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20 Jahre ÖAMTC Christophorus 10

Mehr als 20.000 Einsätze absolviert.

Neue und alte Maschine.JPG © ÖAMTC Flugrettung
Alte und neue Maschine © ÖAMTC Flugrettung

Leitzentrale, Christophorus 10, guten Morgen – seit dem 1. April 2001 meldet sich die Crew des C10 mit diesen Worten bei der Einsatzzentrale des OÖ. Roten Kreuzes jeden Morgen einsatzbereit. Mehr als 20.000 Mal hoben sie seitdem ab, um Menschenleben zu retten.

Von 1988 bis zum 31. März 2001 erfolgte die Rettung aus der Luft in Oberösterreich noch durch die Crew des Martin 2, dem Rettungshubschrauber des Innenministeriums. Nach 13 Jahren und 8.823 Einsätzen übernahm am 1. April 2001 die ÖAMTC-Flugrettung den Standort in Linz/Hörsching.

Mag. Karl Pramendorfer, Präsident ÖAMTC Oberösterreich:

Der Christophorus Flugrettungsverein ist ein von den Landesvereinen des Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touringclubs (ÖAMTC) gegründeter, nicht auf Gewinn ausgerichteter und gemeinnütziger Verein. Wir bezwecken damit die Schaffung von Einrichtungen zur optimalen notärztlichen Versorgung von Notfallpatienten mit Notarzthubschraubern. Nicht die Patientin bzw. den Patienten so schnell wie möglich ins Krankenhaus, sondern das Spital - also den Notarzt - so schnell wie möglich zur Patientin, zum Patienten bringen - diese Grundsätze der modernen Notfallmedizin stehen seit der Gründung Pate für die ÖAMTC-Flugrettung. 1983 gab der ÖAMTC den Startschuss mit dem Christophorus 1 in Innsbruck. Heute sind in ganz Österreich auf 17 Standorten Notarzthubschrauber im Einsatz.

Mehr als 1.000 Mal pro Jahr hob die Crew des Christophorus 10 ab. Rund 74 Prozent der Rettungsflüge von Christophorus 10 sind Primäreinsätze, bei denen das Notfallteam direkt zum Verletzten kommt und die lebensnotwendige Erstversorgung vornimmt. Zu 94 Prozent liegt der Notfallort in Oberösterreich. Knapp die Hälfte der Rettungsflüge gelten internistischen und neurologischen Notfällen. An zweiter Stelle der Einsatzstatistik liegen Arbeits- und Haushaltsunfälle, gefolgt von Verkehrsunfällen.

Die speziell ausgebildete Crew setzt sich aus einem 3-er Team zusammen: Flugrettungsarzt, Flugretter und Pilot. Die Piloten sind Angestellte des ÖAMTC, die Flugretter rekrutieren sich vom OÖ. Roten Kreuz, die Flugrettungsärzte werden durch das Linzer Kepler Universitätsklinikum bereitgestellt.

Ich bedanke mich bei allen Partnerinnen und Partnern, insbesondere dem Land Oberösterreich, dem Roten Kreuz, der Bergrettung, allen anderen Einsatzorganisationen, dem Kepler Universitätsklinikum sowie dem Flughafen Linz-Hörsching recht herzlich für die wirklich hervorragende Zusammenarbeit.

OA Priv.-Doz. Dr. Martin Dünser, stellvertretender leitender Flugrettungsarzt Kepler Universitätsklinikum:

Im Schnitt vergehen 13 Minuten, bis Flugretter und Arzt vom Christophorus 10 am Notfallort eintreffen. Durch diese rasche notärztliche Versorgung steigen die Überlebenschancen der Patientinnen und Patienten und auch die Wahrscheinlichkeit, das Unglück ohne Spätfolgen zu überstehen. Auch der rasche und schonende Transport durch den ÖAMTC-Notarzthubschrauber in das geeignete Spital wirkt sich positiv auf die Heilungschancen aus.

Die besonderen Herausforderungen der Flugrettungsärzte bzw. des gesamten Flugrettungsteams sind vor allem die Bedingungen, unter denen gearbeitet wird. Wir befinden uns in der Regel im freien Gelände, am Berg oder in der beengten Kabine des Hubschraubers. Außerdem ist zumeist die Erkrankungs- bzw. Verletzungsschwere der Notfallpatienten in der Flugrettung verglichen mit dem bodengebundenen Notarztdienst höher.

