Laut ist es hier, und zwar sehr. Eigentlich genauso laut wie wenige Tage zuvor in der Großstadt Kuala Lumpur. Nur dass es jetzt nicht mehr der Lärm des Straßenverkehrs mit seinen Hupen und schalldämpferlosen Zweitaktern ist, der durch die Fenster meines Hotelzimmers dringt und mich in Kombination mit einem lupenreinen Jetlag vom Schlafen abhält. Heute ist es das Zirpen der Zikaden, das Quaken der Frösche und das Rascheln der Blätter, wenn sich die Makaken von einem Baum zum nächsten hangeln. All diese Töne verschmelzen nun zu einer Geräuschkulisse, einer aufregenden, schönen, lauten, aber auch leicht bedrohlichen Sinfonie. Es ist die Sinfonie des Dschungels.

Taman Negara: Tropenwald in Malaysia
Ich bin im Taman Negara (deutsch: Nationalpark), einem rund 130 Millionen Jahre alten Urwald in Malaysia. Er war schon da, als Südamerika und Afrika noch eine verbundene Landmasse bildeten und Dinosaurier die Erde bewohnten. Hinter mir liegt bereits der erste Programmpunkt: eine Nachtwanderung, um die Tier- und Pflanzenwelt zu erkunden. Wobei es genau genommen die Kleintierwelt war, die erkundet wurde. Zwar gibt es im Taman Negara auch Tiger, Tapire und Elefanten. Wenn man aber auf dem angelegten Holzsteg durch den Tropenwald spaziert, sind es vor allem Schlangen, Skorpione und sonderbare Insekten, die einem begegnen. Eben noch blickten mich böse leuchtende Augen aus dem Dickicht an, die zu einer Spinne gehörten. Jetzt liege ich im Bett und muss an sie denken – und an den fingerbreiten Spalt zwischen Boden und Eingangstür meines Bungalows. Ich schließe meine Augen und versuche zu schlafen.

Die zwei Teile Malaysias
Malaysia also. Ich bin ehrlich: Ein konkretes Bild hatte ich vor Aufbruch meiner Reise nicht. Feucht ist’s dort und heiß, wie das eben so ist in der Nähe des Äquators. Der Staat in Südostasien ist etwa so groß wie Deutschland und setzt sich aus zwei Teilen, getrennt vom südchinesischen Meer, zusammen: Ein Teil liegt auf der Insel Borneo im Osten; er ist wilder, dünner besiedelt und eignet sich eher für den fortgeschrittenen Südostasien-Reisenden. Einsteiger wie ich werden in Westmalaysia glücklicher: Hier sind die großen Städte, mehr Zivilisation, mehr Infrastruktur. Exotische Abenteuer erlebt man auch, aber wie im Taman Negara unter geschützten Bedingungen.

Bevölkerung in Malaysia
Auf der Halbinsel im Westen leben auch rund 80 % der insgesamt ca. 35 Millionen Menschen Malaysias. Sie werden Malaysier genannt, während hingegen die Malaien jene muslimische Ethnie sind, die den Großteil (ca. 58 %) der Bevölkerung des Landes ausmachen. Devan, unser Tourguide, drückt es so aus: "Wir sind nicht alle Malaien, aber wir sind alle Malaysier." Er selbst ist übrigens Inder, sechs bis sieben Prozent machen seine Ethnie im Land aus. Daneben lebt mit 22 % auch noch eine große chinesische Minderheit in Malaysia. Der Rest entfällt auf indigene Gruppen.

Unesco-Weltkulturerbe Malakka
Malaysia ist also sehr multikulturell – das prägt auch das Stadtbild. Beispiel Malakka: Die Stadt ist Unesco-Weltkulturerbe und Namensgeber für die "Straße von Malakka". Die Meerenge verläuft zwischen Malaysia im Osten und Indonesien im Westen, über sie wird je nach Quelle geschätzt bis zu 40 % des globalen Seehandels abgewickelt. Malakka wird wegen des Flusses und der historischen Rolle als Umschlagplatz auch das Venedig des Ostens genannt, wobei ausgewiesene Lagunen-Kenner völlig zurecht anmerken würden, dass die Stadt wegen ihrer bunten Häuser am Ufer doch eher Burano ähnelt.

Jalan Tukang Emas: Eine Straße, drei Religionen
In Malakka jedenfalls liegt die Straße Jalan Tukang Emas, die auch Harmony Street genannt wird. Aus gutem Grund, denn in dieser befinden sich innerhalb von nur ca. 150 Metern ein Hindu-Tempel, eine Moschee und der älteste, noch bestehende chinesische Tempel Malaysias. Eine Kirche ist ebenfalls einen kurzen Fußmarsch entfernt: Die protestantische Christ Church wurde von den Niederländern erbaut, die das Land nach den Portugiesern, aber noch vor den Engländern kolonialisierten. Neben Kirchen ist auch Tee ein Relikt aus der Kolonialzeit.



