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Schlechte Sichtverhältnisse bergen erhöhte Unfallgefahr

Sichtbarmachen wichtig.

Dunkelheit Sichtbarkeit © APA-Fotoservice / Hörmandinger
Dunkelheit Sichtbarkeit © APA-Fotoservice / Hörmandinger

Mit Herbstbeginn wurde die kalte Jahreshälfte eingeläutet. Die täglichen Wege zur Arbeit, Schule und Co. verlagern sich damit häufig in die Dämmerung und Dunkelheit. Im vergangenen Jahr (2021) geschahen österreichweit 6.872 Unfälle mit Personenschaden in dunklen Stunden, dabei kamen 99 Menschen ums Leben. Die beiden häufigsten Unfallursachen von "Dunkelheitsunfällen" 2020 waren, wie bei Tageslicht auch, Vorrangverletzung und Unachtsamkeit.

Besonders kritisch ist es von Oktober bis Februar – in diesen Monaten ereignen sich nicht nur die meisten Unfälle bei Dämmerung und Dunkelheit, auch der Anteil an Unfällen mit Zufußgehenden ist deutlich höher als in den restlichen Monaten des Jahres – mit oftmals drastischen Folgen: Knapp die Hälfte aller getöteten Zufußgehenden (rund 45 Prozent) verunglückte 2020 bei Dämmerung bzw. Dunkelheit (Quelle: Statistik Austria, Bearbeitung ÖAMTC-Unfallforschung).

ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger

"Besonders in der dunkleren Jahreszeit ist daher Sichtbarmachen und gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsbeteiligten wichtig".

Im Berufsverkehr ist bei schlechten Sichtbedingungen mit erhöhter Unfallgefahr zu rechnen. Bei Dämmerung und Dunkelheit wird das Lenken eines Fahrzeugs zur Herausforderung, die hohe Aufmerksamkeitsleistung abverlangt. Zusätzlich können Regen oder Nebel für Sichtbeeinträchtigungen sorgen. Optische Reize wie Lichter, Signalfarben an Verkehrszeichen, Bodenmarkierungen oder auch andere Verkehrsbeteiligte werden dann schlechter und später wahrgenommen – die Folge ist eine verspätete Reaktion. Bei fordernden Sichtverhältnissen sollten Lenkende besonders defensiv und vorsichtig fahren, indem sie mehr Abstand einhalten und die Geschwindigkeit den Gegebenheiten anpassen. Vor allem jene, die zu Fuß, mit dem Rad oder Tretroller unterwegs sind, sollten sich zur Eigensicherheit gut sichtbar ausstatten und umsichtig unterwegs sein – sie dürfen nie davon ausgehen, dass sie automatisch gesehen werden.

Der Mobilitätsclub sieht nicht nur alle Verkehrsteilnehmenden selbst, sondern auch die Behörden gefordert, die Infrastruktur im Sinne aller maximal sicher zu gestalten: Ausreichende Reflexion von Bodenmarkierungen und Verkehrszeichen sowie eine normgerechte Beleuchtungsqualität der Straßenbeleuchtung sind Grundvoraussetzung für ein sicheres Miteinander. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion rund um Energiesparmaßnahmen appelliert ÖAMTC-Verkehrstechniker David Nosé: "Es darf hier nicht an falscher Stelle gespart werden. Eine verringerte Beleuchtungsqualität erhöht das Unfallrisiko, vor allem von ungeschützten Verkehrsteilnehmenden, deutlich. Rücksichtsvolles, vorausschauendes Fahren und ausreichende Beleuchtung tragen wesentlich zur Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer:innen bei."

Tipps für sichere Mobilität bei schlechten Sichtverhältnissen

Sichtbarmachen

Für Fußgänger:innen sind helle Kleidung und optimalerweise Reflektoren sinnvoll, um frühzeitig gesehen zu werden. Dunkel gekleidete Personen sind bei schlechter Sicht erst ab einer Entfernung von 30 m von Kfz-Lenker:innen zu erkennen. Bei heller Kleidung verdreifacht sich die Entfernung auf bis zu 90 m. Reflektoren erhöhen die Erkennbarkeit auf eine Entfernung von rund 130-150 m. "Auch für Sportler:innen und Hundebesitzer:innen, die für die Gassirunde unterwegs sind, steigern Reflektoren die Sichtbarkeit und senken das Unfallrisiko. Lenker:innen von Auto, Rad und Roller müssen unbedingt regelmäßig die Funktion und Einstellung der Beleuchtung kontrollieren. Und nicht nur bei schlechten Lichtverhältnissen gilt es aufmerksam und vorsichtig zu fahren und die Geschwindigkeit entsprechend anzupassen", erklärt Nosé.

Außerdem sollten fahrbahngetrennte Bereiche und beleuchtete Fahrbahnquerungen, bestenfalls mit Ampel bzw. Zebrastreifen, bevorzugt werden – dafür sind kleine Sicherheitsumwege lohnenswert. Auch Hunde sollten zur besseren Erkennung mit reflektierenden Leinen oder Halsbändern ausgestattet werden.

"Lampenkontrolle" am Fahrzeug

Ob Auto, Bus, Lkw oder Fahrrad – eine regelmäßige Kontrolle der Beleuchtung ist unbedingt ratsam. Defekte Leuchten sollten sofort getauscht werden. Wichtig: Auf die Lichteinstellung achten und das Abblendlicht einschalten – besonders bei Kurzzeitmiet- oder Leihautos kann das Tagfahrlicht vorprogrammiert sein – unbemerkt fährt man dann eventuell ohne Rückbeleuchtung.

Notausrüstung

Vor der Fahrt ist sicherzustellen, dass Warnwesten und Pannendreieck mit an Bord sind. Im Pannenfall sollte das Auto niemals ohne Weste verlassen und alle Lichter samt Warnblinkanlage eingeschalten werden. Zudem sollte man das Fahrzeug so weit wie möglich abseits der Fahrbahn abstellen.

Kürzere Etappen

Vor allem bei längeren Fahrten muss man bei schlechten Sichtverhältnissen Pausen einlegen, denn die Erschöpfung setzt aufgrund höherer Aufmerksamkeitsleistung viel früher ein.

Der Mobilitätsclub hat Hilfsmittel zur Erhöhung der Sichtbarkeit, wie ein Kindersicherheitsset mit reflektierenden Stickern und Klackbändern, an allen Stützpunkten parat.

Fahrzeugbeleuchtung checken

Wenn die Sicht durch kürzere Tage und Nebel immer schlechter wird, ist eine funktionierende Fahrzeugbeleuchtung besonders wichtig. Man sollte daher rechtzeitig die Beleuchtungsanlage überprüfen lassen und vor allem auf die richtige Scheinwerfereinstellung achten. 

Die Fahrzeugbeleuchtung können ÖAMTC-Mitglieder im Rahmen der ÖAMTC Licht-Überprüfung kostenlos an allen ÖAMTC-Stützpunkten checken lassen.

Mehr Informationen zu den Prüfdienstleistungen des ÖAMTC finden Sie hier.

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