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Umweltzone in Linz: Standpunkte und Vorschläge des ÖAMTC OÖ

Der ÖAMTC ist für eine nachhaltige Mobilitätspolitik in Oberösterreich. Eine Umweltzone in Linz bedient jedoch nur einen der Eckpunkte der Nachhaltigkeit.

Verkehr_Stadt.jpg © ÖAMTC
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LINZ. Tag für Tag pendeln mehr als 107.000 Menschen zu ihrer Arbeitsstätte nach Linz. Viele von ihnen sind mangels eines passenden Angebots des Öffentlichen Verkehrs auf ihr Kfz angewiesen. Sollte in Teilen von Linz 2017 tatsächlich eine Umweltzone eingerichtet werden, wären nach einer ersten Schätzung auf Basis der Zulassungszahlen keineswegs nur ein paar „alte“ Diesel-Fahrzeuge, sondern zwischen 70.000 und 120.000 Pkw von Pendlern und Anwohnern betroffen (70.000 bei Fahrverbot Diesel bis Abgasnorm Euro-3 und Benziner bis Euro-2; 120.000 beim vom Umweltbundesamt favorisierten Fahrverbot für Diesel bis inkl. Euro-4).

Bedenken des ÖAMTC

„Sollen 70.000 oder gar 120.000 Autos ausgeschieden und durch neue ersetzt werden? Oder geht man davon aus, dass alle notwendigen Wege künftig statt mit dem Auto mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt werden? Wie die Betroffenen ihre Mobilität organisieren sollen, ist völlig ungelöst und steht auch nicht im Gutachten des Umweltbundesamtes“, sagt Josef Thurnhofer, Landesdirektor des ÖAMTC Oberösterreich. Die in der Linzer Innenstadt bereits an der Kapazitätsgrenze angelangten öffentlichen Verkehrsmittel könnten den zusätzlichen Andrang ebenso wie viele Postbus-Linien jedenfalls nicht verkraften. Und für eine Kapazitätserhöhung braucht es eine mehrjährige Vorlaufzeit, wie die Linz AG Linien selbst betonen, kurzfristig geht hier nichts. Wenn also massenhafter Umstieg vom Auto in die Öffis 2017 gar nicht möglich ist, bliebe lediglich der Austausch der Fahrzeuge in neuere Modelle für die nötigen Fahrten zum Arbeitsplatz. Auch das ist kurzfristig völlig unrealistisch.

Massive soziale und wirtschaftliche Auswirkungen

„Auf soziale und wirtschaftliche Auswirkungen wurde in den bisherigen Analysen keine Rücksicht genommen. Massiv treffen würde solch eine Maßnahme nicht nur einen großen Teil der Bewohner, der Pendler sowie die Linzer Wirtschaft, sondern außerordentlich hart jene Verkehrsteilnehmer, die sich modernere Pkw oder einen Neuwagen gar nicht oder nur mit hohen Schulden leisten können“, so Thurnhofer.

Alternativen zur Umweltzone – Vorschläge des ÖAMTC

Sowohl die Diskussion über die Umweltzone als auch die aktuelle Stausituation in Linz machen deutlich, dass der Großraum Linz dringend ein modernes Mobilitätsleitbild braucht, in dem das Mobilitätsbedürfnis der Menschen im Mittelpunkt steht und alle Aspekte der Nachhaltigkeit – wirtschaftliche, ökologische und soziale – berücksichtigt werden. Als Ziel müssen angemessene und kalkulierbare Zeiten für die Arbeits-, Schul-, Berufs- oder sonstigen Wege ebenso definiert werden wie ein sinnvoller Mobilitätsmix. „Das schon vor Jahren erarbeitete Gesamtverkehrskonzept für den Großraum Linz kann dazu aus unserer Sicht eine fundierte Grundlage bilden“, so Thurnhofer.

Der ÖAMTC Oberösterreich geht wie auch das Umweltbundesamt davon aus, dass sich die NO2-Emissionen durch die routinemäßige Erneuerung des Fuhrparks bis 2020 spürbar reduzieren werden. Da eine Umweltzone in Linz aus Sicht des ÖAMTC nicht durchführbar ist, schlägt der Club zur Erreichung des NO2-Grenzwerts folgende alternativen Maßnahmen vor, die seitens der Politik mit intensivem Marketing und Öffentlichkeitsarbeit zur Bewusstseinsbildung begleitet werden müssten. Der ÖAMTC würde sich an entsprechenden Kampagnen über seine Medienkanäle beteiligen.

Kurzfristig wirksame Maßnahmen – Organisation der Verkehrsströme unter effizienter Nutzung der vorhandenen Ressourcen

  • In Oberösterreich sitzen pro Pkw-Fahrt derzeit im Schnitt nur knapp 1,2 Personen im Auto. Die hohe Transportkapazität des Pkw bleibt zum Großteil ungenutzt. Um den Betrieb des Automobils effizienter zu gestalten und bei gleicher Wegeanzahl mit weniger Fahrten auszukommen, ist die Bildung von Fahrgemeinschaften die einfachste, effizienteste und schnellst wirksame Maßnahme.
  • Bessere Verteilung der Fahrten über den Tag, um den Verkehrsfluss zu erhöhen und damit einhergehend Emissionen zu reduzieren. Wenn mehrere große Betriebe die Arbeitszeiten flexibler gestalten oder an den Kernzeiten drehen, könnte das eine merkbare Entlastung zu den Stoßzeiten bringen. Gleiches gilt auch für Beginnzeiten von großen Schulen.
  • Förderung des Alltags-Radverkehrs, darunter zügiger Ausbau des Radwegenetzes laut beschlossenem Konzept „Verdoppelung des Radverkehrsanteils bis 2021“. Ein positives Beispiel ist die kürzlich erfolgte Öffnung der Linzer Busspuren für Radfahrer.
  • Verbesserung im ÖPNV-Tarifsystem: Arbeits- oder Jobticket für den gesamten OÖ Verkehrsverbund – unabhängig von Wohnort und Verkehrsanbieter.

Mittel- und langfristig wirksame Maßnahmen

  • Nachhaltige Umsetzung des Gesamtverkehrskonzepts für den Großraum Linz – u.a. Errichtung neuer Pendler-Parkplätze und leistungsfähiger Park-&-Ride-Anlagen, um einfach zwischen den Verkehrsmitteln zu wechseln oder in Fahrgemeinschaften umsteigen zu können.
  • Errichtung eines S-Bahn-Systems im Großraum Linz.
  • Anreize durch Förderung des Umstiegs auf Euro 6 oder andere emissionsarme Fahrzeuge. Die 2009 ausgerufene Verschrottungsprämie hat damals binnen kürzester Zeit 30.000 Altfahrzeuge durch moderne Kfz ersetzt. Analog zur damaligen Verschrottungsprämie wäre es daher wünschenswert, wenn das Land Oberösterreich einen positiven Anreiz zum Umstieg mittels Kaufförderung schafft.

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