Um als Flugrettungsarzt am Christophorus 10 mit an Bord zu sein, muss grundsätzlich die Facharztausbildung abgeschlossen sein. Zusätzlich brauchen die Ärztinnen und Ärzte ein gültiges Notarztdiplom sowie eine mehrjährige Erfahrung im boden-gebundenen Notarztdienst. Weiters müssen unter anderem ein medizinischer Leistungscheck sowie mehrere spezielle Ausbildungen absolviert bzw. bestanden werden.

Speziell in jüngster Vergangenheit hat der Christophorus Flugrettungsverein die Ausbildung zum Flugrettungsarzt zunehmend standardisiert und auch wichtige Aspekte der Teamzusammenarbeit und Flugsicherheit einfließen lassen. Im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte hat sich selbstverständlich vieles weiterentwickelt: Das Equipment wurde kleiner, mobiler, leistungsstärker und sicherer. So führen wir zum Beispiel seit einem Jahr ein handliches Ultraschallgerät im Tablet-Format in unserer Ausrüstung mit. Dies erlaubt uns bei ausgewählten Patientinnen und Patienten (z.B. Mehrfachverletzte, Patientinnen und Patienten mit Herzkreislaufstillstand) wichtige diagnostische oder prognostische Aussagen zu treffen.

Aktuell überarbeiten wir gerade die gesamte medizinische Ausrüstung, die wir am Christophorus 10 mitführen. Ein besonderer Schwerpunkt ist dabei der medizinischen und technischen Ausrüstung für die Versorgung von schwerverletzten Patienten gewidmet. In Zukunft werden wir einen eigenen Einsatzrucksack für die Behandlung von Schwerverletzten mitführen. Wir haben dabei auch die Erfahrungen von anderen Rettungshubschrauber-Systemen, wie der in der Trauma-Versorgung weltbekannten London Air Ambulance, einfließen lassen.

20.000 Mal abgehoben.

Die Crew des C10 hebt ab © ÖAMTC Flugrettung Die Crew des C10 hebt ab

Cpt. Reinhard Kraxner, Geschäftsführer ÖAMTC-Flugrettung:

Das Ziel des Piloten ist es, den Arzt sowie den Flugretter bei jedem Einsatz so nah wie möglich an den Patienten zu bringen und damit eine rasche Versorgung zu garantieren. Der große Unsicherheitsfaktor ist das Wetter, insbesondere Wind, Nebel und die einbrechende Dunkelheit. Die Sicherheit der Crew sowie der Patientinnen und Patienten muss bei jedem Einsatz gewährleistet sein.

Die Helikopter, die bei der ÖAMTC-Flugrettung zum Einsatz kommen, sind optimal auf die erforderlichen Bedürfnisse zugeschnitten und bewähren sich Tag für Tag und Nacht für Nacht bei Einsätzen in ganz Österreich. Die ÖAMTC-Flugrettung hat sich schon immer analog zu den Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten weiterentwickelt. Nachdem in den vergangenen Jahrzehnten die Grenzen des Machbaren immer weiter ausgedehnt wurden, bleibt das Wetter bis heute die letzte entscheidende Grenze in der Helikopterfliegerei – aber nicht mehr lange. Die Vision der ÖAMTC-Flugrettung ist, Rettung aus der Luft an jedem Ort, zu jeder Zeit und unter allen Bedingungen. Mitte Dezember des vergangenen Jahres hat die ÖAMTC-Flugrettung einen Vertrag zum Kauf von fünf Notarzthubschraubern vom Typ Airbus Helicopters H135 unterzeichnet, inklusive einer Option auf einen sechsten. Mit dieser Entscheidung stellen wir die Weichen für die nächsten zehn Jahre, denn der deutlich leistungsstärkere und für Instrumentenflug zugelassene Hubschrauber bringt uns der Vision an jedem Ort, zu jeder Zeit und bei jedem Wetter helfen zu können, einen entscheidenden Schritt näher.

Wir sehen es als unsere Aufgabe, das System Flugrettung kontinuierlich weiter zu entwickeln. Es geht schlichtweg darum, als elementarer Bestandteil des Österreichischen Gesundheitssystems, die notärztliche Versorgung der Bevölkerung permanent zu verbessern. Unsere Investitionen stellen sicher, dass die ÖAMTC-Flugrettung auch in den kommenden Jahren ein Garant für zuverlässige, rasche und professionelle Hilfe ist.

