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Unfallbilanz: 2021 mit zweitniedrigstem Wert bei Verkehrstoten

Jeder vierte Verunglückte zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs.

Abkommensunfälle © ÖAMTC
Abkommensunfälle © ÖAMTC

Im Jahr 2021 kamen in Österreich laut vorläufigen Zahlen des BMI insgesamt 359 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Im Vergleich zum historisch niedrigsten (und von der Pandemie beeinflussten) Wert aus dem Jahr 2020 (344) entspricht das zwar einem Anstieg von vier Prozent, dennoch ist der Wert deutlich niedriger als in den Jahren vor der Pandemie – und das trotz wieder gestiegener Mobilität. Nach wie vor saß fast jeder zweite Verkehrstote in einem Auto. Aber: Waren es vor 20 Jahren noch 524 getötete Pkw-Insassen, verringerte sich diese Zahl bis zum Vorjahr trotz deutlich mehr zugelassener Autos und gestiegener Fahrleistung auf 161. Das entspricht einem Rückgang von fast 70 Prozent.

David Nosé, ÖAMTC-Verkehrstechniker:

"Grundsätzlich ist die Zahl der Getöteten im Straßenverkehr in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen – von einem historischen, negativen Spitzenwert von 2.948 Getöteten im Jahr 1972 auf aktuell 359.

Die zukünftige Verkehrssicherheitsarbeit sollte somit nicht nur auf die Reduzierung der Zahl der Verkehrstoten abzielen, sondern muss imstande sein, vor allem die Zahl der Schwerverletzten deutlich zu senken."

Verkehrstote der vergangenen zehn Jahre nach Art der Verkehrsbeteiligung

Jahr Gesamt Pkw Fußg. Fahrrad Motorrad Moped Sonstige
1992 1.403 853 240 93 84 80 53
1997 1.105 666 156 66 112 58 47
2002 956 524 160 80 89 46 66
2007 691 378 108 37 96 24 48
2012 531 279 81 52 68 18 33
2013 455 193 82 51 87 15 27
2014 430 189 71 45 75 14 36
2015 479 238 84 39 83 7 28
2016 432 189 73 48 85 7 30
2017 414 82 73 32 83 13 31
2018 409 181 47 41 102 8 30
2019 416 200 69 33 79 10 25
2020 344 146 51 40 74 4 29
2021* 359 161 35 50** 75 13 25

Quelle: Statistik Austria; *vorläufige Daten des BMI; **inkl. E-Tretroller

Prozentuelle Entwicklung der Zahl der Verkehrstoten in den letzten 30 Jahren

Jahr Gesamt Pkw Fußg. Fahrrad Motorrad Moped Sonstige
1992 1.403 853 240 93 84 80 53
2021* 359 161 35 50** 75 13 25
Entw. -74,4% -81,1% -85,4% -46,2% -10,7% -83,8% -53,3%

Quelle: Statistik Austria; *vorläufige Daten des BMI; **inkl. E-Tretroller

Zunahme tödlicher Unfälle bei Moped- & Radfahrenden

Insbesondere bei Moped- und Radfahrenden sind mit 13 bzw. 48 Getöteten Zunahmen bei den tödlichen Verkehrsunfällen zu verzeichnen. Konstant auf hohem Niveau blieb die Zahl der getöteten Motorradfahrenden (75). Bei Fußgängern konnte dagegen der historisch niedrigste Wert (35) verzeichnet werden. "Grundsätzlich ist die Zahl der Getöteten im Straßenverkehr in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich zurückgegangen – von einem historischen, negativen Spitzenwert von 2.948 Getöteten im Jahr 1972 auf aktuell 359", erklärt ÖAMTC-Verkehrsexperte David Nosé. Das entspricht einem Minus von 88 Prozent. Ein Wermutstropfen ist, dass in diesem Zeitraum die Zahl der Unfälle (minus 32 Prozent) und der Verletzten (minus 37 Prozent) nicht im gleichen Maß gesunken ist. "Die zukünftige Verkehrssicherheitsarbeit sollte somit nicht nur auf die Reduzierung der Zahl der Verkehrstoten abzielen, sondern muss imstande sein, vor allem die Zahl der Schwerverletzten deutlich zu senken", so Nosé.

