "Zweibein" in Auslegerform von einem Spaltenrand aus benutzt werden. Die zwei - durch einen Mann bedienbaren - Stahlseilwinden ermöglichen voneinander unabhängige Vertikalbewegungen von Retter und Gerettetem.

Die aufgrund der Enge vieler Spalten und des durch die Körperwärme ausgelösten Taueffektes oft nicht nur eingekeilten, sondern auch eingeeisten Opfer können bei Bedarf mit dem elektrischen Schremmhammer befreit und geborgen werden, bevor sie am Spaltenrand notärztlich versorgt werden.Aufgrund der Aufwändigkeit dieser Bergemethode ist es auch hier notwendig, zusätzliche Bergretter an die Unfallstelle zu bringen.

Flugrettung Christophorus

Thema Flugrettung

Die ÖAMTC-Flugrettung fliegt jährlich rd. 18.000 Einsätze. Das Ziel: Menschen, die in Not geraten sind, zu helfen. Tausende Menschen verdanken der schnellen Hilfe aus der Luft ihr Leben und noch eine viel größere Zahl hat sich lange Aufenthalte in Krankenhäusern erspart.

© ÖAMTC
In dieser Fenstergröße bietet die mobile Ansicht besseren Überblick! Wenn Sie die Ansicht wechseln möchten, klicken Sie den Button jetzt wechseln