Neben der Weiterentwicklung der Flotte investieren wir aber auch in die Ausbildung der Menschen, die sie fliegen – die Piloten. Um als Pilot bei der ÖAMTC-Flugrettung tätig werden zu können, ist eine Mindesterfahrung von 2.000 Flugstunden, eine einschlägige Hochgebirgs- und Außenlasterfahrung, eine sogenannte JAR-FCL Lizenz sowie eine Nachtsichtflugberechtigung erforderlich. Zwei Mal pro Jahr müssen unsere Piloten in Deutschland eine spezielle, mehrtägige Simulator-Fortbildung absolvieren. Dies erlaubt ein umfassendes Training unterschiedlichster Gefahrensituationen in einer sicheren Umgebung.

Dr. Walter Aichinger, Präsident OÖ. Rotes Kreuz:

Das Bild der Hilfe ändert sich mit dem Wandel der Gesellschaft - auch die Möglichkeiten, wie das OÖ. Rote Kreuz für Menschen zur Stelle ist. Wenn jede Sekunde zählt, ist auf die Flugretter Verlass. Sie bewahren auch in kritischen Situationen einen kühlen Kopf und sind seit mittlerweile zwei Jahrzehnten fixer Bestandteil des heimischen Rettungswesens. Einsätze bei schweren Verletzungen und akuten Erkrankungen, oft auch herausfordernd in unwegsamem Gelände, gehören für die fliegenden Helfer zum Alltag. Dank der Flugretter ist Hilfe binnen Minuten zur Stelle. Rasch und richtig helfen zu können, rettet im Fall der Fälle viele Leben. Täglich leistet die Besatzung der Notarzthubschrauber einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der Menschen in Oberösterreich und darüber hinaus.

Ein akuter Notfall in der Nacht, ein Spitalstransport in den frühen Morgenstunden, ein Arbeitsunfall am Nachmittag oder eine Sportverletzung am Abend. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rettungsdienst sind da, wenn Hilfe benötigt wird. Immer und überall, rund um die Uhr. Rund 560.000 Mal verlässt ein Rettungsmittel des OÖ. Roten Kreuzes pro Jahr eine Dienststelle, um Menschen zu helfen.

Egal, ob im Rettungsdienst, in den freiwilligen sozialen Diensten, in der Jugendarbeit, der Vermittlung von Ersthelfer-Kompetenzen oder der Unterstützung pflegebedürftiger Mitbürgerinnen und Mitbürger. Die mehr als 24.000 überwiegend freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der landesweit größten Hilfsorganisation sind da, um zu helfen und spannen ein engmaschiges Netzwerk der Hilfe. Mit ihrem Engagement stellen sie Leistungen sicher, die es sonst nicht geben würde. Sie sind Rückgrat und Leistungsträger unserer Gesellschaft und wesentlicher Teil einer aktiven Zivilgesellschaft. 

Hoch hinauf

Einsatz im Schnee © ÖAMTC Flugrettung Einsatz im Schnee

Norbert Draskovits, Geschäftsführer des Linz Airport:

Uns verbindet mit der ÖAMTC-Flugrettung eine jahrzehntelange, hervorragende Zusammenarbeit. Ein Meilenstein unserer Zusammenarbeit war sicherlich die Errichtung des Heliports für den ÖAMTC Rettungshubschrauber und den Polizeihubschrauber des Innenministeriums im Jahre 2002. Wir gratulieren dem ÖAMTC und dem Christophorus 10 zum Jubiläum.

Landeshauptmann-Stellvertreterin Mag.a Christine Haberlander:

20 Jahre ist es nun schon her, dass die Flugrettung am Standort in Linz-Hörsching von der Crew des ÖAMTC Christophorus 10 übernommen wurde. Nahezu täglich fliegt der Hubschrauber aus und das überwiegend für Notarzteinsätze. Der Hubschrauber ist ein unverzichtbarer Bestandteil der oberösterreichischen Rettungslandschaft. Ich danke allen ganz herzlich, die sich tagtäglich dafür einsetzen, die Leben anderer Menschen zu retten. Ich wünsche allen auch weiterhin alles Gute bei Ihren Einsätzen, und dass die Retter in der Not auch selbst stets sicher unterwegs sind. Abschließend freue ich mich, zum 20-Jahr-Jubiläum des Christophorus 10 unter der Führung des ÖAMTC gratulieren zu dürfen.

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