- Die Batu Caves in Kuala Lumpur sind eine bedeutende hinduistische Pilgerstädte. © Maximilian Barcelli
- Der Cheng Hoon Teng-Tempel in Malakka ist der älteste, noch bestehende chinesische Tempel in Malaysia. © Maximilian Barcelli
- In der Putra-Moschee in Putrayaja südlich von Kuala Lumpur bekommen Touristen passende Kleidung. © Maximilian Barcelli
Ankunft in den Cameron Highlands. Das Hochland liegt auf rund 1.500 Metern Seehöhe. Hier wird Tee im kleinen Stil angebaut. Wobei Wahrheit und Wahrnehmung miteinander in Konflikt treten: Wenn ich meinen Blick über die sanften, grünen und endlos wirkenden Hügel voller Tee schweifen lasse, kann ich nur schwer glauben, dass Malaysia mit einigen Tausend Tonnen pro Jahr lediglich ein Nischenproduzent ist. Empfehlenswert: Der Besuch einer Fabrik der Firma BOH, in der man bei der Tee-Verarbeitung zusehen kann. Was die Cameron Highlands aber vor allem ausmacht und weshalb sie mittlerweile zu so einer Art Sommerfrische geworden sind, ist das moderate Klima: Rund 20 Grad sind ein angenehmer Kontrast zu der feuchten Hitze, die in der drei bis vier Autostunden entfernten Hauptstadt Kuala Lumpur herrscht.

Die zwei Seiten des Palmöls
Neben Tee und Ölprodukte – wichtigstes Unternehmen des Landes ist der Mineralölkonzern Petronas – wird in Malaysia auch ein anderes Öl produziert: Palmöl. In den 1960er Jahren erhielten Familien Häuser, Land und günstige Kredite, um Ölpalmenplantagen aufzubauen. Die Siedler zahlten die Unterstützung später aus ihren Erträgen zurück. Durch das Programm kamen viele arme Familien zu Wohlstand. Nachvollziehbar also, wenn Tourguide Devan fast ein wenig stolz über den Exportschlager seines Landes – Malaysia ist nach Indonesien zweitgrößter Produzent – spricht. In Europa hat das Öl trotz der vielfältigen Einsatzmöglichkeiten einen schlechten Ruf. Und wer durch Malaysia fährt, kann auch das nachvollziehen: Die Monokultur ist allgegenwärtig. Oder in Zahlen: Rund 17 Prozent der Fläche Malaysias sind Ölpalmen-Plantagen.



- Die Früchte der Ölpalme auf der Pritsche eines Lkw. © Maximilian Barcelli
- Der Exportschlager im Detail. © Maximilian Barcelli
- Eine Ölpalmen-Plantage in Malaysia. © Maximilian Barcelli
Kuala Lumpur: Hauptstadt mit spektakulärer Skyline
Von den Plantagen in die Hauptstadt. Was kann Kuala Lumpur eigentlich? Der Name bedeutet übersetzt "schlammige Flussmündung" und die Stadt ist – wie eigentlich alles in Malaysia – sehr grün. Hier verschmelzen Großstadt und Dschungel wirklich miteinander. Neben dem Wechselspiel zwischen Natur und City besticht "KL" durch ein kulinarisches Top-Angebot, pulsierende Nachtmärkte und eine spektakuläre Skyline. Hier steht der Merdeka 118, der zweithöchste Wolkenkratzer (679 Meter) der Welt. Mein persönlicher Favorit sind jedoch die Petronas Towers: Die Zwillingstürme sind Sitz des staatlichen Öl-Konzerns und sehen dank ihrer Beleuchtung besonders in der Nacht sensationell aus.

Strukturell erinnert mich Kuala Lumpur ein wenig an Los Angeles oder Berlin: riesengroß, wahnsinnig weitläufig und ein echtes Stadtzentrum lässt sich schwer ausmachen. Weil es mein Gehirn nicht vermag, all die Plätze, Sehenswürdigkeiten und Märkte zu einer logischen Karte zusammenzuführen, fühle ich mich im positivsten Sinne des Wortes manchmal ein wenig verloren. Abenteuer-Feeling eben.

Zurück im Dschungel: Ich schließe meine Augen und versuche zu schlafen. Obwohl der Urwald gerade zum Crescendo ansetzt, gelingt es mir. Morgen wartet eine Hügelwanderung auf den Bukit Teresek auf mich. Danach werden wir mit einem kleinen Boot flussaufwärts zu Kaskaden fahren, wo in einem dahinter liegenden Naturbecken eine herrliche Abkühlung wartet. Es wird ein guter Tag.
Meine Malaysia-Tipps
1. Die Extra-Unterhose: In Malaysia herrscht tropisches Klima. Das Resultat: Man schwitzt – und das nicht zu wenig. Eine Extra-Garnitur pro Tag ist kein Fehler.
2. Insektenspray: Dass Sie von der Giftschlange gebissen oder vom Tiger aufgefressen werden, ist unwahrscheinlich. Der Moskitostich hingegen stellt eine reelle Gefahr dar.
3. Auch wärmere Kleidung einpacken: Nicht für draußen, sondern drinnen: Malls, Züge und Lokale sind oft stark heruntergekühlt, daher ist eine Erkältung fast so wahrscheinlich wie ein Sonnenbrand.
4. Singapur: Südlich der malaiischen Halbinsel liegt der sehr wohlhabende Stadtstaat Singapur mit Highlights wie Gardens by the Bay und einem äußerst spektakulären Flughafen. Sollte man gesehen haben, wenn man schon einmal ums Eck ist. Tipp für Drinks: die Straße Haji Lane.

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