ÖAMTC-Diskussionsforum Diversität "Chancengleichheit durch Digitalisierung?"

Digitalisierung erhöht Chancengleichheit, Abbau von Diskriminierung und Barrieren durch aktives Mitgestalten aller Gesellschaftsgruppen notwendig.

Digitalisierung © iStock/Rawpixel
Digitalisierung © iStock/Rawpixel

Neue digitale Entwicklungen haben enormes Potenzial, die Chancengleichheit der Menschen zu verbessern. Inwiefern diese Innovationen allen zur Verfügung stehen oder ob Algorithmen & Co. bestehende Ungleichheiten verstärken, war Thema des Diskussionsforums Diversität "Chancengleichheit durch Digitalisierung?", das am Mittwoch, 2. Dezember, als virtuelle Veranstaltung vom ÖAMTC organisiert wurde.

"Digitalisierung bietet viele Chancen für eine positive gesellschaftliche Entwicklung. Mobilität als Teil davon soll für alle Menschen und ihre vielfältigen Bedürfnisse leistbare Lösungen bieten und Freiheit ermöglichen. Vernetzte Verkehrssysteme und digitale Innovationen erhöhen individuelle Mobilität und damit die Chance auf die Entwicklung inklusiver Mobilitätskonzepte", betonte ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold in seiner Begrüßung die gesellschaftliche Verantwortung von Österreichs größtem Mobilitätsclub.

Chancengleichheit bei Nutzung mobiler Endgeräte, Festigung von Stereotypen durch "A Boy's Club", erste Programmierinnen waren Frauen

Martina Gaisch von der FH Oberösterreich, Fakultät für Informatik, Hagenberg, skizzierte in ihrem Impulsreferat die Problematik der aktuell männlich dominierten Software-Entwicklung – und das, obwohl die ersten Programmiererinnen Frauen waren. Weiters beleuchtete sie, was die Digitalisierung für unterschiedliche Gruppen bedeutet. "Während hinsichtlich der Nutzung von mobilen Endgeräten eine Art Chancengleichheit Platz greift, weil ein hoher digitaler Durchdringungsgrad quer durch alle gesellschaftlichen Gruppen spürbar ist, sieht es bei der digitalen Mitgestaltung und Softwareentwicklung ganz anders aus. Hier gibt noch immer eine kleine Gruppe von primär technikaffinen Männern den Ton an. Zum Beispiel wird in der künstlichen Intelligenz mit Mustererkennungsalgorithmen gearbeitet, die nach wie vor Stereotype reproduzieren und bestimmte Zielgruppen ausklammern. Dies gilt es zu ändern, indem umfassende und ausgewogene Datensätze gesammelt, evaluiert und ohne Verzerrungen interpretiert werden." Als Beispiele für diskriminierende Programmierung nannte Gaisch u. a. Jobportale, die Frauen oder ältere Menschen automatisch nach unten reihen, selbstfahrende Autos, die Rollstuhlfahrer:innen nicht wahrnehmen und Spracherkennungssoftware, die Frauenstimmen nicht erkennen.

"Design for all" – Aktives Gestalten unverzichtbar für universelle Nutzung

In der von Nasila Berangy-Dadgar, Leiterin ÖAMTC-Diversitätsmanagement, moderierten Diskussion betonte Lisa Ehrenstrasser, Geschäftsführerin von "Design for all", wie wichtig die gerechte Gestaltung digitaler Entwicklungen für universelle Nutzungsmöglichkeiten ist: "Universal Design und User Experience Design, also aktives Gestalten von Nutzungsqualität und Nutzungserlebnis ist unverzichtbar, um die Art und Weise wie wir leben, kommunizieren, arbeiten und interagieren für alle zu verbessern und zu erweitern. Dies muss selbstverständlicher Teil jedes Gestaltungs- und Entwicklungsprozesses sein." 

"Nachrichten in einfacher Sprache" ermöglicht Teilhabe an der Gesellschaft

Ein erfolgreiches Beispiel, wie Digitalisierung die Chancengleichheit verschiedener Gruppen erhöht, sind "Nachrichten in einfacher Sprache". "Zielgruppengerechte Sprache hilft Medien, Unternehmen und Institutionen, ihr Publikum bzw. ihre Kunden besser zu erreichen. Zugleich machen Texte in leichter Sprache für viele Menschen die Teilhabe an der Gesellschaft und an der Demokratie erst möglich", fasst Christian Kneil, Leiter APA-MultiMedia und Projektleiter von "Nachrichten in einfacher Sprache", zusammen. Ähnlich wie beim Konzept "Design for all" profitieren mehrere Zielgruppen davon, u. a. Menschen mit Lernschwächen, Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit Demenzerkrankungen.

Digitalisierung als Gamechanger für Menschen mit Behinderungen

Die Vorteile der Digitalisierung gerade für Menschen mit Behinderungen, aber auch die vorhandenen Barrieren thematisierte Klaus Höckner vom österreichischen Behindertenrat: "Digitalisierung und IKT sind Gamechanger für Menschen mit Behinderungen. Sie haben das Potential, dass Menschen mit Behinderungen erstmals selbständig, ohne fremde Hilfe und selbstbestimmt zu Informationen gelangen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Dazu müssen diese Informationen aber auch zugänglich sein und es dürfen hier nicht neue – virtuelle und digitale – Barrieren aufgebaut werden. Leider ist das WWW zum großen Teil immer noch nicht barrierefrei, und das liegt zum großen Teil an der Tatsache, dass es vielen Designern und Umsetzern nicht bewusst ist, dass sie hier neue Barrieren aufstellen, weil Menschen mit Behinderungen nicht in deren Fokus sind."

Diversität beim ÖAMTC

Der ÖAMTC legt größten Wert auf Gleichwertigkeit und Gleichbehandlung von Mitarbeiter:innen, Bewerber:innen und Mitgliedern. Mit regelmäßigen Aktivitäten im Bereich Diversität lebt Österreichs größter Mobilitätsclub gesellschaftliche Verantwortung und schafft Rahmenbedingungen für gleichberechtigte berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Präsentation zur Veranstaltung steht hier als Download zur Verfügung.

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