Fast jeder vierte Verunglückte zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs

Bei zu Fuß gehenden Personen gab es zwar mit 35 Opfern einen neuen historischen Tiefstand. Bei Radfahrenden hingegen liegt der Wert mit 50 im Verkehr zu Tode gekommenen Personen höher als in den Vorjahren und über dem langjährigen Durchschnitt. 22 der 50 tödlich Verunglückten waren auf einem E-Bike unterwegs, weitere zwei Menschen auf einem E-Tretroller. Besonders in der Altersgruppe 65+ erfreut sich das E-Bike großer Beliebtheit, was sich leider auch im Durchschnittsalter der getöteten Menschen (rund 70 Jahre) widerspiegelt. Zudem ereigneten sich rund die Hälfte der tödlichen Fahrradunfälle außerorts.

"Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, braucht es ein breites Bündel an Sicherheitsmaßnahmen", so der ÖAMTC-Verkehrsexperte. "Mögliche Lösungen sind eigene Verkehrsflächen für Radfahrende, sichere Querungsmöglichkeiten für zu Fuß Gehende, eine verstärkte Bewusstseinsbildung hinsichtlich der Gefahren von Ablenkungen, z. B. durch die Nutzung von Smartphones im Straßenverkehr sowie der Grenzen des eigenen Fahrkönnens. Zum anderen sollten sich am Verkehr teilnehmende Personen mit reflektierender Kleidung sowie adäquater Beleuchtung an Fahrrädern gut sichtbar machen." Die Erfahrung zeigt zudem: "Gerade Wiedereinsteiger:innen auf dem Zweirad, egal ob das ein Fahrrad, E-Bike oder Motorrad ist, überschätzen oftmals das eigene Fahrkönnen, was schließlich zu Überforderung und schweren Unfällen führen kann."

Training für E-Bike-Einsteiger essenziell

E-Bike-Trainings © ÖAMTC © ÖAMTC

Obwohl für erwachsene Radfahrer keine Helmpflicht besteht, empfiehlt der Mobilitätsclub, unbedingt einen Helm zu tragen, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Insbesondere für Anfänger ist es wichtig, den Umgang mit einem E-Bike zu trainieren. Der ÖAMTC bietet in den Bundesländern Wien, Niederösterreich, Salzburg, Oberösterreich und im Burgenland kostenlose Trainings an. Mehr Infos zu den Trainings.

Mehr Infos zu den E-Bike-Trainings

Motorradfahrende verunglücken am zweithäufigsten

Im Vorjahr waren 75 tödlich verunglückte Motorradfahrende zu beklagen. Das entspricht 21 Prozent aller Verkehrstoten. Auffällig ist der recht hohe Anteil an Eigenfehlern: Drei Viertel aller getöteten Motorradfahrenden kamen aufgrund von nicht angepasster Geschwindigkeit sowie riskantem Überholen ums Leben. Nosé: "Problematisch ist, dass viele Biker ihr Motorrad nur unregelmäßig nutzen, was zu einer Selbstüberschätzung sowie mangelnden Fahrzeugbeherrschung in Grenzsituationen führen kann. Besonders gefährlich wird es, wenn die eigenen Fahrkenntnisse überschätzt oder die korrekte Fahr-, Brems- und Blicktechnik nicht angewendet werden." Trainings können helfen, sich mit dem Motorrad vertraut zu machen und das richtige Handling zu üben.

Motorrad-Trainings bei der ÖAMTC Fahrtechnik

Technische Entwicklungen zur Hebung der Verkehrssicherheit

In modernen Kfz können elektronische Fahrassistenzsysteme wie Notbremssysteme mit Fußgänger- und Radfahrerkennung, Toter-Winkel-Warner oder Abbiegeassistenten viel bewirken. Daher ist es bei der Neuanschaffung eines Fahrzeuges besonders wichtig, auf die Sicherheitsausstattung zu achten. Diese schützt nicht nur die Insassen selbst, sondern im Falle eines Unfalls auch die Unfallgegner. Generell ist festzuhalten: "Menschen machen Fehler, deshalb sollten vor allem Straßenraum und Fahrzeugtechnik solche Fehler ausgleichen, respektive die Unfallfolgen mildern können", erklärt Nosé abschließend.

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