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Weniger Stau, mehr Zeit zum Leben

Interview mit ÖBB-Personenverkehr Regionalmanager Dr. Paul Sonnleitner.

ÖBB.jpg © ÖBB Oberösterreich
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Vor gut einem halben Jahr – im Dezember 2016 – ging in Oberösterreich die S-Bahn mit fünf Linien in Betrieb. Im ÖAMTC-Interview zieht Paul Sonnleitner, Regionalmanager der ÖBB-Personenverkehr AG in Oberösterreich, eine positive Zwischenbilanz.

Die S-Bahn in OÖ ist seit Dezember des Vorjahres in Betrieb. Wie fällt die erste Bilanz aus?

Die S-Bahn in Oberösterreich übertrifft schon in den ersten Monaten die Erwartungen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Das Fahrgästeaufkommen stieg auf den vier von der ÖBB-Personenverkehr AG betriebenen S-Bahn-Linien (S1 Linz Hbf – Garsten, S2 Linz Hbf – Wels Hbf, S3 Linz Hbf – Pregarten und S4 Linz Hbf – Kirchdorf a. d. Krems) um fünf Prozent. Seit dem Start im Dezember 2016 nutzen jeden Monat eine Million Fahrgäste diese S-Bahn Linien.

Auf welchen Strecken gab es den größten Zuwachs, wo wäre noch Potenzial?

Es konnten auf allen von uns betriebenen S-Bahn Linien Zuwächse verzeichnet werden, vor allem auch am Wochenende. Neben den Pendlerinnen und Pendlern sehe ich noch ein sehr großes Potenzial im Freizeit und Erledigungsverkehr. Ich bin auch davon überzeugt, dass sich immer mehr Menschen für nachhaltige Mobilitätsformen entscheiden – und das ist die Bahn.

Viele Autopendler, die nach Linz müssen, stehen seit der Sperre der Eisenbahnbrücke unter hohem Leidensdruck. Haben Sie mit der S-Bahn Autofahrer zum Umstieg auf Öffis bewegen können? Wenn ja, gibt es da Schätzungen, wie viele es sind?

Ich meine, dass die Stausituation keinesfalls auf die Sperre der Eisenbahnbrücke reduziert werden darf. Es gibt zu den Hauptverkehrszeiten auf allen Einfahrtsrouten nach Linz Staus. Die bisherigen Fahrgastzuwächse zeigen, dass bei vielen Autofahrern ein Umdenken und Umsteigen stattgefunden hat. Auf Grund der Steigerung bei den verkauften Wochen- und Monatskarten schätzen wir, dass diese Kundengruppe mindestens die Hälfte des Zuwachses ausmacht. Derzeit wird vom Oberösterreichischen Verkehrsverbund auch eine Umfrage unter den S-Bahn Fahrgästen durchgeführt.

Dr. Paul Sonnleitner © ÖBB Oberösterreich

Was ist Ihr bestes Argument, um einen Autopendler zum Umstieg in die S-Bahn zu animieren?

Die Bahn ist das leistbarste, zuverlässigste und umweltfreundlichste Verkehrsmittel in der Region. Wer mit der S-Bahn fährt, kommt sicher, entspannt und komfortabel an sein Ziel. S-Bahn bedeutet weniger Stau und mehr wertvolle Zeit zum Leben. Bahnfahren wird zunehmend Teil des modernen Lebensstils.

Gibt es auf den S-Bahn-Linien zu den Stoßzeiten ausreichend Kapazitäten?

Im Gesamtlauf der S-Bahn Züge haben wir für ausreichend Kapazitäten gesorgt. Nur in der stärksten Morgenspitze, die wir bei der Ankunft in Linz etwa zwischen 7 Uhr und 7:30 Uhr sehen, sind an Schultagen ab den letzten Stationen bei vielen Zügen fast alle Sitzplätze belegt. Aber wir können unseren Kunden für diese kurze Fahrzeit jedenfalls Stehplätze anbieten. Das gilt auch für einige Züge am Abend. Ein verdichtetes Angebot zu den Hauptverkehrszeiten und die vielfach flexiblen Arbeitszeiten entspannen diese Spitzen. Wir beobachten die Nachfrage sehr genau und sind bestrebt, auch bei diesen Zügen nach Möglichkeit das Sitzplatzangebot zu erhöhen. Mit rund 30% mehr Sitzplätzen als die Triebwagen TALENT helfen uns dabei auch die neuen ÖBB-Cityjets. Ab Anfang August werden wir weitere acht dieser neuen, topmodernen Komfortzüge in Oberösterreich einsetzen.

Ist ein weiterer Ausbau der S-Bahn geplant – wenn ja, auf welchen Strecken?

Die positive Entwicklung soll durch weitere Angebotsverbesserungen, Bewusstseinsbildung und Information kontinuierlich gefestigt werden. Für die S 3 wurden bereits einige Verbesserungen beschlossen, die ab Fahrplanwechsel im Dezember umgesetzt werden. Es wird am Vormittag ein Zugpaar statt bisher bis und ab St. Georgen a. d. Gusen neu bis und ab Pregarten geführt werden. Das war auch ein großer Wunsch der Region. Für die Pendlerinnen und Pendler wird in der Frühspitze ein von der S 4 kommender Zug neu bis Linz Franckstraße und zurück geführt werden. Es wird auch eine Verlängerung der S 2 bis Attnang-Puchheim überlegt.

Stichwort Park-&-Ride-Anlagen entlang des S-Bahn-Netzes: Wie hoch ist da die derzeitige Kapazität im Bereich der ÖBB?

Bei allen S-Bahn Stationen werden Stellplätze für PKW und Zweiräder angeboten. Außerhalb von Linz stellen die ÖBB den Kunden rund 2.500 PKW-Stellplätze kostenlos zur Verfügung.

Haben Sie vor, weitere P-&-R-Anlagen zu errichten?

Park & Ride Anlagen werden von der ÖBB-Infrastruktur AG gemeinsam mit dem Land OÖ und den jeweiligen Gemeinden geplant und finanziert. Seitens des Landes wurde speziell für die S-Bahn Stationen eine Analyse und Priorisierung des Erweiterungsbedarfes durchgeführt. Gespräche für die Erweiterung der Anlagen werden zum Beispiel geführt für Enns, Garsten, Steyregg, Pulgarn, St. Georgen a. d. Gusen Haltestelle, Nöstlbach St. Marien, Neuhofen a. d. Krems und Rohr-Bad Hall. In Wels Hbf ist der Bau eines Parkdecks geplant, der Spatenstich soll noch heuer erfolgen.

In welcher Rolle sehen sich die ÖBB bei der Lösung des Verkehrsproblems im Großraum Linz?

Die Mobilität der Menschen und somit auch der Verkehr wird weiterhin zunehmen. Das wird nur mit einem gute ausgebauten und qualitativ hochwertigen Öffentlichen Verkehr zu bewältigen sein. Wir verstehen uns dabei als Partner der Region und des Landes Oberösterreich. Wir arbeiten kontinuierlich an einer Verbesserung von Angebot, Qualität und Service, um das Bahnfahren für unsere Kunden noch angenehmer zu gestalten und leistbare sowie verlässliche Mobilität in Oberösterreich zu ermöglichen. Damit wollen wir einen wichtigen Beitrag zur Lösung des Verkehrsproblems im Großraum Linz leisten.

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