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Herausforderung Schulweg – Taferlklassler besonders gefährdet

Eye Tracking Aufnahmen zeigen Unterschiede in Wahrnehmung von Kind und Erwachsenem

Zehntausende Taferlklassler absolvieren ihren ersten Schulweg. Doch insbesondere die jüngsten Schüler sind noch ungeübt und als Fußgänger gefordert. 2017 verunglückten 51 Sechs- und Siebenjährige am Schulweg – davon war mit 73 Prozent die überwiegende Mehrheit als Fußgänger unterwegs (Quelle: Statistik Austria).

Um zu verstehen, wo die Gefahren für Kinder lauern, analysierte der ÖAMTC in Kooperation mit Viewpointsystem mittels Eye Tracking das Blickverhalten eines siebenjährigen Kindes im Vergleich zu einem Erwachsenen beim Überqueren eines Schutzwegs. Ein wesentliches Ergebnis: Ein Kind erkennt potenzielle Gefahren anders als ein Erwachsener und nimmt herannahende Objekte nacheinander und somit später wahr.

"Kinder widmen ihre Aufmerksamkeit stets nur einem Objekt – statt überblicksmäßig mehrere wahrzunehmen. Dabei kommt es leicht zur Überforderung und Fehleinschätzung", erklärt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Die Blickanalyse hat gezeigt, dass ein Kind ein Auto noch nicht als Gesamtobjekt wahrnimmt  – stattdessen schaut es in kurzen Abständen auf Details wie Scheinwerfer, Windschutzscheibe und Motorhaube.

"Auch der typische Pendelblick nach rechts und links muss bei jüngeren Kindern noch umfassend trainiert werden. Erst mit zunehmendem Alter ermöglicht er überblicksmäßig mehrere Gefahrenquellen einzuschätzen und entsprechend zu reagieren", stellt die Expertin einen weiteren Unterschied in der Wahrnehmung dar.

Video: Mit Kinderaugen den Straßenverkehr sehen

Größennachteil vor allem bei Sichthindernissen

Kinder sehen Pkw deutlich später

Auch dass die geringere Körpergröße der Kinder zu einer schlechteren Übersicht und eigenen Sichtbarkeit führt, wurde mittels Eye Tracking verdeutlicht. Während ein auf der Straße abgelegtes Gerüst den Erwachsenen in seiner Wahrnehmung kaum störte, war die Sicht für das Kind dadurch stark eingeschränkt. Der Pkw war für das Kind erst 20 Meter später und damit sehr kurzfristig sichtbar.

Parkende Fahrzeuge oder auch Baustellen sind wie ein Versteck: Lenker erkennen die Kinder schlecht oder erst spät und auch die Kinder selbst können die Straße nur schlecht einsehen. Sicherer ist es, einen besser einsehbaren Bereich zu suchen, um dort die Fahrbahn zu queren – auch, wenn dadurch ein Umweg entsteht. Außerdem sind Querungsbereiche für die Sicht unbedingt frei zu halten – kurzes Parken, das Abstellen von Rädern o.ä. ist zu vermeiden.

Jüngste Schüler noch nicht vorausschauend

Gefahrenbewusstsein muss wachsen

Kinder zwischen fünf und sechs Jahren verfügen noch nicht über ein vorausschauendes Gefahrenbewusstsein. Wenn sie ein Auto sehen, gehen sie davon aus, vom Lenker erkannt zu werden. Das kann ein gefährlicher Trugschluss sein. Im Alter zwischen sieben und acht Jahren lernen Kinder langsam, Gefahren vorauszusehen, halten z.B. normalerweise am Randstein an, um in alle Richtungen nach möglichen Gefahren zu schauen. "Einem Ball, der auf die Straße rollt, läuft es aber immer noch direkt hinterher", warnt Seidenberger. Vorbeugende Verhaltensweisen einsetzen, z.B. gefährliche Stellen erkennen und zur Sicherheit einen Umweg gehen, können Kinder ab neun oder zehn Jahren.

Zu den Aufnahmen

ÖAMTC kooperierte mit Viewpointsystem

Der Mobilitätsclub führte die Eye Tracking Aufnahmen in Zusammenarbeit mit dem Wiener Unternehmen Viewpointsystem durch. 

Viewpointsystem bringt 20 Jahre Erfahrung in der Seh- und Blickforschung mit, vor allem im Bereich Verkehrssicherheit und Unfallanalysen. Die Eye Tracking Brille des Unternehmens ermöglicht es, das menschliche Blickverhalten zu digitalisieren und die Wahrnehmung zu analysieren, unter anderem in Stresssituationen.

Zum Setting
Ausgestattet mit der Brille überquerten sowohl ein siebenjähriges Kind als auch ein Erwachsener eine vierarmige Kreuzung am Schutzweg im Stadtgebiet.

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